Jetzt geht es Richtung schottische Grenze

dsc_3959-ivWir verlassen Stockton-on-Tee Richtung Durham, ein Städtchen, das  wir besuchen wollen. Die Fahrt geht flott, es ist wieder ein ungenutztes Eisenbahntrassee, es ist sogar eine Internationale Route von Eurovelo, Nr.12, aber es hat kaum andere Velofahrer.
Durham ist ein schönes Städtchen, mit einer riesigen Kathedrale und einem Schloss daneben, mitten auf dem Hügel! In die Stadt zu kommen gestaltet sich etwas schwierig, da eine Umleitung besteht, der Weg entlang dem Ufer des Flusses ist geschlossen. Später erfahren wir, dass der Fluss den Weg weggespült hat und schon seit zwei Jahren nicht mehr genutzt werden kann. Und man noch keine Lösung gefunden hat!
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Wir müssen deshalb einer Hauptstrasse entlang, dann über eine Fussgängerbrücke und ziemlich steil den Hügel runter, um ins Zentrum zu kommen. Hier machen wir eine Pause, suchen die Tourist-Information auf, um Infos über die Campings in der Umgebung zu erhalten. (wir wollen nicht vor geschlossenen Türen stehen!). Wir erhalten  drei Adressen mit Telefonnummer, und Martin ruft an. Der am Fluss unten, beim Ruderclub, nur ein Kilometer entfernt, nimmt keine Zelte! Der Zweite, etwa 3Kilometer ausserhalb der Stadt ist ein Caravan-Club, der will 27,5 Pfund! Sie seien halt ein Club, deshalb! Keine Reduktionen für ein kleines Zelt! Der Dritte ist 7Kilometer auf einer A-Strasse, Strawberry-Hill-Campsite, wirklich ein stotziger Hill, und hier bezahlen wir dann auch 22 Pfund! Der mann dort kann mir eine Erklärung geben, warum viele Zeltplätze keine Zelte nehmen: Da seien Gruppen von jungen Männern gekommen, Freitagabend, mit viel Bier im Gepäck, die hätten dann die anderen Gäste gestört und vielleicht auch noch Toiletten verunreinigt oder sogar zerstört. Das mag ja eine Erklärung sein,  aber deshalb gerade alle Zeltler abzuweisen? Nun, hier sind zwei Familien auf dem Feld und wir stören einander gar nicht!
dsc_3970-ivdsc_3979-ivAm nächsten Tag ist wunderbares Sommerwetter. Noch einmal müssen wir durch das Städtchen, vom Zentrum aus ist die Route auch geschlossen, aber ein Mann von der Stadtverwaltung hilft uns. Er zeigt mir den Weg auf meiner Offline-Karte. Etwas später, wir sind gerade an einer Kreuzung, steht er wieder da, mit dem Auto, zeigt uns, wie es weiter geht! dsc_3960-ivWir sind voll erfreut über solche Hilfe, und er begleitet uns, bis er mit dem Auto nicht mehr weiter kann, da es auf dem Eisenbahntrassee weitergeht! Hier ist die Fahrt  ist schön und gemütlich, langsam geht’s hinauf, und dann, wie überall, auf der anderen Seite wieder in ein anderes Tal hinunter.
Unterwegs haben wir viele Gespräche: mit einem jungem Velofahrer aus Durham, mit einem Polizist, der in voller Montur zu Fuss auf dem Weg unterwegs ist und mit einem älterem Velofahrer, der ein „Gap-Year“ macht, welches schon 4,5 Jahre dauert!!!
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Auf dem nächsten Zeltplatz stehen wir neben einer rauschenden Kläranlage, die ein Düftchen hat, das man lieber ignoriert! Hier hatten wir eigentlich reserviert für die Bank-Holidays, aber da wir nun schon am Mittwoch da sind, „cancele“ ich diese Reservation, das die Dame nicht so gerne hat, da ich ja keine Vorauszahlung gemacht habe und sie jetzt Geld verliert. Dass sie andere Leute abweisen musste, glaube ich kaum, unser Platz ist ja wirklich nicht gerade das Gelbe vom Ei, wo man drei Ferientage verbringen möchte!!!
dsc_4001-ivDann geht es wieder im Regen weiter, in der Nacht hat es angefangen. Wir fahren jetzt auf der „Hadrians Cycle-route“, da könnten wir gerade wieder an die Westküste radeln. Aber wir wollen nicht so weit, am Nachmittag wird es noch viel mehr regnen und wieder Wind haben.
