Umweg

DSC_2219 IVAuf einer Via Verde haben wir Daniel und Chelo getroffen, er mit Anhänger und Kind drin, was zu erstauntem Ausrufen bei uns führt, bei ihnen unsere Ladung Gepäck, die wir mitführen. Wir halten an, sprechen ein wenig miteinander spanisch, dann fragt Dani: seid ihr Schweizer? Er hat unseren Homepage-Kleber auf den Rädern gesehen!
Schnell sind er und Martin in ein Gespräch über Fahrräder vertieft, er erklärt seinem Sohn Manuel einige wichtige Details, und ich erfahre von Chelo, dass nächste Woche in Sevilla die grösste Flamenco-Feria in Andalusien ist! Das heisst: viele Leute, die Stadt wird überflutet von Menschen, die an diesem Fest teilnehmen wollen.
Chelo ist Lehrerin an der Grundschule in Arcos de la Frontera, wir haben sofort viel Gesprächsstoff! Die beiden Kinder wollen schlussendlich weiter, Chelo lädt uns zu sich nach Hause ein und wir tauschen Telefonnummern aus. Arcos ist zwar nicht gerade auf unserer Linie nach Sevilla, aber die Feria gibt uns zu denken. (viele Leute bedeutet auch weniger Platz auf den Campings oder in den Pensionen überteuerte Preise,…mal schauen. Wir könnten ja auch zuerst nach Arcos, dann nach Cadiz und dann nach Sevilla…? Wir müssen nichts, können uns jederzeit umentscheiden!DSC_2212 IVDSC_2218 IVDSC_2221 IV   Das Wetter ist wunderschön, die Via Verde auch, ganz tolle Strecke, und weil Samstag ist, sind wir auch nichtganz  allein, was uns gar nicht stört. Die vielen Ausflügler beweisen uns, dass Velofahren etwas ist, das in Spanien so langsam ins Bewusstsein kommt und Spass macht, und von da ist es dann nur ein kleiner Schritt, das Velo auch im Alltag zu benutzen.DSC_2225 IVGegen Abend suchen wir ein Plätzchen zum Campen, was uns einige Zeit kostet, zuerst schauen wir etwa vier Plätze an, der erste wäre zwar ideal, aber es hat einfach zu viele Leute da, es ist ein Picknickplatz und es stehen sogar zwei Camper da, die vielleicht hierbleiben, der nächste ist zu nahe am Weg, beim andern nicht genug flacher Platz vorhanden und zuletzt einer, da kam vor kurzem eine Ziegenherde vorbei, die vielleicht diesen Abend zurückkommt? Und wir dann mitten drin stehen,…DSC_2239 IVDSC_2224 IVAber dann endlich haben wir Erfolg, zwischen Büschen hat es abgefressenes Gras und flach ist es auch einigermassen. Zuerst kochen wir unser Abendessen, falls jemand vorbeikommen sollte, und erst beim Eindunkeln stellen wir das Zelt auf. Es ist doch nicht ganz so eben wie wir gedacht haben, Martin hat am nächsten Morgen einen steifen Nacken vom schräg liegen!DSC_2228 IV
Der nächste Tag ist bedeckt, dicke Wolken ziehen über den Himmel, aber der Regenguss kommt erst, nachdem wir unser Zelt abgebrochen haben und an der Endstation der ViaVerde einen Kaffee trinken, den Regen lassen wir vorbeiziehen.DSC_2243 IVDSC_2244 IV Bei kühlem Wind und etwas Nieselregen fahren wir durch schöne Landschaft Richtung Arcos de la Frontera. Unterwegs sehen wir das erste Mal eine richtige Schweineherde auf der Weide, Die haben aber wirklich Schwein gehabt! DSC_2245 IV

Angekommen in Arcos, werden wir herzlich von Dani und Chelo empfangen. Alle unsere nassen Sachen dürfen wir aufhängen, sogar für das Zelt hat es Platz, und dann unter die Dusche. Chelo ist am Nähen, sie macht viele Kleider für die Kinder.
Dani zeigt Martin alle seinen technischen Sachen, er fährt neben dem Velo auch Einrad, hat einen Solargrill selber zusammengebaut und einen Solar–Backofen „erfunden“!

DSC_2258 IVAm nächsten Morgen nimmt uns Chelo mit in ihre Schule, die zuoberst im Städtchen neben der Kirche liegt, im Gebäude eines ehemaligen Klosters. (was für ein Schulweg! das ist Fitness pur, und wenn ich an die Temperaturen im Sommer denke,puh!)  DSC_2247 IVIn ihrer Klasse lösen wir bei den Schülern Staunen und Ungläubigkeit aus, als wir von unserer Reise mit dem Velo erzählen.
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Danach spazieren wir durch das Städtchen, das hoch auf einem Felsen in einer Flussschlaufe thront. (fast wie Bern, aber trotzdem nicht wie Bern,…) Weisse Häuser, eng aneinander gebaut, die Strässchen so steil und eng, dass eigentlich niemand mehr hier wohnen will, ausser einigen Fremden, die sich ein Haus gekauft haben und jetzt für die Touristen Zimmer anbieten, und die Alten, die schon immer da gewohnt haben. So sehen wir verfallende Häuser, geschlossene Läden neben schön renovierten Pensionen oder Hostals.
Was mir besonders gefällt, sind die Innenhöfe, die man manchmal bei geöffneten Eingangstüren sehen kann. Oft sind Pflanzen, schöne Gitter oder gemütliche Nischen zu sehen.DSC_2248 IVDSC_2249 IV DSC_2250 IV

DSC_2254 IVIn diesem Quartier, auf der anderen Seite des Flusses wohnen Chelo und Dani mit ihren Kindern.
Wir erfahren später am Nachmittag von Dani und seiner Frau viel über Familienverhältnisse und die versteckte Armut in Spanien, darüber, dass zwar viel Auto gefahren wird, aber die Autos nicht mehr gewartet werden, Versicherungen nicht bezahlt und nur für 10 oder 20 Euro getankt wird, weil gerade nicht genug Geld da ist. Wie die Leute wohnen, sehen wir auch nicht, oft leben ganze Familien in einer kleinen Wohnung bei den Grosseltern, deren Wohnung die einzige bezahlte ist, und leben vom Verdienst eines einzigen Familienmitglieds, das für 400-500 Euro pro Monat arbeiten geht. Solange Kinder da sind, gibt der Staat etwas Geld, trotzdem sind diese Menschen froh, wenn die Kinder in der Schule gratis essen können. Ja es ist nicht einfach hinter die „Kulissen“ zu sehen, auch hier versuchen die Menschen, so wenig wie möglich von ihrer Armut zu zeigen.
Da kommt mir gerade dieses Plakat in den Sinn, das wir schon öfters in den Städten gesehen haben:DSC_2361 IV

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