Auf nach Olympia

Schon um 8 Uhr morgens fahren wir los, ein noch kühler Wind streicht uns um die Ohren. Wir kommen gut voran und um 10 Uhr sind wir schon in Marathopoli, wo wir uns in einer Bäckerei Brot, Kaffee und Apfeltaschen kaufen. Hier hat es auch einen Camping, aber der ist geschlossen. Wir haben uns schon vorher entschlossen, nicht hier zu bleiben, der Tag ist noch lang, wir können noch gut ein paar Kilometer fahren. Es hat immer wieder Plätze am Strand, die wir zum Übernachten nutzen können. Gegen 13 Uhr ist es so heiss, dass wir auf einem Parkplatz Pause machen, im Schatten von Bäumen, der Wind vom Meer kühlt zusätzlich, aber mit der Zeit wird der immer stärker. Um 15.30 Uhr machen wir noch eine Etappe, durch Kyparissia durch. Da, fast schon ausserhalb der Stadt sehen wir einen Fahrradfahrer mit Packtaschen! Wir halten an, freuen uns, er auch. Wir plaudern kurz miteinander. Er ist Franzose und ist mit einem Segelschiff von Frankreich nach Piräus gesegelt! Und jetzt ist er auf dem Heimweg nach Frankreich! Mutig! Er übernachtet hier in der Stadt bei einem Warmshower-Gastgeber, es hat nur in drei Orten auf dem ganzen Peloponnes jemanden von Warmshower. Vielleicht treffen wir uns ja auf der Strasse irgendwo wieder!

In Kalo Nero bleiben wir am Strand, hier kommen Schildkröten her um ihre Eier zu vergraben. Von Freiwilligen werden die Nester gekennzeichnet und mit Gittern geschützt, damit die Hunde sie nicht ausgraben können. Auf dem Parkplatz stehen zwei Camper, mit deutscher Nummer. Beim Friedhof füllen wir unseren 5 Liter Wassersack, damit wir uns später duschen können. Wir bleiben etwas abseits, in der Nähe einer verlassenen Strandbar. Die Taverne ist geschlossen, es sind aber Vorbereitungen auf die(hoffentlich) kommende Saison im Gange. Martin wagt den Sprung ins Meer, mir ist der Wind zu stark. Ein paar Spaziergänger kommen vorbei, und abends, während wir unser Abendessen kochen, nochmals ein paar. Die Feuerwehr macht eine Runde, die Besitzer der Camper sitzen vor ihren Vehikeln, wir haben keine Lust zu Ihnen zu gehen. Wir geniessen den Abend, den Sonnenuntergang im Meer, und als es dunkel wird, stellen wir unser Zelt in der Strandbar auf, da sind wir gut geschützt, fast unsichtbar von der Strasse aus. Zwar hält dann noch ein Auto, junge Leute steigen aus, aber eine Frau erschrickt so, als sie uns sieht, dass alle wieder ins Auto steigen und wegfahren.
Gegen 23.30, wir haben schon geschlafen, ist plötzlich Lärm, Gerede, Lachen. Dann ein Feuerschein. Martin steht auf und „begrüsst“ die vier Jugendlichen, die da im Sand ein Feuerchen gemacht haben. Zum Glück weht der Wind von uns zu Ihnen und nicht umgekehrt, wegen den sprühenden Funken. Die Jungs haben es lustig, Martin sitzt vor dem Zelt und schaut Ihnen zu, markiert Präsenz. Wahrscheinlich hätten sie noch ein paar Paletten oder die Strohschirme, die neben der Bar daliegen, mitverbrannt, aber sie wagen es nicht, zu nahe an Martin heranzukommen. Nach etwa einer halben Stunde ist der Spuk vorbei, das Feuer heruntergebrannt und die vier trollen sich wieder Richtung Dorf.
Trotzdem kann ich danach sehr gut schlafen! Um 6 Uhr stehen wir auf, es dämmert und die Stimmung ist ganz toll. Wir packen das Zelt zusammen, machen Frühstück und Kaffee, ein schöner Tag hat gut begonnen.

Da wir nicht mit geöffneten Zeltplätzen rechnen, fahren wir einfach drauflos, auf Nebensträsschen, die Strecke ist sehr schön, es hat viele Dünen mit Pinien, das Meer ist wunderbar blau, der Strand menschenleer. Wir machen eine Fotosession, mit Kamera, Selftimer und Intervall-Auslöser. Fahrend, stehend, die Velos allein, mit uns, mit Helm, ohne Helm, etc….Treffen einen Franzosen (schon wieder, dieser ist aber älter, schon 77, mit grossem Camper, er verbringt seit 30 Jahren den Winter immer in Griechenland, auch dieses Jahr!)

wer ist da wohl entlang gelaufen?