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Diese Bilder zeigen wieder einmal, wie wir unsere Fotos machen. Seit einiger Zeit haben wir das Problem, dass unser Stativ nicht mehr funktioniert. Wir müssen nun immer einen Pfosten oder etwas suchen, wo wir die Kamera draufstellen können.
Wir campieren in einem alten Park, auch der hier ist eigentlich nur für Caravan-Club Mitglieder, mit all diesen Plastik-Häuschen, es hat aber eine Wiese wo man Zelte aufstellen kann, einem schönem Unterstand mit Bänken und Tischen, die ganz praktisch sind wenn es regnet. Das Huhn besucht uns ab und zu, erhofft sich wohl ein Körnchen von uns.
dsc_3996-iv dsc_3994-ivWir erreichen  am Freitag Bellingham wo wir die Bank Holidays verbringen wollen, ruhig und friedlich, mit einigen  Läden und ohne Strassenkampf.
img_1124-iv dsc_4007-ivimg_1131-ivAm Samstag findet hier ein Country Show Festival statt, deshalb ist der Camping voller Zelte und Leute. Aber wir haben auch reserviert und dürfen uns niederlassen. Ich freue mich auf die paar Tage mit Schreiben, Lesen, Schlafen und  Leuten reden. Leider hat es wieder mal kein Wifi, und kaum Telefonnetz, also keine Möglichkeiten, Mails oder einige Whatsapps mit Fotos zu versenden.
Es ist nämlich so: Hier in England gibt es ausser dem 3G, das Datentransporte übers Telefonnetz erlaubt und  wunderbar funktioniert, so etwas, das sich GPRS nennt, furchtbar langsam ist und kaum ein Whatsapp verschicken geschweige denn die Wetter-App oder eine Webseite öffnen kann!
dsc_4008-ivWir richten uns gemütlich ein und bald haben wir zwei Nachbarn, Wanderer, die unterwegs sind auf dem Pennine-Walk. Der Abend wird lang und immer kälter, der Himmel ist ganz klar und wir sehen alle Sterne! Sogar die Milchstrasse! In der Nacht muss ich mir zuerst den Faserpelz um den Bauch wickeln und dann auch noch in die Daunenjacke schlüpfen, es ist sooo kalt! Auch Martin muss die Daunenjacke in den Schlafsack packen, da er kalte Füsse hat.
dsc_4017-ivDer nächste Tag ist schön, wir spazieren durch das Dorf und dann zur Wiese auf welcher das Country-Festival stattfindet. Da sind Stände wo man essen kaufen kann und als wir ankommen ist gerade grosse Pause. Da wir kein Programm erhalten was denn noch geboten wird, verzichten wir, die 14 Pfund Eintritt zu bezahlen, und spazieren wieder zurück.
In der Nacht beginnt es stark zu regnen, und wir beeilen uns nicht, aufzustehen. Aber wir staunen nicht schlecht als wir dann endlich den Reissverschluss öffnen: mindestens die Hälfte der Zelte sind weg! Und vorne bei den Abfallkübeln stapeln sich Berge von Zeltstoffen. Da haben es sich einige ganz einfach gemacht und ihr nasses Zelt einfach entsorgt! Anstatt es nach Hause zu nehmen und zu trocknen. Man kann ja nächstes Jahr wieder ein neues Zelt kaufen im Supermarkt, das ist einfacher! Diese Mentalität gefällt uns gar nicht. Martin spricht noch mit dem Bauern und der bestätigt, dass es jedes Jahr am Festival solche Leute gibt, die alle ihre Sachen da lassen. Er könne da nichts machen. Auf einem anderen Camping habe ich gelesen: Please don’t leave your tent and camping material at the campsite, und ich dachte das sei ein Witz!
dsc_4013-ivAm Nachmittag wird es wärmer, aber der Himmel wird nicht mehr so klar und kalt wie in der ersten Nacht. Da sind wir aber froh, es ist schliesslich noch August!
dsc_4030-ivAm Montag verlassen die Letzten Zelte den Platz, und wir sind mit einem Wanderer die einzigen, die noch eine Nacht hier bleiben.

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