Apulien

Mit  über zwei Stunden Verspätung kommen wir in Bari an. Genau um die Mittagszeit fahren wir aus dem Hafen, wir haben uns entschieden, Richtung Süden zu fahren, und uns auf einem Zeltplatz anzuklimatisieren. Lange fahren wir durch die Vororte von Bari, mal sind sie luxuriös, mal ganz heruntergekommen, sogar eine Zeltsiedlung sehen wir am Strassenrand. Das Meer hat schon viel zerstört, wir sehen kaputte Häuser und verwilderte Gärten. Auch die Strasse zeigt viele Schäden, die sicher von den letzten Unwettern mit hohem Wellengang im Winter stammen.


Eigentlich suchen wir ein Schattenplätzchen, um eine Pause zu machen. Endlich finden wir ein paar Pinienbäume, mitten in einem Wohngebiet, in einem Kreisel, der zwar asphaltiert, aber dafür mit Bank im Schatten ausgestattet ist. Hier picknicken wir, beobachten den Verkehr und werden begutachtet von den Autofahrern.
Ein älterer Mopedfahrer fährt vorbei, wir winken ihm zu, sein Moped ist mindestens so alt wie er. Etwa eine halbe Stunde später tuckert er wieder heran, hält an, fragt in Englisch nach dem Woher und wohin, erzählt, dass er früher auch gereist sei, mit dem Caravan. Jetzt, mit 74 sei er zu alt…
Auch die Motorradfahrer grüssen uns, mit dem Daumen hoch.
Und, es hat wieder Velofahrer unterwegs, die normalen, die zum Einkaufen oder zur Arbeit unterwegs sind, oder die Rennradfahrer: fast alle grüssen und freuen sich, uns zu sehen.
Ein Rennvelofahrer überholt uns, drosselt das Tempo, und beginnt während der Fahrt mit uns zu plaudern, sagt, das sei sein Traum, einmal so wie wir unterwegs zu sein, aber eben, die Familie und die kleinen Kinder,… ja auch wir hätten Kinder und die sind dann auch mal gross geworden und nun sind wir am Reisen…
In einer Stadt, an einem Rotlicht, öffnet sich neben mir ein Autofenster, drinnen eine ganze Familie, der Fahrer fragt mich aus Spass nach der Uhrzeit, auch er will mit uns plaudern! Ich überlege, wie man viertel vor Fünf auf Italienisch sagt, da lacht er, will wissen, woher wir kommen. Della Svizzera, und da staunen sie. Während dem Gespräch hat die Ampel auf Grün geschaltet, die Autofahrer hinten dran warten geduldig, bis wir uns verabschiedet haben! Solche Begegnungen hatten wir schon lange nicht mehr.
Meine Karte zeigt viele Campingplätze auf der Strecke an, aber bis Monópoli finden wir keinen, sie wurden umgewandelt in Bagni und Lidos, das ist wahrscheinlich lukrativer als Zeltplätze. Die Strände sind klein, es ist sehr felsig, es riecht nach Fisch und Algen. Wo immer möglich ist der Strand bewirtschaftet, eingezäunt und es muss bezahlt werden, für den beschatteten Parking, den Aufenthalt unter den Bäumen, den Liegestuhl im Sand, die Getränke an der Bar und das Essen im Restaurant. Das ist eine kostspielige Angelegenheit, deshalb sehen wir diese Parkplätze leer, diese Strände und Bars sind fast nur vom Personal bevölkert. Die meisten Menschen ziehen es vor, irgendwo an einem freien Strand, oft dichtgedrängt, auf den Felsen zu sitzen. Liegestühle, Tische und Sonnenschirme und die Kühlbox sind auch mit dabei. Und das Auto steht am Strassenrand in der Gluthitze, dafür gratis.
In Monópoli holen wir auf dem Radweg eine Gruppe von jungen Männern ein, ihre Fahrräder vollgepackt mit Taschen, Zelt und die Liegematten gerollt obendrauf. Aha, das sind auch Reisende! Sie sind seit 5 Tagen unterwegs, in Ravenna sind sie gestartet, fahren bis Gallipolli und von dort mit dem Zug wieder nach Hause. Die 4 Kilometer bis zum Camping vergehen im Flug, wir sind zu sechst ein grobes Verkehrshindernis auf der kleinen Küstenstrasse, aber die Autofahrer nehmen es gelassen, fahren langsam und überholen sehr rücksichtsvoll. Wir wünschen den Jungs eine gute Fahrt und noch viele solche Reisen!

Am zweiten Tag auf dem Platz fahren plötzlich um die Mittagszeit zwei kleine Lieferwagen herum, einer mit Lautsprecher, der Fahrer preist seine Waren an. Unsere Zeltnachbarn halten ihn an, ich habe unterdessen auch verstanden, dass er Lebensmittel verkauft. Los, wir schauen mal, was er verkauft: schon stehen auch andere Nachbarn da und wir probieren Käse und Salami, werden über die lokalen Spezialitäten aufgeklärt und haben etwa eine Viertelstunde später eingekauft für ein bis zwei leckere Mittagessen: Burrata, einen Schafskäse und eine halbe Salami. Der andere Lieferwagen kommt mit Gemüse und Früchten, da kaufen wir auch ein, und werden überhäuft mit speziellen Sorten Gurken, eine ist rund wie eine Melone, die andere mit ganz haariger Haut und eine, die aussieht wie eine Nostrano. Dazu einen Beutel voll Rucolasalat, eine Melone, eine Aubergine und Zucchetti, kleine grüne Peperonis,…Essen in Hülle und Fülle! Den Primitivo Wein aus dem kleinen Minimarket haben wir auch schon probiert, wir essen und trinken wie die Fürsten!
Unsere Zeltnachbarn klären uns über die Sehenswürdigkeiten in der Nähe auf, einige besuchen wir mit dem Fahrrad, frühmorgens, dann ist das Fahren noch sehr angenehm. So besuchen wir einen freien und sicher über einen Kilometer langen Strand. Es ist ein Naturschutzgebiet, die Dünen und der Sumpf hinter dem Strand sind geschützt, aber vorne am Meer darf man sitzen und baden. Da hat es nicht so viele Leute, man muss ein paar hundert Meter zu Fuss zum Meer laufen, das ist halt für viele Menschen schon zuviel.
Mittags wird es nun immer über 30 Grad, und die Sonne brennt. Das kleine Strändli beim Zeltplatz ist zwar schön anzusehen, aber es hat uns einfach zu viele Leute da. Eine kalte Dusche geht auch.
Es sind immer noch Corona-Zeiten. Was nützt es denn, wenn wir zwar nach jedem Gang zu den Sanitäranlagen die Hände desinfizieren und in allen geschlossenen Räumen eine Maske tragen, wenn wir dann Schulter an Schulter im Meer stehen und baden? Wir wollen vorsichtig bleiben! Die Distanz zu wahren ist für alle Menschen wohl ein sehr schwieriges Unterfangen, wir sehen es jeden Tag, und wir können es auch immer wieder in den News lesen.

Wir haben Kontakt aufgenommen zu einem Paar, das seit 2016 zu Fuss unterwegs ist mit 2 Eseln und einem grossen Hund. Sie sind von Italien nach Schweden und wieder zurück gelaufen! Momentan leben sie auf einer Farm bei Castellano Grotte, einem Städtchen im Hinterland von Monópoli. Wir dürfen da auch unser Zelt aufstellen und verbringen zwei wundervolle Tage zusammen. Wir erfahren, wie sie unterwegs sind, für die Übernachtung fragen sie immer jemanden an der Haustüre, natürlich vor allem bei Bauern, sie brauchen ja auch Platz für die Esel! Da wird jede Begegnung zu einer  Geschichte. Sie könnten ein dickes Buch darüber schreiben!

Gemeinsames Frühstück…

Die Gegend gefällt uns, es ist hügelig, hat viele verschiedene Bäume, Oliven, Zitronen, Orangen, Kirschen und kleine Birnen, die Strässchen schlängeln sich zwischen den Steinmäuerchen durch. Hier und da steht ein Trulli, mal verfallen, mal zurechtgemacht als Ferienhäuschen. Diese Häuschen sind ursprünglich nur aus Feldsteinen aufgeschichtet, mit einem runden Dach, das wie ein Hütchen aussieht. Da war vor ein paar hundert Jahren ein Fürst, der wollte Steuern sparen. Wenn ein Dorf gebaut wurde, hätte er bezahlen müssen. Er liess seine Bauern nur solche Häuschen bauen, damit er sie sofort zerstören konnte, wenn seine Ländereien inspiziert wurden. Später wurde dann Alberobello zur eigenständigen Stadt und musste nicht mehr bezahlen. Aber da war die Bauweise schon so verinnerlicht, dass die Häuser weiter so gebaut wurden.

Wir nähern uns also dieser Hauptstadt,  Alberobello. Die Stadt sieht hübsch aus, aber der Touristen Rummel in den Trullistrassen wird uns schon fast zuviel. Wie war das wohl in den letzten Jahren? Italien hat Ferien, sie sind in Italien unterwegs, es hat auch welche mit dem Zelt. Die Auswahl der Unterkünfte aus Tuch ist aber sehr klein, Decathlon hat das Business ganz in seiner Hand: es gibt Quechua, in allen Grössen und Farben. Aber es hat natürlich auch Leute, die mit einem Camper vorfahren, und zwar mit ziemlich Neuen und Grossen. Wir geniessen es, auf dem Camping zu sein, wenn es auch andere Leute hat! Sonst sind wir ja oft die einzigen. Auch das Restaurant überrascht uns mit seinen Speisen. Wir schlemmern hier zweimal wunderbar! Die Köchin begrüsst uns das zweite Mal mit den Worten: heute gibt es nur Pasta! Aber dann kam eine unschlagbare Pasta!!!!

einfach nur Pasta!

Wir kontaktieren von hier aus zwei Workaway-Gastgeber, wir hoffen, irgendwo für ein bisschen Mithilfe wohnen zu dürfen, bis die grosse Hitze wieder vorbei ist und das Fahrradfahren wieder mehr Spass macht. Schon bald habe ich eine Antwort, Interesse ist da, wir können mal vorbeikommen. Um dort vorbeizukommen, brauchen wir etwa drei Tage. Wir packen also unsere Sachen und fahren frühmorgens los. Ich habe die Ciclovia del Aequaducto Pugliese entdeckt, da können wir ein Stück verkehrsfrei fahren. Cappuccino mit Cornetto gibt es unterwegs in einem der schönen kleinen Städtchen, die alle auf einem Hügel sitzen und hübsche alte historische Zentren mit kleinen Gässchen haben.
Die Ciclovia fährt sich gut, die vielen Aequaductos sehen wir kaum, da wir ja obendrauf fahren. Da wurden anfangs 20.Jahrhunderts kilometerweit grosse Röhren verlegt und Brücken gebaut, um das kostbare Wasser durch das Land zu transportieren. Nach etwa 30 Kilometern ist leider Schluss für uns, der Weg wird seit längerer Zeit nicht mehr unterhalten, die vielen Barrieren (so alle 20-50 Meter hat es zwei, wenn ein Feldweg oder ein Strässchen kreuzen) müssen wir mühsam umrunden. Grosse Büsche überwachsen den ganzen Weg, so dass wir kaum mehr vorwärts kommen. So suchen wir uns wieder einen anderen Weg durch die Dörfer und auf geteerten Strassen. Es geht Richtung Meer, auf die Innenseite des Absatzes hinunter. Hier kommen wir auf einen richtig italienischen Zeltplatz. Die Wohnwagen sind halbe Burgen, gedeckt und umwickelt mit dem dunkelgrünen Plastik. Es wimmelt von Kindern, die sanitären Anlagen sehen alt und billig aus, es fehlt an allem, sogar an genügend Platz auf dem WC und in der Dusche. Es ist jetzt Hochsaison, die Preise werden täglich höher, hier bezahlen wir 30€, beim nächsten dann schon 50€!!!!

Wir könnten doch wild zelten! Ja klar! Aber wir sind uns einig: eine kalte Dusche ist jetzt einfach ein Muss! Und für mich Kleider waschen auch, ich schwitze literweise alles nass, es ist ein Graus, am nächsten Tag wieder in dieselben Kleider zu steigen. Da reicht jetzt ein 5 Liter Wassersack einfach nicht mehr! Ein bisschen Luxus halt. Dazu kommt, dass die Plätzchen hier sehr dünn gesät sind, überall sind Privatgrundstücke und Zäune. Im Wald möchte ich bei der hohen Waldbrandgefahr auch nicht zelten, man weiss ja nicht, wann es wo brennen könnte.

Nun hoffen wir umso mehr, dass wir bald Workaway machen können!

Abschied von Griechenland

Plötzlich geht alles ganz schnell. Die Hoffnung auf eine direkte Fähre nach Korfu hat sich zerschlagen. Dieses Jahr sind solche Verbindungen nur über Patras möglich. Aber wenn wir nach Patras gehen, könnten wir auch nach Italien. Venedig? Ancona? Bari?

Aber halt, jetzt von Anfang an:
Von Argostoli fahren wir nach Sami, eine schöne Fahrt, frühmorgens noch vor sieben Uhr ist alles gepackt, damit wir vor dem Frühstück losfahren können. Und da, als ich aufsteigen will, bemerke ich bei meinem Vorderrad einen Platten!! Sch… !!! Wertvolle kühle Zeit geht verloren, genau 20 Minuten, dann hat Martin den Schlauch gewechselt und wir können wirklich los! Die ersten zwei Stunden fahren wir fast alles im Schatten der Hügel, wir nehmen extra den längeren Weg dafür. Es geht hoch auf 250 müM. Sanft steigt die Strasse der Küste entlang in die Höhe. So ist es am Schönsten zu fahren. Irgendwo in einem kleinen Dorf genehmigen wir uns einen Kaffee und Croissants. Eine Banane hat schon vorher die Energiereserven aufgefüllt. Nach jeder Steigung kommt auch eine Abfahrt, auf der anderen Seite geht es wieder runter auf Meeresspiegel. Schön, den Fahrtwind zu spüren. Die letzten 15 Kilometer sind dann der Küste entlang, ist es jetzt sehr heiss, Mittagszeit! In Sami installieren wir uns auf dem Camping, ganz unter den schattigen Bäumen. Hier sind die Sanitäranlagen viel besser ausgerüstet, so wie wir uns vorstellen, dass es sein müsste: Seife, Toilettenpapier und aussen bei den Türen Desinfektionsmittel, hier hat es sogar Papierhandtücher. In Sami machen wir uns schlau über all die Möglichkeiten weiterzufahren, wir haben eigentlich gedacht mit einer direkten Fähre nach Korfu zu fahren. Aber die fährt eben nicht, alles gecancelt. So buchen wir kurzerhand die Überfahrt nach Patras und von da aus gegen Abend die Fahrt nach Bari! Die Entscheidung fällt für die kürzeste Verbindung, Fähre fahren ist nicht unser Ding. Und diesmal sind wir fast die einzigen Touristen auf dem Schiff! Meine Befürchtung im Dezember, dass ich die einzige Frau sein werde auf dem Schiff, hatte sich damals nicht erfüllt, diesmal aber sind fast nur Lastwagenchauffeure auf dem Schiff, die Decks sind voll mit diesen riesigen 40Tönnern. Eine Kabine buchen ist obligatorisch, es gibt gar keine Diskussion diesmal.

vor dem Zusammenpacken gibt es noch eine Putzaktion!
Diese Leitplanken hatten auch schon bessere Zeiten gesehen

Die sieben Monate in Griechenland haben ihre Spuren bei uns hinterlassen, trotz Sprach- und Leseschwierigkeiten hat es uns sehr gut gefallen. Dank der Gastfreundschaft von unseren Freunden in Petalidi nehmen wir viele gute Erinnerungen mit! Trotz Quarantäne und Lockdown.

In Patras müssen wir unsere Tickets abholen, die müssen auf Papier gedruckt sein. Das Büro in der Stadt verweist uns auf den Fährhafen, da werden wir die Tickets erhalten…gut, dann gehen wir vorher noch im gleichen Imbiss wie im Dezember essen, einen schönen griechischen Salat zum Abschied! Der Hafen liegt etwa 4 Kilometer ausserhalb der Stadt, natürlich ist alles Einbahn und für Autofahrer konzipiert, mit langen Umwegen, aber wir fahren über Parkplätze und Gehsteige, bis wir beim Hafengebäude sind. Dort erhalten wir die Tickets und einen Stapel Formulare zum Ausfüllen, wegen Covid-19 muss über den Gesundheitszustand genau Auskunft gegeben werden.
Die Wartezeit nützen wir zum Umpacken, wir wollen nur zwei Taschen mitnehmen, den Rest lassen wir am Fahrrad. Etwas zu Essen, Kleider und die Flipflops. Dann geht’s zum Security Check:
Ein Polizist kontrolliert unsere Identitätskarten, dann muss alles Gepäck durch die Röntgenmaschine, die Frau entschuldigt sich für die Umstände. Alles ist gemacht für Passagiere zu Fuss, ohne Fahrrad. Der Durchgang hinaus ist so eng, wir müssen all unsere Taschen hinaustragen, bevor wir sie auf das Fahrrad laden können. Die automatischen Türen schliessen jedesmal, und lassen sich von aussen nicht öffnen…deshalb steht der Polizist freundlicherweise in den Türrahmen, damit wir auch die Fahrräder hinausbekommen.
Wir sollen auf einen Bus warten, der uns zur Fähre bringen wird. Da interveniert Martin freundlich und erklärt, dass es für uns etwas einfacher geht, selber hinzufahren, wegen dem Gepäck auf dem Fahrrad… Sie willigen ein, wir dürfen selber fahren, mitten in all den Lastwagen, wow! Ich erinnere mich an all die anderen Überfahrten, die wir schon gemacht haben, zwischen den Autos und Lastwagen einfach hinfahren, auf die Fähre drauf und nirgendwo Kontrollen. Auf dem Schiff wird als Erstes Fieber gemessen, in dieser Hitze fühle ich mich wie mindestens mit 40 Grad! Aber dann Vertrautes, der Platz für die Fahrräder, freundliche Begrüssung der Crew, wir werden zu unserer Kabine gebracht und als erstes steigen wir unter die Dusche! Es ist heiss, das ganze Prozedere stresst halt und ich bin klatschnass vor Schweiss. Das obligatorische Maskentragen auf dem ganzen Schiff macht es auch nicht gerade einfacher. Nach der Abkühlung gehen wir auf Deck und können zuschauen, wie die Lastwagen einparken, auf den Millimeter genau, es ist faszinierend!
In der leeren Bar genehmigen wir uns ein Bier, es gibt sogar ein paar Nüsschen dazu… (Preisvergleich: am Mittag assen wir ein ganzes Menu mit zwei Getränken für 11 €, jetzt bezahlen wir 9€ für zwei Bier mit Beilage!)

Den Sonnenuntergang bewundern wir bei viel Wind draussen.
Goodbye Griechenland!!!

Argostoli

Eines unserer Privatsträndli

Wir wohnen nun auf dem Camping in Argostoli. Er liegt an der Spitze der kleinen Halbinsel, etwa 2Kilometer durch einen Pinienwald von der Stadt entfernt. Auf dem Platz sind nur wenige andere Gäste, die meisten auch mit dem Zelt: Belgien, Bulgarien, Griechenland, Italien, Österreich, Serbien, Tschechien, Ungarn. Familien und Pärchen aus Nationen, die wir sonst kaum irgendwo auf einem Camping angetroffen haben.
Am Wochenende ist es etwas voller, da wird es bei den Toiletten und Duschen schon etwas enger. Die Ablagen im Küchenhäuschen werden ziemlich schmutzig und der  Kühlschrank platzt fast aus den Nähten! Hier sind die Richtlinien fürs Putzen noch nicht angekommen. Einmal im Tag genügt! Und das in Zeiten von Corona! Wir verhalten uns azyklisch, duschen, wenn sonst niemand dort ist und desinfizieren die Hände nach jedem Gang zu den gemeinschaftlich genutzten Räumlichkeiten.

Eines Tages bekommen wir einen neuen Nachbarn. Ein junger Mann wird mit dem Auto der Besitzer zu einem der kleinen Hüttchen neben unserem Zelt gebracht, sein Gepäck wird ausgeladen und er zieht fröhlich pfeifend ein. Er wandert ein paarmal an uns vorbei, jedes Mal ein freundliches Lächeln auf dem Gesicht, von einem fröhlichen Calimera oder good morning begleitet. Später kommt er zu uns, wir plaudern zusammen. Tauschen uns aus über unsere Herkunft, erzählen von unserer Reise. Er kommt aus Bangladesh, lebt seit ein paar Jahren in Athen, ist hier der neue Putzmann, eigentlich wäre er ein Kellner auf Rhodos, aber sein Hotel macht dieses Jahr wegen den fehlenden Touristen gar nicht auf. Deshalb suchte er irgendeine Arbeit, Hauptsache Arbeit und Einkommen. Schon am Nachmittag ist er an der Arbeit, die Toiletten und Duschen werden blitzblank, Seifenspender und Desinfektionsmittelspender sind wieder aufgefüllt. Der Abfalleimer endlich wieder einmal geleert. Gute Arbeit. Der Platz hat mehrere Toilettenhäuschen, aber „unseres“ ist das Neueste, meist benutzte. Er putzt aber auch die anderen, ist wahrscheinlich auch in der Küche an der Arbeit. Gegen Abend kocht er dann im Küchenhäuschen sein Abendessen, Reis und ein scharfes Hühnercurry, wir riechen es aus 50 Meter Distanz. Während dem Kochen telefoniert er mit seinen Freunden, Familie, etc. hat das Handy unter dem T-Shirt auf der Schulter, damit er beide Hände frei hat. Wir hören zu, verstehen gar rein nichts. Er lacht oft, hat viel zu erzählen, noch aus seinem Häuschen hören wir ihn bis in die Nacht hinein mit seinen Leuten plaudern. Ein schwieriges Leben, so allein, so jung, weg von all seinen Freunden. Was er wohl schon alles erlebt hat? Wir denken unweigerlich an die vielen Flüchtlinge in all den Camps hier in Griechenland, ist er einer von Ihnen? Hat er Glück gehabt, weil er Arbeit gefunden hat? Oder Pech, weil er zu einem Hungerlohn und ohne Versicherungen arbeiten muss?
Fragen über Fragen die uns beschäftigen.
Nach ein paar Tagen, wir sitzen am Frühstück, da kommt er ganz aufgeregt zu uns, sagt uns, dass er geht. Gehen muss. Er hat doch gut gearbeitet, es war jetzt immer schon frühmorgens sauber, aber er ist zwischendurch zu seinem Häuschen gegangen und hat etwas zu essen geholt, da hat ihm der Chef gekündigt….???
Wir haben nie gesehen, dass er eine Einführung in den Job gehabt hätte, dass ihm jemand gezeigt hätte, was er zu tun hat. Er ist aufgewühlt, telefoniert den halben Morgen, mal tönt er wütend, dann wieder verzweifelt. Und wir sitzen da und können nicht helfen, wie auch? Seine Welt unterscheidet sich so sehr von unserer, wir sehen keinen Weg, uns einzumischen und etwas für ihn zu bewirken. Bevor er abreist, bedanken wir uns für seine Arbeit, wünschen ihm alles Gute. Ein schales Gefühl bleibt in uns. Wir gehören zu den Gewinnern in diesem System. Begegnungen wie diese zeigen, wie es den Menschen geht, die nicht so grosses Glück gehabt haben wie wir.

Oder der Grieche, der in einem kleinen Zelt wohnt. Ein kleiner Smart-Sportwagen, Zweiplätzer, steht daneben, eine Plache verdeckt das Fenster in der Fahrertüre, die Scheibe ist kaputt. Der Mann bewegt sich aber vor allem mit einem Motorrad, z.B. zum Einkaufen bei Lidl, etwas ausserhalb der Stadt. Aber auch, wenn er an den Strand geht, oder unter die Dusche, oder im Kühlschrank ein Bier holt, immer fährt er mit seinem Motorrad. Er ist klein und dick, etwas Bewegung täte ihm gut. Er spricht ein wenig englisch, wir unterhalten uns ab und zu im Küchenhäuschen. So erfahren wir ein wenig über sein Leben: Er war Wrestling-Boxer, später dann Coach, in der Krise hat  er alles verloren und 17 Monate auf der Strasse in Athen gelebt. I fight for food, sagt er. Heute geht es ihm wieder besser, aber sein Vater sei vor zwei Wochen gestorben, deshalb brauche er ein wenig Distanz zu seiner Familie, sein Vater war sein bester Freund. Er bietet uns seine Spaghetti an, seine Zwiebeln und auch sein Olivenöl dürften wir brauchen! Wir lehnen dankend ab, sagen ihm, wir haben selber Pasta und Zwiebeln, und Olivenöl aus Kalamata. Er freut sich und erklärt uns die Unterschiede der Öle…Nach ein paar Tagen zieht er in ein grösseres Zelt, seine Familie werde kommen, er räumt auf, da seine Habe in tausend verschiedenen Plastiktaschen rund ums Zelt herumliegt. Er hat wieder bei Lidl eingekauft, ein kleines gelbes Zelt, für die Tochter, und einen blauen Sack, der als Liegesack dienen soll. Martin will ihm helfen den Sack aufzublasen, aber da geht die Luft gar nicht richtig rein, eher immer wieder raus. Völlig unbrauchbar. Er wird ihn wieder zurückbringen, 15 Euro gespart! Am Freitag dann trudelt die Familie ein, da im Auto und auf dem Motorrad nur eine zweite Person Platz hat, muss er ein paarmal fahren, bis alle da sind. Seine Frau und zwei erwachsene Töchter, alle sind zu dick, eine Tochter kann schon fast nicht mehr laufen, so viele Kilos zuviel hat sie. Warum nur ist dieses Mädchen so dick geworden? Warum nur hat niemand ihr geholfen? Hat sie sich nicht helfen lassen? Wovor muss sie sich schützen mit dieser Schicht Fett rundum? Auch hier Fragen über Fragen!
Und da, am Abend, vermisst unser Grieche Fleisch aus dem Kühlschrank. Der Dieb soll mit mir kämpfen, sagt er wütend zu Martin. Und dieser antwortet, niemand will mit dir kämpfen, du bist zu stark. Das nimmt dem Mann den Wind aus den Segeln, er beruhigt sich, freut sich über das Kompliment. Martin hat manchmal schon das Gespür für die richtigen Worte!

Die Stadt ist morgens voller Leben, das Chaos auf den Strassen ist typisch griechisch: auf beiden Seiten wird geparkt. Wenn gerade kein Platz frei ist (was meistens der Fall ist), hält man vor dem Geschäft an, Warnblinker rein, und dann kann man einkaufen, ohne zu viele Schritte zu machen. Der Verkehrsfluss stockt manchmal, vor allem wenn ein Lieferwagen oder Lastwagen zu breit ist. Dann wird schon mal gehupt, und halt gewartet, bis der Besitzer des Hindernisses seine Einkäufe erledigt hat und weiterfährt. Das geht alles ziemlich unaufgeregt vor sich, selten sieht man jemanden fluchen oder die Hände verwerfen.
Am Nachmittag ist die Stadt dann wie ausgestorben, viele Geschäfte sind geschlossen, in den Tavernen sitzen vielleicht ein paar Gäste, aber es ist sehr ruhig. Das ist  ganz normal, es ist so heiss und die Griechen machen Siesta!
Abends, nach 19 Uhr, beginnt das Leben wieder, es wird spaziert und flaniert, so wie wir es aus vielen anderen südlichen Ländern kennen! Bis zum Ende der Fussgängerzone, dann zurückspaziert und das ganze nochmals von vorne…und so ab 20.30 Uhr füllen sich einige der Tavernen, aber da geniessen wir schon längst  unser Abendessen.

Frühmorgens ab 6Uhr machen wir ab und zu eine Runde mit dem Fahrrad (20-40 Km). Anschliessend ist das tägliche Bad im Meer angesagt, wir haben in einem Pinienwald einen wunderschönen Platz gefunden, wo es uns sehr gefällt, es hat viele kleine Mini-Strändchen, einige mit Sand, andere mit weissen Kieselsteinchen, mitten in einer felsigen Küstenlandschaft. Die Zufahrt geht über ein holpriges Natursträsschen, das man von der Strasse aus fast nicht sieht.  Meistens sind wir allein da, und geniessen es in vollen Zügen. Viele Tage streichen dahin mit diskutieren, lesen und faulenzen. Ein paar Mal versuchen wir, Brot zu backen auf dem Gasherd, haben sogar eine Backform gekauft zu diesem Zweck. Die ersten Resultate sind noch nicht sehr ermutigend. Wir müssen uns wahrscheinlich damit begnügen, Fladenbrot herzustellen, das ist essbar, hat aber noch einiges an Verbesserungspotenzial.

Rückfahrt mit der Fähre von Lixouri

Chris und Anita nehmen uns mit auf einen Ausflug zum Melisana-Cave, einem halb unterirdischen See. Der Massentourismus fehlt, der Bootsführer auf dem See erzählt von normalerweise 3000! Gästen täglich im Juli und August. Jetzt  sind nur ein paar wenige Leute, die sich den See zeigen lassen. Schön für uns, schlecht für ihr Geschäft!

…ein Bad in einer blauen Bucht mit ein paar Segelbooten…

Die Tropfsteinhöhle, die wir anschliessend besuchen, ist ein trauriges Beispiel dafür, wie negativ sich der Massentourismus auswirken kann: fast alle grossen Stalagmiten und Stalaktiten sind  abgebrochen, die Felsen sind schwarz und grün vom Licht und den Berührungen und Ausdünstungen der Menschen, die hier durchgeschleust werden.
Auf dem Rückweg fahren wir auf den höchsten Berg der Insel, den Ainos, 1628 M. Es ist angenehm kühl hier oben, die Aussicht etwas milchig. Der Tannenwald und der graue Fels erinnert mich an den Jura, die Aussicht oben noch mehr, nur war das Meer damals im Jura ein Nebelmeer!

Vor einer Woche hatten wir uns für einen 14-tägigen, freiwilligen Einsatz bei Wildlifesense (der Schildkröten-Organisation) angemeldet. Nun haben wir Antwort erhalten: Leider ist es dieses Jahr nicht möglich, die Einsätze durchzuführen, da viele der Angemeldeten gar nicht kommen können, weil Flüge gestrichen sind und die Leute aus England und den USA noch gar nicht nach Griechenland einreisen dürfen.
Alles abgesagt! Schade!
Wir wären ja da auf der Insel und wären bereit gewesen, die Nester der Schildkröten an den Stränden zu finden und zu beschützen. Aber sie sind da gar nicht darauf eingegangen.

Jetzt ist wieder alles offen, Nach fast zwei Wochen hier auf dem Camping bekommen wir langsam wieder Lust aufs Weiterfahren! Argostoli gefällt uns zwar immer noch sehr gut, aber das Reisefieber beginnt wieder stärker zu werden! Mal sehen was sich daraus ergibt!

Ein Fischrestaurant mit excellenter Aussicht, und sehr gutem frischen Fisch!

Kefalonia

Ein paar Tage bleiben wir in Palouki auf dem Zeltplatz, mit Blick aufs Meer. Ich gehe hier das erste Mal baden, das Meer ist angenehm warm und ruhig. Mal gehen wir Fisch essen in der Taverne nebenan. Es hat sogar ein paar griechische Gäste. Es ist fast wie Ferien!

In Killini müssen wir warten, es geht nur einmal pro Tag eine Fähre, um 9.45 Uhr. Wir verbringen eine Nacht in einem Olivenhain, mit Aussicht aufs Meer.

Die Vorschriften auf der Fähre sind streng, Maske tragen während der ganzen Reise ist Pflicht. Diese dauert nur 1 Stunde und 30 Minuten, das ist auszuhalten.

Auf Kefalonia werden wir erwartet, hier hat es einen Warmshower-Host, Christopher und Anita. Und wen treffen wir da wieder? Den jungen Franzosen, den wir in Kyparissia getroffen hatten! Wir fühlen uns sofort sehr willkommen. Die Fahrt hierher hat uns gefordert, die letzte Steigung ist mir beinahe zuviel geworden, ich muss das Fahrrad die halbe Strecke stossen. Es ist nicht die Steigung allein, ich schwitze wie wahnsinnig und obschon ich viel trinke, verdurste ich fast und der Kopf platzt beinahe vor Hitze! Abends habe ich Halsweh, fühle mich ausgelaugt. Die Sonne ist heiss, es wird täglich gegen 30 Grad, zwischen 12-16 Uhr wollen wir nicht mehr fahren, es verbrennt uns trotz Sonnenschutzfaktor 50 die Haut an Armen und Gesicht.
Wir dürfen ein paar Tage hierbleiben, wir verbringen sie im Schatten auf der Terrasse, beobachten, wie einige Fenster und Türen am Haus ausgewechselt werden. Es ist ein griechisches Sommerferien-Haus, stand über 10 Jahre leer, war völlig überwuchert. Seit zwei Jahren nun leben die Beiden hier, haben im Garten aufgeräumt, viele Pflanzen mussten radikal geschnitten werden, zwei Palmen waren abgestorben und mussten weggeräumt werden. Das Haus hatte noch alte Eisentüren aus den 70er Jahren, und einige der Fenster waren auch nur einfach verglast. Langsam renovieren sie das Ganze, damit es im Winter warm bleibt im Haus.

Gegen Abend fahren wir manchmal im Auto zum Baden oder für ein Bier ans Meer (ja die 170 Meter Höhenunterschied bis zum Strand möchten wir ungern bei dieser Hitze nochmals mit dem Fahrrad machen). Sie fahren oft mit ihren Elektro-Bikes herum, machen auch grössere Touren auf der Insel.

