Benidorm, das Nueva York de España!

Freitagabend: mit Fran und seiner Frau Marie-Carmen nach Benidorm, dem „Ghetto-Paradies“ der klimaflüchtigen Engländer und anderen Nordländern. Wir sind etwas skeptisch, aber schon vor einiger Zeit hat uns jemand erzählt, im Winter sei das total verschieden von dem, was im Sommer da passiert: Benidorm, das Ziel der Billigst-Touristen, die am liebsten nur in den Bars rumhängen und trinken bis sie umfallen. Vielleicht auch noch ein paarmal am Strand zu liegen, damit man etwas Bräune (oder Röte) mit nach Hause nehmen kann. Aber da muss man früh dran sein, sonst hat es keinen Platz mehr im Sand. Da liegt Strandtuch an Strandtuch, Sonnenschirm an Sonnenschirm, und das Meer fast nicht erreichbar…und eine Hitze…
Im Winter sind die Rentner und Frührentner da und froh, dass es etwas wärmer ist als zuhause in England, Norwegen, Schweden oder irgendwo aus dem kalten Norden. Sie geniessen das Leben, die Wärme, sei dies mit einsamen kilometerlangen Strandläufen, (einfach nur Richtung Meer schauen, auf der anderen Seite ist es nicht sooo einsam…) und eben auch dem Nachtleben, dem guten günstigen Essen,…
Was wir da alles sehen, ist wirklich eine Welt für sich:
Wir hören hier fast nur Englisch!
Das Durchschnittsalter auf der Strasse: 70+. Unsere Anwesenheit zieht es weit hinunter, obschon Fran schon über 60 ist.
IMG_0635 IVVor den Bars stehen neben den Motorrädern Elektro–Roll-Fahr-Ftühle, für Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuss sind, sich aber trotzdem einen Drink gönnen möchten. Es gibt Ein- und sogar Zweiplätzer, man kann sie mieten, von einem Tag bis zu einem Monat oder länger…
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Benidorm ist das New York von Spanien, jede Menge Wolkenkratzer bis zu 40 Stöcke hoch, auf einer riesigen Fläche. Als Fran 1970 das erste Mal da war, stand noch kein einziges dieser Hochhäuser, nur ein kleines Fischerdorf auf einem Felsen zwischen zwei kilometerlangen, unberührten Stränden,….ob es wohl Fotos gibt aus dieser Zeit? Hier in Alicante hatte es eine Ausstellung mit Fotos aus alten Zeiten, eines von Playa San Juan, da war gerade mal eine Fischerhütte und weiter hinten ein Bauernhaus zu sehen, sonst nur Strand und Dünen.

Wir haben viel vor: zuerst flanieren wir zwischen den Häusern durch zum Strand, diesem entlang bis zum ehemaligen Fischerdorf, das heute Fussgängerzone mit Läden und vielen Bars und Restaurants ist. Hier genehmigen wir uns ein paar Tapas in ein paar verschiedenen Bars, mit Bier und Wein, damit der Bauch schön gefüllt und nicht mehr reklamieren muss.
IMG_0634 IVMit dem Taxi geht’s dann zurück zu einer Musik-Bar, wo Elton John singt. (sein Double). Als wir da eintreten, ist das Konzert schon voll im Gang in einer Lautstärke, dass ich mir mal Stückchen von meinem Papiertaschentuch in die Ohren stopfen muss. Schreiend bestellen wir beim Kellner etwas zu trinken und nehmen Platz, um die letzten Songs zu „geniessen“. In der Pause muss ich mal, und beim Aufstehen bemerke ich, dass mein Sessel ziemlich nass gewesen ist, ich bin bis auf die Haut nass, wääääh. (im ersten Augenblick denke ich, hoffentlich war das nicht so ein/e alte/r Betrunkene/r, der/die sich in die Hosen gemacht hat) Aber zum Glück ist es warm, sehr warm für die Jahreszeit, und meine Hosen aus raschtrocknendem Material, sind schnell wieder angenehm und riechen eher ein bisschen nach Bier… Tia, wofür diese Reisebekleidung nicht alles gut ist! Die nächste Darbietung verlassen wir einvernehmlich nach etwa 15 Minuten, viel zu laut singen 2 Frauen Songs von ABBA, aber die Stimmen zur Musik sind meist ein Viertelton zu tief – es ist grausam! Sogar mit Papier in den Ohren!
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Wir wechseln ins „Rock and Roll House“ und kommen da in den wirklichen Genuss von zwei sehr guten Musikern und Showmen. Da werden berühmte Musiker und Songs des alten Rock´n roll imitiert und gesungen, dazu darf getanzt werden, was die Gäste rege nutzen. Uns fällt ein Paar auf, das ganz im Stil der 50er? Jahre, dazu im Partnerlook gekleidet ist und bei flotten Rhythmen tanzt wie Profis! Die Frau hat einige Kilos zu viel auf den Hüften, und ist nicht mehr so gut zu Fuss, aber das merkt man nicht, wenn sie am Tanzen sind, erst wenn sie sich nach dem Tanz zu ihrem Platz zurück geht und sich regelrecht auf ihren Stuhl wirft. Ich habe Respekt vor diesem Paar, beide viel älter als wir. Auch an einigen anderen Tischen amüsieren sich Leute, lachen und tanzen, alle sind fröhlich, und viel, viel älter als wir, es ist schon längst Mitternacht vorbei.

vlcsnap-495 IVDiese alten Leute, die hier machen was sie wollen, das Leben geniessen, passend oder nicht, das hat bei mir einige Gedanken ins Rollen gebracht, die versuche ich hier aufzuschreiben.
Zuerst hatte ich das Gefühl, das geht doch nicht, in dem Alter noch über die Stränge zu schlagen, gehört sich doch nicht! Fast ein wenig abschätzig dachte ich über diese Menschen. Dann aber doch, klar, alle haben das Recht, sich zu vergnügen, das zu machen, wozu sie Lust haben, auch wenn es andere vielleicht stört, oder sie denken, dass es sich nicht mehr gehört, nicht zum Alter passt.
Ich habe, glaube ich, vorher noch nie ältere Menschen kennengelernt, die so einfach machen was sie wollen, ohne sich drum zu kümmern, was die anderen sagen!

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