An die Nordsee

Zum Voraus muss ich doch wieder einmal schreiben, dass ich mit etwa einem Monat Verspätung die Berichte veröffentliche. Ich brauche Zeit zum Schreiben, dann zum Fotos zusammenstellen und nicht zuletzt zum alles auf die Homepage hochzuladen und alles in die richtige Form zu bringen. Da wir für diese Reise den Laptop zuhause gelassen haben, mache ich alles auf dem Tablet. Vor allem die Webseite ist etwas schwierig zu bearbeiten. Deshalb gibt’s heute einfach zuerst Text und dann die Fotos. Ich hoffe es gefällt euch trotzdem!

Verschiedene Übernachtungsplätze und etwa zwei Wochen später erreichen wir Anfangs Juli die Nordsee! Wahnsinnig! Wir sind doch immer wieder erstaunt wie schnell man mit dem Fahrrad solche Strecken zurücklegen kann!
Klar, es hat wenig Steigungen den Flüssen entlang, wir bleiben unserem Motto treu. Die Fulda fliesst einige Kilometer nach Kassel mit der Werra zusammen, und von da an fahren wir an der Weser. Sie begleitet uns nun bis nach Bremen. Wir fahren durch malerische Städtchen, essen Eis oder andere Leckereien aus einer Bäckerei. Und manchmal müssen wir uns auch über die neuestens Modetrends informieren. Dann wieder wechseln wir mit einer Fähre auf die andere Seite des Flusses. Von denen hat es hier immer wieder welche, manchmal nur für Fussgänger und Radfahrer, manchmal auch solche, die ein paar Autos transportieren können.

In Rinteln (schon mal gehört?) einem sehr hübschen Städtchen, bleiben wir einen Tag auf einem Kanu-Campingplatz, wollen den Regen abwarten (der dann doch nicht so richtig kommt) und besuchen eine interessante Ausstellung über die Hexenverfolgung in der Region.