Einmal nimmt mich Anita mit nach Argostoli, der Hauptstadt der Insel, und da weiss ich, dass wir angekommen sind, hier gefällt es mir! Da wohnen genug Leute, so dass ein Alltag ohne Touristen möglich ist. Viele Geschäfte sind offen, der Markt mit Früchten, Gemüse, Fisch und Fleisch gut besucht. Die Fischer verkaufen den Fisch direkt vom Boot, die Möwen warten im Hintergrund auf die Abfälle, und hier schwimmen grosse Schildkröten herum, auch sie auf der Suche nach Essbarem. Es gibt zwei Arten, die hier an den Stränden ihre Eier ablegen, die Spuren im Sand haben wir vor ein paar Tagen bei einem Strandbesuch gefunden. Ein Team von Wildlife Sense (Forscher und Beschützer von Meeresschildkröten) nummeriert gerade eine der Schildkröten, und misst sie aus, bevor sie wieder ins Wasser zurückkehren kann.

Klar, in einem normalen Sommer kommen viele Touristen, sogar Kreuzfahrtschiffe landen hier und schleusen Menschenmassen durch die Stadt. Aber dieses Jahr wird es sehr ruhig bleiben, da die Mehrzahl der Gäste von England kommen würde, die Grenze noch geschlossen ist für die Engländer und Kreuzfahrtschiffe dürfen in Griechenland auch noch nicht andocken.

Wir werden auf den Camping ziehen, uns eine Weile dort einrichten. Vorher aber machen wir noch eine Tagestour rund um die Insel, Anita und Christopher wollen uns „ihre“ neue Heimat zeigen. Wir besuchen Strände und kleine Orte, die unten am Meer sind, die Strasse aber verläuft auf 200-300 Höhenmetern, also alles Orte, wo wir uns zweimal überlegen, ob wir da voll beladen runter fahren wollen, da es danach wieder genau gleich rauf geht. Und die Strasse ist zum Teil sehr steil. In Assos gehen wir in einer kleinen Bucht mit Schatten selber ins Wasser, es hat Felsen rundum, ist gut zum Schnorcheln. Hier hat es ein paar wenige Familien am Strand, ein paar Häuschen sind bewohnt, die Tavernen sind offen und drei Yachten ankern im Wasser.

In Fiskardo, ganz im Norden der Insel, treffen wir auf viele Menschen, die in den Tavernen im Hafen sitzen. Wir wundern uns, wieso es hier so viele Leute hat, bis wir das grosse Schiff entdecken, das kurz nach unserer Ankunft seine Gäste per Lautsprecher auffordert, wieder an Bord zu kommen. Da leert sich der Hafen und wir sind wieder fast allein am herumschlendern. Bevor wir weiterfahren verspeisen wir ein feines Eis. Im Wasser dümpeln ein paar Segeljachten, eine hat die Schweizerfahne gehisst, was mich verleitet, die Frau an Bord anzusprechen und ein paar Worte mit ihr zu wechseln. Sie sind aus Genf, das Schiff ist schon viele Jahre in Griechenland und sie kommen jeden Sommer für 6 Monate zum Segeln.

Kefalonia ist die Grösste der Ionischen Inseln, aber klein genug, um in einem Tag mit dem Auto rundherum zu fahren. Wir machen noch einen Stopp in Sami, hier kommen die Fähren von Patras an, also wird das vielleicht unser Abfahrtshafen, wenn wir weg wollen von der Insel. In Fiskardo ist die andere Fähre, die nach Lefkada fährt, auch das könnte eine Option für unsere Weiterfahrt sein. Durch ein schönes Tal mit tausend Zypressen fahren wir nach Poros, dem Städtchen, in dem wir vor ein paar Tagen angekommen sind.
Etwas in der Höhe hat es eine gemütliche Taverne, hier genehmigen wir uns ein feines Abendessen mit fantastischer Aussicht!

Zuhaue werden wir enthusiastisch von den drei Hunden begrüsst, das Abendrot leuchtet hinter den Bäumen und wir setzen uns noch ein wenig auf die grosse Terrasse, geniessen die abendliche Brise, die langsam die Hitze des Tages vertreibt. Das kühle Glas Wein hilft uns dabei, selber auch langsam abzukühlen.

Das war wieder ein wunderschöner, unvergesslicher Tag in guter Gesellschaft!

Auf nach Olympia

Schon um 8 Uhr morgens fahren wir los, ein noch kühler Wind streicht uns um die Ohren. Wir kommen gut voran und um 10 Uhr sind wir schon in Marathopoli, wo wir uns in einer Bäckerei Brot, Kaffee und Apfeltaschen kaufen. Hier hat es auch einen Camping, aber der ist geschlossen. Wir haben uns schon vorher entschlossen, nicht hier zu bleiben, der Tag ist noch lang, wir können noch gut ein paar Kilometer fahren. Es hat immer wieder Plätze am Strand, die wir zum Übernachten nutzen können. Gegen 13 Uhr ist es so heiss, dass wir auf einem Parkplatz Pause machen, im Schatten von Bäumen, der Wind vom Meer kühlt zusätzlich, aber mit der Zeit wird der immer stärker. Um 15.30 Uhr machen wir noch eine Etappe, durch Kyparissia durch. Da, fast schon ausserhalb der Stadt sehen wir einen Fahrradfahrer mit Packtaschen! Wir halten an, freuen uns, er auch. Wir plaudern kurz miteinander. Er ist Franzose und ist mit einem Segelschiff von Frankreich nach Piräus gesegelt! Und jetzt ist er auf dem Heimweg nach Frankreich! Mutig! Er übernachtet hier in der Stadt bei einem Warmshower-Gastgeber, es hat nur in drei Orten auf dem ganzen Peloponnes jemanden von Warmshower. Vielleicht treffen wir uns ja auf der Strasse irgendwo wieder!

In Kalo Nero bleiben wir am Strand, hier kommen Schildkröten her um ihre Eier zu vergraben. Von Freiwilligen werden die Nester gekennzeichnet und mit Gittern geschützt, damit die Hunde sie nicht ausgraben können. Auf dem Parkplatz stehen zwei Camper, mit deutscher Nummer. Beim Friedhof füllen wir unseren 5 Liter Wassersack, damit wir uns später duschen können. Wir bleiben etwas abseits, in der Nähe einer verlassenen Strandbar. Die Taverne ist geschlossen, es sind aber Vorbereitungen auf die(hoffentlich) kommende Saison im Gange. Martin wagt den Sprung ins Meer, mir ist der Wind zu stark. Ein paar Spaziergänger kommen vorbei, und abends, während wir unser Abendessen kochen, nochmals ein paar. Die Feuerwehr macht eine Runde, die Besitzer der Camper sitzen vor ihren Vehikeln, wir haben keine Lust zu Ihnen zu gehen. Wir geniessen den Abend, den Sonnenuntergang im Meer, und als es dunkel wird, stellen wir unser Zelt in der Strandbar auf, da sind wir gut geschützt, fast unsichtbar von der Strasse aus. Zwar hält dann noch ein Auto, junge Leute steigen aus, aber eine Frau erschrickt so, als sie uns sieht, dass alle wieder ins Auto steigen und wegfahren.
Gegen 23.30, wir haben schon geschlafen, ist plötzlich Lärm, Gerede, Lachen. Dann ein Feuerschein. Martin steht auf und „begrüsst“ die vier Jugendlichen, die da im Sand ein Feuerchen gemacht haben. Zum Glück weht der Wind von uns zu Ihnen und nicht umgekehrt, wegen den sprühenden Funken. Die Jungs haben es lustig, Martin sitzt vor dem Zelt und schaut Ihnen zu, markiert Präsenz. Wahrscheinlich hätten sie noch ein paar Paletten oder die Strohschirme, die neben der Bar daliegen, mitverbrannt, aber sie wagen es nicht, zu nahe an Martin heranzukommen. Nach etwa einer halben Stunde ist der Spuk vorbei, das Feuer heruntergebrannt und die vier trollen sich wieder Richtung Dorf.
Trotzdem kann ich danach sehr gut schlafen! Um 6 Uhr stehen wir auf, es dämmert und die Stimmung ist ganz toll. Wir packen das Zelt zusammen, machen Frühstück und Kaffee, ein schöner Tag hat gut begonnen.

Da wir nicht mit geöffneten Zeltplätzen rechnen, fahren wir einfach drauflos, auf Nebensträsschen, die Strecke ist sehr schön, es hat viele Dünen mit Pinien, das Meer ist wunderbar blau, der Strand menschenleer. Wir machen eine Fotosession, mit Kamera, Selftimer und Intervall-Auslöser. Fahrend, stehend, die Velos allein, mit uns, mit Helm, ohne Helm, etc….Treffen einen Franzosen (schon wieder, dieser ist aber älter, schon 77, mit grossem Camper, er verbringt seit 30 Jahren den Winter immer in Griechenland, auch dieses Jahr!)

wer ist da wohl entlang gelaufen?

Die Mittagspause verbringen wir in der Nähe eines ehemaligen Stellplatzes für Wohnwagen, direkt hinter der Düne, im Schatten von Pinien. Trostlos, dieser Platz, alle Häuschen sind leergeräumt, überall Dreck drin, zerrissene Matratzen, Lumpen, Abfall. Was ist da wohl passiert, dass der Betrieb eingestellt werden musste? Solche Erlebnisse lassen uns sehr nachdenklich werden. Das Land wurde von einer grossen Krise gebeutelt, hat vor allem die kleinen Leute getroffen, und die Folgen der Coronakrise sind noch nicht absehbar.
Im späteren Nachmittag geht’s noch ein paar Kilometer weiter, in einem Wald an einem See suchen wir uns ein verborgenes Plätzchen, wo wir unser Nachtlager vorbereiten. Nur ein Auto fährt dem Waldweg entlang, hält aber weiter vorne. Wir bemerken erst am nächsten Morgen, dass dort wahrscheinlich ein Platz ist, wo sich Verliebte im Auto vergnügen. Warum wir das sehen? Der Platz ist vollgemüllt mit Feuchttüchlein und Papiertaschentüchern. So schade! Man könnte den Abfall ja mitnehmen und im nächsten Container entsorgen! Aber das wissen wir ja schon vom Müll am Strassenrand: da wird einfach alles zum Fenster rausgeworfen. Wasserflaschen, Kaffeebecher mit dem Plastikhaubendeckel, Bierdosen, Colaflaschen, etc. Noch in 1000 Jahren werden unsere Nachfahren diese Sachen finden!

Die Nacht ist ruhig, nur zwei Motorradfahrern, jagen auf ihren Maschinen auf Hochtouren durch den Wald, veranstalten ein paar Wettrennen, hin und her. Auf dem See, der hinter dem Schilfgürtel versteckt ist, tuckert ein Motorboot vorbei, im Morgengrauen noch einmal, da sind wir schon am Packen und Frühstücken. Heute fahren wir nach Olympia, diese Ausgrabungsstätte will ich besuchen. Hier hat Martin auf dem Camping Diana angerufen, er ist offen. Gut! Wir treffen im Städtchen ein, es ist ruhig, hat aber doch ein paar Leute auf der Strasse und wir setzen uns in ein Cafe, die Fahrt hat uns erhitzt, es ging ein paarmal recht steil bergauf. Wir werden superfreundlich bedient, bekommen zum frischgepressten Orangesaft und dem alkoholfreien Bier eine Flasche Wasser und Chips! Und sofort das Passwort für WLan. Auf dem Camping erfahren wir, dass wir die ersten Gäste im 2020 sind! Die Broschüre stammt von anfangs der 80er Jahre, der Camping auch! Die Terrassen im oberen Bereich sind nur zu Fuss erreichbar, also nur für Zeltler! Wir suchen uns einen Ganztages-Schattenplatz aus, trotz des Alters der Anlage gefällt es uns auf Anhieb sehr gut. Die 82jährige Grossmutter des Besitzers wohnt im Häuschen auf dem Platz, sie war die Mitbegründerin des Platzes.

das Begrüssungsquartett
die Broschüre aus den Anfängen des Campings

Wir bleiben ein paar Tage. Einen Tag verbringen wir auf dem Ausgrabungsgelände, riesige Brocken liegen da herum. Mit einem Plan können wir uns orientieren und finden dank Wikipedia viel über die Paläste und Tempel im Ort heraus. Auf dem Gelände sehen wir nur zweimal andere Besucher, dafür aber viele Aufseherinnen, die uns mit Argusaugen beobachten. Als wir mit unserem Stativ ein paar Fotos machen, kommt eine der Frauen zu uns und informiert uns, es sei verboten, professionelle Fotos zu machen, das brauche eine spezielle Bewilligung. Aha, unsere Kamera soll also eine Profikamera sein? Sie auf einen Steinblock hinstellen, das dürfen wir, und so haben wir trotzdem ein paar Selfies. Das Museum lassen wir aus, die vielen Statuen interessieren uns weniger. Einmal spazieren wir durch die Hauptgasse, da hat ein Laden mit Kleidern offen, vielleicht hat es einen Leinenrock? Ja sogar ein paar, aber alle sind mir zu gross und am Schluss haben wir ein schlechtes Gewissen, dass wir nichts kaufen. Die beiden Frauen haben sich eine solche Mühe gegeben, uns etwas zu verkaufen!

Back on the road again!

Endlich haben wir das Gefühl, dass wir mit unseren Fahrrädern wieder weiter reisen können. Viele Tavernen und Restaurants sind geöffnet, die Tische mit 2 Meter Abstand und das Personal hat Maskenpflicht. Hotels und Campingplätze dürfen auch öffnen, das Reiseverbot zwischen den Provinzen ist aufgehoben und die Grenzen zu den anliegenden Ländern gehen langsam auf. Ab dem 1. Juli sollte das Reisen in andere Länder europaweit wieder ungehindert möglich sein, sofern sich nicht zu viele Menschen wieder am Virus anstecken.

Es wurde uns auch im letzten Monat nicht langweilig, wir wanderten viele schöne Touren, ein Highlight ging einem Fluss entlang, durch Schilf und Urwald. An Wasserfällen mit türkisfarbenem Wasser vorbei, es war fast wie in den Tropen. Ein andermal eine Abendwanderung, den Vollmond sehen wir  aber wegen den Wolken nicht. Das Abendessen in einer Taverne geniessen wir aber trotzdem. Und spätabends zeigt er sich dann doch noch.
Ein anderes Projekt war das Streichen eines Raumes im Haus von Karin und Manfred. Nach zwei intensiven Tagen war die Tat vollbracht!

Und immer wieder ans Meer, mal sanftes Plätschern, mal rauschendes, spritzendes Ungetüm.

Am 9. Juni nehmen wir Abschied. Und wagen es mit vollgepackten Fahrrädern Richtung Finikunda zu pedalen. Hier hat ein Camping geöffnet. Karin hat dort eine Bekannte und die hat uns versichert, dass offen ist. Wir pedalen und schieben, es gilt Hügel zu erklimmen und wir geraten trotz wöchentlichem  Wandertraining ausser Atem und voll ins Schwitzen. Die Temperaturen sind angenehm. Aber wenn es bergauf geht, wird es schon ziemlich heiss. Die Fahrt durch die Hügel ist wunderschön und das Gefühl unterwegs zu sein ist unbeschreiblich.

Auf dem Camping in Finikounda ist wenig los, zwei Wohnwagen und ein Camper sind bewohnt. Mit einem australischen Paar tauschen wir unsere Erfahrungen der letzten Monate im Lockdown in Griechenland aus.
Auf einem schattigen Platz mit Meersicht gewöhnen wir uns an das Leben im Zelt. Es ist ganz anders als letzten Dezember! Die Tage sind wieder lang, die Nächte warm und das Zelt am Morgen trocken. So macht es richtig Spass. Positiv wirken sich die neuen Hygienevorschriften aus. Es hat überall Seife und Papierhandtücher, Toilettenpapier und Desinfektionsmittel, es wird geputzt und Abfall geleert, mehrmals täglich, das haben wir so noch nirgendwo erlebt.

Die erste Fahrt durch das Dorf Finikounda ist ein Spiessrutenlaufen, viele Läden und Tavernen sind offen und alles ist leer! Ja, sonst sei hier im Juni schon viel los, der Camping manchmal fast ausgebucht. Es ist richtig trostlos anzusehen. Wir sind ja schon oft durch trostlose touristische Gebiete gefahren, aber meistens war das in der Nebensaison und alles war geschlossen. Aber hier warten die Griechen auf ihre Gäste, alles wäre bereit. Einerseits. Andererseits bemerken wir aber die Angst vor dem Ansturm der Touristen und der Gefahr, dass sich das Virus unkontrolliert rasch verbreiten könnte.

Der Besuch der Burgruinen in Methoni gewährt uns einen Blick in die Zeit der Venezier und Ottomanen, die Burg und die Stadt waren ein strategisch wichtiger Ort an der Spitze von diesem Finger des Peloponnes. Auch hier sind wir fast die einzigen Besucher, das Dorf scheint in einen Dämmerzustand. Nur vor der Schule sehen wir ein kleines Grüppchen Schüler mit ihrem Lehrer bei einem Spiel. Zwei ältere Frauen schauen im Schatten von einem Baum zu.

Nach ein paar Tagen wollen wir weiter, ich habe auf den Webseiten der Campings nachgeschaut. Der eine Camping testet vor dem Check-in Temperatur und Sauerstoffgehalt im Blut. Das soll uns Recht sein. Die Fahrt geht wieder auf und ab, dazu kommt heute der starke Wind, bis 67km/h, natürlich Gegenwind! Da haut uns die eine oder andere Böe fast um. Die Strecke ist nicht sehr weit, so um die 30km werden es sein, genug für uns.
Im Städchen Pylos begegnen wir auf einem Parkplatz einem Schweizerpaar (ihr Auto hat CH-Nummern). Martin spricht sie an und wir plaudern ein wenig. Sie erzählen uns von einem deutschen Paar mit Kleinkind, das in ihrer Gästewohnung für die Zeit des Lockdowns untergekommen ist. Es hat also doch andere Reisende, die in Griechenland gestrandet sind.

Nach Pylos müssen wir ein im Bau befindliches Golf-Resort weiträumig umfahren, es wird ein riesiger Komplex, so richtig protzig und für Leute mit viel Geld.

Unser Ziel ist Gialova, ein kleiner Ort mit  netter Hafenpromenade, gesäumt mit Cafes und Tavernen. Wir fahren zum Camping und stehen wieder einmal vor geschlossenem Tor! Ein Mann erklärt uns, dass der Camping erst am 20.Juni öffnen wird, sorry. (heute ist der 13. Juni) Auf der Webseite war kein Eröffnungsdatum verzeichnet. Was jetzt? Wir haben nämlich am Montagabend eine Verabredung mit Karin und Manfred hier in einem netten Restaurant.
Wir machen mal Mittagessenpause und Siesta, suchen ein Plätzchen im Schatten und Windschatten, an einem Strand, der einlädt zum Wildzelten…hier erörtern wir unsere Lage. Wildzelten, aber wir wollen unser Zelt nicht allein an einem Strand stehen lassen, wenn wir am Montag essen gehen! Ich schaue auf verschiedenen Plattformen im Internet, was so an Zimmern angeboten wird. Die Auswahl ist klein und teuer. Zurück nach Pylos (4,5km steiles Stück) wollen wir nicht.

Die Sonne brennt heiss, trotz starkem Wind. Das Meer wird mit weissen Schaumkrönchen aufgewühlt, es blendet. Während Martin sein Nickerchen macht, sitze ich nervös auf meinem Stuhl und kann mich nicht wirklich entspannen, die Gedanken drehen sich um alles, was uns passieren könnte.

Live starts, when you leave the comfort zone….stand irgendwo an einem Gartenzaun, gerade bevor ein steiles Stück Weg begann. Genau so fühlt es sich an. Es ist keine bedrohliche Situation, aber komfortabel ist sie nicht. Martin sagt, es entstehen immer gute Dinge daraus. Heute, wenn ich das schreibe, gebe ich ihm Recht. Aber während wir in einer auswegslosen oder schwierigen Situation stecken, habe ich manchmal Mühe damit.
Wir entscheiden uns, nochmals zurück ins Dorf zu fahren und uns zu erkundigen, ob das Restaurant am Montag offen hat. So langsam trauen wir den Webseiten nicht mehr.
Das Restaurant hat offen, wir telefonieren mit Karin, um den Termin zu bestätigen und sie hilft uns spontan, nach einer geeigneten Unterkunft zu suchen. Nach kurzer Zeit ruft sie uns zurück und bietet uns gleich mehrere Möglichkeiten an. Am Strand zelten geht definitiv nicht mehr, der Wind ist zu stark und wir wollen nicht weggeblasen werden.
Im einem älteren Restaurant fragen wir nach einem Zimmer. Ja sie haben eines und siehe da, auch der Preis stimmt. Dass wir ein Zimmer bekommen ist gar nicht so selbstverständlich, weil nur Hotels, welche das ganze Jahr geöffnet haben, bereits jetzt Gäste aufnehmen dürfen. Ab Montag dürfen alle anderen dann auch….Also ein Risiko für den Besitzer, falls es eine Kontrolle gibt. So wie wir das beurteilen können, finden Kontrollen eher in den Hotspots, wo vor allem Leute aus Athen hingehen, statt. Gialova ist kein solcher Hotspot.
Glücklich und entspannt sitzen wir auf der Terrasse bei einem kühlen Bier. Wir haben nie ausgelernt. Ab jetzt müssen wir im Voraus planen und organisieren. Campingplätze anfragen, ob sie bereits geöffnet haben. Mittags werden wir längere Pausen einplanen, die Sonneneinstrahlung ist einfach zu stark.

Nun haben wir also ein Zimmer, mit Balkon und Meersicht, und den Wind, den wir hier fast schon geniessen können.

Temporär sesshaft…

Wir sind in der Nähe von Petalidi

Schon wieder sind 8 Wochen vergangen seit meinem letzten Eintrag. Die Zeit vergeht im Flug, auch wenn wir nicht unterwegs sein können.
Es geht uns wie vielen Menschen in dieser Zeit, das Zuhausesein ist gar nicht schlimm, wir finden immer irgendetwas zu tun, auch wenn das Zuhause eine Ferienwohnung ist! Aber zugegeben, es ist  eine schöne Ferienwohnung! Die an einem wunderschönen Ort steht, mitten in der Natur. Die wir jeden Tag auf unseren Hunde-Spaziergängen immer besser kennenlernen. Täglich entdecken wir neue Blumen, die wir zu bestimmen versuchen. Die Mandelblüten verwandeln sich in kleine, flaumige „Nüsse“, die Feigenbäume bekommen grüne Blätter und die ersten Früchte spriessen, die kahlen Feigenhaine werden zu einem grünen Meer.

junge Mandeln
die Feigen riechen schon…

Die Spaziergänge sind manchmal auch etwas länger, wir suchen neue Wege, und da kommt es schon mal vor, dass uns ein Bach in die Quere kommt! Und jetzt im April haben die Bäche noch Wasser, sogar ziemlich Wasser! Da mussten wir durch, das Dickicht war undurchdringlich, und die Spuren der Wlidschweine häuften sich. Alles ging gut, aber etwa 200 Meter weiter unten mussten wir dann wieder zurück auf die andere Seite….es hat uns aber sehr gut gefallen!

Andere Wanderungen führen hinauf in die Hügel und die Höhenmeter sammeln sich innerhalb von ein paar Kilometern. Wir sammeln aber nicht nur Höhenmeter, sondern auch wilden Spargel, den wir später zu einem feinen Essen verarbeiten.

Dann beginnen wir (wieder einmal), die erweiterte Bedienungsanleitung von unserer Kamera zu studieren, die kann ja noch so viel mehr als wir! Vieles, was da beschrieben ist, erscheint uns ziemlich kompliziert, es gibt zwei Menus, verschiedene Bedienungsebenen, Automatisches und Einstellbares, und bei unseren Feldversuchen klappt es manchmal gar nicht, die Kamera weigert sich, überhaupt ein Foto zu machen. Manchmal klappt es super, aber leider haben wir sicher beim nächsten Mal in zwei Monaten, wenn wir diese Funktion benützen möchten, wieder vergessen, wie wir das gemacht hatten!
Da ist die Handhabung der Handykamera schon viel einfacher….

Manchmal arbeiten wir im Olivenhain, nicht nur die Blumen sind am Wachsen, auch ganz viele Brombeeren, die bei einem terrassierten Gelände alles überwuchern mit ihren dornigen Ranken. Da helfen wir roden, mit dem Bagger wird der Boden aufgelockert, wir reissen dann alle Brombeeren aus, stapeln sie auf einen riesigen Haufen, wo auch noch viele Olivenzweige liegen. Am 14. April, dem letzten Tag dieses Jahr, wo man ein Feuer machen darf, verbrennen wir den ganzen Haufen. Es ist wahnsinnig, wie schnell und vernichtend so ein Feuer brennt!
Ich muss an  die vielen zerstörenden Feuer auf der Welt denken, die nicht mehr kontrolliert werden können, weil sie einfach zu gross wurden.

Den riesigen Haufen Brennholz hat Martin in geduldiger Arbeit gesägt und in einem grossen runden Gitter gestapelt. Das wird jahrelang reichen, um das Haus zu heizen.
Meine Beschäftigung bestand aus jäten, viele Blumen versetzen, Sonnenblumen  ansäen und aufziehen, versetzen und giessen, Basilikum  und Rosmarin anziehen,…Gartenarbeit, die mir gefällt.
Wir lesen auch viele Bücher, dank eines Abos unserer Bibliothek in Burgdorf, in dem Online E-Bücher ausgeliehen werden können. Und Dank Karin, die uns ihre E-Book Bibliothek zur Verfügung stellt. Das ist super!

Seit dem 4. Mai werden auch in Griechenland die Einschränkungen gelockert, man darf jetzt wieder ohne schriftliche Bewilligung aus dem Haus, sogar grundlos, obwohl natürlich immer noch gilt „stay at home“. Aber das ist schon viel freiwilliger als im letzten Monat, wo drakonische Bussen bis zu 300€ pro Person drohten, wenn man ohne Permit (per Sms oder auf Papier), mehr als zu zweit im Auto oder zu weit weg vom Wohnort erwischt wurde.
Wir sind trotzdem gewandert mit unseren Freunden, mindestens 1-2 Mal pro Woche, nicht nur ums Haus, nicht nur zu zweit, mit dem Auto irgendwohin gefahren, auch mal an den Strand, …(alles war verboten) manchmal haben wir drei verschiedene Bewilligungen dabei gehabt, damit wir einigermassen legal unterwegs sein konnten. Begegnet sind wir kaum jemandem, das Wandern durch die Hügel ist ein Vergnügen, das die Griechen nicht praktizieren.
In den Olivenhainen sehen wir, dass  gearbeitet wird, im April wurden die Äste geschnitten und verbrannt, danach vielleicht Gift gespritzt, (wenn das Gras von einem Tag auf den anderen braun wurde), später hörten wir manchmal einen Traktor rund um die Bäume pflügen, und momentan wird gemäht, wo das Gras stehen gelassen wurde. Jeder macht es ein bisschen anders.

Ende April haben wir dann die Wohnung gewechselt. Mit allem Gepäck sind wir die knapp 10 Kilometer gefahren. Dabei bin ich gestürzt, fast stehend, und habe mir den Ellbogen aufgeschürft und die Hüfte hat ein paar blaue Flecken abbekommen. Zum Glück bin ich mit dem Schrecken (und einer etwas mühsamen, nässenden und lange eiternden Schürfwunde)  davongekommen.
Also: 6 Wochen Velopause, und schon bin ich aus der Übung! Da muss ich aufpassen, dass meine Aufmerksamkeit nicht nachlässt!
Die „neue“ Wohnung ist da, wo wir im Februar Haus, Hund und Katzen gehütet haben. Diese Freunde haben uns die Wohnung auch schon vor einiger Zeit angeboten. Jetzt sind wir wieder in zwei Minuten am Strand. Wir helfen, kleinere Arbeiten zu erledigen, wandern, kochen und essen oft zu viert.  Abends spielen wir bis spät in die Nacht Karten, Martin ist froh, wenn Johnny ihn bei seinen strategischen Überlegungen unterstützt!

wir kochen nicht nur für uns….
…die Hunde kriegen auch mal was Leckeres, Ziegenköpfe!

Die erste Tagestour mit dem Fahrrad haben wir schon hinter uns, es war ein wunderschöner Tag, perfektes Wetter, die Strassen immer noch sehr spärlich befahren. Die Feldwege steinig oder sandig, zum Glück haben wir noch kein Gepäck dabei, da hätten wir ein paarmal schieben müssen.  Abends schmerzte uns der werte Hintern, obwohl wir „nur“ 32km gefahren sind. Aber wir sind rundum glücklich, endlich wieder den kühlen Fahrtwind um die Ohren gespürt zu haben!

Diese Tage erleben wir nun die erste Hitze des Jahres, das Thermometer steigt auf 35 Grad (je nach Wetterapp sind es sogar bis zu 40 Grad). Wir üben schon für das erste Bad im Meer.

Die Nachrichten zur Lage in Griechenland werden nun immer besser, unser Termin zum losfahren kommt langsam in die Nähe. Sobald die Campingplätze öffnen, wollen wir los. Wir werden sicher auch wild zelten, aber es geht uns um die Legitimation, falls wir unterwegs angehalten und ausgefragt werden. Ob wir dann auch einen Corona-Test oder eine Gesundheits-Bescheinigung brauchen, wird sich noch zeigen. Wir wollen so legal wie möglich in Griechenland unterwegs sein.

Vorerst touren wir mal auf dem Peloponnes herum, Richtung Norden, dann vielleicht über die Inseln Zakynthos, Cephalonia, Lefkada bis nach Korfu und von da mit der Fähre nach Venedig….aber es kann auch ganz anders kommen, wir bleiben uns treu, entscheiden spontan und lassen uns überraschen!

Coronakrise

Es geht uns gut!

Wir sind im Haus in der Nähe von Petalidi, auf dem Peloponnes, das wir gehütet haben und dürfen dableiben, solange, wie es nötig ist!
Seit anfangs Februar sind wir sesshaft, wir waren drei Wochen in einem Haus am Meer, haben  zu Katzen und Hund geschaut, waren oft am Strand spielen, wandern mit einer Wandergruppe, bestehend aus vielen Expats aus Holland, England, Deutschland, Frankreich und der Schweiz.
Während fast zwei Wochen haben wir dann zwei Häuser, zwei Hunde und drei Katzen gehütet, sind täglich hin und her gependelt.
Langsam wurden die Nachrichten aus Italien und der Schweiz immer ernster, die ersten Massnahmen wurden ergriffen, hier lief alles seinen gewohnten Gang, die Menschen flanierten in den Strassen, versammelten sich in den Kafenions und Tavernen, die Läden verzeichneten  keine Hamsterkäufe….
Die Besitzer des Hauses waren mit Auto und Anhänger in der Schweiz, am Verkaufen ihres Olivenöls, und alles wurde immer enger und schwieriger.
Wir haben für uns verschiedene Optionen geprüft und  uns schon da entschieden, hierzubleiben, wir können die Tiere ja nicht alleine lassen.
Wir erhielten Angebote zum Wohnen, also war klar, wir halten die Stellung, bis unsere Freunde wieder da sind. Am 18. März haben sie einen der letzten Flüge nach Athen gebucht und sind wirklich durchgekommen, und von da mit einem Taxi bis unten an die Strasse, wo Martin sie dann abends abgeholt hat.  Sie machen jetzt 14 Tage Quarantäne, niemand weiss ja, ob sie oder wir das Virus in uns haben.
Wir bleiben hier, unsere Wohnung in der Schweiz ist vermietet, wir fühlen uns hier so sicher wie zuhause.
Wir können in die Hügel wandern gehen, wir haben hier einen riesigen Garten, wo wir unsere Kreativität ausleben können, ein Riesenhaufen Holz wartet darauf, gesägt und zu einer schönen Beige aufgeschichtet zu werden.
Wir haben viele Bücher zum Lesen und das Internet funktioniert auch. Wir können uns genau informieren, aber uns auch schützen von zu vielen Nachrichten. Wir haben nur beim Einkaufen Kontakt mit anderen Menschen.
Viele Reisende, die wir virtuell verfolgen, sind gestrandet irgendwo, in einem fremden Land, aber alle (soweit wir wissen) haben einen Platz gefunden, wo sie bleiben können. Wir sind sehr froh, diese Hilfsbereitschaft und Mitmenschlichkeit erleben zu dürfen.

Wir wünschen euch allen, dass ihr gut durch diese Zeiten der Krise kommt!

Etappenziel erreicht!

Bei der Fahrt auf die andere Seite des „Mittelfingers“ sehen wir Kühe durch die Büsche wandern, die haben Glück gehabt, sie können draussen weiden! Wie wir auch, wir spüren die Wärme der Sonne, spüren wie es kühl wird, sobald sich Wolken davor schieben, spüren die Höhenunterschiede. Wenn es bergauf geht, schwitzen wir im T-Shirt, wenn es runtergeht müssen wir Windjacken und Handschuhe anziehen, erst recht, wenn wir im Schatten fahren.
Die alten Wohntürme in der Region Mani sind ganz aus Stein gebaut, fast alle (Ferien)Häuser werden in diesem Stil gebaut, wir wundern uns nicht, denn hier ist die Landschaft vor allem eines, voller Steine und Felsen. Ich frage mich, wie da überhaupt etwas wachsen kann. Die Olivenbäume sind nur noch klein, knorrig und man sieht, dass sie rauen Winden ausgesetzt sind.

Wir wohnen zwei Nächte in so einem Turm, der Raum ist dunkel, die Fenster gar klein und es ist kaum zu heizen! Es ist eine ganze Anlage und wir fragen uns, wie das wohl im Sommer ist… na ja, das fragen wir uns ja öfters ;-)

Wir besuchen eine Tropfsteinhöhle, lassen das Gepäck im Zimmer, da es ziemlich runter geht und dann ja auch wieder hinauf. An diesem Tag hat es wieder mal viel Wind, zuerst Gegenwind, so stark dass wir in die Pedale treten müssen um runter zu fahren. Wir sind allein da mit allen Angestellten, müssen warten, weil im Boot 6 Leute Platz haben. Vielleicht kommt gerade noch jemand?! Man sieht sehr gut, dass sich hier im Sommer viele Leute tummeln, ein grosser Parkplatz und die vielen Angestellten, die jetzt nur rumhängen und nichts zu tun haben. Der Preis sind stolze 15,-€ pro Person, keine Winter-Ermässigung wie in Epidaurus. Wir haben Glück! Ein australisches Paar hat heute Morgen die gleiche Idee wie wir, nämlich die Höhlen zu besichtigen! Und dann dürfen wir, ausgestattet mit Schwimmwesten, ins Boot steigen und werden durch die Höhle gestakt.