Die Mittagspause verbringen wir in der Nähe eines ehemaligen Stellplatzes für Wohnwagen, direkt hinter der Düne, im Schatten von Pinien. Trostlos, dieser Platz, alle Häuschen sind leergeräumt, überall Dreck drin, zerrissene Matratzen, Lumpen, Abfall. Was ist da wohl passiert, dass der Betrieb eingestellt werden musste? Solche Erlebnisse lassen uns sehr nachdenklich werden. Das Land wurde von einer grossen Krise gebeutelt, hat vor allem die kleinen Leute getroffen, und die Folgen der Coronakrise sind noch nicht absehbar.
Im späteren Nachmittag geht’s noch ein paar Kilometer weiter, in einem Wald an einem See suchen wir uns ein verborgenes Plätzchen, wo wir unser Nachtlager vorbereiten. Nur ein Auto fährt dem Waldweg entlang, hält aber weiter vorne. Wir bemerken erst am nächsten Morgen, dass dort wahrscheinlich ein Platz ist, wo sich Verliebte im Auto vergnügen. Warum wir das sehen? Der Platz ist vollgemüllt mit Feuchttüchlein und Papiertaschentüchern. So schade! Man könnte den Abfall ja mitnehmen und im nächsten Container entsorgen! Aber das wissen wir ja schon vom Müll am Strassenrand: da wird einfach alles zum Fenster rausgeworfen. Wasserflaschen, Kaffeebecher mit dem Plastikhaubendeckel, Bierdosen, Colaflaschen, etc. Noch in 1000 Jahren werden unsere Nachfahren diese Sachen finden!

Die Nacht ist ruhig, nur zwei Motorradfahrern, jagen auf ihren Maschinen auf Hochtouren durch den Wald, veranstalten ein paar Wettrennen, hin und her. Auf dem See, der hinter dem Schilfgürtel versteckt ist, tuckert ein Motorboot vorbei, im Morgengrauen noch einmal, da sind wir schon am Packen und Frühstücken. Heute fahren wir nach Olympia, diese Ausgrabungsstätte will ich besuchen. Hier hat Martin auf dem Camping Diana angerufen, er ist offen. Gut! Wir treffen im Städtchen ein, es ist ruhig, hat aber doch ein paar Leute auf der Strasse und wir setzen uns in ein Cafe, die Fahrt hat uns erhitzt, es ging ein paarmal recht steil bergauf. Wir werden superfreundlich bedient, bekommen zum frischgepressten Orangesaft und dem alkoholfreien Bier eine Flasche Wasser und Chips! Und sofort das Passwort für WLan. Auf dem Camping erfahren wir, dass wir die ersten Gäste im 2020 sind! Die Broschüre stammt von anfangs der 80er Jahre, der Camping auch! Die Terrassen im oberen Bereich sind nur zu Fuss erreichbar, also nur für Zeltler! Wir suchen uns einen Ganztages-Schattenplatz aus, trotz des Alters der Anlage gefällt es uns auf Anhieb sehr gut. Die 82jährige Grossmutter des Besitzers wohnt im Häuschen auf dem Platz, sie war die Mitbegründerin des Platzes.

das Begrüssungsquartett
die Broschüre aus den Anfängen des Campings

Wir bleiben ein paar Tage. Einen Tag verbringen wir auf dem Ausgrabungsgelände, riesige Brocken liegen da herum. Mit einem Plan können wir uns orientieren und finden dank Wikipedia viel über die Paläste und Tempel im Ort heraus. Auf dem Gelände sehen wir nur zweimal andere Besucher, dafür aber viele Aufseherinnen, die uns mit Argusaugen beobachten. Als wir mit unserem Stativ ein paar Fotos machen, kommt eine der Frauen zu uns und informiert uns, es sei verboten, professionelle Fotos zu machen, das brauche eine spezielle Bewilligung. Aha, unsere Kamera soll also eine Profikamera sein? Sie auf einen Steinblock hinstellen, das dürfen wir, und so haben wir trotzdem ein paar Selfies. Das Museum lassen wir aus, die vielen Statuen interessieren uns weniger. Einmal spazieren wir durch die Hauptgasse, da hat ein Laden mit Kleidern offen, vielleicht hat es einen Leinenrock? Ja sogar ein paar, aber alle sind mir zu gross und am Schluss haben wir ein schlechtes Gewissen, dass wir nichts kaufen. Die beiden Frauen haben sich eine solche Mühe gegeben, uns etwas zu verkaufen!

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