Wir beschliessen, dem Wetterbericht nicht mehr so viel Beachtung zu schenken, da es meistens nicht so ganz stimmt, was da gemeldet wird. Bei schönem, warmem Wetter pedalen wir, machen Pausen unter den Bäumen, gehen auch mal baden, und finden meistens schöne Plätze zum Übernachten.
Einmal überrascht uns dann doch ein Regenguss, der zwar angekündigt war, die Wolken sprachen auch eher dafür, aber wir wollten doch noch ein bisschen weiter…bei einer Schleuse finden wir eine Picknick–Hütte, wo wir uns häuslich einrichten, einen feinen Apèro von Antonia geniessen und dann kochen, es regnet ja immer wieder. Als es endlich aufhört, spazieren wir der Strasse entlang, auf der Suche nach einem Zeltplatz, aber da ist nichts Passendes zu finden. Nur neben dem Parkplatz hat es ein kleines Rasenstück, gross genug für ein kleines Zelt, und hinter einem Busch passt gerade knapp unser Zelt hin. So stellen wir in der Dämmerung unsere Zelte auf, es hatte ja kaum Verkehr hier. Es ist mir schon nicht so geheuer, hier zu schlafen, aber wir mochten auch nicht mehr wieder alles einpacken und weiterfahren. Ausser einem Auto, das irgendwann nachts auf den Parkplatz fährt, hier wendet und wieder wegfährt, passiert aber nichts. Trotzdem packen wir früh unsere Zelte zusammen, machen aber doch noch Yoga auf dem Platz. Ein Mitarbeiter der Schleuse geht vorbei und winkt nur ab, als wir erklären wollen warum wir hier übernachtet haben. Kein Problem!
Und nun erreichen wir Bremen, bald sind wir an der Nordsee! Schöne grosse Segelschiffe ankern da, Ebbe und Flut sind richtig bemerkbar! Wir erkunden ein bisschen die Innenstadt, finden die Bremer Stadtmusikanten und besuchen den Bremer Dom, der mich von innen an das Berner Münster erinnert.
Wir zelten bei einem Ruderverein, Antonia hat nach einigem Verhandeln einen Deal gemacht, wir dürfen eine Nacht hier stehen, (sonst dürfen das nur Ruderer), dafür gehen wir im Restaurant essen. Das passt, und das Essen ist sehr gut!
Nach dem Frühstück in einer Kaffeebar trennen wir uns für die Weiterfahrt, ich bin eine eher langsame Fahrerin, was manchmal etwas mühsam wird für alle. So machen wir einen Punkt ab wo wir uns wieder treffen, diesmal bei einem Einkaufszentrum, wo wir fürs Abendessen einkaufen. Und Martin kauft eine neue Pfanne, da sich wieder mal die innere Beschichtung löst, was ja nicht gerade gesundheitsfördernd ist.
Mit der Fähre noch über die Weser und auf einen Camping, der direkt an der Weser ist. Der Platz ist ziemlich leer, wir dürfen uns irgendwo niederlassen, ein grosser Baum in der Nähe garantiert für den Morgen Schatten, was jetzt wichtig wird, da eher warme Temperaturen angesagt sind.
Bis zum ersten Hafenviertel von Bremerhaven fahren wir zusammen, dann „muss“ Antonia Fisch essen, Uns vermag es nicht zu verlocken und wir fahren weiter bis mittendrin, wo wir uns einen Seemannsknoten (Brezel) genehmigen. Zum Glück, die Fahrt durch den, oder besser gesagt, die nächsten Hafenanlagen wird lang! Wir staunen, was da alles transportiert wird! Und wie Viel! Irgendwie schleudert sich uns da gerade eine andere Wirklichkeit entgegen! Was sind wir für Glückspilze, dass wir hier nur durchfahren können, und nicht tagtäglich hier arbeiten müssen.
Und dann plötzlich sind wir wieder auf dem Land, Kühe auf der Weide, ein verschlafenes Dorf, Heu auf dem Radweg. Jetzt sind wir am Deich, mal oben, mal unten, die Mittagshitze drückt. Wir haben abgemacht bei einem Camping, wo daneben auch ein Badestrand ist, aber als wir ankommen, sehen wir, dass da null Schatten ist! Den Badestrand muss man bezahlen, Sonnenschirme gibt’s aber keine. Wir fahren hinter den Deich, da ist noch ein Camping, mit ein paar Bäumen, aber Schattenplätze kann uns die Dame keine anbieten. In der Not basteln wir uns einen Unterstand mit unseren Schlaftüchern. Wir peilen hier Campinplätze an, weil fast das ganze Ufer, und auch hinter dem Deich alles Naturschutzgebiet ist. Hier beginnt das Meer, obschon, oft ist da gar kein Wasser, die Schiffe liegen schräg im Schlick und warten auf die Flut. Die aber manchmal auch ziemlich heftig kommen kann, was uns ein Mast zeigt, wann und wie hoch die schlimmsten Überschwemmungen waren. Wir geniessen hier am kleinen Hafen von Wremen ein Bier mit dem Sonnenuntergang!
Am nördlichen Zipfel, da wo die Elbe ins Meer fliesst, stossen wir so richtig auf den Sommertourismus! In Duhne gibt es mehrere Campingplätze und es tummeln sich viele Leute im kleinen Zentrum des Ortes. Wir checken bei einem Camping ein, zwei Plätze hat er noch für eine Nacht, vorne an der Strasse und hinten. Wir beachten nicht, dass da eine Gruppe junge Männer ihre Zelte aufgeschlagen haben, erst als wir sehen, dass sie einen Anhänger mit einer Bierzapfanlage dabeihaben, kommen etwas Bedenken auf, ob der Abend wohl ruhig wird. Aber die Zelte stehen schon und wir wollen auch bummeln gehen. Es ist wieder etwas kühl geworden, ein starker Wind pfeift um die Ecken. Martin und ich verziehen uns in eine Pizzeria, die beiden anderen wollen noch den Strand erkunden.
Ja und wie wir bei Dämmerung zurückkommen, ist die Stimmung bei den Nachbarn hörbar gestiegen, und damit auch der Lärmpegel. Neben der Bieranlage ist jetzt auch eine Musikanlage in Betrieb, die dröhnt und wummert mit einer Lautstärke wie an einem Festival. Und die „Herren“ singen schon laut mit, Erinnerungen an die Nacht da bei dem Dorffest werden wach.
Kurz gesagt die Nacht ist ein Desaster! Antonia geht etwa um 23. Uhr an die Rezeption des Hotels, wo der Camping dazugehört, aber ausser bedauernde Worte passiert nichts. Andere Nachbarn beschweren sich mit lautem Rufen, „hei Nachtruhe“, was bewirkt, dass noch lauter geschrien und gegen eine Wand gehauen wird. Gegen 2Uhr morgens endlich ziehen sie alle ab, mit Gegröle verlassen sie den Platz. Ist wohl das Bier alle?
Morgens sind wir alle etwas gerädert, wie geht’s wohl den Herren nach dem Suff? Als einer vorbeiläuft als wir packen, „bedanke“ ich mich für die nette Nachbarschaft…
Nun haben wir Verschiedenes entschieden: Hamburg lassen wir rechts liegen, ein andermal vielleicht besuchen wir die Grossstadt, und zusammen wollen wir noch bis nach Kiel, an die Ostsee fahren, danach werden die zwei sich Richtung München aufmachen, währenddessen wir vielleicht noch der Ostsee entlang fahren, oder Richtung Dänemark? Oder?

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