Achtung, Köpfe einziehen, die Durchfahrt ist manchmal sehr knapp, seitlich, aber auch in der Höhe. Es ist ganz still, man hört nur das Tropfen und Plätschern des Wassers, die Höhle ist faszinierend schön. Leider bekommen wir gar keine Informationen über die Höhle, weder geschrieben noch dass der Bootsführer uns etwas erzählen würde! Wie sie gefunden wurde, oder wie alt sie ist, oder dass sie von Piraten benutzt wurde, oder dass ein 14km langer Tunnel gefunden wurde, und es wird vermutet, dass der bis nach Sparta gehen könnte, damit damals die Spartaner in ihren Kriegen auf diesem Weg den Feind überfallen konnte oder sich nach Hause verziehen konnten, oder,….Alle diese Informationen haben wir später im Internet gefunden.

Wir plaudern noch mit dem Paar, die mit einem Auto, so einer Art Berlingo, unterwegs sind, von London aus gemütlich durch Europa bis hierhergefahren sind und oft im Auto übernachten! Sie haben auch sehr kalt in der Nacht!

Der Wind hat nun noch mehr aufgefrischt, aber jetzt haben wir Rückenwind! Unser Plan, den Nachmittag auf dem Dach des Turms in der Sonne zu geniessen, fällt ins Wasser, buchstäblich, der Wind hat Wolken übers Meer geblasen, die jetzt sogar etwas Regen bringen. Wir verbringen den Nachmittag also in dem dunklen Turmzimmer und lesen und schreiben,…ich kann mir gut vorstellen, wie es für die Bewohner dieser Türme im Winter war, ohne Heizung und warme Bettdecken! Abends kochen wir auf der Treppe unser Abendessen, und geniessen es dann drinnen in der “warmen” Stube.

Gerne würden wir noch bis zum südlichsten Ende von diesem Finger fahren (der südlichste Punkt Europas?), aber es ist zu kalt, es ist zu hügelig und sehr unbewohnt! Kaum Läden oder sonst etwas ist offen in dieser Jahreszeit, die Dörfer sind nur Sommerdörfer! Wir bräuchten sicher mehrere Tage bis hinunter und gleichviel wieder zurück, und erst noch auf derselben Strasse, was ich nicht so gern mache. Dazu gesellt sich eine Müdigkeit und Lustlosigkeit, denn wir sind schon recht nahe von Kalamata, unserem Etappenziel! Wir haben langsam genug von diesen Studios, immer wieder neu suchen, im Internet oder direkt in den Dörfern. Es wird Zeit für eine Pause, ein wenig daheim sein, ein Feuer im Ofen haben, einen Tag lang einfach drinnen an der Wärme sein! Oder nichts tun! Nicht planen, nicht Velofahren, Nichts!

Der Schnee ist manchmal nicht weit.
Runter und auf der anderen Seite wieder hinauf…

Also, deshalb fahren wir zu, es ist noch anstrengend, mit ziemlichen Steigungen, wir legen noch einen Pausentag in Stoupa ein, wo wir eine wunderbare Gastgeberin finden und den schönsten und längsten Sonnenuntergang sehen! Über eine halbe Stunde ist der Himmel in orange und rot gefärbt, ein wunderbares Schauspiel. Stoupa ist ein kleines Dorf in einer Bucht, mit etwas Tourismus, (jetzt natürlich nur ein paar wenige, die hier überwintern oder wohnen!)

Zwei Kaffees und ein Restaurant und der Supermarkt sind offen, was wollen wir noch mehr! Wir spazieren ein bisschen durch die Bucht, es ist ein Wunder, dass hier diese Dörfer nicht so verbaut sind wie in Spanien! Die höchsten Häuser sind zweistöckig, vielleicht ragt noch ein ein Türmchen darüber hinaus, es ist ein harmonisches, schönes Bild!

Bei Kardamily sehen wir die schneebedeckten Spitzen des Taygetos Gebirges

Kardamily sei auch so, nur sind da die Häuser noch älter, da dieser Ort schon seit Jahrtausenden besteht, zuerst als Hafen, Festung, Burg, Wohntürmen, und jetzt als Feriendestination. Es fährt sich gut an diesem letzten Tag vor Kalamata, die Steigungen sind zwar da, aber so sanft und stetig, dass ich sie sehr gut schaffe! Die Strasse ist wenig befahren, obschon es die einzige Verbindung von Kalamata in die Mani ist. Dafür treiben Hunde ihre Schafherden mitten auf der Strasse zu ihren nächsten Weiden. Wir werden beim Vorbeifahren zwar wachsam beäugt, aber nicht angegriffen!

Auf dieser Strecke überholt uns ein Campingbus mit kleinem Wohnwagen, mit deutschen Nummern, den haben wir doch schon in einer Parkbucht mit toller Aussicht stehen sehen, vor etwa einer Viertelstunde. Und der hält an, mitten auf der Strasse, steigt aus und fragt uns, ob wir selber weiter- oder mit ihm mitfahren wollen! Was für ein Angebot! Gestern hätte ich sofort ja gesagt, da war es so mühsam, aber heute geht es so gut, dass wir selber fahren wollen! Wir plaudern eine Weile mit ihm, er war auch oft schon mit dem Fahrrad unterwegs, mit allem Gepäck, deshalb hat er angehalten. Wir haben uns sehr gefreut über diese Geste!

So wie es Tage gibt, wo kaum etwas Erwähnenswertes geschieht, ist heute ein Tag der Überraschungen: auf der Passhöhe kommt uns ein Radfahrer entgegen, diese Fahrradfahrer sind hier sehr selten, und er hält an, um ein paar Worte mit uns zu wechseln! Er ist schon weit in der Welt herumgekommen auf dem Fahrrad, er kennt es. Wir geben ihm unsere Karte, vielleicht treffen wir uns mal in den fast drei Monaten, die wir jetzt in der Gegend sind.
In Kalamata hat es einen Warmshower Gastgeber, der weilt aber gerade in den Ferien, so mieten wir uns ein Studio für drei Nächte, bevor wir dann zu unseren Freunden nach Petalidi fahren und uns in ihrer Ferienwohnung einnisten können. Kalamata ist nichts Besonderes, aber das gefällt uns, Leute und Treiben einer normalen Stadt zu erleben.

Den letzten Tag können wir ohne Gepäck fahren, unsere Freundin hatte in der Stadt zu tun und wir dürfen alle unser Taschen und den Grosseinkauf ins Auto legen. So „fliegen“ wir die knapp 30 Kilometer nach Petalidi, machen noch einen Umweg an den Strand, müssen dann bei einem Bach wieder umkehren, da das Wasser zu stark fliesst und undefinierbar tief ist. Wir haben keine Lust, die Schuhe auszuziehen, deshalb kehren wir wieder um, zurück zur Strasse.

Die nächsten Tage werden wir in die Oliven-Holz-Verarbeitung einbezogen, mit Häcksler und Säge wird das Holz gehäckselt und zu Brennholz (für den Ofen) geschnitten, anstatt wie fast überall sonst verbrannt. Es ist ja so, dass in dieser Jahreszeit nach der Olivenernte all die vielen abgeschnittenen Äste zwischen den Bäumen nach ein paar Tagen liegengelassen und dann verbrannt werden, was dicke Rauchschwaden über das ganze Land ziehen lässt. Und entsprechend ist die Luft verpestet. Mit dem Häckseln des Laubes und der kleinen Äste wird hier etwas gegen die Luftverschmutzung getan.

in dieser Jahreszeit brennt immer irgendwo ein Feuer.

Irgendwie können wir aber kaum abschalten, die Umstellung zum sesshaft leben geht nicht so einfach. Martin bekommt eine Erkältung und liegt drei Tage im Bett, und als es ihm wieder besser geht, nimmt es mich mit Kopfweh und Übelkeit, wie ich es nur alle zwei drei Jahre mal habe. Da gibt’s auch nur eines, ab ins Bett und schlafen, bis es besser geht! Da hat sich einiges an Erschöpfung in uns angesammelt, dass es uns so flach gelegt hat!
Wir wissen jetzt, dass wir nicht mehr auf dem Fahrrad reisen wollen, wenn die Nächte so lang sind und es so kalt ist, und in Europa ist es im Winter einfach zu kalt, auch im Süden.
Bis Ende März bleiben wir nun in der Region von Petalidi, hüten zwei verschiedene Häuser mit ihren vierbeinigen Bewohnern, werden vielleicht ein paar Tagestouren mit dem Fahrrad machen und viel mit den Hunden wandern gehen. Und feine Menus kochen, Brot backen, Ofengemüse machen etc. Abends in der warmen Wohnung am Feuer sitzen und dann, vielleicht, die nächste Etappe unserer Fahrt besprechen.

Abendstimmung…
…und Morgenstimmung!

Es wird also hier auf dem Blog eineWeile etwas weniger zu lesen geben.

Schnee, Meer, Sonne

Morgens um 10 Uhr hält das Taxi vor unserm Haus, mit montiertem Veloständer auf dem Heck! Super! Ich habe mir schon Gedanken gemacht, wie die Velos wohl transportiert werden. Die Sonne scheint, blauer Himmel ist für die zwei nächsten Tage angesagt! Die ersten Kilometer denke ich noch, das hätten wir schon selber fahren können, wenn nicht mein Knie,…die Strasse windet sich durch das Tal hinauf, an einigen Orten stehen Autos, manchmal sehen wir die Kletterer in der Wand, meistens nicht. Hoch oben im Fels sehen wir das Häuser an die Wand geschmiegt, das ehemalige Frauenkloster Elona…die haben aber sehr abgeschieden gelebt!

So langsam wird es spürbar kühler im Auto, nach etwa 30 Minuten sehen wir den ersten Schnee am Wegrand liegen! Bald ist die Strasse mit Schnee und Eis bedeckt, der Fahrer fährt im Schritttempo! Als ihm ein Pickup entgegen kommt, hält er an, die beiden palavern miteinander, ich verstehe aus den Gesten, dass der andere unserem Chauffeur erklärt, wo es noch sehr eisig und rutschig sein wird, bis wir ins Dorf kommen. Es sind noch ein paar enge Kurven bis ins Dorf, die Strasse ist vielerorts im Schatten und dementsprechend schneebedeckt. Na das wird lustig für uns! Auf dem Dorfplatz hält er sichtlich erleichtert an, kaum sind wir ausgestiegen, steht ein Mann da und will wissen, was wir da wollen mit unseren Fahrrädern und unser Chauffeur sagt ihm, wo wir hin wollen. Er kommt dann zu uns und bedeutet uns, dass es viel Eis auf der Strasse hat und wir dann aufpassen sollten…in Griechisch und Zeichensprache!

Während wir unsere Velos beladen spricht Martin aus, was ich während der Fahrt gedacht habe. „Es war eine sehr gute Idee, diesen Transport zu machen!“ Zu steil die Strasse und viel zu lang, und in dieser Kälte. Ob in Kosmas dann eine Unterkunft offen gehabt hätte, wäre auch noch die Frage. Uns kommt das Dorf ziemlich ausgestorben vor!  Wir ziehen Regenjacke, Stirnband, Buff, und die dicken Handschuhe an und laufen los, damit wir warm werden. Es geht noch ein wenig aufwärts, Für die  Abfahrt ziehe ich dann noch die Daunenjacke an und wechsle die Schuhe,in den Klickschuhen bekomme ich oft eiskalte Füsse, wegen dem Metall in den Sohlen! Nun, die ersten paar Kilometer müssen wir immer wieder absteigen, und über die Eisflächen auf der Strasse balancieren. Mal überholt uns ein Jeep mit Schneepflug, der „rasiert“ den Strassenrand, sonst hat es nur vereinzelt Autos. Ein junger Mann fragt uns, ob es bis oben so weitergeht mit dem Eis, wir bejahen und geben noch den Rat slowly zu fahren, und schon gibt er Gas und die Räder drehen durch…

Wir geniessen die wunderschöne Aussicht! Dass wir wieder unterwegs sind, dass die Sonne so warm scheint, das Leben so schön ist! Und mein Knie überhaupt nicht mehr schmerzt! Den ganzen Tag scheint die Sonne, die Mittagspause verbringen wir in einem Olivenhain, (es hat fast nur Olivenhaine hier), wir hören die Pflücker in den Bäumen, Geräusche von Motorsägen und von Batterie getriebene Rechen oder Propeller, die an langen Stangen die Oliven in das Netz schütteln. Den ganzen Tag sehen wir die schneebedeckte Bergkette Taygetos, die wir im letzten März von der anderen Seite immer gesehen hatten, als wir in Petalidi ein Haus gehütet hatten.

Als wir in Skala einen Bummel durch die Stadt machen und in einen kleinen Laden einkaufen, kommt der Ladenbesitzer zu uns, fragt, von wo wir sind, ob uns Griechenland gefällt? Wir würden besser im Sommer hierherkommen, da sei es viel schöner, und sowieso, auf die Inseln sollten wir gehen, hier in Skala hat es ja nichts. Wir erwidern, dass uns Griechenland auch hier gefällt, wo es Nichts hat, und eben gerade in dieser Jahreszeit. Er wünscht uns schöne Ferien und als wir schon fast draussen sind, ruft er „wait, wait“, geht schnell zum Regal und schenkt Martin eine kleine Flasche Ouzo, der sei schon sehr alt und am besten mit dem Essen zusammen zu trinken! So viel Freundlichkeit berührt uns sehr!

Ein nächster Tag mit Sonne und Meer, lange Strände nur mit Eukalyptus und Olivenbäumen gesäumt, Buchten für uns ganz allein, Ruinen halb im Wasser, vielleicht ein Götterbad? Oder nur Becken einer alten Fischzucht?

Gythio, Gytheion, oder wie? Ein hübsches Städtchen in einer Bucht, ein bisschen belebt, Mittagspause! Und wir müssen einkaufen für drei Tage, der 6. Januar ist ein Feiertag und alle Läden sind geschlossen! Und ob in dem Dorf, wo wir übernachten werden, ein Restaurant offen hat, ist nicht so sicher, es ist Winter, kaum Gäste, Olivenernte, anderes zu tun!

Die Besitzer des Studios in Vathy sind sehr nette Leute. Wir erfahren viel über die Olivenbäume, die Ernte, die Qualitäten der verschiedenen Sorten, wir dürfen mithelfen, Oliven zu ernten, und wissen jetzt, wie wichtig es ist, die Oliven so schnell wie möglich in die Mühle zu bringen, weil sie mit jedem Tag an Qualität verlieren. Oder auch, dass es viel besser ist, sie in Jutesäcken (die man jedes Jahr wieder brauchen kann) zu transportieren anstatt in Plastiksäcken! Dass die regionale Regierung zweimal im Jahr Putzequipen schickt, um den Plastikabfall am Strassenrand aufzusammeln!

nach Leonidio

Die Wetterprognosen werden jetzt immer schlechter, für die Nacht werden sogar Minustemperaturen vorausgesagt, das macht uns etwas Sorgen. Zelten ist wirklich nicht mehr lustig so! Nach Leonidio führt unsere Route uns bald in die Berge, zwar nur 1200müM. aber es hat Schnee dort, wir können ihn sehen!
Die 77 km bis ins Städtchen Leonidio, einem Paradies für Kletterer, gedenken wir in einem Tag zu fahren. Es ist eine Küstenstrasse wie wir sie auch schon gefahren immer etwas rauf und runter. Irgendeinmal nach einer Kurve kommt uns ein Touren-Radfahrer entgegen! Ich freue mich auf einen Schwatz, aber der grüsst nur und fährt weiter. Schade! Und schon kommt uns seine Frau entgegen,  sie muss sich beeilen um ihren Mann einzuholen und grüsst auch nur kurz… Wir schmunzeln ein wenig, und im Spass sagen wir, das waren sicher Schweizer, die haben einen fixen Fahrplan!
Kaum haben wir uns „erholt“ von dieser Begegnung, kommen uns schon wieder zwei Tourenfahrer entgegen! Und diesmal passiert, was eigentlich immer passieren sollte! Wir steigen ab, begrüssen uns wie alte Freunde, tauschen uns aus, lachen über die kleinen Begebenheiten, die einem so passieren! Und wirklich, schon fast als Freunde verabschieden wir uns eine halbe Stunde später, wir haben abgemacht, in Kontakt zu bleiben und im Frühling werden wir die Beiden in Athen besuchen!

Gemütlich fahren wir weiter, die Strasse windet sich um die Hügel, die Aussicht ist immer superschön trotz aufziehenden Wolken und auffrischendem Wind.  

Im Lauf des Tages machen sich aber ganz ungewohnt, schleichend, stechende Schmerzen im rechten Knie bemerkbar. Zuerst versuche ich diese Seite etwas zu entlasten, keinen Druck damit auszuüben, aber es wird immer schwieriger, und natürlich gibt es jetzt gerade noch ein paar ganz mühsame Steigungen! Nach 60 km geht es nicht mehr, wir müssen in einem ziemlich leeren Dorf ein Zimmer suchen, und da komme ich kaum mehr die Treppe zum Zimmer hoch. Dazu kommen seit kurz nach dem Mittagessen noch diffuse Magenschmerzen. Weiss der Kuckuck, was heute los ist mit mir?
Das Zimmer ist gefühlte 2° warm, ich schlüpfe in die Daunenjacke und unter die Decke, Martin versucht, die Klimaanlage in Gang zu bringen, aber die bläst zuerst nur kalte Luft ins Zimmer. Nach Rücksprache mit der Besitzerin gelingt es ihm dann, der Maschine etwas Wärme zu entlocken. Der heisse Tee aus unserem Thermos hilft auch, gegen die Kälte und die Magenschmerzen. Martin geht die Velos abschliessen und kommt zurück mit der Nachricht, dass es in Strömen regnet! Da haben wir ja Glück gehabt!
Nach drei Stunden im warmen Bett ist mein Magen zur Ruhe gekommen. Unten im Restaurant, das zwar geschlossen hat, knistert ein Feuer im Cheminee, die ganze Familie ist da versammelt, wir dürfen uns zu Ihnen setzen. Die Frau erklärt uns, was sie für uns zu essen machen könnte: Souflaki, (das sind Fleischspiesschen, die mit Salat, Fladenbrot und Pommes frites serviert werden), Saganaki (frittierter oder gebratener Käse), Feta mit Tomaten vom Grill und Pommes Frites. Und die sind aus Kartoffeln, die von Hand geschnitten sind! Mein Magen macht nach der Mahlzeit keinen Mucks mehr, es war sehr gut! Wie ein dreijähriges Kind muss ich Stufe um Stufe mit dem linken Fuss voran zu unserem Zimmer hinauf, das Knie erholt sich nicht so schnell wie der Magen. Das wird wahrscheinlich etwas länger dauern…

Die restlichen 20 Kilometer bis Leonidio fahre ich am nächsten Tag mit der Kraft des linken Beins. Dank der Klickpedale geht das einigermassen. Bei der Pause am Strassenrand erleben wir noch eine Überraschung: Da kommen doch zwei junge Leute auf einem vollbepacktem Tandem mit Anhänger daher!!! Sie halten an und wir laden sie ein zu Kaffee und Tee, den wir gerade zubereitet haben. Die beiden sind in Frankreich gestartet, über Korsika, Sardinien, Sizilien und ganz Süditalien bis nach Brindisi, von dort mit der Fähre nach Igoumenitsa bis hierher gefahren, in der Gegenrichtung wie wir um den Peloponnes und jetzt auf dem Weg nach Athen. Die Weihnachtstage haben sie mit dem anderen französischen Paar verbracht, das wir in Nafplion getroffen hatten! Es sind also doch auch andere Velofahrer unterwegs! Martin fragt sich nämlich ab und zu, wo denn alle diese Fahrer sind, die da auf Facebook und Co.  „posten“, wie sie unterwegs sind… Nach dem Kaffee wollen sie weiter, sie wollen bis nach Korinth, das sind sicher fast 90 Kilometer, und am Nachmittag will es ja vielleicht regnen….Also dann, Bon Voyage!!

In Leonidio angekommen genehmigen wir uns zuerst einen Cappuccino in einem warmen Kaffee, checken dort im Internet ein paar Unterkünfte, und suchen uns eine Bleibe, wieder für ein paar Tage, wegen dem Knie, aber auch wegen dem Wetter. Der Camping wäre ja offen, aber es ist einfach zu kalt!
Wir wählen ein Hotel, das Zimmer hat, die mit einer kleinen Küche ausgestattet sind, das passt uns sehr gut. Aber noch besser ist die Zentralheizung, die jeden Abend das Zimmer wirklich warm und bewohnbar macht! Die Wahl ist gut, die Leute sind sehr freundlich. Die Hotelbesitzerin füllt uns  unsere 3dl Olivenölflasche mit ganz frisch gepresstem Öl auf, an einem anderen Tag schenkt uns ihre Mutter Weihnachtsgebäck und Kuchen, der hier am 1.Januar zum Frühstück gegessen wird.

In der Apotheke kaufen wir eine Salbe fürs Knie, jetzt wird eingeschmiert! Schon nach zwei Tagen ohne Anstrengung wird es besser. Wir spazieren täglich in das langgestreckte Dorf, da hat es wirklich ziemlich viele Kletterer, man erkennt sie an den sportlichen, farbigen Jacken und Hosen…
Eine Kooperative mit Laden und Bar-Kaffee ist der Treffpunkt dieser Leute. Wir lernen ein Paar aus Deutschland kennen, sie sind schon das dritte Mal hier seit letztem Sylvester. Sie erzählen uns vom Aufschwung des Wintertourismus im Dorf, den es seit etwa 2013 dank den Kletterern gibt. Seitdem wurden für über 1000 Routen Haken in die Felsen der Umgebung gebohrt! Jährlich findet ein Kletterfestival statt, das jedes Jahr immer mehr Menschen anzieht.

Suchbild: findest du die vier Kletterer?

Zuvor war vor allem der Sommertourismus eine Einnahmequelle neben den Oliven, Orangen, Mandarinen und dem Gemüseanbau. Die Olivenernte ist momentan in vollem Gang, überall sind die Bauern in den Bäumen am Ablesen und Schneiden. Wir können von unserem Fenster aus die Ölmühle beobachten, wo Tag und Nacht der Kamin raucht und die Bauern mit ihren Pickups volle Säcke herbringen, den Tanklastwagen, der das Öl abholt, und die ausgepressten Überreste der Oliven in einem grossen Container vor sich hindampfen und einen etwas säuerlichen Duft ausströmen.

Wir machen einen Ausflug mit den Velos zum Hafen des Nachbarortes, ich will wissen, ob das Knie noch schmerzt. Nach 16 km ist gerade genug, also noch nicht gut für den Aufstieg auf 1200m in knapp 30 Kilometern!

Am ersten Januar wandern wir zum Fuss  einer Felswand hinauf, da, wo die Kletterer starten, aber heute ist niemand hier. Es hat ja eben über 1000 Routen wo man klettern kann. Leider verzieht sich die Sonne schnell, der kalte Wind vertreibt uns wieder ins Dorf in die warme Stube hinunter. Auch bei diesem Ausflug merke ich, dass das Knie die Belastung noch nicht lange durchhalten würde!

 Aber, wir finden auch für dieses „Problem“ eine Lösung! Wir werden uns einen Transport nach Kosmas organisieren, dort ist der höchste Punkt, von dort aus können wir dann selber fahren. Wir warten also die kalten, windigen und regnerischen Tage ab, am nächsten sonnigen Tag werden wir starten!

Weihnachten

Für die Weihnachtswoche haben wir in Nafplion ein Studio gemietet. Wir wollen diese Tage gut erreichbar sein für Familie und Freunde, aber auch ein bisschen zuhause sein.
Es ist eine der schönsten alten Städte in Griechenland, dementsprechend hat es auch Tourismus, gerade über die Weihnachtstage. Aber es sind vor allem Griechen, die ihre paar freien Tage hier verbringen. Wir treffen am Hafen auf ein französisches Paar auf den Velos, etwas jünger als wir, sie haben ein Jahr frei genommen, um eine Velotour durch Süd-Europa zu machen. Auch sie campen wild und kochen selber, da hat man sofort Gesprächsstoff. Wir plaudern ein wenig und wünschen uns dann gegenseitig „safe travels“!

Weihnachtsbaum mal anders!

Das Studio ist sehr klein, es war mal eine Garage, mit eingebauter Küchenecke, Dusche und Toilette. Wir wohnen da mit unserem ganzen Gepäck und den Velos…Das ist ein Tiny-House-Feeling! Ordnung geht über alles, damit wir nicht immer wieder über unsere Taschen stolpern! Dafür passt der Preis einigermassen.

Aber wir verbringen ja viel Zeit draussen, fahren durch die Orangenfelder, besteigen die Ruine Tiryns, sind auch hier fast die einzigen Besucher, fahren und wandern dem Meer entlang und besuchen auch immer wieder die Stadt, bummeln ziellos durch die Gassen und geniessen es, abends im warmen Zimmer zu kochen und zusammen zu sein.

Am letzten Tag wechselt Martin noch den Schlauch von meinem Vorderrad, es verliert einfach immer ganz wenig Luft. Als wir dann abends packen und alles vorbereiten für die Abfahrt am nächsten Tag, kontrolliert er den Reifen… Zero Luft im Pneu!!! Anstatt gemütlich ins Bett zu liegen, nehmen wir das Fahrrad nochmals auseinander und finden im Pneu einen mikroskopisch kleinen Dorn, den er am Nachmittag nicht gespürt hat. Nochmals Schlauch flicken und pumpen! Jetzt hält er sicher!

Sonnige Tage

In Loutraki, dem Nachbarort von Korinth haben wir eine kleine Wohnung für ein paar Tage, es will ja schon wieder regnen und vor allem viel Wind mit Böen von über 60 km/h. Die Stadt erinnert uns an Playa San Juan in Alicante, es hat offene Geschäfte und Restaurants, Leute unterwegs, eine schöne Weihnachtsbeleuchtung, aber auch viele leere Quartiere. In dieser Jahreszeit wohnt kaum jemand da. Vielleicht gerade deshalb gefällt es uns, wir spazieren dem Meer entlang, solange der Wind uns lässt, aber bald schon Schüttelt er an den Bäumen und wird kalt, da verziehen wir uns bald in die Wohnung und beschäftigen uns mit kochen, Kleider waschen und trocknen, ein paar Filme anschauen. Ich schreibe am Blog, bearbeite die Fotos, und dann muss  alles hochgeladen werden, was einige Stunden Arbeit und Wartezeit ergibt, da das WLan halt nicht so schnell ist.

Wir diskutieren viel über unsere Reise, wie wollen wir weiter, was wollen wir noch machen bis Ende Januar? Nach Athen? Oder Kreta? Da wäre es vielleicht etwas wärmer? Oder….? So grob entscheiden wir nach einigem hhin und her, dass wir um den Peloponnes fahren und dabei einige antike Stätten besuchen wollen. Der Wetterbericht will eine Woche sehr mild mit viel Sonne, das wollen wir ausnützen!

Da hat einer sein Boot parkiert?

Die Küste des Saronischen Golfs ist sehr grün und hügelig, es hat kaum Häuser oder Feriensiedlungen. Nur ein paar Dörfer mit kleinen Stränden, die zum Verweilen einladen. An steilen Hügeln wilder Pinienwald, oder Olivenbaumplantagen, soweit das Auge reicht. Es geht rauf und runter, da bleiben wir warm! Es ist wirklich das erste Mal seit langem, dass wir in T-Shirt und kurzen Hosen fahren können und auch in der Mittagspause keine Jacke anziehen müssen.

Gegen Abend finden wir ein wunderschönes, einsames Plätzchen zum campen, das bekommt auf der Skala von 1 bis 10 eine glatte 10!

das ist die Aussicht von diesem wunderschönen Platz
Die Sonne kommt dann etwas später hinter dem Hügel zum Vorschein
Alles bereit zum Trocknen
Frühstück in der Sonne!

 Um Epidaurus zu erreichen, brauchen wir dann etwas länger, die Steigungen habe ich nicht so genau angeschaut, es sind mehr als ich gedacht habe! Als wir um halb drei Uhr ankommen, lassen wir die Fahrräder mit allem Gepäck beim Eingang, spazieren hinein und können fast ganz allein das Theater  und all die Reste der antiken Tempel und Häuser bestaunen. Alles sehr eindrücklich. Es braucht aber schon einige Fantasie, sich diese Stadt vorzustellen, es liegen halt schon viele Brocken am Boden herum… Nach fast zwei Stunden in den Ruinen haben wir langsam genug, wir müssen jetzt ein Plätzchen zum Übernachten finden, bevor es dunkel wird.

Der riesengrosse, gähnend leere Parkplatz vor dem Gelände zeugt von einem endlosen Besucherstrom im Sommer. In der Nähe zweigt ein Wanderweg ab, wir fahren da mal hin und finden mitten in den Olivenbäumen einen Platz für unser Zelt. Die Bauern sind mitten in der Olivenernte, aber diese Bäume sind schon abgeerntet, da sollten wir eigentlich keine Probleme bekommen. Einige sehen uns und winken, andere schauen gar nicht hin. Die Hunde bellen die ganze Nacht, aber das ist ja normal und überall so. Am Morgen ist eine wunderschöne, feucht-kalte Nebelstimmung! Wir warten auf die Sonne, die sofort wärmt und alle unsere Sachen trocknet.

Danach fahren wir zu einem Camping, der das ganze Jahr geöffnet hat,er liegt in einer kleinen Bucht und hier geniessen wir ein paar Tage das Meer und die Sonne. Und an einem Abend ist es sogar so warm, das wir bis um 22 Uhr draussen sitzen können ohne zu frieren. So wie wir es uns vorgestellt haben…. Und das im Dezember, so kurz vor Weihnachten!

eine Brücke aus der mykenischen Zeit!
So blüht also dieser Kaktus! unser zuhause hat noch nie Blumen gemacht. ist wahrscheinlich noch zu klein!

Wandern statt Velofahren

Nach zwei Tagen anklimatisieren in Patras fahren wir los, dem Golf von Korinth entlang. Wir haben mal was anderes im Sinn. Eine Zahnradbahn (Schweizer Fabrikation) fährt von Diakofto bis nach Kalavryta, einem Dorf in den Bergen, das auf verschiedene Arten touristische Anziehung hat: erstens hat es ein Skigebiet, zweitens eine schreckliche Vergangenheit. Im zweiten Weltkrieg wurde fast die ganze männliche Bevölkerung des Dorfes ermordet, und es hat eine Gedenkstätte und ein kleines Museum dazu. Und dann eben auch die Fahrt mit dem speziellen Zug, der sich durch ein wirklich schönes Tal windet, das zur engen Schlucht mit Steilhängen und Felsformationen wird.
Wir haben im Sinn, von der Mittelstation hinunterzuwandern, den Gleisen der Bahn entlang, durch die Schlucht und das Tal. Trotz wechselhaftem Wetter fahren wir bis Zacharo, ein im Sommer sicher gut besuchtes Dörfchen, jetzt ist es ausgestorben, ein paar Katzen huschen herum, eine Frau mit vollen Einkaufstaschen geht in ein Haus hinein, Aha, da wohnen also doch noch ein paar Leute. Aber die haben alle ein Auto, da ist niemand abhängig vom Zug. Das sieht man auch auf der Fahrt, ein italienisches Paar, eine griechische Schulklasse und wir sind die Fahrgäste, dazu kommen der Zugführer, und ein Mann, der einmal aussteigt und einen Steinbrocken zur Seite schiebt, weil der zu nahe am Gleis liegt. (Später beobachten wir, dass der Zug auf jeder Bergfahrt einmal anhält und der Mann aussteigt, um einen Brocken wegzuschieben… Gehört also zum Erlebnis >Zugfahrt in die Berge.)

Der Fahrplan ist recht kümmerlich, dreimal täglich, am Wochenende fünfmal am Wochenende. So können wir unbeschwert auf und neben den Gleisen talwärts wandern, der Zeitplan ist einfach. Die Bäume sind herbstlich gelb gefärbt, zwischen den Wolken kommt ab und zu die Sonne raus und legt einen goldenen Schimmer über das ganze Tal. Bei jeder Brücke hat es eine Verbotstafel, dass das Überqueren der Brücke verboten ist, aber es gibt gar keinen anderen Weg….So ist die Behörde abgesichert, falls etwas passiert. Es ist fast wie mit den Geschwindigkeitstafeln auf der Strasse, wo man bei einer Baustelle laut Verkehrstafel noch 10 fahren darf, aber niemand hält sich daran. Weil es niemand kontrolliert.

Das Tal wird an einer Stelle sehr eng, die Schlucht ist mit Tunnel und Fussgängersteg ausgestattet. Es ist immer wieder eindrücklich zu sehen, wie viel Kraft das fliessende Wasser hat und was es in den Jahrtausenden geschaffen hat. Hier tost der vor hundert Metern noch friedlich plätschernde Bach über die Felsen und schiesst mit unglaublichem Tempo zwischen den Felsen talwärts. Es wird mir fast schwindlig, da hinunterzuschauen auf das Naturspektakel.

Es ist eine gemütliche Wanderung, nach drei Stunden sind wir wieder im Dorf, wo wir uns einen griechischen Käsekrapfen leisten, bevor wir wieder in unsere Unterkunft gehen, bevor der nächste Regenguss uns erreicht.

Apropos Einkaufen: Das ist nämlich etwas schwierig geworden! Warum? Die Schrift, das griechische Alphabet ist leider so nicht einfach! Da stehen wir dann vor dem Regal und versuchen herauszufinden was da wohl in der Verpackung ist? Soja? Bulgur? Ich beginne Fotos zu machen und dann mit WLan einem Übersetzer und der griechischen Tastatur, die ich auf dem Handy installiert habe, versuche ich zu entziffern und zu verstehen was in den Verpackungen drin ist. Manchmal steht dann aber auf dem Joghurtkübel: „Die tägliche party“…?!

was genau ist jetzt da drin?

Auf allen Strassen, egal ob klein oder gross, überall hat es am Strassenrand Plastikflaschen, vorwiegend Halbliter, gedankenlos zum Autofenster rausgeworfen, ….was für eine  Gedankenlosigkeit!!!
Es gibt Tage, da macht es mich wütend, an anderen schaue ich einfach nicht hin! Aber: wie kommen wir Menschen dazu, die Natur, unsere Lebensgrundlage, so zu vermüllen? Und dies natürlich nicht erst in Griechenland, auch schon in Italien hat es mich erschreckt, wie viel Müll es am Strassenrand, aber auch in abgelegenen Gebieten hat.
Da muss noch sehr viel Aufklärungsarbeit geleistet werden!
Positiv aufgefallen sind uns die kleineren Läden, wo man viele Esswaren aus grossen Säcken kaufen kann. (Solche Unverpackt-Läden die jetzt neu in der Schweiz wieder aufmachen) Klar, es wird in Plastiksäcke abgefüllt, aber wir haben schon gemerkt, dass das Personal bereit ist, unsere mitgebrachten Taschen zu befüllen, und wenn wir sagen „no Plastic“, hören wir oft „oh yes,very good“!
Nach diesem kleinen Exkurs über Abfälle wieder zurück zum Fahrrad. Mein Vorderreifen verliert immer ganz langsam ganz wenig Luft. Nach einem Check merken wir, dass der Pneu ziemlich mitgenommen ist, es ist der einzige alte, den wir nicht ausgewechselt haben, weil er noch recht gut war. Aber jetzt muss er ersetzt werden, sonst haben wir immer wieder Probleme. Also das heisst, in jeder grösseren Stadt suchen wir jeden Fahrradladen auf und fragen, ob sie diesen extradicken Schwalbe Reisepneu haben! Bis jetzt haben wir noch keinen gefunden.

Die Küste bis Korinth ist ähnlich verbaut wie in Italien, die Orte meistens ziemlich menschenleer und wenn mal ein Kaffee offen ist, sitzen nur ältere Männer drin und wenn wir uns auch hineninsetzen um uns aufzuwärmen, gibt es griechischen Kaffee oder Nescafe, aber keine so feinen Croissants dazu, die müssen wir vorher separat kaufen in einem der wenigen Läden die da offen haben. Wir übernachten in verschiedenen Apartments, die einen sind fast luxuriös, die anderen etwas leer und kalt. Ja die Heizung am Abend ist schon etwas, das wir immer mehr schätzen, die Nächte sind sehr feucht und kühl geworden.
Wir begegnen einer Familie auf dem Velo, voll bepackt, aber sie haben keine Anstalten gemacht anzuhalten, leider. Später erfahren wir von einem Gastgeber, dass sie auch bei Ihm übernachtet hatten, eine französische Familie, die für ein Jahr in Europa unterwegs sind. Vielleicht begegnen wir Ihnen noch einmal, sie fahren um den Peloponnes, in der anderen Richtung wie wir es tun wollen. Und dann, am Kanal von Korinth begegnen wir einem französischen Paar im Campingbus, wir plaudern ein wenig miteinander, bevor wir über die Fussgängerbrücke auf die andere Seite wollen…

Griechenland wir kommen!

Nach einem ziemlich windigen und sehr kühlen Abend auf dem Camping, (nicht die Nacht ist das Problem) brechen wir das Zelt ab und reisen weiter. Ziel ist Bari! Nein, die Fähre! Griechenland! Patras! die Sonne! die Wärme!
Drei Tage brauchen wir, um Bari zu erreichen, übernachtet wird in heizbaren und mit Küche ausgestatteten Studios oder Wohnungen, die kleinen Städtchen gefallen uns schon, aber jetzt wird nicht gebummelt, es will Ende Woche wieder viel Regen und Kälte, es ist merklich kühler geworden und wir ziehen uns wärmer an. In Bari checken wir in einem Hostel ein, wir ergattern das einzige Doppelzimmer! Zwar nicht sehr schwierig im Dezember, es sei sehr ruhig, sagt uns Dave, der das Hostel führt.

Im Keller ist das Schlafzimmer
Die Einfahrt nach Bari gestaltet sich dann aber etwas schwieriger, es hat einen Fluss, und über den gehts nur per Autobahn oder Nationalstrasse!

In den paar Tagen hier gehen wir nochmals Italienisch essen, ganz unspektakulär und extrem günstig in einem Self-Service Restaurant, wir erhalten drei verschiedene Arten von Orecchiette, viel Gemüse, von Hand geschnittene Pommes Frites, es ist sehr lecker. Obwohl wir für italienische Verhältnisse sehr früh sind (etwa halb acht Uhr), füllt sich das Lokal, vor allem alleinstehende Männer, die direkt vom Büro hier essen gehen, einige kennen sich, es ist eine lockere Atmosphäre, wir werden eingeführt und beraten, und dann geduldet, selten verirrt sich wahrscheinlich ein Tourist hierher.
Tickets für die Fähre kaufen wir zwei Tage zum Voraus, im Hafen schauen wir alles genau an, damit ich weiss, wo wir hinmüssen, denn im Internet habe ich ziemliche Horrorgeschichten über den Hafen von Bari gelesen, dass das Personal gar nicht hilfsbereit ist, man von A nach B geschickt wird, lange Warte-Schlangen beim Check-in,….
Aber jetzt, in dieser Jahreszeit hat es kaum Leute, ja klar die Lastwagenfahrer, von denen hat es eine Menge, die stehen da im Hafen herum, rauchen draussen und palavern drinnen, da bekomme ich das irrationale Gefühl, dass ich dann vielleicht die einzige Frau auf dem ganzen Schiff bin???
Klar, es geht bei uns ja auch darum, die Kosten nicht in die Höhe zu treiben, und eine Überfahrt kostet 65€, Eine Kabine aber gerade mal 100€ mehr! Pro Person!
Aber, ich bin nicht mehr zwanzig und muss nicht irgendwo auf einer Bank auf Deck in den Schlafsack gehüllt übernachten, oder? Ich werde ja nächstes Jahr auch schon sechzig, da darf man sich doch eine Kabine leisten, oder?! (könnt ihr euch vorstellen, wie Martin und ich da in der Tickethalle, voller Lastwagenfahrer, diskutieren?)
Lieber Martin, du hast dich gefügt, mir das Abenteuer einer Nacht ohne Kabine auf dem Schiff erspart, Herz-Dank!

Es weihnachtet sehr!

Und so können wir am 6. Dezember, dem Samichlaus-Tag,  Bari verlassen, die Stadt des heiligen St. Nikolaus, wo heute Abend Prozessionen mit Musik stattfinden, die beleuchtete Nikolaus-Kirche viele Menschen anzieht, die ganze Stadt in Feststimmung ist.

Und wir fahren zum Hafen, es ist 18 Uhr, dunkle Nacht, wir holen unsere Tickets, keine Schlange beim Check-in, aber wieder viele Lastwagenfahrer, und dann dürfen wir mit den Lastwagen zum Schiff fahren…Wir haben unsere Leuchtwesten an, ich bin froh um unser helles Licht am Velo vorne und hinten, die Lastwagen sind einfach alle sooo gross! Aber es wird vorsichtig gefahren, die Angestellten wissen, dass wir kommen, wir werden durchgewunken, an den Lastwagen vorbei, dort, diese Rampe hinauf und dann in diese Ecke, wo noch niemand ist.

Geschafft! wir sind drin!

Wir befestigen die Velos, nehmen die zwei Taschen, die wir brauchen und überlassen die Velos ihrem Schicksal, ein Schiffsarbeiter hat sie noch mit zwei Seilen gut festgezurrt, die fahren nirgendwo hin!
Wir werden oben auf dem Schiff in unsere Kabine geführt, alles ist ruhig, noch…
Wir gehen auf Deck die Aussicht „geniessen“! Da können wir zuschauen, wie diese Lastwagenfahrer ihre 40Tönner parkieren, zum Teil rückwärts die Rampe hochfahren, mit Anhänger, vollgeladen, die Männer auf dem Schiff wissen genau, welcher wohin muss, es hört nicht auf, die Decks des Schiffes füllen sich, Zentimeter-genau wird einer nach dem anderen parkiert, sodass kaum ein Mann zwischendurch gehen kann. Und da kommen zwei Lastwagen langsam hochgefahren, es  stellt mir fast den Atem ab: vollgepackt mit lebenden, jungen Kühen oder Stieren, zweistöckig! Diese armen Viecher! Mir tut das Herz weh für diese Kreaturen. Was müssen die für eine Angst aushalten! Wir können nicht sehen, was für eine Nationalität die Lastwagen haben, es hatte schon albanische und griechische und türkische. Wo diese Tier wohl hingekarrt werden?
Diese Bilder werde ich nicht so schnell vergessen und sie werden mir helfen, weniger Fleisch zu essen!

Bei der Ankunft in Patras sehen wir, wie nahe die Lastwagen an unsere Velos parkiert wurden!

Genau in diesem Moment kommen zwei junge Leute mit Rucksäcken auf Deck, wir fragen nach dem wohin und woher, sie ist Schwedin, und war bis Venedig auch mit dem Velo unterwegs! Und er ist Schweizer, aha, was? sogar aus Burgdorf! Etwa im Alter, wie unsere Kinder, und wir tauschen nur kurz aus, dann wissen wir, dass er und Tom sich kennen! Zwar nicht von Burgdorf, aber sie waren zusammen im Militär! Schnell mache ich ein Foto und schicke es unserem Sohn, ach ist die Welt doch klein!
Als wir in das Schiff hineinkommen, wimmelt es nur so von jungen Leuten! In den Lounges räkeln sie sich und schwatzen, im Restaurant geht es hoch zu und her, und in den Gängen bei den Kabinen ist ein Kommen und Gehen, Lachen und Palavern. Das muss eine ganze Schule sein, die da einen Ausflug nach Italien gemacht hat und nun auf der Rückreise ist…

Von wegen einzige Frau auf dem Schiff!!!

Ich habe trotz dem Lärm der Schüler recht gut geschlafen. Die Schüler haben nämlich das Schiff in Igoumenitsa verlassen, das heisst sie mussten um sieben parat sein, Sieben Uhr griechische Zeit, also um sechs, heisst, etwa um fünf ging der Lärm los, Türen schlagen, Toilettenspülungen, Gelächter und Geschrei auf den Gängen, und dann der Stewart, der an die Türe klopfte und sich bei uns vergewissert, ob wir nach Patras fahren!!!! Dann wurde es aber wieder ruhiger. Wir wollten eigentlich frühstücken auf dem Schiff, aber die saftigen Preise lassen uns nur zu einem Kaffee und Croissant greifen. Wir haben ja auch noch ein paar Knabbereien in unseren Taschen. Als wir auf Deck kommen, sehen wir, dass das Deck fast leer ist, fast alle sind in Igoumenitsa schon raus, auch die Lastwagen mit den Kälbern sind nicht mehr da.

Die Fahrt geht ruhig und bei warmem und sonnigem Wetter durch die Inseln bis nach Patras, wo wir mit den restlichen Lastwagenfahrern (jetzt sind wir nur noch drei Frauen) zu den Fahrzeugen und dann an Land gehen. Die Velos packen und losgefahren, wir sind in Griechenland! Fast 700km weiter südlich als noch gestern! Schön!

Wir wollen etwas essen, das geht am besten mitten in der Stadt, in einem Beizli, wo wir bei Essen und Bier das Treiben beobachten können.

In Griechenland wird es schwieriger, bei Warmshower Gastgebern zu übernachten, da es fast keine hat! Auf dem ganzen Peloponnes hat es etwa 10 Menschen, die Velofahrern eine warme Dusche und eine Couch oder den Garten zum Zelten anbieten. Und keiner davon ist in Patras. Wir versuchen es bei Couchsurfing, leider etwas zu kurzfristig, und niemand kann uns aufnehmen. Aber eine Frau haben wir getroffen und ein Stündchen geplaudert mit ihr und ihren Kollegen und Kolleginnen. Sie haben einen  Markt für Kunsthandwerker organisiert, mit Live Musik und einer Performance Acro Yoga. Es gibt sie auch hier, die kleine alternative Szene!

Weihnachtsstimmung in Patras

Wir haben dann ein Hotel gebucht, etwas ausserhalb des Zentrums, dafür mit Meerblick! Ich kann sogar ein Stündchen auf dem Balkon sitzen, die Sonne und die Aussicht geniessen und richtig Ankommen!

unser Zimmer im Delfini, im 2. Stock, fast hinter dem Baum…

Gargano

Lange nichts gehört? ja hmh, wir sind eigentlich schon in Griechenland! Aber da habe ich noch ein paar schöne Fotos vom Gargano, die ich euch zeigen möchte, ohne Worte sozusagen ;-)
Wir haben Zeit über die Weihnachtstage zum Schreiben! Während dem Fahren sind die Tage einfach zu kurz. Also schaut bald wieder rein, der nächste Blog ist auch schon am Entstehen!

zum Auslösen benützen wir das Handy…
…das erste Mal gehts meistens schief…
…dann gelingt das perfekte Foto!

Wild zelten

Oft ist es gar nicht so wild, sondern einfach etwas aufregend, wenn wir wieder einen Platz suchen zum Übernachten. Da war einmal dieser Picnic Platz, neben einem kanadischen Gedenkfriedhof, auf einem Hügel, einsam (denken wir), mit Aussicht auf das Meer. Da geht an einem gewöhnlichen Dienstag niemand hin. Wir tanken noch Wasser beim Friedhof und fahren hin. Von wegen niemand: da spazieren ein paar Leute mit ihren Hunden, es ist ein etwa 1 Kilometer langer Weg durch die Pinien, abgesperrt für Autos und wirklich sehr schön, ab und zu hat es einenTisch und Bänke, dann eine kleine Aussichtsplattform mit Spielgeräten aus Holz, recht neu, aber trotzdem schon ziemlich überwachsen mit Gras und Unkraut. Es ist erst kurz nach 16 Uhr, es fehlt noch eine knappeStunde bis es finster wird.

Wir setzen uns an einen der Tische, schauen, wie die Sonne sich dem Horizont zuneigt, da kommt eine Gruppe Frauen, alle im Fitness Dress, mit Walking Stöcken, es wird palavert und gewalkt, was das Zeug hält! Dreimal hin und her laufen die Frauen, mit der Instruktorin voraus, dann verschwinden sie wieder mit ihren Autos. Auch ein Mann läuft hin und her. Es sieht gemütlich aus, und wenn er vorbeikommt wechselt er jedes Mal ein paar Worte mit uns: er komme oft hierher zum Gehen, so drei bis vier Kilometer könne er noch machen, jetzt will er aber nach Hause, es wird ihm zu kühl. Zwei Frauen mit ihrem Hund plaudern auch noch mit uns, dann kommt ein Vater mit seiner kleinen Tochter zum Spielen… Wir überlegen jetzt schon mal, wo wir das Zelt hinstellen könnten, es hat ziemlich Wind und die Hunde, die wir bellen hören, sind nicht so weit weg.
Windgeschützt und unsichtbar sollte der Platz sein, flach und unter den Bäumen, damit das Zelt nicht zu nass wird, aber am liebsten mit Morgensonne…Endlich, es dämmert schon, begeben sich auch Vater und Tochter auf den Heimweg, und wir sind allein. Ganz hinten hat es einen Platz, der bis auf die Morgensonne alles erfüllt, naja, Wind haben wir auch, so dass wir dann im Zelt drinnen essen. Unser rotes Lämpli erhellt unser Schnipseln des Gemüses und das Kochen, die Hunde bellen sich in die Nacht, sicher nicht wegen uns! Aber es ist schon so, wir lauschen auf ungewöhnliche Geräusche, Autos oder Schritte, das Krächzen eines Nachtvogels lässt uns innehalten und horchen. Wenn wir uns Mühe geben und ganz langsam sind mit Kochen, Essen und Abwaschen, (Ja das machen wir immer!) dann ist es vielleicht halb acht Uhr bis wir fertig sind. Für uns schon ewig Nacht, finster und kühl, deswegen verkriechen wir uns in den Schlafsack, der ist schnell schön warm. Ich lese meistens noch ein wenig auf dem Handy und Martin schläft schon bald.
Ich habe einen leichten Schlaf, mehrmals wache ich auf, lausche den Hunden zu, die armen Kerle, die da Nacht für Nacht allein irgendwo am Bellen sind! Oder ich höre irgendwo eine Strasse oder das Brummen der Maschinen vom Hafen der nahen Stadt. Und manchmal denke ich, es wird nie mehr Tag, immer wieder, wenn ich die Augen öffne, ist es noch dunkel, aber endlich, ein Vogel zwitschert, das ist ein untrügliches Zeichen, dass der neue Tag erwacht!

So zwischen 6 und 7 Uhr wird es hell, wir stehen auf, packen zusammen, und machen Kaffee und Frühstück, oder wie diesmal, suchen uns zuerst einen Platz an der Sonne, es ist kalt, sehr kalt! Wir finden den Platz an der Sonne und wie wir so herumschauen, sehen wir die nahen Berge voll verschneit! Aha, deshalb ist es so kalt, eine klare Nacht so nahe am Schnee. Aber die Sonne und der Kaffee wärmen uns und das Zelt trocknet im Nu.
Oder in einer Pineta, wir sind schon etwas spät dran, der Weg dahin war ziemlich holprig, dafür fast verkehrsfrei, an Feldern und Bauernhöfen mit freilaufenden, bellenden und Velofahrer jagenden Hunden vorbei…Wir landen auf einem sandigen Weg, müssen die Velos stossen, da plötzlich hinter mir aus dem Nichts ein riesiger schwarzer Hund, dann noch ein zweiter, weisser, langhaariger. Sie bellen nicht, sie begleiten uns und schnüffeln herum, wie wenn sie zu uns gehören würden. Es dunkelt schon, da finden wir ein flaches Plätzchen unter einer Piniengruppe, stellen schnell das Zelt auf bevor wir nichts mehr sehen. Wo die nächsten Häuser sind? keine Ahnung! Wo die nächste Strasse, die für Autos zugänglich ist? keine Ahnung!
„Unsere“ Hunde sind immer noch da, sie spielen miteinander, wir hören, wie sie sich raufen. Etwas ausgepowert sitzen wir im Zelt, machen eine kleine Pause vor dem Kochen. Da fangen die Hunde an zu bellen, wütend, scheint mir, wir hören Schritte und lautes Schnaufen, auch wütend. Ich schaue mal vorsichtig hinaus und sehe in der letzten Abenddämmerung die Silhouette eines Stieres, knapp 15-20 Meter von unserem Zelt entfernt! Die beiden Hunde geben alles, wie verrückt bellen sie, und der Stier verzieht sich langsam auf die andere Seite, immer noch wütend schnaufend, und da plötzlich, schreit laut und durchdringend ein Esel! Das tönt ja auch sehr ungeheuerlich, so in der Nacht und unerwartet! Der Stier muht zurück, zum Glück sind wir nicht gerade dazwischen, sondern etwas abseits.
Was jetzt? Weggehen geht nicht, keine Ahnung wo wir einen besseren Platz finden könnten, und auf dem sandigen Weg, nachts? Nein,wir bleiben hier, die Hunde beschützen uns ja! Aber wir wollen jeden Lärm vermeiden, deshalb verzichten wir aufs Kochen, unser Benzinkocher ist einfach etwas zu laut. Wir haben wir noch Tee in der Thermoskanne, der wärmt uns. Und dazu gibt es alles, was wir dabei haben und kalt essen kann: Brot, Käse, Oliven, Mandeln und Rosinen, und zum Dessert haben wir sogar noch etwas Schokolade und Guetzli!

So schön!…da war der Bulle noch nicht da…

Klar, diese Nacht wache ich noch etwa 5x mehr auf, die Hunde sind da, einmal muss wieder ziemlich geknurrt und gebellt und dann weggerannt werden, aber etwas später sind sie wieder bei uns, immer in einer Entfernung von 10-.20 Metern. Erst als es hell wird und die Vögel zwitschern, höre ich, wie sich der eine schüttelt, (der hat ein Halsband!) und als ich zum Zelt rauskomme, ist keiner mehr da! Danke ihr Hunde, dass ihr uns beschützt habt!!!
Wir sind am zusammenpacken, es ist gerade 7Uhr, da höre und sehe ich weiter vorne den Kehrichtlastwagen, zwei orange gekleidete Männer, die dort einen Container leeren, ein wenig rundum etwas zusammenwischen und dann wieder wegfahren. Oh, da bei uns in der Nähe hat es auch einen Abfallkübel, den haben wir gestern im Halbdunkel gar nicht mehr gesehen,…zum Glück kamen die nicht noch hierher. Da hätten wir uns erklären müssen. So früh am Morgen hier draussen?!

Obschon, es ist paradox, wir müssen uns erklären, wir nehmen unseren Müll immer mit, von uns sieht man nichts mehr, wenn wir weg sind. Wir finden aber immer überall Abfall, und zwar Glas und Plasticflaschen, Papier und Karton… Hier hatten ein paar Leute ein Essen veranstaltet und Bierflaschen, Teller, Becher und Besteck, alles liegen gelassen…wir können gar nicht alles mitnehmen und müssen das Zeugs liegenlassen, obwohl es im Herz weh tut.

Nach ein paar verregneten und windigen Nächten, die wir in einer tollen Wohnung verbringen, geht’s weiter mit wilden Nächten. Der Gargano, der Sporen in der Mitte der Adriaküste lockt uns mit seinen Wäldern und der schönen Küstenstrasse, die zum Teil kaum mehr befahren wird, da eine bessere Strasse durchs Landesinnere führt. Das Wetter will schön und warm, super. Los geht’s. Es hat zwar Städtchen hier und da, aber die Preise für die B&B oder Hotels sind recht hoch, im Vergleich zu der letzten Wohnung. Mitten in der Woche und so in der Nebensaison könnte man meinen, aber wir merken schon, es ist sehr touristisch und im Sommer muss es hier extrem viele Leute haben, und die Menschen hier sind etwas Touristenmüde. Oder wollen halt einfach Geld verdienen.

Die Strecke ist sehr schön, wir geniessen die Herausforderung, jetzt geht es doch etwas auf und ab, mit toller Aussicht. Die Platzsuche wird etwas schwierig, die Buchten sind eingezäunt, Alles im Privatbesitz von Campingplätzen und Feriendörfern? Hügelwärts hören wir Glockengeläute, da sind Ziegen und Kühe unterwegs, die sehen wir dann auch ab und zu. Ein Stier pro Monat reicht mir!

Wäre doch schön mal so an einem Strand zu übernachten.

Aber mal in der Nähe von einem Strand möchte ich schon zelten. Das Strässchen, wo wir es vesuchen wollen, ist aber wirklich eine riesige Pfütze, und es fährt gerade ein Auto runter, wir wollen aber nicht, dass uns jetzt jemand sieht, dass wir da hinunter fahren. Weiter also, und da in einer Kurve, der Zaun ist weg und wir können einen kleinen Pfad nehmen. Zuerst zu Fuss, ohne Velo, findet Martin einen schönen und geeigneten Platz, gut um mit den Velos hinzukommen und noch einigermassen rechtzeitig, kein Stress also. Wir inspizieren die Umgebung, eine Gebäuderuine steht da, völlig überwachsen mit Bäumen und Efeu, keine Autospuren, es hat zwar wieder Abfall rumliegen, Bauschutt vor allem. Wir bleiben da. Eine Ziegenherde zieht später am Hügel oben vorbei, bei dem Gebimmel kommt es uns vor wie mindestens 400 Ziegen, mit ihren Hütehunden, aber die können sich nicht um uns kümmern. Es wir ruhig, dunkel, wir beginnen mit Kochen, essen im roten Licht, (ist immer noch gewöhnungsbedürftig) sitzen da und hören das Meer, leider wieder etwas in der Ferne. Etwa um 19Uhr fährt plötzlich ein Auto ganz nahe unten über ein Kiessträsschen und stoppt vorne am Strand. Ein Fischer? Oder hat es ein Haus dort?

Der Thermos ist Gold wert!

Ich schlafe wieder besser hier und als das Zwitschern der Vögel beginnt, war die Nacht nicht endlos lang gewesen.

Für die nächste Nacht haben wir dann den perfekten Platz gefunden. Eine Mauer verhindert den Zugang von Autos, ein Weg führt neben der Mauer in den Wald, er ist gerade breit genug für unsere Velos. An der Mauer steht zwar der Durchgang ist verboten, wegen Erdrutschen wenn es regnet, aber heute und morgen regnet es nicht. Dahinter führt der Weg zuerst noch ein wenig flach, (es ist die Toilette der Autofahrenden), aber nach 50 Metern zwischen den Bäumen hindurch auf ein schön flaches Plätzchen. Ideal, ausser dass es keine Sonne haben wird! Der Weg geht dann ziemlich steil hinunter zu einem Strand, das geht für uns gar nicht. Wir entscheiden uns für diesen Ort und richten uns gemütlich ein. Es ist aussergewöhnlich warm, die ganze Nacht, der Sternenhimmel leuchtet durch die Äste, wir können ganz lange draussen sitzen und den Abend geniessen, einfach wunderbar. Trotz Spuren von irgendeinem Tier, das in der Erde gewühlt hatte, bleibt es ruhig, wir hören gerade mal zwei Autos, die ganze Nacht lang. Dann am Morgen hat es ein paar mehr, die sehen uns aber nicht.

auf dem Weg zum Schlafplatz
Frühstück mit Kaffee!
Der Kaffee in der Fussgängerzone der Städtchen darf nicht fehlen

Am Strand können wir erst ein paar Tage später übernachten, aber dann sind wir wirklich nur eine kleine Sanddüne davon entfernt, auf einem Campingplatz, der das ganze Jahr geöffnet hat. Es hat ein paar Camper, sogar aus der Schweiz. Ein Paar wohnt seit der Pensionierung im Wohnwagen und ist schon längere Zeit hier, weil es Ihnen so gut gefällt! Das ist Freiheit, die wir auch geniessen! Wir bleiben auch ein paar Tage, machen Pause, Waschtag, Schreibtag, Sonnenaufgang geniessen vom Schlafsack aus, Strandspaziergang, Muscheln sammeln, Mittagsschläfchen machen, mit den Leuten plaudern,…

Der morgendliche Blick zum Zelt hinaus!
Das habe ich gesehen!
Sonnenaufgang
Besuch auf unserem INnenzelt
Bis bald!

Wir bleiben in Italien

Pic-nic in einer Pineta

Die Entscheidung ist gefallen, wir bleiben noch in Italien! Das Land, die Leute und das Wetter haben uns schlussendlich die Entscheidung leicht gemacht. Trotz Hochwasser in Venedig und starken Windböen in Apulien sind wir eigentlich gerade am besten Ort von Italien und im ganzen adriatischen Raum. Also fahren wir in Ancona nicht zum Hafen, sondern zur Via del Conero, die sich auf die Hügel und um den Monte Conero schlängelt. Da haben wir schon in der Stadt die ersten richtigen Steigungen, so steil, dass wir die Fahrräder schieben müssen und so richtig ins Schwitzen kommen. Dazu beginnt es noch zu regnen und kaum sind wir unter einem Baum im Trockenen, hört es schon wieder auf, wir fahren/stossen weiter, oben belohnt uns kurzer Sonnenschein, ein halber Regenbogen und die schöne Aussicht.

Die Tage sind kurz, schon müssen wir Ausschau halten für einen Schlafplatz, bei einem „Agriturismo“ sehen wir einen Mann und fragen ihn, leider ist er nicht zuständig, aber er gibt uns einen Tipp. Wir schauen uns diesen Tipp an, es ist ein Ferienhaus etwas abseits der Strasse, alles ist verriegelt und geschlossen, ein steiler Feldweg führt hinauf, kein Privato, kein geschlossenes Tor …rund ums Haus Gras, etwas verwildert, viel Laub am Boden und hinter dem Haus beginnt ein Dickicht, der perfekte Platz! Es ist zu verlockend, wir bleiben hier. Um diese Jahreszeit ist sicher niemand in diesem Haus in den Ferien! Beim Einnachten stellen wir unser Zelt auf, und beginnen zu kochen. In einem Blog von einem Velofahrer haben wir gesehen, dass man rotes Licht nicht so gut sieht von weitem, das probieren wir jetzt hinter dem Haus aus. Zuerst ist es etwas komisch, alles hat eine ähnlich orange Farbe, aber unsere Augen gewöhnen sich dran und wir geniessen unser Abendessen, ein Käuzchen ruft ganz in der Nähe, und es ist gar nicht kalt!
Es ist ja nicht so, dass wir einfach ohne Skrupel so auf einem Privatgelände unser Zelt aufstellen, wir besprechen das gerade im Dunkeln, da beleuchten plötzlich Scheinwerfer das Zelt und drei!!! Autos fahren vor das Haus! Martin geht sofort auf die Autos zu und versucht, mit einem der drei Fahrer zu sprechen, der aber kann oder will kein englisch sprechen und hat sofort das Handy in der Hand und sagt etwas von Proprietario….
Martin versucht es weiter, mit biccicleta, solo una notte,….aber der sagt, der Proprietario werde kommen. Sie steigen aus, machen Licht vor und im Haus und verschwinden drinnen. Und dann kommt der Besitzer, ein älterer Mann, Martin geht auf ihn zu und gibt ihm die Hand und erklärt, dass wir aus der Schweiz und mit dem Fahrrad da sind, und nur bis morgen dableiben und dann weiterfahren. Ich komme auch dazu, der Mann ist sehr freundlich, er geht zu den Männern ins Haus und erklärt ihnen die Lage, es tönt fast so, wie wenn er gewusst hätte, dass wir da sind. Uns erklärt er dann, die Männer hätten die Wohnung gemietet, sie arbeiten in der Gegend. Wir bedanken uns bei ihm für die Grosszügigkeit, dass wir bleiben dürfen, und auch bei den Männern, die uns nicht wegschicken.
Alles ist geklärt, er fährt wieder davon, das Ganze hat vielleicht 15 Minuten gedauert! Puh, da haben wir wirklich Glück gehabt. Das machen wir nicht so schnell wieder! Die drei Männer parken ihre drei genau gleichen Autos im Halbkreis vor die Türe, etwa eine halben Stunde später fahren sie weg, alle drei, (wahrscheinlich Abendessen) und als wir schon lange im Schlafsack liegen, kommen sie zurück.
Morgens um sieben stehen wir auf, wir wollen zeigen, dass es uns ernst ist mit dem Wegfahren, zum Glück war die Nacht so warm, dass das Zelt fast trocken ist. Und schon bald sind die drei Männer mit einem kurzen ciao davongefahren, zur Arbeit. Und wir machen uns jetzt noch einen Kaffee und frühstücken, schliesslich wollen wir gestärkt die nächsten Steigungen erklimmen.
Solche Momente kann ich mit keinem einzigen Foto dokumentieren, da denke ich nicht eine Sekunde daran, dass man die Situation mit Fotos festhalten könnte! Die bleiben auch so ganz klar im Gehirn eingraviert!

Das Wetter, beziehungsweise die Wetter-App, verursacht uns wieder zwei Hotelnächte, hier „dürfen“ wir die Velos ins Zimmer hinauf mitnehmen, in den zweiten Stock, mit Lift! Es ist dann gar nicht so nass wie gemeldet, dafür schlendern wir stundenlang herum, zuerst im Hafen, wo die Fischerboote in Reih und Glied auf besseres Wetter warten und danach über einen riesigen Markt, wo man wirklich alles kaufen könnte, was das Herz begehren würde. Wir begnügen uns mit ein paar Früchten, die ersten Mandarinen dieses Jahr! Es hat sehr viele Leute auf dem Markt, uns scheint, dass wir die einzigen Fremden sind. Nach einer langen Siesta und schreiben im Hotelzimmer  gehen wir abends in eine Osteria essen, italienisches Essen ist sehr lecker!

Und am nächsten Tag, als wir weiterfahren, regnet es in Strömen….wir lernen, ab jetzt buchen wir nicht mehr zwei Nächte, das Wetter kann sich über Nacht radikal ändern.
Während der Fahrt werden wir immer wieder angefeuert von Menschen, die auch unterwegs sind, meistens zu Fuss, aber auch von Velofahrern, die sich kurz unserem Tempo anpassen und ein wenig mit uns schwatzen, bevor sie uns „buon viaggo“ wünschen und dann davonradeln…Und wir sehen, was das Meer der Küste, den Stränden antun kann. Wir verstehen die hohen Sandmauern nun besser, die nützen aber nur kurzzeitig, werden von den Wellen während einem Unwetter weggewaschen.
Da sind all die Bagni, die während des Unwetters von den Wellen überrollt wurden, die Wege, die voller Sand, Holz und Steine zurückbleiben, wenn sich das Meer wieder etwas beruhigt hat. Da sind die Strasse und die Eisenbahn der ganzen Küste entlang, die in Mitleidenschaft gezogen werden. Hier ein paar Fotos von dem, was wir gesehen haben:

Aufräumarbeiten auf dem Veloweg
Da braucht es ein wenig mehr als aufräumen

Also die Radwege hat es fast überall, einzig bei den Brücken gibt es manchmal  Engpässe, vor allem wenn die Flüsse gerade auch Gemeindegrenzen sind, da müssen wir auf die vielbefahrene Nationalstrasse, die manchmal schon sehr voll ist, obschon es eine Autobahn gäbe, ein paar wenige Kilometer im Landesinnern. Leider ist diese in Privatbesitz und kostet, deshalb ziemlich leer…

Auch hier kann ich das nicht dokumentieren mit Fotos, die ganze Aufmerksamkeit muss sich dem Verkehr widmen, es darf uns kein Fehler passieren, es könnte verheerende Folgen haben! Links im Spiegel sehen wir die Autos, Lieferwagen und Lastwagen kommen, die Busse sind am schlimmsten, die nehmen kaum Abstand und brausen an uns vorbei, wie wenn es uns nicht geben würde.
Am Boden und rechts die anderen Tücken: die Gullis für das Wasser, die viel tiefer liegen als der Teer, all die Höcker, die die Lastwagen oder die Wurzeln der Bäume in den Teer gemacht haben, und all die Löcher und Risse im Teer, wer weiss was die verursacht hat. Nicht zu reden von den Gräben, die so nahe sind, dass bei einem Schwenker die Gefahr besteht, einen Sturz in den Graben zu machen. Wenn wir dann in eine Ortschaft kommen, sind da Kreuzungen und die Einbahnstrassen, die fast immer da sind, die wir, natürlich in der Gegenrichtung fahren wollten ….

Aber die Radwege sind wirklich gut, manchmal etwas holprig wegen den Wurzeln, die versuchen, sich einen Weg durch den Bodenbelag zu bahnen, manchmal aber super neu geteert und gut ausgeschildert, wenn man sich mal an das System gewöhnt hat. Manchmal sind sie ein wenig schmal…Ach nein, das war ja nur für Fussgänger, wenn man nicht aufpasst ist man plötzlich weg vom Radweg, oder es gibt ihn noch nicht.

Einige werden jetzt vielleicht sagen, warum fährt ihr denn der Küste entlang, etwas langweilig oder? Es wäre doch auch schön im Landesinnern, mehr Abwechslung? Ja, schon, aber da geht es schnell auf über 700 Meter ü.M. und da sinken die Temperaturen nachts ziemlich schnell unter 10 Grad, und das ist dann fürs zelten doch eher schon an der unteren Grenze. Und wir wollen lieber schneller richtig in den Süden kommen, wo es dann etwas höhere Temperaturen gibt. Und jetzt, von Pescara aus sieht man die Schneeberge schon ganz nah! Wir haben von verschiedenen Leuten gehört, dass es sehr schön ist, in den Bergen zu fahren, wenig Verkehr und wunderschöne Panoramas. Aber auch hier an der Küste gibt es immer wieder wunderschöne Momente!

Abendliche Ankunft in Pescara, mit einer tollen Velo- und Fussgängerbrücke!
An diesem Morgen war es sehr kalt, in den Bergen hat es geschneit!
und immer wieder mal ein Cappucino mit Beilage!

Jetzt ans Meer!

La Selvatica ist ein Ort, wo wir bleiben könnten, alles passt für uns bei Enrico. Zusammen kochen, essen, trinken, spielen, diskutieren,…Das Haus ist uralt, war jahrelang unbewohnt und verfiel, aber mit viel Arbeit und Behutsamkeit hat Enrico es wieder bewohnbar gemacht. Es strahlt eine Atmosphäre der Ruhe und Wohnlichkeit aus, wir fühlen uns sehr wohl.

Das Treppchen hoch und wir sind in “unserem” Zimmer…

Aber das Meer zieht…

Meine Offline-Karte zeigt verschiedene Strassenntypen an: Rot – Autobahn, Orange – National und wichtige Provinzialstrassen, Gelb – meistens nicht so stark befahrene, Weiss – da gibt’s dann geteerte und Naturstrassen bis zum grasbewachsenen Feldweg einfach alles. Dann sind da noch die braunen Striche und die gestrichelten braunen und die ganz dünnen gepunkteten…das sind dann die Wege, die viele Überraschungen bereithalten, zB. Bäche oder viele grosse Steine, so dass man nicht mehr mit dem Velo durchkommt. Und Achtung, es gibt noch die lila gestrichelten, das sind aber keine Wege sondern Gemeindegrenzen!!!
Bei Recherchen auf Google Earth mit Street View, da sind vor allem die blauen Punkte in Naturschutzgebieten sehr interessant geworden! Ich finde einige Vogel-Beobachtungshütten und Türme, die uns vielleicht mal zum Übernachten dienen könnten. Auf der Fahrt besuchen wir so eine Hütte und lassen den nächsten Regenguss an uns vorbeiziehen, während wir im Trockenen einige Enten in einem ehemaligen Reisfeld beobachten. Es gibt ein paar wenige solche Vogelschutzgebiete in der Po-Ebene, und dann natürlich das ganze Delta des Po.

Schlafen in so einer Hütte möchte ich aber nur im Notfall, es hat nämlich immer noch ziemlich viele Mücken. Oder wir müssten schauen, wie wir das Zelt in dem Hüttchen aufstellen könnten.
Später gegen Abend kommen wir zu einem anderen Schutzgebiet, hier gibt es ein Besucherzentrum, mit Ausstellungen und Veranstaltungen, heute Nachmittag ist es aber abgeschlossen und auf einem kleinen Blatt steht, dass das Zentrum im November am Sonntag geöffnet ist. Wir laufen rund um die Häuser, es stehen ein paar Autos da, und in einem Gebäude läuten wir, eine Frau erklärt uns, sie wohne nur hier. Da kommt ein Mann aus dem Wald, mit dem schwatzen wir auch und fragen ihn dann, ob wir hier zelten könnten. Er sagt uns, dass er noch seine Frau fragen will, und geht zu der Wohnung, wo wir vorher geläutet haben…Die Frau hat demnach doch ein wenig Einfluss hier. Er zeigt uns dann den Platz, direkt vor dem Haus unter den Bäumen, wo wir unser Zelt aufstellen können. Wir wären ja lieber etwas hinter dem Haus, aber so haben sie uns gut im Blick!
Wir stellen unser Zelt auf, es wird schon bald dunkel, es ist 17 Uhr! Ja, das ist manchmal schon etwas lästig, dieses frühe Einnachten, aber hier dürfen wir Licht machen, die Leute wissen ja, dass wir hier sind. Aber dann gehen überall Laternen an, das ganze Besucherzentrum ist gut beleuchtet, die ganze Nacht! Wir haben also genug Licht und köcheln unser Abendessen mit heller Beleuchtung ;-)

Der Mond scheint hell, es ist kühl geworden, aber trotzdem noch angenehm, und wir machen noch einen schönen Nachtspaziergang um 20 Uhr, bevor wir uns ins Zelt verkriechen und noch ein wenig auf dem Handy lesen. Die Sonne geht etwa um 7.20 Uhr auf, der Himmel ist blau, ein wunderschöner Morgen! Wir kochen Kaffee und frühstücken. Da, kurz vor 8 Uhr, fahren zwei Autos aufs Gelände und parken hinter dem Haus. Die drei Personen winken uns zu, sind dann aber geschäftig rund um das Besucherzentrum, öffnen Türen und Gitter und ein paar Minuten später fährt ein Bus auf den Parkplatz voll mit Kindern, die fröhlich aussteigen und direkt an uns vorbei zum Haus laufen. Einige werfen uns neugierige Blicke zu, die meisten laufen vorbei ohne hinzuschauen.
Wir packen unsere Sachen zusammen, das Zelt steht noch in der Sonne zum Trocknen, da fahren nacheinander etwa 10 Autos auf den Platz, in jedem sind zwei bis vier Leute drin und der Platz bevölkert sich. Wer hätte das gestern Abend gedacht, dass hier noch so viel los ist?

Das Wetter wird langsam etwas schwieriger, immer wieder sind Regen und Gewitter angesagt, manchmal trifft die Vorhersage zu, manchmal nicht. So wird das Zelten etwas mühsamer, Durch die tieferen Temperaturen in der Nacht ist das ganze Zelt und auch die Schlafsäcke am Morgen feucht bis tropfnass, und wenn es regnet, müssen wir alles tropfnass zusammenpacken. Wenn es den ganzen Tag keinen Sonnenschein gibt, stellen wir dann alles wieder nass auf und so wird auch das Innenzelt immer feuchter,…so suchen wir immer wieder mal einen Gastgeber, bei dem wir übernachten und alles trocknen können. Dann haben wir aber den Druck, abends dort zu sein.
Und genau an so einem Tag, wir haben noch viele Kilometer vor uns, gibt es in einem Kreisel einen lauten Knall und ein Pfffffiiitt und Martins Vorderrad steht auf dem Felgen! Zum Glück sind wir in einem ländlichen Gebiet und es hat nur wenig Verkehr, so können wir das Velo entladen und alles in die Mitte bringen, wo wir den Schaden begutachten können. Kein Nagel oder Draht, nein, der Pneu hatte einen kleinen Riss, und der wurde immer grösser, bis dann eben der Schlauch geplatzt ist.

Martin sagt: Ich habe so ein Geräusch am Rad gehört, ich dachte, da ist ein Steinchen eingeklemmt in einer Rille vom Pneu oder so etwas, aber das war eben der Schlauch, der da so langsam zum Riss herausgequollen ist. Martin ist gut gewappnet für solche Fälle, er hat einen faltbaren Ersatzpneu und natürlich Schläuche dabei, und so wechseln wir Pneu und Schlauch, dort mitten auf dem Kreisel.

Die Zeit läuft uns davon, es ist schon Mittag als wir endlich weiterfahren, und es sind noch sicher mehr als 60 Kilometer. Jetzt heisst es, die schnellste Route zu nehmen, also los auf eine Orange Strasse. Wir montieren auch die Leuchtwesten, die nützen wirklich gut, die Autofahrer sind zum grössten Teil rücksichtsvoll. Wir rechnen, etwa um 19 Uhr anzukommen, das heisst, zwei Stunden im Finstern fahren. Die Abschnitte in der SP3 sind sehr unterschiedlich, die neueren haben einen schmalen Streifen am Rand, auf dem wir fahren können, die älteren Teile sind enger und wir fahren auf dem weissen Strich am Strassenrand. Der Gegenwind macht den Gegenverkehr recht spürbar, vor allem die grossen Lastwagen haben eine richtige Sogwirkung auf uns. Aber es hat nicht zuviel Verkehr, und es ist nicht sooo stressig. Sogar als es dunkel wird, geht es recht gut. Als wir um halb acht ankommen sind wir sehr froh, dass wir in die Wärme in ein Haus können, eine warme Dusche nehmen und dann Abendessen kochen dürfen. Christian, unser Gastgeber macht uns einen heissen Tee und wir plaudern, bis er noch weg muss. Am nächsten Morgen muss er früh zur Arbeit und lässt uns den Schlüssel fürs Haus, so können wir Ravenna besuchen, und vor allem einen neuen Pneu und Schlauch kaufen. Der faltbare Ersatzpneu kommt wieder ins Gepäck, hoffentlich brauchen wir ihn nicht mehr! Wieder regnet es und wir sitzen in Ravenna vor allem im Kaffee und geniessen dazu die feinen Sachen, die es da gibt.

Abends kochen und essen wir dann zusammen bis spät in die Nacht. Da Christian auch am nächsten Tag arbeiten muss, lässt er uns die Schlüssel, die wir dann einfach in der Küche deponieren, wenn wir fertig gepackt haben. Es ist wunderbar solches Vertrauen zu spüren!

Der Radweg von Ravenna nach Ciervo ist sehr schön, er führt durch einen riesigen Wald, es hat viele Wege und Brücken, Kanäle und Sumpfgebiete, und bei einem Beobachtungsplatz sehen wir ein paar Flamingos im Wasser. Es ist Samstag und es hat viele Mountain-Biker, die da durch den Wald rasen und johlen. Gut so, da hört man wenigstens, dass sie kommen, die Wege sind nämlich manchmal schmal und unübersichtlich.

die Fischerhäuschen sind begehrte Wochenendhäuschen geworden

Am Meer ist es dann etwas enttäuschend, der Strand ist vollständig verbaut mit den Bagni. Das sind die kleinen Häuschen, die im Sommer als Bar, Depot für Sonnenschirme und Liegestühle etc. genutzt werden, und natürlich kosten,… Diese Ferienorte, die im Sommer sicher voller Touristen sind, wirken auf uns verschlafen und leer, am Strand entlang wurde eine grosse künstliche Sanddüne aufgeschüttet und die Bagni sind verbarrikadiert. Dann wieder eine kilometerlange Strasse unter den Pinien, die Häuser, Hotels, Bars und Restaurants links und rechts alle geschlossen, bis wir uns wieder einem Städtchen nähern, wo auch im Winter Leute leben und arbeiten.

So fahren wir also südwärts, auf einem der letzten Campingplätze, der hier noch offen hat übernachten wir, fast ganz allein, nur ein paar ältere Leute sind da, die ihre Wohnwagen für den Winter einpacken. Sie kommen vorbei zu einem Schwatz, es ist einfach schön, wie die Leute ihre Neugier zulassen und kommen und fragen. Die Dame an der Reception hat Erbarmen mit uns und macht uns einen Spezialpreis, wir bräuchten ja keinen Strom und sowieso, es sei doch einfach zu kalt! Wir schmunzeln, klar es ist schon etwas kühl, die warme Unterwäsche ziehen wir schon an, aber es ist immer noch schön, abends draussen zu sitzen und das Abendrot im Himmel zu schauen.

wenn der Dampf emporsteigt ist der Kaffee bereit, und die Tassen warm…

Aber die Wetter-App will richtig Regen und kälter für die nächsten Tage, ja die ganze Woche! Wir finden wirklich gute Plätzchen zum Schlafen, mal ein Hotel das mit einem Frühstücksbuffet glänzt, wie wir noch nie gesehen haben! Da können wir sogar bei Regenwetter voller Energie fahren!

So kommen wir in Pesaro an, kurz bevor es dunkel wird, wir wollen durch das Zentrum fahren, aber da hat es so viele Menschen, sie flanieren, spazieren mit Kindern und Hunden, es herrscht eine fröhliche Atmosphäre. Wir steigen ab und spazieren mit all den Menschen durch die Gassen. Diese Leute wohnen hier und schlendern jetzt durch ihre Stadt. Es tut gut, nach all diesen leeren Strandsiedlungen eine lebendige Stadt anzutreffen.

Und jetzt haben wir ein Zimmer in einer Wohnung mit Küchenbenützung, und es regnet in Strömen! Zwei Pausentage, wir haben Kleider gewaschen, der Vermieter hat uns extra einen Wäsche-Ständer gebracht und die Heizung läuft.

die Kaffeepause im Sonnenschein….

Die nächste Entscheidung steht nun an: wollen wir in Italien weiterfahren? Oder wollen wir die Fähre in Ancona nehmen und nach Patras?

Ciclovia del Po

Euro-Velo 8 war schon in Alicante Thema!

Weiter geht’s bei milden Temperaturen und Sonnenschein, auf den verschiedenen Dämmen des Po, den vielen Windungen entlang, dann wieder über kleine Nebenstrassen ohne viel Verkehr. Wir sehen viele eingefallene Bauernhäuser, mitten in den bewirtschafteten Feldern. Es waren mal stattliche Höfe, mit grossen und kleinen Gebäuden, die da langsam verfallen, mit offenen Dächern, wo das Buschwerk und sogar ganze Bäume herauswuchern.

kaputt und neu ganz nahe nebeneinander

Es hat vor allem Maisfelder und Pappelplantagen, die Felder meist schon abgeerntet, manchmal weidet eine Herde Schafe auf den Feldern, was sehr malerisch aussieht im Morgennebel. Die Pappeln stehen in Reih und Glied, kaum Büsche oder Gras dazwischen, richtige Monokulturen. Wir sehen wenig Vögel, vor allem Raben und Elstern, weder Mäusebussard, Milan oder die vielen kleinen Wald-und Wiesenvögel. „Richtige“ Wälder, so wie wir sie kennen gibt es hier kaum.

und so wird geerntet

Ab und zu haben wir aber Glück:
In einem „Urwald“, zwischen Feldern von Gestrüpp, auf einem Streifen Gras, gerade breit genug, schlagen wir unser Zelt auf. Wir schlafen richtig gut diese Nacht, nur die Nachtvögel hören wir mal von da und dort. Am Morgen, beim Aufwachen, raschelt es plötzlich und etwas zwängt sich zwischen unserem Zelt und dem Gestrüpp durch. Ich bin natürlich sofort hellwach, öffne das Zelt und sehe gerade noch den dunklen Umriss eines Mannes der sich schnell entfernt, …der hat wohl einen grösseren Schrecken bekommen!

Urwald, wie er uns gefällt

Ja, es gibt die Pilzsammler und Jäger, die sich frühmorgens in den Wäldern und Feldern tummeln, aber wir schauen doch sehr drauf, dass da, wo wir Übernachten die Schilder stehen mit „Divieto la Caza“. Damit wir nicht plötzlich mit irgendwelchen Fasanen verwechselt werden!!!!
Die wir übrigens auch schon gesehen haben und sogar fotografieren konnten.
Während den Mittagspausen ist Trocknen angesagt, das Zelt, die Schlafsäcke, die Mätteli und auch die Daunenjacken, alles ist feucht bis tropfnass von der Nacht und dem Nebel am Morgen.

er hat mich auch gesehen…

Ein richtig schönes Gewitter ist laut Wetter App angesagt, so gegen Abend. Wir haben uns vorsorglich  bei einer Warmshower-Gastgeberin angemeldet, treffen die Frau aber erst gegen 18.00 Uhr. Den ganzen Tag haben wir noch in der Sonne pedalen können, erst gegen 16 Uhr hat es den Himmel mit grauen Wolken überzogen und die ersten Tropfen fallen. Wir müssen nur noch über eine grosse Brücke hinüber ins Städchen fahren. Das erste Mal montieren wir Regenhosen und Regenjacke, damit wir dann nicht mitten im Verkehr auf der Brücke uns plötzlich noch umziehen müssen. Sie ist fast 1 Kilometer lang, und natürlich brausen sehr grosse Traktoren mit Anhängern und noch grössere Lastwagen über die Strasse. Es hat zwar ein Trottoir, aber das ist zu schmal für uns mit den Taschen, wir müssen auf der weissen Seitenlinie fahren. Das erlaubte Tempo wäre 50, aber die Autos fahren mit sicher 80km/h an uns vorbei, die meisten zum Glück mit gutem Abstand. Dank unserem Rückspiegel können wir sehen, wenn ein Lastwagen nahe kommt und den Lenker ganz fest zu halten, damit uns der Sog micht zu sehr durchschüttelt. Alles in allem eine stressige Sache, natürlich geben wir Gas, damit wir da schnell durch sind, und entsprechend sind wir schweissgebadet in unseren Regenklamotten, als wir nach der Brücke auf die erste Nebenstrasse abbiegen! Natürlich ist kein Tropfen Regen gefallen…

Aber das Gewitter kommt, der Himmel ist unterdessen fast schwarz und wir suchen uns eilig einen Unterstand, wo wir vielleicht etwas trinken können. Der Chino hat einen Baldachin vor dem Haus, wir gehen rein, bestellen etwas zu trinken, und da hat die Frau gar nichts dagegen, dass wir unsere Fahrräder unters Dach stellen. Wir sind ja die einzigen Gäste. Der Himmel ist gelbschwarz und in der Ferne donnert es schon gewaltig. Ein paar Minuten später trommelt das Wasser auf den Baldachin. Zusammen mit den Getränken erhalten wir ein Schüsselchen mit Chips und ein Tellerchen mit Pizza -Küchlein! Es wird ja ein Weilchen dauern, bis der Regen aufhört, hat sich die Frau wohl gedacht. Es ist so dunkel geworden, dass plötzlich die Strassenbeleuchtung der Stadt angeht.

Und plötzlich hält der Baldachin die Regenmasssen nicht mehr aus. Wie ein Wasserfall sprudelt und spritzt es in der Mitte des Daches zwischen die Tische, auf unsere Fahrräder und die Stühle. Die Menschen unterwegs hasten entweder mit oder ohne Schirm durch den Regen oder stehen irgendwo im Halbtrockenen, wahrscheinlich mit der Hoffnung auf ein schnelles Ende. Ein Rennradfahrer hat gegenüber Schutz gesucht und steht in kurzen Hosen und Leibchen da, mit dem Handy in der Hand. Ob er wohl jemanden findet, der ihn abholt? Wir sehen nämlich auf unsere App, dass das so weitergehen wird bis spät in die Nacht hinein. Zwar hellt es langsam wieder auf, die Strassenbeleuchtung geht wieder aus, aber immer wieder kommt ein Guss, in dem man lieber nicht unterwegs sein möchte.

Unterdessen hat sich Alessandra, unserer Gastgeberin erkundigt, wo wir sind und wie es uns geht. Sie erklärt mir, dass sie am Abend nicht mit uns zusammen sein könne, ob sie noch etwas für uns einkaufen könne?
Ich erkläre ihr, dass wir immer ein Menu kochen können ohne einzukaufen, kein Problem.
Als wir uns in der Bar die Regenkleider anziehen, kommt die junge Frau heraus, mit einer Papiertasche und ihrem Handy in der Hand, die Tasche schenkt sie mir, es sind 2 Croissants drin. Das Handy hält sie Martin hin, damit er lesen kann, dann deutet sie ihm, er solle die Antwort ins Handy sprechen. Sie drückt anschliessend einige Tasten und liest (chinesisch) seine Antwort, nickt und bedankt sich mit Grazie für unseren Besuch! Dabei hat sie doch uns beschenkt mit den Tapas und mit den Croissants!!
Bei Alessandra zuhause die nächste Überraschung, sie überlässt uns ihre ganze Wohnung die ganze Nacht, eigentlich wohnt sie bei ihrem Freund im Nachbarort und heute haben sie beide keine Zeit, um mit uns zu plaudern und zu essen.Nach 15 Minuten sind wir allein, noch etwas verdutzt, aber draussen regnet es in Strömen und wir sind sehr froh, im Trockenen zu sein. Duschen, Kochen, Essen und Schlafen, und am Morgen ist der Himmel wieder blau und die Sonne scheint! Wir packen, tragen alle unsere Sachen zu den Velos und hinterlegen den Schlüssel am abgemachten Ort und senden Alessandra ein Foto und ein grosses Dankeschön für ihr Vertrauen!

Wir planen, in zwei bis drei Tagen in Ferrara auf dem Camping zu sein, es ist einer der wenigen, die noch offen haben. Aber, daraus wird nichts! Bei der Mittagspause fährt ein Traktor an uns vorbei, dann ein Kleinbus, als der zurückkommt stoppt er, die Scheibe schon unten, beginnt  zu fragen: Woher? Wohin? Wieviele Kilometer? Wieviel Zeit? Wo schläft ihr? Und diese Frage beantworte ich nur zögernd, wir wollen es den Leuten nicht unter die Nase reiben, dass wir wild campen, es ist ja eigentlich auch verboten…und das alles auf italienisch!
Er lässt mich aber gar nicht ausreden sondern lädt uns in sein Haus ein, er sei Bauer, habe 100 Kühe, mache Milch für den Käse, den Parmiggiano Reggiano,… schlussendlich steige ich in sein Auto ein, er zeigt mir sein Haus ein paar Kilometer entfernt und bringt mich wieder zurück, damit wir mit den Velos dahinfahren können. Als wir ankommen ist seine Tochter schon informiert, wir dürfen duschen und unsere Taschen im Esszimmer deponieren, da steht ein Sofa, wo wir dann drauf schlafen können. Ich frage seine Tochter, ob ihr Vater oft Leute mit nach Hause bringt, lachend antwortet sie: oh ja, immer wieder!
Wir besuchen die Farm, Mauro erklärt uns alles über die Kühe, die Milchroboter, die strengen Regeln für die Produktion des Käses. Nebenbei erklärt er uns, dass seine Frau erst spätabends nach Hause kommt, und wir zusammen nach Mantua fahren werden, wenn wir wollen.
Er zeigt uns die Stadt und dann gehen wir Pizza essen. Es wird ein ganz gemütlicher Abend.
Nach dem Frühstück um 7.30 verabschieden wir uns, packen unsere Velos und fahren los, so früh waren wir noch selten schon unterwegs. Die Sonne scheint und es wird schnell warm.

Bei der Mittagspause passiert wieder etwas Ungewöhnliches: ein Porsche fährt über die kaum befahrene Strasse, der Mann winkt, hält an, fährt 20 Meter zurück, steigt aus, öffnet die Hintertür und bringt uns ein Packet, wickelt es aus und streckt es uns entgegen: ein riesiges Stück Parmiggiano Reggiano! Mindestens 1 Kilo! OH, was machen wir mit dem? frage ich ganz überrascht. Da lacht er und sagt: MANGARE! Dreht sich um steigt in sein Auto ein und weg ist er!!! Wir sind sprachlos, es ist unglaublich, was da gerade passiert ist!

Kurz darauf merke ich beim Einpacken, dass meine langen Velohosen nicht da sind! Kurz überlegen, wo habe ich die ausgezogen? Nicht mit dem Gummizug angemacht??!!  Ohje!!!, wahrscheinlich etwa vor 10 Kilometern habe ich sie verloren…….. Nach kurzer Diskussion entscheiden wir, auf der Hauptstrasse zurück zu fahren, dann wieder auf den Damm, da sparen wir ein paar Kilometer, aber die Hosen holen wir wieder! Und wirklich, ganz in der Nähe wo ich am Morgen die Jacke und die Hosen ausgezogen hatte liegt sie! Der Umweg hat uns Zeit geraubt, wir müssen den Plan ändern. Auf der Karte sehen wir Ferrara immer noch in weiter Ferne, dafür ist Modena etwas näher und da hat es auch zwei WS-Gastgeber, die wir anschreiben könnten.
Auf der Suche nach der besten Route stosse ich auf ein „Agriturismo“, das probieren wir jetzt auch einmal aus! Wie ein Schlaf im Stroh? Oder ein B&B? oder? Das wollen wir jetzt wissen.
Bei der Ankunft werden wir vom Bauern freundlich begrüsst, er werkelt an seinem laufenden Traktor. Es entpuppt sich als für unser Budget etwas teures Zimmer, sieht etwas heruntergekommen aus, deshalb fragen wir den Bauern, ob wir vielleicht irgendwo auf dem Hof das Zelt aufstellen könnten? Und die Toilette benützen dürfen? Wir würden schon etwas bezahlen? Er versteht uns, seine Frau kommt jetzt auch raus und sagt etwas von keine sauberen Zimmer, geht nicht, die hat aber schlechte Laune! Aber er zeigt uns ein Plätzchen, das Badezimmer, das wir benützen dürfen, und verzieht sich wieder hinter seinen Traktor. Unter den neugierigen Blicken der drei Ziegen die da weiden stellen wir unser Zelt auf und während wir kochen, müssen wir sie energisch wegweisen, bis der Bauer sie dann in ihren Stall bringt.
Wir geniessen es, Licht zu machen und draussen zu sitzen, es ist nämlich gar nicht kalt und ausser ein paar Mücken stört uns niemand.

Enrico hat uns geschrieben dass er uns erwartet, super, die nächste Nacht also wieder mal in einem Haus schlafen. Unterwegs fällt uns ein Städtchen auf, wo eine ganze Gasse mit alten Häusern auf einmal renoviert wird. Da fragen wir uns schon, haben die wohl im Lotto gewonnen? Später etwas ausserhalb sehen wir dann so komische Maschinen, wie die Ölförderkräne die so auf- und abnicken, dann Leitungen, die vom Gelände wegführen, sind das etwa Pipelines? oder Gasleitungen? Machen die etwa Fracking?

im Hintergrund die auffälligen Maschinen

Wir werden versuchen, Antworten zu finden, Enrico kann uns vielleicht weiterhelfen. Ölfirmen in der Gegend würde den Renovationsboom im Städtchen erklären….

Bei Enrico in “La Selvatica”

Schon zwei Wochen?!

Nun sind es schon zwei Wochen die wir unterwegs sind! Wir haben schon so viel erlebt, dass ich fast nicht weiss, wie ich anfangen soll.

Mit dem Anfang natürlich! Der erste Tag, gemütlich durchs Emmental bis ins Entlebuch, wo wir freundlichst empfangen und bekocht werden von einem „Warmshower-Gastgeber-Paar“. Sie wohnen in einem wunderschönen Haus mit einem wunderschönen Garten und Schwimmteich, den Martin ausprobieren muss, trotz nur 13 Grad! Ich schaue lieber nur zu,….

Der nächste Tag bis Luzern, wieder um die 40km auf dem Velo, dann nehmen wir einen Zug nach Bellinzona. Warum denn? Martin wollte doch über den Gotthard? Naja, da hat es schon wieder geschneit und die nächsten Tage versprechen Kälte und Schnee, da mache ich lieber nicht mit! Die Gewitter in der ersten Nacht auf dem Camping in Bellinzona genügen mir völlig! Aber dann geht es bei blauem Himmel Richtung Lago Maggiore und Italien!!!

Auch die nächste Nacht sind wir auf einem Zeltplatz, zum Angewöhnen ans Reisen mit dem Velo eine feine Sache. Wir haben Glück, der letzte Platz auf dem Camping ist für uns gerade gross genug. Das ist ja schon verrückt: vor ein paar Jahren waren wir hier, etwa zur gleichen Zeit, und der Platz war fast leer, und jetzt übervoll, und der zweite Camping im Dorf hat auch alle Plätze besetzt! Nur etwas ist gleich: wir sind die einzigen im Zelt!!!

In Luino fahren wir am nächsten Tag ins Landesinnere, wo uns eine schöne ausgeschilderte Fahrradstrecke Richtung Varese führt. Zuerst aber wollen wir unser Talent fürs wild zelten etwas fördern und machen uns nach dem Einkauf in einem Supermarkt auf die Suche nach einem geeigneten Platz. Ich habe natürlich schon recherchiert und einen Wald mit Wiesen und einigen Sportfeldern rundum ausgesucht. Auf dem Weg müssen wir schon durch einen Bach waten, sehr gut, da kommen die Hundespaziergänger schon mal nicht durch. Am Ort schauen und horchen wir, ob nicht doch ein Haus (mit Hund) in der Nähe ist, und die teilweise abgemähten Maisfelder wollen wir auch meiden, man weiss nie, ob der Bauer heute Abend oder morgen früh wiederkommt um weiter zu mähen. Auf einem sehr kleinen grasigen und sumpfigen Weg stossen wir unsere Räder etwa 100 Meter in ein Waldstück, das man vom Weg aus nicht sieht. Schön flach und ideal für unser Zelt.

Einzig was fehlt, ist die Ruhe, eine Autobahn ist auf der anderen Seite des Waldes, und erfüllt den Wald die ganze Nacht mit dem Brummen der Motoren. Wir sind halt doch recht nahe von Mailand und die Gegend ist durchzogen von Strassen und ist auch sehr besiedelt.

An so einem Ort wollen wir nicht auffallen, wir haben gekocht, gegessen, stellen dann unser Zelt in der Dämmerung auf und so um 19.45 Uhr haben wir die Zähne geputzt und liegen auf der Matratze. Da sind wir schon froh haben wir Bücher und Podcasts auf unseren Handys und können noch etwas tun. Obschon, ich bin so müde, dass ich schon bald alles weglege und einschlafe.

Es ist ausser dem fernen Rauschen der Autobahn nichts zu hören, man würde jedes Näherkommen eines Tieres oder Menschen hören, es hat so viele trockene Äste rundum. Der Schlaf kommt sehr schnell, ist aber sehr leicht, ich träume viel und schrecke ein paarmal auf, aber nichts passiert. Nachts im Finstern auf die „Toilette“? Das geht an so einem Ort nicht, da muss meine Blase ihr ganzes Fassungsvermögen zeigen, was nach ein wenig Training schon wieder besser gehen wird.

Und als es endlich hell wird, so um 7.30 Uhr, sind wir froh, dass wir aufstehen können. Es ist ja noch nicht kalt, zum Glück! Kaffee machen wir etwas später, an einem Plätzchen in der Sonne, nach dem Zusammenpacken des Zeltes und Verlassen des Schlafplatzes. Es geht uns gut, wir haben schon zum ersten Mal einen sehr schönen Platz gefunden.

Unterwegs gibts auch Kurioses

Wir wollen es ja nicht übertreiben mit dem wilden, und wollen eine Nacht wieder auf einen Camping, solange es noch einige hat, die offen sind.
Wir steuern also einen kleinen Platz an einen See in der Region von Varese an.
Ab 15 Uhr soll das Tor wieder offen sein, es steht da WE ARE OPEN! Nach einer Pause am See, wo wir uns mit einem deutschen Paar auf Mountainbikes ein wenig austauschen, wollen wir uns auf dem Camping anmelden. Aber das Tor geht nicht auf, erst nach ein paarmal läuten dann aber doch, ein Mann kommt von der Strasse her und hat das Tor geöffnet, aber nicht für uns. Die Dame des Hauses hat sich nun doch bequemt, zu uns rauszukommen und uns zu erklären, dass seit Ende September der Platz geschlossen ist, das stehe auch auf der Webseite! Nun, hier draussen aber steht, dass sie offen haben. Vielleicht sollte sie mal ein anderes Schild z.B. „we are closed“ aufstellen?

Wasser gibt es immer bei den Friedhöfen!

Wir fahren weiter, dann suchen wir halt ein einsames Plätzchen irgendwo an einem der kleinen Seen. Aber das wird etwas schwierig, es ist sehr viel Privat und eingezäunt, oder dann eben sehr öffentlich und mit vielen Spaziergängern. Es ist warm, später Freitagnachmittag, ideal um sich etwas in der Natur zu bewegen. Einer der Spaziergänger fragt uns interessiert, woher und wohin, wir plaudern ein wenig, er kommt nämlich auch aus der Schweiz aus Freiburg. Und er hilft uns, eine Unterkunft zu finden, sogar mit einer Küche zum Benützen, telefoniert mit einer Bekannten und reserviert für uns ein B&B, einige Kilometer von hier. Da freuen wir uns doch auf die warme Dusche, einem privaten Zimmer und freiem WLan! Die Dame ist sehr nett, zeigt uns das Zimmer, das sogar private Dusche und Toilette hat, was für ein Luxus! Den wir in vollen Zügen geniessen nach diesen paar Tagen on the Road.

DA wir die grossen Strassen so gut wie möglich meiden, fahren wir manchmal etwas kreuz und quer, diesmal geht es durch einen Wald auf einer kleinen Strasse, die ich ausgewählt habe, leider ist sie nicht so leer wie ich erhofft habe, aber sie ist schmal und es kommt ein paarmal zu etwas gefährlichen Überhol-Manövern von den Autofahrern. Und dann sehen wir auch den Grund für den Verkehr: Da sitzen doch sehr knapp bekleidete, meist dunkelhäutige Frauen am Strassenrand!!! Wir grüssen freundlich, aber eigentlich finde ich es haarsträubend, dass sie hier „arbeiten“, müssen. Ich dachte auch, dass wir vielleicht wieder einen Platz finden könnten zum übernachten, aber nachdem wir so viele Frauen hier gesehen haben, habe ich keine Lust mehr, mich in diesem Wald zu verstecken.

So gibt es dann eben den ersten Ruhetag in Montafor, etwa 10km von Como entfernt, auf einem richtig italienischer Ganzjahres-Camping. Und da Wochenende ist, ist er sogar belebt, es wird gesägt, genagelt und natürlich gekocht und gegrillt. Wir geniessen die erste Pizza mit einem guten italieníschen Wein und freuen uns über das Cheminee-Feuer und den geschenkten Limoncello zum Schluss. Erholt und gestärkt fahren wir in die zweite Woche!

Es geht den kleinen Seen entlang Richtung Lecco, hier hat es einen Camping am See, wo Martin ein abendliches Bad geniesst. Ich hingegen gehe eine Dusche „geniessen“: An der Bar habe ich ein Plastic-Kärtchen gekauft, damit kann ich die Dusche in Gang bringen. Eine Dusche=1Euro. Alles gut? Die Maschine steht draussen vor dem Gebäude, ich muss da die Nummer der Dusche wählen, finde aber drinnen keine Nummer an den Türen. Macht nichts, ich kann ja dann die nehmen, die läuft. Wohlweislich entkleide ich mich zuerst, dann, nur mit Tüechli um den Körper, stecke ich das Kärtchen in den Schlitz und wähle eine Nummer. Und da höre ich drinnen das Waser rauschen! Schnell rein, Tüechli weg und rein in die Dusche….aber die spritzt so in der Gegend rum, dass ich kaum hineinkomme, der Gang wird nass, die Türe und die Wände, nur ich noch nicht. Wie lange habe ich noch Wasser??? Schnell versuche ich mich zu benetzen, einzuseifen und schnell wieder Seife wegspülen, weil, wenn das Wasser abstellt, gibt’s gar keines mehr!!! Nass und nackt gehe ich aber nicht nochmals das Kärtchen reinstecken! Das Bad im See war sicher gemütlicher! Noch am nächsten Morgen ist der Boden im Gang nass….

Abendessen bei Laternenlicht ist romantisch und da es nicht kalt ist, beginnen wir sogar erst nach dem Sonnenuntergang zu kochen.

Nun fahren wir Südwärts, dem Fluss Adda entlang, da hat es eine Pista Cyclabile, die geht bis zum Po. Bis wir aber da sind, müssen wir über ein paar ziemlich befahrene Kreisel fahren, da eine kleine Brücke die wir eigentlich nehmen wollten, eingestürzt ist. Wir erleben die Autofahrer aber sehr rücksichtsvoll, sie lassen uns in unserem Tempo durchfahren.

Bei einem Warmshower-Host dürfen wir übernachten, besichtigen zuerst noch eine Brücke, die der gleiche Ingenieur gebaut hat, wie die Kirchenfeldbrücke in Bern. Sie wird gerade repariert, Pablo erklärt uns, dass momentan in Italien viele Brücken repariert werden, seit in Genua die grosse Brücke eingestürzt ist.

Bald haben wir nun Mailand umfahren und können wirklich Richtung Süden fahren, Die Adda schlängelt sich zum Po, wir ihr nach, über Feldwege, Fusswege und auch mal durch kleine Flüsschen, Wälder und Felder, bis wir dann nach zwei Tagen den Po Cycle-Path erreichen!

In der Nähe von Cremona dürfen wir uns bei einem Warmshower Paar ausruhen und endlich mal Wäsche waschen. Enrico arbeitet fast das gleiche wie Martin und es gibt viel zu reden und wir lernen das Leben in einer Stadt wie Cremona kennen. Es gibt Cooperativas, Kitas auf dem Bauernhof, Leute, die sich für Radwege und weniger Autos einsetzen, Menschen, die sich verändern wollen dem Klima zuliebe!

Am Sonntag können wir eine Stradivari- Geige anhören, im Museo del Violino werden nämlich einige Exemplare gehütet und die müssen jeden Tag gespielt werden! Deshalb kann man im Auditorium des Museums fast täglich eine halbe Stunde zuhören gehen!

Gut bewacht….

Reisevorbereitungen

Zelt, Isomatten und Schlafsack

Das Zelt hat ja schon einiges hinter sich, es sieht etwas ausgewaschen und verbleicht aus. Aber nach einigen Recherchen, Gesprächen mit anderen Langzeitreisenden haben wir uns entschlossen, die Reise noch einmal mit unserem alten Zuhause zu machen. Einige Elastic vom Innenzelt wurden ersetzt, da sie gar nicht mehr elastisch und sehr ausgeleiert waren. Die Reisverschlüsse und Schlitten hat Martin sorgfältig revidiert. Ansonsten erfüllt das Zelt unsere Anforderungen immer noch perfekt.
Schlafen ist nach dem Velofahren fast genau so wichtig, deshalb haben wir für uns die besten Matten ausgesucht. Und da wir jetzt im Herbst starten, zwar südwärts, können die Nächte kühl oder sogar kalt werden, haben wir uns zwei neue Daunenschlafsäcke gekauft!

Karten, GPS, Apps …

Die letzte Reise haben wir mit einer Offline-Karte auf dem IPad und dem GPS EdgeTouring geplant, gefahren und aufgezeichnet. Wie wollen wir diesmal???
Die Akku Laufzeit des GPS ist etwas kürzer geworden, wir hoffen, dass es noch einen Tag lang ohne Aufladen durchkommt. Planen damit ist aber zu kompliziert, Garmin und seine Software ist da (für mich) nicht genug Benutzerfreundlich, und Velofreundlich schon gar nicht!!!!
DIe Offlinekarte PocketEarth (App) haben wir auf unseren IPhones synchronisiert, es ist immer noch die beste Karte die wir kennen. Vielleicht kommt Gurumaps ihr am nächsten, wir haben diese auch geladen, zum Vergleichen.
Dann die Apps zum Finden von geeigneten Plätzen zum Schlafen: von booking über Hostelworld und ACSI Camping, couchsurfing und warmshower bis zu IOverlander und park4night haben wir so allerhand auf den Handys. Wie diese dann zum Zug kommen, werden wir sehen. Die besten Erfahrungen haben wir mit Warmshower gemacht, leider wird die App nicht mehr unterstützt und man muss über die Homepage seine Gatgeber suchen und anschreiben.

Elektrizität

Solarpanel mit zwei Akkus zum Aufladen, dazu die Nabendynamos, mit denen wir die Akkus auch laden können, sollten unseren Stromverbrauch für Handys, GPS, Lampe und unser Musikböxli abdecken. Das Notebook müssen wir an einer Steckdose anschliessen, wenn es nach 6-7 Stunden meldet, es sei am Absterben….Ach ja und die Kamera auch, die braucht ab und zu eine Nachladung per Steckdose.

Rückkehr in die Schweiz

 

Wir haben auf dem Camping ein holländisches Paar getroffen das den gleichen Weg fährt wie wir, sie wollen aber bis an die Quelle der Rhone und dann über den Pass an die Quelle des Rheins und diesem Fluss entlang nach Holland fahren. Am frühen Morgen verlassen wir den noch schlafenden Platz, nur diese Beiden sind auch am Aufbrechen. Denn die letzte Etappe in die Schweiz verlangt Kraft und Ausdauer, einige Höhenmeter sind zu überwinden, vor allem am Anfang geht es in die Höhe. Aber für die Gegenrichtung ist es auch kein Zuckerschlecken, wir fahren nämlich später eine sehr lange Strecke hinunter, und begegnen da einem Tourenfahrer, der ziemlich schwitzt beim Hinauffahren.
Ganz unspektakulär überqueren wir die Grenze in einem Wald, wir merken es erst im nächsten Dorf, der rote Wegweiser, ein IP-Plakat an einer Holzwand, die „generell 50“ Geschwindigkeitstafel,….
Und das GPS zeigt uns eine weisse Landschaft ohne Srassen und Zeichen…! In der Mittagspause, die wir im Schatten bei einer Waldhütte machen, gelingt es uns, die Schweizerkarte vom Laptop auf das GPS zu laden. Aber es ist eine reine Openstreetmap, keine Velokarte, sehr schlecht, ohne Höhenkurven, Campings und andere für uns wichtige Sachen drauf. Wir haben gar nicht daran gedacht, dass wir die Schweizerkarte brauchen werden!!! Es gibt Schlimmeres, aber in den nächsten Tagen merken wir, wie oft uns ein Blick auf das Gerät die richtige Richtung bestätigen würde, ohne das Tablet hervornehmen zu müssen. Denn, die Velo-Wegweiser, zwar schön rot, sind in der Schweiz oft versteckt irgendwo an  der Kreuzung, weit unten oder sehr hoch oben, aber sicher nicht bei den anderen Wegweisern. Das macht es zum Suchspiel: wer findet zuerst das rote Schildchen? Mit dem Verkehr ist das oft nicht gerade einfach, anhalten und suchen ist dann die Devise. So kommt das Tablet wieder vermehrt zum Zug, was aber jedes Mal heisst, einen Schattenplatz suchen, absteigen, Tasche öffnen, die Karte aufrufen und studieren. Ich habe ja schon ein gutes Gedächtnis, aber eine Strecke von 60km mit allen Abzweigungen im Kopf zu behalten, geht dann doch ein bisschen zu weit.
Es ist heiss, die Pause wird etwas länger, wir sitzen da und plaudern. Als dann die beiden Holländer vorbeikommen, checken wir gemeinsam die Campings rund um Genf. Der nächste Platz ist noch 20km entfernt, die anderen 30-40km, am Ufer des Genfersees Richtung Frankreich, die falsche Richtung für uns. Wir werden sicher beim Nächsten bleiben, auch wenn der Flughafen sehr nahe ist!
Sie fahren sofort weiter, wir bleiben noch ein wenig und lassen uns Zeit. Im nächsten Dorf verfahren wir uns natürlich schon wieder, ärgerlich! Ach ja, und Geld sollten wir noch haben! Wir haben ja nur Euro dabei! Am Bahnhof versucht Martin an einem Automaten Bargeld zu beziehen, erfolglos. Ein Mann fährt mit seinem Rad heran, ich quatsche ihn an, ob er wisse, wo es eine Post mit Geldautomat hat? Die Post wurde geschlossen, es hat hier nichts mehr, auch am Bahnhof nicht. Wir sollen doch den Zug nehmen, dann sind wir in 10 Minuten mitten in der Stadt Genf. Ach nein, das wollen wir doch nicht, das wäre viel zu schnell für uns! Wir wollen der Rhone und der Veloroute entlang an den See kommen! In unserem Tempo, das uns jetzt schon viel zu schnell vorkommt. Wir lachen viel, erzählen von uns und er von sich, dann macht er noch ein Foto, bevor der Zug kommt und ihn nach Genf bringt. Wir fahren ohne Schweizer Franken weiter, im schlimmsten Fall haben wir ja die Euros und die Kreditkarte.
Der Rhone entlang geht es idyllisch durch ein kleines Naturschutzgebiet, bei einem Wasserkraftwerk hat es unter den Bäumen Picknickplätze, man glaubt es kaum, dass wir nahe einer grossen Stadt sind.
Die Zufahrt zum Camping geht dann mitten durch ein sehr geschäftiges und vielbefahrenes Industriegebiet. Der Platz liegt in der hintersten Ecke, gerade wo ein Wald beginnt und wäre eigentlich noch schön, aber, der Fluglärm ist sehr penetrant. Manchmal im 2-Minutentakt starten die Maschinen über unsere Köpfe hinweg. Man kann buchstäblich die Abgase riechen! Beim Eingang ist niemand, die Rezeption ist erst ab 17 Uhr besetzt. An der Türe hängt aber ein Plan, wo die Wiese für die Zelte leuchtend grün bezeichnet ist. Wir fahren also rein und richten uns neben den Holländern ein, die schon etwas früher eingetroffen sind. Die Bungalows sehen sehr bewohnt aus, wir vermuten, dass hier Flüchtlingsfamilien eine Unterkunft bekommen haben, ein paar fremdsprachige kleine Kinder laufen neugierig herbei und gucken uns beim Zelt aufstellen zu.
Um 17.25 erscheint dann endlich die Dame der Rezeption, wir sind schon ein paar Leute, die auf sie warten. Sie tut furchtbar kompliziert um uns aufzunehmen, muss Fotokopien von ID und ACSI Ausweis machen(beide Seiten, pro Seite ein Blatt), ein Formular ausfüllen mit Geburtsort und allem drum herum! Ob wir das immer machen, uns auf fremden Grundstücken einfach einzurichten?? Ja, hätten wir warten sollen in der Hitze vor der Rezeption, bis sie, nach zwei Stunden und mit 25 Minuten Verspätung, erscheint? Ich bestätige ihr, ja das machen wir öfters, es würde manchmal sogar gewünscht, dass man sich wohl fühle, das Geschäftliche könne man dann abends abwickeln. Und der Plan an der Türe könne ja schon als eine Aufforderung für Velofahrer angesehen werden, sich zu installieren, wenn zwischen 12-17 Uhr niemand da sei. Ich darf mit der Karte bezahlen, SFR 32.-, aber das Bier, das ich auch noch kaufen möchte, kann ich nur bar bezahlen. Dann kaufe ich eben keines, ich habe keine Franken! Wir müssen uns sowieso an das Preisniveau der Schweiz gewöhnen!
Wir planen die Weiterfahrt und entschliessen uns, die ausgeschilderten Route Nr 1 durch Genf durch zu fahren, besser als selber mit dieser Karte auf dem GPS einen eigenen Weg zu suchen. Auch so ist es schwierig genug, nicht an jeder Kreuzung anhalten zu müssen (um das rote Schild zu suchen). Wir verabschieden uns im Morgengrauen von den Holländern, sie wollen heute bis nach Lausanne, wir wahrscheinlich bis Rolle, da hat es einen kleinen Camping-Platz am See!
Die Fahrt durch Genf wird wirklich zum Suchspiel, es hat in der Stadt einige Baustellen und die Wegweiser sind unauffindbar, oder an einer unsichtbaren Stelle. Am Bahnhof können wir, nach einiger Wartezeit, endlich etwas Geld beziehen. Und wir finden auch den See und machen ein Foto vom „Jet d’eau“.
Der Verkehr ist hektisch und als wir auf einer Busspur fahren, wo explizit auch Velofahrer fahren dürfen, überholt uns ein Bus sehr schnell und kommt Martin gefährlich nahe, da er viel zu früh wieder rechts hält. Bei der nächsten roten Ampel ruft ihm Martin noch zu, dass er besser aufpassen sollte! Und am Strassenrand  meint ein Mann, der alles beobachtet hat, dass die Buschauffeure in Genf wie die Teufel fahren! Erst nachdem wir die Stadt verlassen haben, wird es ruhiger, es gibt Velostreifen und die Strässchen ins Hinterland, weg von der N1, die trotz Autobahn stark befahren ist. Die Mittagspause machen wir in einem kleinen Dorf wo wir beobachten, wie nach 12 Uhr die Handwerker zum Mittagessen fahren. Es kommt uns vor, als wenn die, die oben im Dorf gearbeitet haben, an den See hinunter wollen und umgekehrt! Nach Nyon wird es uns zu heiss, alle die vielen Aufstiege und Umwege in die Hügel zu machen, wir nehmen die vielbefahrene Hauptstrasse, aber die hat bis Rolle fast durchgehend einen Velostreifen! Das ist gut für die Alltagsvelofahrer, zur Arbeit will man ja nicht schweisstreibende Umwege durch die Dörfer machen! Auf dem Camping beziehen wir ein Plätzchen unter einem Baum und stürzen uns in den See! Das tut gut!
Die Stimmung hier gefällt uns, man hört zwar auch ab und zu ein Flugzeug, aber die Entfernung ist so gross, dass es nicht mehr störend ist. Die Aussicht auf die Berge, die Wolken und der Sonnenuntergang sind wunderschön.
In Morges ist Markt, wir spazieren mitsamt den Rädern durch die Gassen, kaufen Käse und Gemüse und ein Stückchen Fleisch, Martin stellt es fast die Haare auf von dem Preis, den wir dafür bezahlen. Alles ist mindestens 50% höher als in Frankreich. Von Spanien wollen wir gar nicht sprechen.
Vor Lausanne biegen wir ab, nehmen die Veloroute 5, die Mittellandroute, die uns an den Neuenburger- und Bielersee führen wird. In dieser Gegend verbrachten wir Ferien mit den Kindern, fuhren mit den Fahrrädern dem Flüsschen Venoge entlang, bis nach Lausanne. Diesmal geht’s in die andere Richtung, fast alles durch den schattenspendenden Wald. Bei einer Hütte machen wir Rast, hier hat es sogar einen Brunnen, wo wir unsere Flaschen mit kühlem Wasser auffüllen können. Dann, etwas später, mitten auf dem Waldweg liegt ein grosser Baum, gefallen wahrscheinlich im letzten Gewitter. Martin muss zuerst schauen, ob es ein Durchkommen gibt für uns. Wir müssen alles abladen, die Taschen und die Velos einzeln hinüberhieven und wieder beladen. Aber da haben wir ja schon Übung und schaffen das locker.
Es wird schwül und Wolken ziehen auf, ein Gewitter ist angekündigt für die zweite Hälfte des Nachmittags. Die Venoge schlängelt sich durch eine Schlucht, die keinen Weg hat, das heisst für uns, überwinden von knapp 100 Höhenmetern, natürlich nicht durch den Wald, sondern durch Wiesen und Felder, da läuft bei mir der Schweiss nur so runter. Zum Glück bestehe ich auch noch ein wenig aus Haut und Knochen, sonst hätte ich mich in der Hitze völlig aufgelöst….
Der Camping, den wir ansteuern, ist auf dem nächsten Hügel, aber als wir oben ankommen, werden wir sehr unfreundlich begrüsst und über die (sehr hohen) Preise informiert. Das ärgert uns und wir entscheiden uns, weiterzufahren, obschon wir wissen, dass Yverdon noch 40km entfernt ist, wir schon über 40km in den Beinen haben und die Gewitterwolken über uns sich bedrohlich auftürmen und man das Grummeln schon hören kann. Noch eine halbe Stunde, dann wird’s ungemütlich nass auf dem Velo! Wir verlassen den Ort und beginnen sofort mit der Suche nach einem trockenen Plätzchen. Und wir haben enormes Glück: Wir finden den perfekten Platz um das Zelt sofort aufzustellen und alles ins trockene Innere zu befördern, bevor es zu schütten beginnt. Das Gewitter dreht ein paar Runden über unseren Köpfen, wir haben uns gemütlich eingerichtet und lesen, während es stürmt und draussen alles nass wird. Gerade richtig zur Kochenszeit klart der Himmel auf und wir können unser Abendessen ohne Schirm über dem Kocher zubereiten. Dazu beobachten wir zwei Füchse, die in der Nähe unter den Bäumen am Spielen oder Jagen sind. Es ist einer der ganz schönen Plätze auf dieser Reise, die Morgenstimmung mit dem Gemisch von Nebel, Wolken und Sonne ist sehr eindrucksvoll!
Kurz nachdem wir am nächsten Tag losfahren, bemerke ich, dass ich fast keine Luft mehr habe in meinem Vorderreifen, Flicken ist angesagt! Auf einem Feldweg vor einem Bauernhof laden wir ab und reparieren den Schlauch.
Dann, kurz vor  Yverdon gibt es plötzlich einen Knall-und Pfffff! Und der Hinterreifen von Martin ist geplatzt! Aber da ist nicht nur der Schlauch kaputt gegangen, sondern auch der Reifen ist gerissen auf einer Länge von 5cm. Er hattte gehofft, dass dieser abgefahrene Reifen bis nach Hause noch halten würde,…Er flickt den Schlauch und Reifen, kann aber nicht genug Luft reinpumpen, sonst hätte der Schlauch sich durch den Riss im Reifen gedrückt.
Es reicht gerade, um das Gepäck auf das Velo zu laden und es zu schieben. Martins Gewicht dazu, hätte zu einem erneuten Kollaps des Reifens geführt. Etwa einen Kilometer müssen wir schieben, dann sind wir in der Stadt und eine Frau zeigt uns, wo ein Fahrradladen ist. Dort müssen wir einen Reifen kaufen, der nicht ganz den Anforderungen eines Tourenrades entspricht, aber um in ein paar Tagen nach Hause zu kommen, ist er gut genug. Vor dem Laden wechselt Martin Reifen und Schlauch damit wir weiterfahren können. Am See machen wir dann eine ausgedehnte Mittagspause auf einer Wiese am See, wir müssen nicht mehr weit, unser Ziel heute ist la Corbiére, ein Bauernhofcamping in Estavayer le Lac, den wir schon vor knapp 20 Jahren zum ersten Mal per Velo mit den Kindern besucht haben. Die Strecke ist schön und führt durch das Naturschutzgebiet!
Langsam, mit schönen Erinnerungen verknüpfend, nähern wir uns unserem Zuhause. Es fällt uns noch schwer, das definitive Ende dieser Reise ins Auge zu fassen. 
Auf der nächsten Etappe beschliessen wir mitten im Wald, Freunde anzurufen und zu fragen, ob sie Hilfe bei ihrem Umzug in ein neues Haus brauchen könnten. Und sie können! So fahren wir nicht Richtung Bern, sondern Biel, wo wir die letzte Nacht im Zelt auf einem Bauernhofcamping verbringen! Wir fahren durch altbekannte Gegenden, mit Entzücken bleiben wir fast eine halbe Stunde neben diesen Tieren und schauen zu, wie sie ihr Leben geniessen! Die haben echt Schwein gehabt!
Wir kaufen frische süsse Erdbeeren vom Feld und schmausen sie umgehend, so gut sind sie! Die Sicht ist heute unwahrscheinlich klar und wir können die schönen schneebedeckten Alpen bewundern, obschon wir noch weit weg sind. Da kommen in mir Gefühle auf, die wohl mit dem Begriff  Heimat zu tun haben!
Und schon bald sind wir beim neugekauften Haus unserer Freunde angekommen, sie begrüssen uns freudig und wir verbringen plaudernd den Abend im noch wilden, ungepflegten Garten.
Wir helfen, die Wände eines Zimmers weiss zu malen, nehmen grosse Möbel auseinander, packen Kisten und dann, ein paar Tage später, mit vielen anderen Helfern zusammen, die ganze Haushaltung zu zügeln.
Voller Freude treffen wir unsere Kinder, die Familie, Freunde. Und der ganze administrative Kram kommt auf uns zu, überflutet uns, es ist unvermeidlich, wenn man nach zwei Jahren aus dem Ausland wieder nach Hause kommt.
So gehen wir langsam an das Leben hier heran, versuchen, seinen Rhythmus zu spüren und uns daran zu gewöhnen. Es ist nicht einfach! Das „Normale“ ist noch sehr ungewohnt, wie Fremde fühlen wir uns, sind aber doch nicht so fremd.

 

ViaRhôna

Ein paar Tage fahren wir im Rhônetal aufwärts, meistens dem Fluss oder seinen Nebenarmen entlang, die Veloroute ist gut ausgeschildert und fast ohne Verkehr! Dass es hier viel Industrie hat, wissen wir, ein AKW sehen wir in der Ferne und gegen Abend fahren wir an vier Kühltürmen vorbei, sehen und hören, wie das Wasser rauscht. Auch diesmal ist es, wie in Spanien, ein eigenartiges Gefühl, so nahe an einem so gefährlichen Ding zu stehen, nur geschützt durch einen Zaun, der ganz einfach zu übersteigen wäre… Wo sind da die Überwachungskameras? Wie ist das für die Leute, die gerade nebendran wohnen? Blendet man mit der Zeit die Gefahr einfach aus? Glaubt man an die Sicherheit, die vorgegaukelt wird? Nun ja, das AKW Mühleberg ist auch nicht so weit weg von Burgdorf und wir haben uns diesbezüglich kaum Gedanken gemacht über unsere Sicherheit.
Am ersten Abend, gerade als wir anfangen wollen zu kochen, ziehen dicke schwarze Wolken auf, es grummelt bedrohlich da oben. Schnell räumen wir alle unsere Sachen wieder ins Zelt, mitsamt Tisch und Stühlen, es ist wie letztes Jahr in England, rein mit uns bevor wir nass sind. Da fallen schon die ersten dicken Tropfen auf das Zelt! Noch ein paar Windstösse , dann beginnt es zu schütten wie aus Kübeln! Wir haben zum Glück einen grossen Einkauf gemacht, nachdem wir von der Ardéche ins Rhônetal eingebogen sind. So können wir uns ein wunderbares kaltes Menu zusammenstellen: wir machen einen Maissalat mit Zwiebeln und Peperoni, dazu Ziegenkäse und frisches Brot und zum Dessert ein Joghurt mit Crème de Marrons de l’Ardéche aus der Tube! Köstlich! Und dazu von oben als musikalische Begleitung das Trommeln des Regens und das Donnern.
Via RhônaEin neues Teilstück der ViaRhôna wird eingeweiht, wir begegnen vielen Radfahrern, von Veteranen bis zu ganzen Familien, die den Weg mit dem Wind südwärts fahren, der bläst uns heute wieder mal ärgerlich stark ins Gesicht. Aber wir haben schöne Begegnungen, Gespräche am Wegrand und an einem der Stände, wo gratis Kuchen, Kaffee oder andere Getränke ausgeschenkt werden. Fast wie ein Slow-Up (Fahrrad-Event in der Schweiz), nur viel kleiner und persönlicher. Bei einer Mittagspause fahren Tourenfahrer an uns vorbei, wir grüssen einander freundlich, aber anhalten mag niemand. Die Leute haben nicht viel Zeit zum Plaudern auf dem Weg. Und wir fahren eindeutig in die falsche Richtung, gegen den Wind, gegen den Strom! Aber doch, da fährt ein Mann daher, bremst ab und freut sich, mit uns zu plaudern, stellt sein Zelt auf, das nach dem Gewitter gestern noch nicht ganz trocken ist und erzählt uns von seinen Reisen und wir von unseren! Er kocht seine Mahlzeit am Mittag, und abends stellt er sein Zelt auf, wo es ihm gerade gefällt. So fährt er schon seit ein paar Jahren in Europa herum und lebt sein Leben auf diese Weise!
Die Vegetation verändert sich in diesen Tagen, langsam verschwinden die Olivenbäume, Palmen und Reben, immer häufiger tauchen Kirschen-, Aprikosen-, Pfirsich- und Nektarinen-Plantagen auf. Weizen, Roggen, Hafer, Mais und Kartoffeln werden auf den Feldern angepflanzt, fast wie zuhause. Neu sind die vielen grossen lichten Wälder aus Nussbäumen, die immer häufiger werden. Les noix de Grenoble! Hinten erheben sich die ersten Berge der Alpen und als wir hinter Valence abbiegen, um der Isère entlang zu fahren, nähern wir uns ihnen schnell.
 Noch eine kleine Episode im Zusammenhang mit dem GPS! Bei der Planung am Morgen habe ich einen Camping kurz nach Valence ausgesucht, ca. 60km auf der Veloroute zu fahren, dann kurz vorher rechts auf ein kleines Strässchen abbiegen, das uns direkt zum Platz führt. Da ich aber das GPS so eingestellt habe, dass die Entfernung relativ gross ist, sieht man nicht so genau, welche Strassen sich wirklich berühren und wo vielleicht noch ein Kanal dazwischen liegen könnte! So fahren wir diese grosse Schlaufe auf einem Damm, links der Fluss und rechts ein Kanal und  keine Abzweigung oder Brücke weit und breit. Wir haben schon fast 70 km hinter uns, es ist schon 18 Uhr gewesen, so langsam haben wir Hunger. Schon sage ich zu Martin, dass wir sehr wahrscheinlich einen Umweg von etwa 8km machen müssen, bis zur nächsten Brücke, da sehe ich plötzlich einen kleinen Steg über den Kanal. Da könnte man vielleicht hinüber! Zu Fuss gehe ich mal das steile Bord hinunter und erkunde die andere Seite, ob da ein Weg irgendwo hinführen könnte. Es hat ein Zaun, aber das GPS zeigt mir nun, nachdem ich herangezoomt habe, dass nach ein paar hundert Metern ein Fussweg abzweigt und auf die Strasse, die zum Camping geht, führt. Also runter mit den Fahrrädern, über das Brücklein und dem Waldweg entlang-hier könnte man auch wild campen….
Als wir ankommen, steht an der Türe der Rezeption: Complet! Das kann doch nicht möglich sein! Aber wirklich, als ich eintrete, schickt die Dame gerade ein Paar weg, die mit einem Camper-Van angekommen sind. Der nächste Platz sei nur 20km entfernt, das sei nicht weit. Kehren wir jetzt zum Fussweg am Kanal zurück? Ich hoffe, dass sie uns nicht wegschicke, sage ich zur Begrüssung, wir bräuchten nur ein kleines Plätzchen! Und wir dürfen in einer Kurve unter zwei Aprikosenbäumchen unser Zelt aufstellen, das ist zwar kein offizieller Platz (jedoch mit offiziellem Preis), aber wir sind froh, dass wir die Duschen benützen können! Etwas komisch finden wir nur, dass zwei Plätze gerade auf der anderen Seite frei sind und bis am anderen Morgen nicht besetzt werden.
Durch Weizenfelder und immer wieder einmal runter an die Isère, über eine Brücke und auf der anderen Seite wieder hinauf, haben wir den ganzen Tag die nahenden Berge vor den Augen.
Das Gewitter am nächsten Tag erwischt uns zum Glück nicht, wir haben gerade das Zelt verlassen und stehen bei den Toiletten unter dem Dach, als es beginnt zu schütten! Aber schon nach einer halben Stunde ist es vorbei und wir können im nahen Dorf einkaufen, auf der anderen Seite der Isére, runter und wieder rauf! Das machen wir heute ausnahmsweise mal ohne Gepäck! In einer grossen Schleife des Flusses, wo er sich Richtung Grenoble wendet, verlassen wir die Veloroute und nehmen wieder einmal eine normale Strasse, auf der wir über einige Hundert Höhenmeter hinauf zum Lac de Paladru schwitzen. Es kommt uns immer mehr vor wie im Kanton Freiburg, oder im Emmental?
Nur die Häuser sehen etwas anders aus als in der Schweiz. Von da geht’s dann wieder hinunter, Richtung Rhône, wo sie sich von Norden her Richtung Lyon wendet, wir werden nordwärts Richtung Genf fahren. Oh, jetzt sind wir schon nahe der Schweiz! Ab hier hat es wieder mehr Tourenfahrer, Deutsche und Schweizer! Aber das Paar, das sich neben unserem Platz niederlässt ist aus der Türkei! Wir freuen uns, mit ihnen zu plaudern, sie erzählen uns, dass sie nur drei Monate Zeit haben, wegen dem Visum! Dann gehen sie zurück, erneuern das Visum und fahren wieder los! Am Morgen, bevor sie früh losfahren, machen sie uns einen türkischen Kaffee!
Die Hitze macht uns nun zu schaffen, es wird über 30°, wir stehen um 6 Uhr auf und um 8 Uhr geht’s los. Dazu kommt, dass wir uns nicht beeilen müssen, wir wollen ja erst so gegen den 20. Juni zuhause eintrudeln. Wir fahren kürzere Etappen, damit wir die Mittagshitze im Schatten, am Pool oder Fluss verbringen können. Und einmal in Ruhe dem Stress der Sportfischer zuschauen.
Dann sitzen wir mal gemütlich auf der Terrasse eines Cafés am Fluss, und geniessen ein Eis, da sehen wir auf der anderen Seite Polizeimotorräder mit Blaulicht und Sirene über die Brücke und fast am Café vorbeibrausen. Was ist da los? Eine Suchaktion? Frankreich ist in höchster Alarmbereitschaft, die Polizisten sehen wir mit der Schussweste bekleidet in ihren Autos sitzen, und nun plötzlich hier, weit weg von einer Stadt so viel Polizei? Wir verlassen die Terrasse, und da sieht Martin auf der anderen Seite des Flusses ein paar Radfahrer mit einigen Motorrädern und Autos in Begleitung. Und dann brummt ein Helikopter über unsere Köpfe. Hei, das ist ein Velo-Rennen! Die Tour de France?! Schnell, an die Strasse, das müssen wir sehen!
Ich nehme die Kamera aus der Tasche und mache ein Foto vom Haupt-Feld, als sie auf der anderen Seite auftauchen – die sind aber sehr schnell! Und soooo viele Autos und Motorräder fahren vorne und hinten mit! Das ist ja verrückt!
An der Strasse habe ich gar keine Zeit, die Kamera einzustellen, es rauscht und im Nu sind die Radfahrer vorbei, dann die Motorräder und all die Autos der verschiedenen Equipen, mit Rädern auf dem Dach, oben der Helikopter, dann ein Pannenfahrzeug, eine Ambulanz und zum Schluss noch einmal ein paar Polizeimotorräder mit Blaulicht. Dann ist der Spuk vorbei und plötzlich wieder gespenstisch still! Ich muss lachen, na so etwas, da sitzt man ahnungslos auf einer Terrasse und plötzlich flitzt die Tour de France vorbei! Andere Leute gehen extra hin, warten stundenlang, um ja nichts zu verpassen,….
Am „See des Bettes des Königs“ machen wir wieder Halt. Die Campingplätze sind an dieser Strecke einfach sehr schön, mit Aussicht auf die Rhone und recht velofreundlichen Preisen. Gegen Abend fährt ein Berner Camping-Bus auf einen Platz in unserer Nähe. Wir kommen mit dem Paar ins Gespräch, es sind spannende Leute und wir plaudern lange miteinander, am Abend und dann auch wieder am nächsten Morgen! Vielleicht treffen wir uns einmal in der Schweiz! Machen zusammen ein Feuer oder eine Kanufahrt und diskutieren weiter!
Und in Seyssel verbringen wir unsere letzte Nacht  in Frankreich, es geht endgültig in die Schweiz. Da sind gemischte Gefühle, wieder nach Hause zu kommen!

Herault und Ardéche

Dem Herault entlang geht’s langsam in die Höhe, am Pont du Diable vorbei, an der Strasse werden Kanus vermietet, die Saison beginnt erst, es werden Häuschen aufgestellt, vereinzelt sieht man schon Kanus auf dem Fluss.
Wieder einmal geht es über einen Berg, es ist schon ziemlich warm, die Steigung ist aber erträglich und fahrbar. Ein paar Motorradfahrer überholen uns, was denken die wohl über uns?
Die Mittagspause machen wir an einer schönen Stelle direkt am Fluss, wo Kanufahrer ihre Bootstour beenden, das Gelände ist zugänglich bis zum Fluss, meistens geht es steil hinunter oder der Wald ist zu dicht! Das Flusstal ist beeindruckend, die Felsen hoch und steil, das Wasser hat sich Jahrhunderte lang seinen Weg durch diese Felsen gegraben. Und ringsum Wald, viel grüner Wald!
Irgendeinmal biegen wir ab, weg vom Fluss Herault, wieder etwas aufwärts, wo das Terrain bewirtschaftet wird mit Wein- und Ackerbau. Die Hitze flimmert auf dem Asphalt, wir sehen sogar Kühe zwischen den Büschen im hohen Gras, braun mit langen Hörnern. Auf einem kleinen Hügel in diesem Tal steht eine Kirche, ein paar Häuser ringsum, Montoulieu. Es hat ein Restaurant, das sich rühmt, Produkte des Tals in seinen Menus zu verarbeiten, ein Piscine und einen Camping municipal! Klein aber fein! Der Mann erfüllt uns freundlich den Wunsch nach einem Schattenplatz, wo sich unsere Körpertemperatur langsam normalisieren kann. Später, bei einem Glas Rosé, erfahren wir mehr über das Dorf, es lebt vom sanften Tourismus, Wandern, Radfahren, Menschen, die lieber Ruhe haben anstatt grossen Trubel, der anderswo zu finden ist.
Mit seiner Frau und dem Enkel besuchen wir die Chèvrerie, wo Ziegenkäse verkauft wird. Leider habe ich weder Handy noch Kamera mitgenommen, es hätte ein paar lustige Ziegenfotos gegeben! Der Bauernhof ist hochmodern eingerichtet und wir schauen zu, wie die Ziegen gemolken werden und können die Jungen streicheln. Der Enkel, etwa 8 Jahre alt, ist ganz entzückt über die Zutraulichkeit und Anhänglichkeit der Zicklein!
Und der ganz frische Ziegenkäse, das ist einfach eine Gourmandise! Aber auch die älteren Sorten sind sehr fein und auch gut haltbar, ohne Kühlschrank. Wer mich kennt, weiss, wie ich früher die Nase gerümpft habe, wenn es um Käse ging. Ich hätte selber nie gedacht, dass ich einmal so gerne Käse essen würde! Am Abend füllt sich die Terrasse des Restaurants und wir staunen, woher wohl all diese Leute  kommen? Ach ja, unsere Tagesetappen kann man im Auto in einer Stunde oder noch weniger zurücklegen. Da ist unsere Denkweise schon etwas beeinflusst nach so langer Zeit auf dem Fahrrad.
Früh am Morgen können wir unser bestelltes Brot abholen und fahren los. Wir wünschen dem Mann viel Erfolg mit seinem Camping, es ist eine kleine Oase, was sehr viel mit seiner Gegenwart zu tun hat!
Nach dem sanften Hochtal geht es dann wieder runter in ein tiefes Flusstal hinunter, und dann wieder hoch, durch Dörfer und mehr bewohntes Gebiet. Wir nähern uns Anduze, einem Touristenort am Fluss Gard, und Alés, der grössten Stadt in der Region. Wir fahren über Nebensträsschen, die manchmal zu Feldwegen werden, umfahren die Städte, die uns im Moment nicht interessieren und erreichen in der grössten Mittagshitze Cadet, wo am Fluss unter vielen alten Bäumen ein wunderschöner Camping steht. Wir dürfen uns am Fluss einen Platz suchen, und bezahlen einen Spezialtarif, 10.80€. Die Betreiber sind Holländer, die ganze Familie arbeitet im Betrieb mit, und die Gäste sind vorwiegend auch Holländer. Auch hier wird das Restaurant abends voll sein, wir sehen jetzt mehr jüngere Leute, die Ferien machen und nicht nur pensionierte Langzeit-Camper, die auf ihr Budget schauen, und kaum die Restaurants besuchen.
Es zieht uns Richtung Ardéche, diese Schlucht will ich sehen, soviel habe ich schon darüber gehört, und bin noch nie dagewesen. Martin ist mit einem Rumpeln und Grummeln in der Magengegend aufgewacht, das sich auch nach der eher explosiven Entleerung den ganzen Tag über nicht richtig beruhigt. Unterwegs trinkt er in einem Dorf eine Cola, das hilft ein bisschen. Wir besuchen einen kleinen Flohmarkt, wo auch ein paar alte Autos stehen, 2CV’s und andere, die uns später wieder überholen. Die Mittagspause machen wir unter einer alten Eiche mit Blick auf ein wunderschönes Mohnfeld, das Rot leuchtet so intensiv, dass man fast nicht glauben kann, dass so etwas die Natur hervorbringt!
Die letzte Etappe bis nach Vallon Pont d’Arc wird dann richtig lang, zuletzt noch ein steiler Aufstieg, wieder in der grössten Hitze (das habe ich gut geplant!). An einer Apotheke blinkt so eine Datum-, Zeit,- und Temperaturanzeige, da sehen wir, dass es 32° ist. Endlich kommen wir an, wir brauchen Schatten, viel Flüssigkeit und Martin unbedingt etwas Schlaf. Alle diese Wünsche können wir uns erfüllen. Wir bleiben einen Tag hier, damit sich Martins Magen auskurieren kann. Wir sind neben der Ardéche, am Nachmittag gehen wir baden. Es ist etwas enttäuschend, hier ist noch gar nichts von Schlucht zu sehen, dafür aber ein Kanuverleih neben dem anderen, etwa 10 Campings, und das Dorf voll mit Touristenshops und Cafés, und, wir staunen, vielen Touristen.
Wir wollen in die Schlucht, selber, keine geführte Kanu-Tour, also los: Einkaufen, bis die Taschen fast platzen, anrufen und uns anmelden, (das machen wir sonst nie), und am nächsten Tag los, zum Camping des Templiers. Den gibt es seit etwa 44 Jahren, hat eine Seilbahn fürs Gepäck (und unsere Velos, deshalb der Anruf). Die Leute müssen auf einem steilen Waldweg etwa 150 Höhenmeter hinunterlaufen. Da kommt kein Wohnwagen oder Autocaravan hin! Es ist ein Naturisten Platz, auch der Strand, schon immer gewesen. Der Begründer, Jaques, war ein richtiger Naturisten-Fundamentalist, der mit Frauen und Kindern hier gelebt, Bäume gepflanzt oder gerodet hat, die Seilbahn gebaut und legalisiert hat, und nach jedem Hochwasser immer wieder alles neu geputzt und repariert hat. Lange war der Platz illegal, aber Jaques hat nie aufgegeben, hat sich mit allen in der Gegend angelegt und der Platz war nur einmal für eine Saison geschlossen. Heute ist Jaques 89 Jahre alt, hat vor ein paar Jahren den Platz dem Bürgermeister von Vallon verkauft, dem gehört auch ein 4-Stern Camping in Vallon und ein Kanuverleih. Dieser wolle den Platz erhalten, er sei einzigartig in der Schlucht. Viele, die hierherkommen, sind Stammgäste, nehmen seit Jahren immer wieder die Mühe auf sich, alles hier herunterzutragen!
Und das nehmen wir auch auf uns, laden die Velos und das Gepäck  auf die Seilbahn und lassen alles runterfahren. Danach machen wir uns auf den Weg und steigen den Waldweg hinunter. Und begegnen hier dem Paradies! Viele Bäume und Büsche, kleine Hütten und Plätze, die gerade gross genug sind für ein Zelt. Man hört und sieht Vögel, Frösche, das Wasser und tagsüber die vielen Kanufahrer, die das „Abenteuer“ wagen, diesen Fluss runter zu paddeln. Wir verbringen ein paar wundervolle, ruhige, zeitlose, freie Tage, bis unsere Vorräte langsam zur Neige gehen. Wir hängen noch einen Tag an, es gefällt uns so gut,.
Links oben im Baum, das ist kein Vogelnest, da hat im Frühling das Hochwasser Holz angeschwemmt!Am Tag unserer Abreise ist es bewölkt, was uns gerade gelegen kommt, der Aufstieg von der Seilbahn bis zur Strasse ist sehr steil. „Au Revoir“ du schönes Plätzchen, hier würden wir gerne wieder einmal herkommen!

Es wird heiss!

Der Canal du Midi liegt vor uns und schon bald erinnern wir uns wieder an letzten November, als wir manchmal auch nur einen kleinen Pfad fanden. Jetzt kommt dazu, dass das Gras bis zu einem Meter hoch ist, die Wurzeln der grossen Bäume unsichtbar was uns ziemlich verlangsamt. Ich schlage mehrmals mit dem Pedal auf der Grasnarbe auf, habe aber Glück, dass ich nicht gleich hängenbleibe und stürze. Auf dem Canal hat es ein paar Schiffe, es ist ja schon wieder Samstag! Velofahrer hingegen treffen wir kaum, nur kurz nach Carcassonne einen Tourenfahrer aus Deutschland, mit dem ich ein paar Worte wechsle. Er ist wahrscheinlich auf seinem ersten Trip nach der Pensionierung, allein für ein paar Monate mit dem Fahrrad durch Europa, die Frau ist zuhause geblieben. Er möchte es eigentlich etwas gemütlicher nehmen, aber allein unterwegs ist das gar nicht so einfach, sich irgendwo hinzusetzen und nichts zu machen- da fahren viele noch ein bisschen weiter und fahren dann 80-100 km oder mehr pro Tag.
Es ist anstrengend, dem Canal entlang zu fahren, wir treffen auf dickes Gestrüpp mit Brombeeren und Disteln. Dazu ist es heiss geworden, viele der schönen Allee-Bäume wurden abgeholzt, weil sie schon alt und morsch waren. Zwar werden vielerorts lange Reihen neue Bäumchen gepflanzt, aber da ist noch kein Schatten. Dass mit der Anpflanzung auch der Weg entlang des Kanals etwas verbessert werden könnte, haben die Verantwortlichen schlicht übersehen.
Unterwegs treffen wir auf ein älteres Paar auf dem Rad, er ist gerade im Gras hängegeblieben mit seinem Pedal, wir kommen ins Gespräch und plaudern fast eine halbe Stunde lang. Im nächsten Dorf finden wir eine offene Epicerie, wo wir einkaufen können. Wir haben den Plan, am Canal wild zu campen, aber wir finden dann doch kein geeignetes Plätzchen. Zu offen, zu viele Schiffe oder zu nahe an den Häusern. Es ist Samstag, da müssen wir auch mit Leuten rechnen, die Abends noch an den Canal fahren um die Nacht da zu feiern….deshalb nehmen wir eine Strasse nach Mirepeisset, zu einem Camping. Eine Dusche ist heute auch nicht zu verachten!
Es ist ein Bungalow-Camping, mit einer Bar, vielen Leuten und nur vier kleinen Stellplätzen. Auf einem sind zwei Australier, die eine Tour durch Europa machen. Sie haben keine Küche dabei und gehen Essen, wir hingegen haben Spargeln gekauft und kochen uns ein wunderbares Menü!
Wir verlassen den Canal du Midi, wir haben schon genug davon, es geht Richtung St.Chinian nach Roquebrun, eine wunderbare, schön hügelige, weite Landschaft, wenige Dörfer und dazwischen viel Reben, Pinienwald und wildes Land.  Lange beobachten wir eine dicke graue Wolke, die uns entgegenkommt, oder eher an uns vorbeiziehen wird? Pech gehabt, sie erwischt uns, nachdem wir St.Chinian verlassen haben. Wir ertragen den Regenguss unter einem Baum am Strassenrand, und sind bald wieder bei Sonnenschein unterwegs. Roquebrun ist ein kleines, verschlafenes Dorf in einem Tal, der Camping fast noch verschlafener.  Die Rezeption ist geschlossen ist, aber ein Mann in einem kleinen „Eriba“ Wohnwagen leiht uns seine  Karte, um die Duschen- und Toilettentüren zu öffnen.
Er ist ein pensionierter Geologe, der immer im Frühling für sechs Wochen hierher kommt, um zu arbeiten, da er noch ein paar Projekte fertigstellen will. Sein ganzes Leben hat er immer wieder in dieser Region die Steine erforscht. Es gibt hier viel Spannendes für Geologen zu finden! Er beschreibt uns eine Schlucht, die wir besuchen könnten, im nächsten Quertal, da hat es auch viele interessante geologische Kostbarkeiten. Ich gehe hier nicht ins Detail, da ich nicht viel verstehe von der Geologie. Was ich verstehe, ist, dass man hier ganz wunderbar die verschiedenen Erdschichten sehen kann, die vor etwa 350 Millionen Jahren aufgebrochen sind und sich übereinander geschoben haben.
Am Montagmorgen werden wir von der Dame an der Reception belehrt, dass am Sonntag: „Dieu se repose, et nous, on se repose aussi!“ Sehr schön für Sie!
Der Abstecher in die Gorges d’Heric wird kurz, da der Weg steil in die Höhe geht, ohne Ausgang. Das heisst, dass wir da raufkeuchen, um dann wieder zurück zu fahren- das macht mir definitiv keinen Spass. Die Schlucht ist ein Kletter- und Wanderparadies.  Am Eingang hat es einen riesigen Parkplatz und der Weg hinein ist für Fahrzeuge gesperrt. Wir fahren ein wenig hinein, finden aber kein Plätzchen wo wir mit den Velos an den Bach könnten, wollen sie aber nicht vollbeladen und allein da oben stehen lassen. Deshalb verlassen wir sie, unser Weg führt uns auf einer „Voie verte“ weiter, da finden wir ein schattiges Plätzchen, wo wir unsere Mittagsrast machen können.
 
Nach Bédarieux  biegen wir in ein kleines Tal, mit einem kleinen Pass zuhinterst, jetzt  wollen wir wirklich wieder einmal wild zelten, aber auch hier, immer wieder Häuser, oder Zufahrten zum Bach die so kurz sind, dass wir befürchten, von der Strasse aus gesehen zu werden. Ein Platz gefällt uns besonders gut, es wäre perfekt, wenn nicht ein Parkplatz wäre und Picknicktische dastehen würden.
Wir fahren und fahren, und endlich, auf der anderen Seite des Passes finden wir einen Weg, der von der Strasse wegführt, es sind keine Häuser in Sicht, durch einen Bach und hinter einem kleinen Hügel, da ist ein Plätzchen, das uns sehr geeignet erscheint zum Bleiben. Wunderschön, so mitten in der Natur zu sein! Auch wenn die Dusche durch einen Waschlappen ersetzt wird – das halten wir aus!
Wir sind gerade beim Kochen, da hören wir ein Auto den Weg hochfahren, und schon sind wir voll in Sicht. Damit haben wir nicht gerechnet, die Fahrerin aber auch nicht. Sie stellt den Motor ab, steigt aus und kommt auf uns zu. Ich bin auch schon aufgestanden, (zum Glück haben wir das Zelt noch nicht aufgestellt) gehe auf sie zu, sie beginnt zu sprechen, französisch mit starkem Akzent. Es stellt sich heraus, dass sie weiter hinten in einem Wohnwagen wohnt, der Landbesitzer ein netter Mann ist, und sie Engländerin ist, hier arbeitet und falls wir Wasser brauchen, könnten wir zu ihr kommen! Für sie ist klar, dass wir hier übernachten wollen, es ist hier einfach zu schön. Da wäre jeder blöd, wenn er es nicht so machen würde. Aber sicher passiert es nicht so oft, dass hier jemand auftaucht. Sie winkt uns noch zu und verschwindet  zu ihrem Wohnwagen, der gut versteckt hinter dem nächsten Hügel steht. Die Stimmung ist sehr ruhig und friedlich, nachdem wir das Zelt aufgestellt haben, verkriecht sich Martin zum Lesen ins Zelt und ich sitze in der Abenddämmerung, bis die Sterne zu leuchten beginnen und es langsam kühl wird.
Am frühen Morgen, die Vögel haben mich durch ihr Konzert geweckt, streife ich mit der Kamera durch die Umgebung, die rote Erde und die Pflanzen drauf faszinieren mich.
Und da finde ich sogar eine ganz heisse Spur!!!
Ich bemerke jetzt auch weiter hinten eine Hütte, auf einem anderen Hügel ein Futtergestell für Kühe und höre neben den vielen Vögeln auch einen Hahn krähen, wir sind doch nicht so weit entfernt von der Zivilisation. Beim Kaffeetrinken kommt die Frau wieder herunter, sie muss zur Arbeit, wir wechseln noch ein paar freundliche Worte, und sie legt uns einen Besuch beim Landbesitzer ans Herz, der gerade nach der nächsten Kurve unten wohnt.
Die Dinosaurierspuren auf einem Felsen, die gut geschützt unter einem Dach und eingezäunt am Wegrand sind, werden wahrscheinlich nicht mehr so oft besucht, oder nicht so gut vermarktet, wie anderes in dieser Gegend. Das merken wir, als wir durch ein Dorf fahren das gerade voll ist mit Wander-Touristen, die ein paar gut vermarktete Felsensäulen mitten im Tal bestaunen und die Berge, die ein wenig aussehen wie die Dolomiten (nur etwas weniger hoch).
Den Lac de Salagou bekommen wir nicht zu Gesicht, der ist wohl hinter den „Dolomiten“. Wir wollen aber heute bis nach Gignac, da hat es am Fluss Herault einen Naturisten-camping, den wir uns anschauen möchten und ein paar Tage Ferien machen. Das Wetter würde passen, das Dorf gut erreichbar zum Einkaufen. Wir verlassen die Berge, das Gebiet hinter Montpellier ist nur leicht hügelig. Die Mittagshitze ist schon recht kräftig, die Pause wird heute im Schatten abgehalten. Unser Wasserkonsum ist in den letzten Tagen in die Höhe geschnellt, wir leeren alle Flaschen bis zum Abend. Und das sind genau 9 Liter, die wir mitführen können. Das ist aber keine Klage, fast noch nie hatten wir so schön warm, und wir geniessen es!!!!
Der Camping gefällt uns gut, viele Bäume und Schatten, Die anderen Gäste sind Holländer und Franzosen. Unser Plätzchen ist unter Bäumen, die in voller Blüte sind, das Summen der Bienen begleitet uns von frühmorgens  bis spätabends. Und die verblühten Teilchen segeln dauernd herunter und decken alles zu. (ich habe gegoogelt und nehme an, dass es eine Art Akazie ist)
Die Temperaturen steigen in diesen Tagen immer höher, bis zu 34° Grad werden gemessen, wir faulenzen, baden in der Sonne und im Pool, und, nachdem uns eine Frau erzählt hat, dass sie im Fluss schwimmen geht, auch im angenehm kühlen Fluss! (Die Aare in Bern hat 14Grad, das habe ich extra nachgeschaut, der Herault etwa 18). Die Nächte sind angenehm warm, die Zeiten der Tropfsteinhöhle (das Zelt) am Morgen ist endlich vorbei! Einmal gehen wir im Restaurant essen, es ist wunderbar, aber leider würde ein mehrmaliger Besuch unser Budget sprengen!
Der Samstagsmarkt in Gignac hat gerade die richtige Grösse, wir kaufen viel ein, so dass wir für die nächsten Tage mit frischen Früchten und Gemüse versorgt sind! Und nach dem Einkauf trinken wir am Rande des Markts ein Glas Weisswein und essen dazu von der Fougasse, die wir vorher am Brotstand erstanden haben. Was für ein Leben! Da die Hitzewelle noch andauert, bleiben wir ein bisschen länger, und als wir uns endlich entschliessen, weiterzufahren, stellen wir den Wecker auf 6 Uhr! Bis wir alles gepackt und gemütlich gefrühstückt haben mit Müesli und Kaffee, dauert es gute 2 Stunden. So können wir dann die kühleren Morgenstunden zum Fahren nutzen.

Auf nach Frankreich

Als wir endlich am 2.Mai den Brief aus Alicante erhalten, sind wir froh, dass wir endlich los können. Es ist immer noch nicht wirklich warm genug, um an der Sonne zu liegen, aber ideal zum Velofahren!
Die Pirinexus oder Eurovelo 8, gut beschildert, geht über Felder und durch Wälder in der schönen Hügellandschaft von Catalunya. Überall blüht der Mohn, ich kann fast nicht fahren, so viele Fotos muss ich machen. Der Himmel ist etwas bewölkt, und natürlich haben wir Wind, von Nordosten, genau gegen die Nase!
In Empúries, einer antiken griechischen Siedlung, versuchen wir, einen Blick auf die Ruinen zu erhaschen, der Wind hat aber ziemlich aufgefrischt, deshalb fahren wir bald weiter bis in ein kleines, ehemaliges Fischerdorf, das ganz schön touristisch vermarktet wird, jetzt aber ziemlich trist ist, weil noch kaum jemand da ist. Auf dem Camping finden wir aber schon Zeichen, dass es im Sommer hier hoch zugehen wird.
Am nächsten Tag verlassen wir die Pirinexus, die, wie der Name sagt, in die Pyrenäen führt, wir aber wollen an die Küste. Wir entscheiden uns spontan, über einen Hügel zu fahren, anstatt der Hauptstrasse zu folgen, dieser entpuppt sich dann aber als recht nahrhaft. Er führt uns nach San Pere de Rodes, einem uralten Benediktinerkloster hoch oben am Hang. Nebelschwaden ziehen vom Meer her über die Hügel und vermitteln eine ganz aussergewöhnliche Stimmung. Bald aber löst sich alles auf und wir werden belohnt mit der atemberaubenden Aussicht übers Meer. Die hatten damals an den unmöglichsten Orten ihre Kloster und Kirchen gebaut, denken wir.
Nach dem Aufstieg, der unsere Kräfte gebraucht hat, fahren wir nun in die Regenjacken eingepackt wieder hinunter ans Meer, wo wir auf einem der teuersten (24€) und zugleich doch  ziemlich heruntergekommenen Camping aufstellen. Der Mann an der Rezeption weiss nicht einmal, ob das Restaurant offen hat und das Wifi würde pro Stunde 4€ kosten! Wir dürfen nicht dort aufstellen wo wir wollen, sondern auf dem schrägsten Stück, ganz nahe an der Strasse und weit weg von den Toiletten und dem Wasser. Mit zwei anderen kleinen Zelten, die Wanderern gehören, sind wir fast die Einzigen, die hier zelten, also wäre es eigentlich kein Problem, uns in der Nähe der Sanitäranlagen aufstellen zu lassen. Wir regen uns aber gar nicht mehr auf, in Catalunya ist im letzten Jahr vieles sehr teurer geworden, aber nicht unbedingt besser. Dass dann die ganze Nacht noch eine oder zwei Nachtigallen ihre Lebensfreude mit lautem Singen, Zwitschern, kundtun, hat aber nichts mit dem Camping zu tun. Man glaubt es kaum, dass so ein kleiner Vogel solch einen Lärm veranstalten kann!
Der nächste Tag ist unser Grenztag! Schon als wir losfahren wollen, bemerkt Martin, dass er keine Luft mehr im vorderen Reifen hat. Also, alles wieder abladen und Schlauch wechseln. Später, die Küstenstrasse geht hoch über den Hügel, dann runter in die kleinen etwas verschlafenen Dörfer, dann wieder hoch über den nächsten Hügel weiter. In  einem dieser Dörfer halten wir Ausschau nach einem Laden, wo wir unsere Vorräte aufstocken können, da macht es laut „Päng und Pfffff“ – und Martins Hinterreifen ist sofort platt! Neben einem Spielplatz laden wir wieder alles ab und Martin muss sogar den Pneu wechseln, da es einen Riss gegeben hat. Zum Glück hat er Reserve dabei! Na, da will uns Spanien nicht so schnell gehen lassen, witzeln wir beim Weiterfahren. Wenn wir noch einen Platten einfahren, muss Martin zuerst den Schlauch flicken.
Das Grenzdorf Port-Bou besteht fast nur aus dem riesigen, menschenleeren Bahnhof. Das Dorf selber ist menschenleer, man sieht zwar die frühere Geschäftigkeit noch, aber heute läuft hier nichts mehr. Die Gebäude oben an der Grenze sind verriegelt und vernagelt, der Wind bläst um die Ecken, nicht einmal mehr die Bar hat offen. Wir wollen eigentlich hier Mittagspause machen, aber es ist zu kühl und ein paar Tropfen warnen uns vor dem Regen, der jederzeit fallen könnte. Er fällt dann zwar nicht, aber der Wind ist einfach kalt hier oben. Als ich abends einer guten Kollegin schreibe, dass wir da durchgefahren sind, erinnert sie sich an einen Grenzübertritt in den 80er-Jahren, da wurde sie herausgepickt und musste sich filzen lassen, weil man vielleicht bei ihr Drogen vermutete,….wie sich die Zeiten doch verändern können.
In Banyuls-sur-mer fahren wir zum Camping municipal, hier wartet eine Überraschung: es hat mehrere Zelte, zwar keine Velofahrer, aber Leute, die im Zelt schlafen! Aber auch welche, die im Auto schlafen, das hatten wir in Avignon auch schon gesehen. Eigentlich dachten wir, Frankreich sei etwas teurer als Spanien, aber verglichen mit Catalunya, sind hier die Campings richtig günstig! Wir bezahlen von nun an zwischen 10,50-17€, fast die Hälfte als in den letzten Wochen. Das Wifi ist meistens zeitlich limitiert auf eine halbe Stunde, alle 6 Stunden wieder, aber gratis! Uns genügt das völlig.
Am Sonntag 7. Mai (Präsidentschaftwahlen!) haben wir uns falsch entschieden, aber losgefahren ist losgefahren. Es ist sehr anstrengend der Küste entlang, wegen dem vielen Sonntagsverkehr auf der schmalen kurvigen Strasse. Einige Franzosen halten nicht so viel Abstand wie die Spanier, was doch eine gewisse Gewöhnungszeit meinerseits braucht. In Collioure dann, muss ich einfach ein Foto machen für eine Kollegin, mit ihr war ich nämlich in den 80er Jahren mal hier in den Ferien. Sie kann sich sicher auch gut an diese Woche erinnern. (Sie wollte viel Wandern gehen und ich bekam dann immer einen Bärenhunger und wollte Essen gehen!)
Als wir im Städtchen eine Pause machen, kommt ein Paar auf uns zu, bestaunt die Fahrräder und wir beginnen zu plaudern, wie schon oft. Plötzlich fragt uns die Frau: „Wart ihr nicht im November am Canal du Midi unterwegs? Und da haben wir uns doch schon einmal getroffen, kurz miteinander gesprochen. Wir waren da mit unseren 5 Kindern unterwegs an die Küste! Mir kommt langsam die Erinnerung, genau, wir hatten gerade Mittagspause gemacht, und sie kamen vorbei, zuerst zwei Jungs, dann der Vater mit einem Mädchen, der bremste und fing an, mit uns zu reden, dann die Frau mit einen Mädchen auf einen Anhängerrad,… Aber die Kinder waren nicht sehr geduldig, deshalb fuhren sie bald weiter! Wie ist die Welt doch klein!!!!
Nach Colliure geht es nur noch ein kleines Stückchen der Küste entlang, dann fahren wir endlich auf Nebenstrassen durchs Landesinnere, Richtung Westen, wir wollen hinten durch, nicht mehr der Küste entlang.
Wir erreichen einen kleinen Camping, den Mas Mignane, der seine Wiesen zu einem Zeltplatz umfunktioniert hat. Das grosse Eingangstor ist geschlossen, wir sehen niemanden und denken schon, der ist noch geschlossen. Aber da steht auf der Informationstafel eine Telefonnummer und ich rufe mal an. Eine Frau nimmt ab und bittet uns freundlich, doch einfach reinzugehen und einen Platz zu suchen, sie käme dann gegen Abend zu uns. Schon will sie abhängen, da kann ich noch gerade fragen, wie wir denn hineinkämen? Ganz erstaunt sagt sie, einfach schieben, das Tor ist nicht abgeschlossen! Aha, das ist ja etwas Neues. Aber klar, so ist es einfacher für sie, wenn sie mal weg ist können die Gäste trotzdem rein. Und hier draussen auf dem Land ist es sicher selten, dass gerade jemand einen leeren Camping ausrauben will. Da der Wind immer noch ziemlich stark bläst, suchen wir ein Weilchen, um den geschütztesten  Platz zu finden. Zwischen zwei hohen Hecken verstecken wir uns, es hat sogar einen kleinen, etwas gedeckten Platz, wo wir sitzen und kochen können. Abends kommt die Frau dann vorbei, wir plaudern ein wenig und sie will wissen, wie wir sie gefunden haben. Nun, die Karte und das GPS haben den Camping drauf. Das erstaunt sie sehr, das sei nicht mehr ihr Ding, so mit dem Internet. Aber anscheinend hat sie genügend Gäste im Sommer, ohne dass sie Werbung mit einer Webseite machen muss!
Am nächsten Tag müssen wir dann, wegen einem Fehler im GPS und auf der Karte, einige Kilometer zurück fahren: eine kleine Strasse ist jetzt gesperrt, (wir glauben den Sackgasse-Schildern nicht, da auf der Karte ein Durchgang ist) aber wir müssen  zurück, nehmen dafür aber einen Feldweg, der sich durch eine wunderschöne Landschaft mit Oliven, Reben und den Schneebergen im Hintergrund schlängelt. Danach kommt ein Teilstück von einer „Voie Verte“, von denen hat es in Frankreich viele, lange und kurze, immer aber sind sie gut beschildert (bis jetzt) und in einem recht guten Zustand. Wegen dem Wind müssen wir einen Picknickplatz wieder verlassen, es ist zu kalt, und der Nächste ist nicht gerade ein Highlight, an einer Gartenmauer in einem Vorort, mit nur wenig Schatten, dafür aber windstill. Das ist gewöhnungsbedürftig, die Sonne ist doch sehr heiss, aber der Wind bläst zu kalt und zu stark, dass man sich einfach irgendwo niederlassen könnte.
Zuletzt gibt es noch eine Fahrt auf einem kleinen Fussweg am Canal de Perpignan entlang, schön einsam und ruhig. Das Land wird ziemlich bewirtschaftet, deshalb verwerfen wir den Gedanken, wild zu zelten. Der erste Camping, den wir ansteuern, ist jetzt aber wirklich noch geschlossen, es ist eher ein Sommerferiendorf mit diesen Plastik-Bungalows, die wir in England auch immer wieder gesehen hatten. Ein Mann sagt uns, dass es ein paar Kilometer von hier einen anderen hat, der offen ist. In Néfiach steht der, da sind wir dem Canal entlang schnell da. Wir werden freundlich begrüsst, dürfen einen Platz aussuchen, das Wasser des Pools sei schon schön warm, 30 Minuten-Gratis-Wifi und sogar einen Camping-Stecker zum Aufladen unserer Geräte gibt es auch! Was wollen wir noch mehr? Die Dusche tut gut, es ist ziemlich warm geworden. Das Bad im Pool lassen wir dann bleiben, wir haben Hunger und wollen kochen.
Am nächsten Tag geht es nun richtig ins Hinterland, durch Weinbaugebiet, mit vielen Hügeln und Steigungen, ab und zu durch ein kleines Dorf, die Strassen sind ziemlich leer, die Aussicht ist wieder einmal beeindruckend!
In Caramany, einem kleinen Dörfchen, hat es einen sehr kleinen Camping, die Leute sind noch an Renovationsarbeiten, wir sind die einzigen Gäste. Wir bekommen den Schlüssel für Dusche und Toilette, es hat Wifi und abends können wir in dem Gebäude sogar die Nachrichten schauen und uns endlich ein wenig über das Weltgeschehen und die Wahlen in Frankreich informieren.
Viele Steigungen und imposante Schluchten  erwarten uns, eine Via Ferrata und die Gorges de Calamus er-fahren wir, da hat der Fluss Agly jahrhundertelang gegraben und weggespült!

Es ist ein langer und schwüler Tag, bis wir in Bugarach auf der Wiese eines Wanderhotels das Zelt aufstellen. Hier hat es sogar ein Häuschen, wo wir kochen und geschützt von Wind und Wetter an der Wärme sitzen und essen können. Die Berge ringsum sind mit Wolken verhangen, gegen Abend aber bläst der Wind die Wolken teilweise weg, so dass wir ein tolles Panorama haben. In der Nacht regnet es ziemlich, und morgens ist wieder alles verhangen. Wir packen unser Zelt schnell zusammen, es könnte wieder regnen, danach essen wir gemütlich im Häuschen Frühstück. Auf Wikipedia lese ich, dass in Bugarach  ziemlich viel los war im Jahr 2012, da dieser Ort der einzige gewesen wäre, wo man das Ende der Welt (laut Mayakalender)  überlebt hätte. Wer das erfunden hatte, ist nicht mehr klar, aber es gab Leute im Dorf, die Teile ihres Gartens für viele Hunderte Euros an Abergläubige vermieteten, bis sogar die Polizei einschreiten musste, dann kam natürlich ein TV Sender und das beschauliche Dorf in diesem grünen Talkessel wurde für ein kurze Zeit weltberühmt. Heute sind wieder die Wanderer unterwegs und es ist Ruhe eingekehrt, nur ein Mann sei immer noch überzeugt, dass hier ein magischer Platz sei, und er der Verkünder des Paradieses….
Wir sind gut im Schuss, die Fahrt geht nun wieder etwas abwärts, dem Flüsschen entlang, wo wir durch ein paar hübsche Dörfer kommen. Die Landschaft wird flacher und wir treffen wieder auf Fahrradwege…
Wenn wir eine offene Boulangerie oder Patisserie antreffen, können wir meistens nicht wiederstehen, da gibt es immer feine Stärkung zu kaufen!
Es geht Richtung Carcassonne, das wir gegen Abend erreichen. Wir quartieren uns wieder auf einem halb offenen Camping ein, der zu einem Reithof gehört. Neben der Pferdewiese stellen wir unser Zelt auf, das ist doch gemütlich, mal Pferde als Nachbarn zu haben. Die paar Kilometer nach Carcassonne nehmen wir gerne in Kauf, wir schlafen hier sicher ruhiger als gerade neben den Stadtmauern und der Strasse. Nachts galoppieren die Tiere dann mehrere Male fast neben unserem Zelt vorbei, und wir kommen uns vor wie im wilden Westen!
Wir machen einen Rundgang durch die Cité, es ist ein Tag im Touristenrummel einerseits, aber auch interessant, so durch diese alten Mauern zu bummeln und sich vorzustellen, wie das Leben hier vor Hunderten von Jahren stattgefunden hat!
Im neueren Teil dieser Stadt suchen wir noch einen Veloladen auf, wo wir einen neuen Schlauch kaufen-man weiss ja nie, wann wieder mal die Luft aus den Reifen entweicht! Auf der anderen Strassenseite entdecken wir einen kuriosen Laden, der uns aber fasziniert. Wenn unser Stauraum nicht so knapp bemessen wäre, hätten wir vielleicht so ein Pferd mit Ritter mitgenommen….

Der Küste entlang bummeln

 

Am Dienstag nach Ostern fahren wir bei warmen Temperaturen los, Richtung Barcelona, das wir einen Tag später per Zug erreichen, von Sitges bis ins zum Hafen nehmen wir den Zug. Die Strecke ist eigentlich nur kurz, aber leider sehr befahren mit vielen Autos und Lieferwagen, die es immer eilig haben, aber trotzdem nicht die Autobahn nehmen wollen. Wir sind diese Strecke nun schon zweimal selber gefahren, heute habe ich keine Lust dazu.
In Barcelona ist es bewölkt und eine Jacke kühler, als wir das Hafengebiet erreichen, beginnt es zu nieseln, mit Gegenwind, klar. Da es gerade Mittagszeit ist, stellen wir unsere Räder unter ein Dach und essen ein Stück Pizza, drinnen in so einem Fastfood-laden. Dazu beobachten wir den regen Touristenverkehr, wir hören englisch, französisch, japanisch und/oder chinesisch, einige kommen rein und bestellen ihr Mittagessen, andere einen Kaffee. Wir sind froh, dass wir die Stadt verlassen können, es ist uns nicht nach Stadtleben. Nein, wir wollen wieder etwas Natur, dafür müssen wir aber etwa zwei Tage fahren, damit wir aus den Ferien-Touristenorten kommen, die nahtlos ineinander übergehen, meistens mit der stark befahrenen National-Strasse und der Zug-Linie genau vor der Küste. So fahren wir auf den Paseos maritimes, die, je nach Gemeinde, für Fahrräder erlaubt oder verboten sind. Da der Wind aber ziemlich aufgefrischt hat, sind wir fast die einzigen unterwegs, mal hat es ein paar Jogger oder Mountainbiker, ganz selten eine Frau mit Kinderwagen.
Gegen 17 Uhr erreichen wir den Camping Barcelona, ein riesiger Komplex mit vielen Bungalows, Restaurant mit Vollpension, Bar und vielen, vielen Leuten. Wir können gerade noch einchecken, und ersparen uns eine längere Wartezeit, bevor eine Gruppe, die mit dem Bus angereist kommt, die Rezeption füllt und diese für längere Zeit beschäftigt. Wir bezahlen 26 Euro, das ist der Preis für eine kleine Parzelle, weil Barcelona nahe und teuer ist. Vom Camping aus kann man mit einem Gratis-Shuttlebus in die Stadt fahren. Eigentlich ist der Platz nicht sehr reizvoll, aber der Besitzer hat sein Geschäftsmodell ganz auf die Barcelona-Touristen abgestimmt und scheint viel Erfolg damit zu haben. Hier sehen wir das erste Mal wieder andere Zeltler, eine Frau zu Fuss, mit dem Rucksack, andere mit dem Auto.
Wir verzichten am nächsten Tag auf den Shuttlebus und fahren selber Richtung Nordosten weiter, noch durch ein Städtchen, wo reges Samstags Treiben herrscht, am Strand wird ein Rallye für alte Autos abgehalten, wir spazieren durch die parkierten “Oldtimer”, von denen einige in unseren jungen Jahren noch ganz aktuelle Modelle waren!
Nun aber Richtung alte Küstenstrasse, die durch hügeliges Gebiet, rauf und runter führt und ein richtiger Augenschmaus ist. Endlich viel grün und blau und fast keine hässlichen Gebäude mehr, die überall die ganze Küste „zieren“. Die Zug-Linie und die National-Strasse sind abgebogen und fahren durchs Landesinnere nach Girona. Gemütlich kurven wir, mit vielen Renn-Radfahrern (es ist Samstag, die Spanier sind auch unterwegs) auf dieser Strasse, verweilen wo es uns gefällt, wenn es nach Pinien, manchmal nach Rosmarin und Feigenbäumen duftet und der Ausblick zu atemberaubend wird.
Die Campings kosten nun alle um die 18-20€, was schon ein Unterschied ist zu letztem Jahr, wo wir oft 15 -17 € bezahlt haben. Sogar mit ACSI-Card-Ermässigung sind es 19€, und wir bezahlen meistens den gleichen Preis, auch ohne Fahrzeug und Elektrizität. In Spanien hat der Tourismus im letzten Jahr so viel zugelegt, dass alle davon profitieren wollen.
Ach ja, diese ACSI-Card, die hatten wir ja noch in Alicante bestellt, da diese aber mit zwei dicken Bücher verschickt wird, kam das Packet nicht in der angegebenen Zeit an (12 Arbeitstage), so sind wir ohne sie losgefahren, ist nicht so schlimm, haben wir gedacht. Aber schon bald gemerkt, dass wir auf den guten Willen des Personals des jeweiligen Campings angewiesen sind, wenn wir unsere Geschichte erzählt haben. Unterdessen hat uns der Concierge des Hauses in Alicante geschrieben, dass das Packet endlich angekommen ist, genau 25 Tage hat es gebraucht! Unser Freund Fran hat es geholt, ausgepackt und schickt uns nun die Karte in einem Brief hierher, in den Camping, wo wir uns jetzt aufhalten und wir hoffen, dass ein Brief von Alicante nach Palafrugell wirklich nur 3-4 Tage braucht, wie von der Post versprochen wurde.
Da die Tage vor Ostern so warm waren, haben wir uns gedacht, jetzt ist die Zeit gekommen, um uns ein wenig an die Sonne zu legen, hier in einem Camping. Er ist sehr ruhig gelegen, aber nur 3 Kilometer vom nächsten Städtchen entfernt, wo es Einkaufsmöglichkeiten gibt.
Morgens beobachte ich oft einen Eichelhäher, der hier in der Umgebung zuhause ist und zur Futtersuche auf dem Gelände herumspaziert. Daneben hat es den wunderschönen, braunen Wiedehopf, der mit seinem langen Schnabel die Würmer aus der Erde zieht und sehr elegant aussieht mit seiner Federhaube. Dann die Spatzen, Amseln, Finken und Tauben, und viele andere, die ich oft nur höre aber nicht sehe oder nicht kenne. Oder die Eichhörnchen, die verspielt an den Bäumen herumturnen. Das Vogelkonzert am frühen Morgen ist auf jeden Fall wunderschön und erfreut mein Herz! Wie schön es doch ist, draussen zu erwachen und zuzuhören!
Der Wind ist wieder kraftvoll und kühl, so dass wir eher im Zelt oder in der Bibliothek windgeschützt lesen oder am Laptop sitzen, anstatt die Sonne zu geniessen.
Es hat ziemlich viele Leute hier, neben den Spaniern auch von Holland, Deutschland, England, Belgien und Frankreich, immer wieder haben wir interessante Gespräche mit diesen Menschen, die entweder vom Überwintern im Süden kommen oder seit Jahren hierher in die Ferien fahren. Meistens sind wir die Jüngsten, und immer die Einzigen, die nur mit Zelt und Fahrrädern unterwegs sind. Aber das stört uns nicht, wir geniessen es, draussen zu sein.

Workaway privat

 

Genau zwei Wochen verbringen wir bei Bekannten in Reus, helfen ein wenig mit in ihrer Finca, im Garten und im Haus. Wir dürfen vier alte Stühle neu polstern, das macht mir besonders Spass! Ein alter Schreibtisch muss abgeschliffen und neu lackiert werden. Ein Baum hat seine Äste weit über das Dach gestreckt und reibt die Äste an den Dachrinnen, Martin steigt auf die Leiter und schneidet  sie ab, was einen Riesenhaufen Äste gibt, den wir zu Brennholz zerkleinern. Ein kleines Haus auf der Parcela muss für neue Mieter ausgeräumt und geputzt werden. Der Kamin der „Barbacoa“ verlängert werden, damit der Rauch besser abziehen kann. Es ist fast wie Workaway, aber mit Leuten, die wir schon lange kennen und früher auch schon besucht hatten. Sie sind schon beide über 80 Jahre alt, haben aber immer noch viele Ideen im Kopf, die oft ihre eigenen Körperkräfte etwas übersteigen. Wir bewundern sie sehr, wie sie ihr Leben mit all den Einschränkungen des Alters meistern. Neben den Arbeiten kochen wir oft zusammen, gehen einkaufen, und erfahren viel über die früheren Zeiten, als unsere Bekannte in die Schweiz kam, um bei ihrer Tante zu arbeiten.
Den Plan, von Barcelona aus die Balearen zu besuchen, lassen wir jetzt definitiv ins Wasser fallen. Über Ostern haben wir keine Lust, uns auf die Strassen in das Getümmel der spanischen Touristen zu stürzen, die in der Semana Santa am liebsten viel und weit herumfahren. Gerade nach Ostern sind dort wieder Gewitter angesagt – ein Zeichen des Himmels. Wir werden uns wirklich ein andermal mit diesen Inseln anfreunden.

Naturschutzgebiete

 

Wir sind im Kontakt mit Yeni und Toni, sie sind am Samstag in Alicante auch mit den Velos für eine grosse Tour durch Europa losgefahren und wir bewegen uns ganz in der Nähe. Eines Morgens ist es dann soweit, sie besuchen uns auf einem Campingplatz. Was für ein Hallo und Wiedersehen!
Wir verabreden uns auf einem Camping etwa 70 Km weiter von hier, um dort gemeinsam zu campen und Erfahrungen auszutauschen. Sie fahren schon mal los, wir müssen zuerst noch zusammenpacken….Wir fahren über die Strässchen im Inland, sie der Küste entlang, was vielleicht einen Unterschied von einigen Kilometern ausmacht, aber wir fahren lieber durch Orangenfelder als durch tote Ferienstädte. So erreichen wir nachmittags Benicassim, einen Ferienort, der noch ein bisschen belebt wirkt, da hier wahrscheinlich genug Leute überwintern. Wir sind sogar früher da als die Beiden, richten uns ein, nachdem ich vergeblich versucht habe, um den Preis zu feilschen. Ich finde einfach, dass wir nicht so viel bezahlen müssten wie die Camper Vans. Aber der Mann an der Rezeption ist und bleibt freundlich unerbittlich. Als wir dann auf der Wiese aufstellen wollen, muss er sich noch einmal einmischen und verweist uns auf eine Parzelle, die schön mit Plastik und Kieselsteinen ausgelegt ist, gut für einen Camper oder Wohnwagen, aber nicht so gut für uns mit Zelt und Heringen. Als dann die Beiden ankommen, ist ein anderer Mann da, der will zwar auch den gleichen Preis, aber sie hätten auf der Wiese zelten dürfen! Nun, da wir uns schon eingerichtet haben, bleiben sie bei uns. Wir verbringen einen gemütlichen Abend zusammen, sie freuen sich auf all die Abenteuer, die sie dieses Jahre auf ihrer Velo-Reise durch Europa erleben werden.
Der nächste Tag wird zur Herausforderung, viele Wolken und ein Lüftchen, das sich immer mehr gegen uns wendet und uns immer kälter und böig um die Ohren pfeift. Wir begegnen einem Tourenfahrer, er kommt von Zaragossa her, wir plaudern etwa eine Viertelstunde, dann haben wir so kalt, dass wir weiterfahren müssen. Er erzählt uns von einem Franzosen, der ein Bio-Restaurant aufgemacht hat, gerade kurz vor Alcossobre, da wollen wir hin. Als wir endlich ankommen, ist es so kalt geworden, wie schon lange nicht mehr. Gerne lassen wir uns eine warme Mahlzeit kochen, diskutieren über dies und das, und als er uns anbietet, dass wir in seinem Studio übernachten könnten, bin ich sofort dafür. Im Sommer vermieten sie es an Feriengäste, jetzt steht es leer. Sie kennen auch workaway, haben oft Leute da, die mithelfen und dafür hier auch Ferien machen können. Wir verbringen den Rest des Tages drinnen, weg vom Wind, Juhui! Am nächsten Morgen weht kein Lüftchen mehr und wir geniessen auf der Terrasse des Restaurants unser Frühstück. Victor wünscht uns eine gute Reise und wir ihm viel Erfolg für seine weiteren Lebens-Pläne.
Das nächste Highlight wartet auf uns, die Sierra d’Irta, wildes Hügelland, ein Nationalpark, und mitten drin ein Campingplatz. Das muss sicher ein schöner Platz sein, wir kaufen ein, damit wir genug Essen dabei haben für zwei bis drei Tage und fahren los. Leider ist der Camping eine grosse Enttäuschung, eher ein Parkplatz für Campers, langweilig und überhaupt nicht so, wie wir uns vorgestellt haben. Deshalb fahren wir weiter, wir suchen uns selber ein schönes Plätzchen. Da es viele Wege hat in dieser Sierra, verfahren wir uns trotz GPS und müssen die Räder auf einem Weg, das gerade für Wanderer gut ist, schieben.
Aber wir sind ganz allein mit dem Meer, dem Wind (der wieder aufgefrischt hat) und der Natur! Rosmarin, Thymian, Pinien, wilde, rote und violette Blumen, gelbe Büsche, etc. etc. Bei einer kleinen Bucht müssen wir alles abladen, da geht’s auf der einen Seite 2 Meter runter und auf der anderen über Steine und Felsen wieder hinauf. Wir machen eine Pause und essen unser Picknick hier unten, einigermassen geschützt vom Wind.
Martin sucht dann den einfachsten Weg auf der anderen Seite wieder hinauf, wir laden die Räder, und kurze Zeit später sind wir auf dem richtigen Weg. Etwas weiter vom Meer weg hat es kleine Pinienwäldchen, gut, um wind- und blickgeschützt zu übernachten. Nach kurzem Suchen werden wir fündig, ein Plätzchen mitten in einem Wäldchen, ohne Stachelgebüsch und ohne Scherben! Zuerst aber bleiben wir weiter vorne an der Sonne, die ist nämlich sehr warm, wenn man nicht dem Wind ausgesetzt ist. Erst nach dem Kochen und Abendessen, als es beginnt, dunkel zu werden, gehen wir zu unserem Plätzchen und richten uns für die Nacht ein. Danach sitzen wir in der Abendstille und lauschen den Nachtgeräuschen, der Wind hat sich gelegt, man hört das Rauschen der Wellen. Es sind solche Momente, die uns sehr gefallen, die wir nie vergessen werden.
Und genau in diesem Moment trabt ein Tier in unser Blickfeld, etwa 10 Meter entfernt, bleibt stehen, und ich flüstere: „schau mal, ein Wildschwein!“ Da dreht es den Kopf in unsere Richtung und stellt die Ohren auf, es erscheint mir riesig! Ohne viel zu denken, stehe ich auf und klatsche in die Hände, so locker, wie wenn man eine Katze wegscheucht! Das Schwein studiert zum Glück nicht lange, trabt davon und verschwindet hinter den Büschen. Hei das ist ja ein Ding, so ein grosses Wildschwein haben wir noch nie gesehen! und nicht einmal erschrocken bin ich! Wir überlegen uns dann aber schon, was hätten wir gemacht, wenn es sich gegen uns gedreht hätte, um in unsere Richtung zu kommen? Keine Ahnung, laut geschrien, sehr wahrscheinlich! Trotz diesem Erlebnis schlafen wir sehr gut hier.
Der Morgen begrüsst uns freundlich ohne Wind, dafür mit blauem Himmel und Sonne, es ist warm und das Zelt trocken, was bis jetzt selten ist, meistens ist es morgens tropfnass, wegen dem Kondenswasser oder dem Tau. Beim Frühstück hören wir plötzlich ein Auto, es nähert sich unserem Plätzchen, hält dann aber vorne, wo wir am Tag zuvor die Sonne genossen und gekocht hatten. Zwei Männer steigen aus, reden miteinander, entfernen sich zu Fuss. Sicher die Bauern, die in der Nähe ein Feld anpflanzen wollen, das haben wir gestern gesehen, gepflügt. Wir verhalten uns still, wollen nicht unbedingt entdeckt werden. Nach etwa 10 Minuten hören wie die beiden wieder und dann den Motor des Autos und weg sind sie. Wir denken noch, dass sie vielleicht auch Abfall hergebracht haben, solche Plätze sind beliebt um heimlich Matratzen oder anderes zu entsorgen. Als wir fertig sind und wegfahren, schaue ich genau hin und sehe, dass sie einen grossen Stein in den Weg zum gepflügten Feld hingelegt haben, damit niemand dort hinauf fahren kann. Vielleicht waren es doch Bauern, die nicht wollen, dass man ihr Feld findet oder so eine Art Aufseher, die aufpassen, dass hier niemand Felder anlegt?? Naja, wir sind froh, dass wir unentdeckt wegfahren können, wir wollen keine Unannehmlichkeiten mit irgendwelchen Leuten.
Bald ist die schöne Landschaft vorbei, wir begegnen noch einigen Sonntags-Radfahrern, dann kommen wir nach Peniscola, ein hübsches Städtchen, leider ringsum verbaut mit den üblichen, hässlichen Ferienbauten. Unser Ziel ist jetzt das Ebrodelta, ein anderes Naturschutzgebiet, mit vielen Vögeln, Sumpf und Schilf. (denken wir!) Das Wetter verwöhnt uns mit Sonne und Wärme, wir müssen uns nicht beeilen, bleiben auf einem schönen, ruhigen Campingplatz. Hier beobachten wir eine Wolkenwand, die sich im Laufe des Tages auftürmt, grau und schwarz wird, die Kante genau über uns, so dass wir nicht wissen, ob es auch bei uns kommt oder nicht. Auf der anderen Seite ist nämlich immer noch wolkenloser, blauer Himmel, und die Sonne scheint auf unser Zelt. Aber, wir haben Pech, ein Wind kommt auf, das Grollen des Donners kommt immer näher, die Blitze zerreissen den Himmel und dann leeren sich die Wolken über uns aus, wie aus Eimern schüttet es! Wir sitzen gemütlich in unserem Zelt, Martin macht eine verlängerte Siesta und ich lese in meinem elektronischen Buch, das über 1400 Seiten hat. Es ist die Geschichte über die Indianerin Sagajawea, die als Übersetzerin 1805 die Expedition von Lewis und Clark durch den Westen der USA begleitet hatte. Da es in Englisch ist, muss ich oft Wörter übersetzen, damit ich wirklich verstehe, was sich alles abgespielt hat. Viele Bräuche und Riten der verschiedenen Stämme werden beschrieben und Auszüge aus den Tagebüchern der beiden Entdecker machen das Buch so lang, aber auch sehr interessant.
Die Fahrt durch das Ebrodelta ist dann eine kleine Enttäuschung, kaum Wildnis wie wir erwartet haben, wir sehen fast keine Vögel, die uns auf einer Tafel präsentiert werden, sondern viel trockene Erde, Reisfelder, die in dieser Jahreszeit von Traktoren bearbeitet werden, erst Ende April wird bewässert und der Reis gepflanzt. Ab und zu eine Reihe Palmen, die nicht wie an den Promenaden von den alten Palmwedeln befreit werden, so sehen also die Palmen eigentlich aus.
Weil es noch nicht so feuchtwarm ist, hat es noch keine Mücken und wir können abends lange draussen sitzen und den Abendhimmel bewundern.
Von nun an geht’s auf alten Spuren, hier fuhren wir schon einmal vor etwa 6 Jahren, noch mit dem Anhänger, und den alten Fahrrädern. Ein Erlebnis werden wir nie vergessen: Da war eine lange Strecke einer Nationalstrasse, die trotz Autobahn nebenan voller Lastwagen war, wir fuhren auf dem Pannenstreifen und da kam von hinten so ein Laster auf dem Pannenstreifen, ich sah ihn von weit her kommen in meinem Rückspiegel, der machte keine Anstalten, wieder auf die Strasse zu schwenken, war der wohl eingeschlafen?? Martin schrie mir zu, dass ich vom Velo aus über die Leitplanke springen sollte, meine Reaktionsfähigkeit war aber nicht so schnell, ich überlegte noch, was dann alles passieren könnte, da schwenkte der Lastwagen gerade im richtigen Moment auf die Strasse zurück und donnerte an uns vorbei. Martin sah nur, dass der Fahrer eine Zeitung auf dem Steuerrad hatte, der war wohl gerade tief in einen Artikel vertieft!
Eben dieses Stück der Nationalstrasse werden wir sicher nicht fahren, heute haben wir das GPS dabei und finden die Strassen entlang des Meeres, manchmal in besserem oder schlechterem Zustand.
Auf Feldwegen geht es ab und zu ziemlich steil rauf und runter, über die Hügel, ist aber viel schöner und entspannter, als auf dem Pannenstreifen zu fahren. Nur etwa 4 Kilometer müssen wir auf die grossse Strasse, die hat sich noch keinen Deut gebessert, die Autobahn ist fast leer, die Nationalstrasse voller 40Tönner. Hier muss man sicher bezahlen für die Autobahn!
Eine Nacht verbringen wir in Sichtweite eines AKWs, der Camping ist in einem Top Zustand, aber es hat fast keine Leute hier. Auch für uns ist es etwas unheimlich, man hört das Brummen des AKW, in der Nacht noch viel deutlicher als am Tag, und am Morgen hören wir Lautsprecherdurchsagen von dort her, verstehen aber nicht, was das bedeutet. Ich habe in Wikipedia nachgeschaut, Vandellòs heisst das AKW, hat schon einige Jahre auf dem Buckel und einige schwere Störfälle hinter sich. Nummer 1 ist stillgelegt und am Abkühlen, seit fast dreissig Jahren, Nummer 2 hatte im Jahr 2015, den letzten schlimmen Störfall. Wir fahren weiter, im Bewusstsein, dass wir noch längere Zeit im Einflussgebiet von diesem AKW unterwegs sein werden.
Wir bleiben ein paar Tage auf einem wirklich schönen Camping, mit viel Blick aufs Meer und Plätzen, die man selber aussuchen kann, keine Parkplätze, Parzellen in Reih und Glied. Der Wind ist wieder ein Thema für uns, er soll in Böen bis zu 75km/h daherkommen, da wollen wir ein windgeschütztes Plätzchen. Die Mauern der Terrassen sollen uns Schutz geben, von den erwarteten Windstössen. Dazu spannen wir am Zelt alle Schnüre straff ab. So sind wir gut vorbereitet, und als es am Abend noch zu regnen beginnt, gehen wir ins Restaurant essen und verbringen das Gewitter an der Wärme. In der Nacht kommt der Wind mit seiner ganzen Gewalt, ich kann nicht mehr schlafen so wild wütet der da draussen. Es kommt mir vor, wie wenn ein Tier seine Beute im Maul hat und zu Tode schüttelt, so wird unser Zelt durchgeschüttelt, dann rauscht es wieder laut in den Bäumen und wie von einer Faust aus dem Nichts wird unser Zeltlein zu Boden gedrückt. Wir sind der Natur ausgeliefert! Das ist ein ungemütliches Gefühl, dazu die ungemütlichen Gedanken, ob wohl die Bäume ringsum der Gewalt standhalten können und nicht umkippen, gerade auf unser Zelt? Wir überleben diese Nacht aber unbeschadet und wie ich am Morgen aus dem Zelt komme, leuchtet die Sonne und der Himmel strahlt blau um die Wette mit dem Blau des Meeres, das immer noch aufgewühlt wird von dem unvermindert blasenden Wind.
   Wir werden uns nicht bewegen von hier, bis der sich beruhigt hat. Ganz nahe an der Mauer finden wir sogar ein fast windstilles Plätzchen, um den Kocher in Betrieb zu nehmen und Kaffee zu machen. Was wäre der Tag ohne den „Best Moment“! Wir beobachten beim Frühstücken, wie sich einige Camper aus der Meeres-Frontlinie entfernen, sich näher zu einer Mauer in den Windschatten stellen, die hatten wohl auch nicht gerade eine ruhige Nacht.
Die „Wartezeit“ verbringen wir mit Schreiben, Lesen, Spazieren gehen, in der Sonne liegen, Wäsche waschen und Velos putzen, fotografieren,….

Pläne ändern sich!

 

Bei noch frischen Temperaturen verlassen wir “unsere” Wohnung, verabschieden uns von Fran und dann fahren wir los, wir wollen zum Stausee, wo wir vor zwei Wochen mit Jorge und Manu waren. Hier wollen wir unseren Start zelebrieren. Wir haben uns nämlich vorgenommen etwas mehr wild zu zelten, die Natur zu geniessen!
Die ersten Kilometer müssen wir uns an das Gewicht gewöhnen, Die Räder sind einiges schwerer als die letzten drei Monate! Die Steigung bis nach Aigues schaffen wir recht gut, und die Strecke bis zum Stausee ist dann wirklich sehr schön. Zwar haben wir nur etwa 30Km gemacht, aber zum Anfangen ist das genug, und wir wollen hier ja etwas Zeit haben. Schon die Platzsuche gestaltet sich ein wenig schwierig, da überall, wo es Plätzchen hätte, viele Scherben rumliegen. Die Spanier glauben wohl, wenn sie die Flaschen zerschlagen, verschwinden sie dann von selbst! Schade! Es wäre so schön hier, wenn alle Leute ihren Müll wieder mitnehmen würden. Wir finden aber einen Platz, sammeln die Scherben auf und richten uns ein.
Es ist Freitagnachmittag, noch hat es ziemlich viele Velofahrer und sogar ein Motorrad fährt durch, eigentlich ist die Strasse gesperrt und über die Staumauer können nur Fussgänger und Velofahrer-das kümmert die Motorradfahrer aber nicht, sie fahren auch durch. Nach kurzer Zeit kommt ein Pärchen, das etwas enttäuscht ist, dass wir diesen Platz besetzt haben, sie bleiben nicht lange und brausen wieder davon. Etwas weiter oben sitzt auch ein Paar, die palavern bis es Nacht wird, dann setzen auch sie sich auf ihr Motorrad und fahren davon. Es wird halt schon noch kühl, und für die meisten Spanier ist es zu kalt, draussen zu sitzen. Wir geniessen die Ruhe, das Plätschern des Sees, die Schreie der Möwen und dann die Nachtgeräusche, die an so einem Ort immer viel lauter sind, als wenn man auf einem Camping ist. Die Nacht wird dann aber nicht so ruhig, irgendeinmal kommt eine Gruppe junger Leute bis zur Staumauer und lässt laute Musik laufen, es wird laut geredet (die Spanier können, wenn sie in einer Gruppe sind, fast nicht leise reden!) und gelacht, einige Frauen kreischen, aber dann fahren sie auch wieder davon, und haben ihre Flaschen hoffentlich mitgenommen!
  Der nächste Morgen begrüsst uns mit Vogelgezwitscher, die Sonne scheint durch die Äste, es ist einfach herrlich. Wir frühstücken gemütlich, es ist „the best Moment of the Day“!
Wir lassen und Zeit, wir haben kein Tagesziel, einfach ein wenig weiterfahren, bis wir wieder einen so schönen Platz finden. Eine Gruppe Mountainbiker zeigt uns einen Weg durch die Felder, so dass wir kaum auf der grossen Nationalstrasse fahren müssen. Wir durchqueren gemütlich Benidorm, jetzt am Tag zeigt es sein anderes Gesicht, junge Engländer, die mit roten Köpfen und nacktem Oberkörper mit Bierdosen in der Hand über den Paseo wanken auf dem Weg zum nächsten Lokal. Die Damen aufgebretzelt, in viel zu engen Shorts oder Miniröcken, ihre ganzen, etwas überquellenden, Reize zur Schau stellend, sie sind die Queens! Daneben viele Spanier die heute, Samstag, hierhergekommen sind, um zu flanieren, noch ist es Winter, sie sind verpackt in warme Mäntel. Und die älteren englischen Touristen, die in leichten Sommerkleidern auf den Bänken sitzen und die Sonne auf sich wirken lassen. Eine fremde Welt, die uns nicht so gefällt. Wir verlassen diese Stadt, froh, dass es auch noch anderes gibt als diese Scheinwelt.
Etwas später entscheiden wir, nicht wild zu campen, es gibt rundum Benidorm nicht wirklich Wildnis, da ist alles verbaut. Wir fahren mal den nächsten Camping  an, schauen, wieviel der kostet, denn nach Altea kommt die nächste Steigung, einige Kilometer auf der Nationalstrasse, das machen wir lieber am Sonntagmorgen, da hat es sicher etwas weniger Verkehr als jetzt. Und so steigen wir in Albir von den Fahrrädern, steuern die Rezeption an vom Camping“ Cap-Blanch“. Zuerst will die Dame dort 18€, plötzlich aber fragt sie uns, ob wir schon lange unterwegs sind, aha, aus der Schweiz mit dem Fahrrad, oh, sehr gut, darf ich ein Foto machen, das gefällt dem Chef, ihr könnt gratis eine Nacht hier übernachten, wenn wir das Foto auf  Facebook stellen dürfen. Naja, also gut, das tönt ja nicht schlecht, wir sind ja eh schon ein paar Mal in Facebook aufgetaucht (massa critica Alacant)…
Nachdem wir uns einen Platz ausgesucht haben, darf ich noch einen kleinen Bericht in spanisch über unsere Reise schreiben, das hätte sie gerne. Gut, ich kürze unsere Reise ab, das würde dann doch zu viel. Wir freuen uns sehr über die Geste des Chefs, der uns einfach so gratis campen lässt, ohne dass er uns selber gesehen hat! Unsere Nachbarn auf dem Camping sind Deutsche, die den ganzen Winter hier verbringen, sie laden uns ein auf einen Tee, nach dem Abendessen, und wir dürfen mit ihnen den ganzen Abend im windgeschützten, warmen Vorzelt sitzen und plaudern.
Die Fahrt auf der Nationalstrasse geht dann wie geplant sehr gut, es hat nur wenig Verkehr am Sonntag, wie vorausgesehen. Calpe schauen wir uns nur von oben an, an Teulada fahren wir auch vorbei und Xabia, das auch sehr schön sein soll, lassen wir auch rechts unten liegen.
In den letzten Tagen haben wir uns genau über die Wetterlage informiert, immer wieder wurden wir gewarnt von den Gewittern und Regenstürmen, die im Frühling über Mallorca wüten. Und genau so eine Gewitterwelle ist im Anmarsch, die ganze nächste Woche will es gar nicht gut dort. Da ändern wir kurzum unsere Pläne, die Fähre von Denia aus wäre sowieso nicht so ideal gewesen, die kommt nämlich nachts um 1.15 Uhr in Palma an, und die Nächte dort sind noch so um die 6-8 Grad, weit und breit kein Camping, und für eine halbe Nacht ein Hotelzimmer suchen ist auch nicht gerade der Hit. Von Valencia aus hat es auch noch Fähren (sogar günstiger im Preis und den Abfahrtszeiten) oder dann von Barcelona aus. Wenn wir auf diese Insel fahren, möchten wir einigermassen schönes Wetter antreffen.
Und so fahren wir auch an Denia vorbei. In kurzen Etappen fahren wir Richtung Valencia, übernachten noch einmal wild, fast in den Dünen, zwischen Schilf und hohen Oleanderbüschen. Wenn ich solche riesige Büsche sehe, denke ich oft an unseren Nachbarn, der liebevoll jeden Winter seine Oleander in den Keller zügelt und im Frühling wieder in die Sonne, die aber doch nur etwa 1,50 Meter hoch werden. Und hier wird diese Pflanze fast zum Unkraut. Wenn es nicht geschnitten wird wächst es gut und gerne bis zu 5 Meter in die Höhe!
In dieser Nacht rauscht das Meer schön laut, es ist ganz nahe hinter den Dünen. Die Tage sind sehr sonnig, aber es hat fast immer Wind und der ist einfach noch kühl, deshalb sitzen wir, sobald wir am Schatten sind oder wenn die Sonne untergegangen ist, mit unseren Daunenjacken und den Faserpelzkäppis da. Schliesslich haben wir vor langer Zeit im Tauchkurs gelernt, dass der Mensch über den Kopf am meisten Wärme verliert! Wir suchen die schönsten Wege und fahren lange durch schöne Orangen-, Mandarinen- und Zitronenbaumfelder, es ist die Zeit der Blüte und der Duft ist einfach umwerfend gut, ich möchte am liebsten einmal eine Nacht unter diesen Bäumen verbringen, so gut duftet es! Leider sind hier viele Zäune und verschlossene Tore, oft hat es Hunde, die die Parcelas bewachen, und das gefällt mir dann wieder weniger.
Naturschutzgebiete wechseln sich ab mit den meistens ausgestorbenen Ferienretorten-Orten, die wir schnell wieder verlassen. Valencia durchqueren wir, diese Stadt gefällt uns zwar sehr gut, aber es ist uns nicht nach Stadtbummel zumute, deshalb verlassen wir sie, Richtung Norden. Ach ja und die Gewitterlage über Mallorca hat sich noch nicht bemerkenswert verschoben, deshalb fahren wir jetzt mal bis nach Barcelona mehr oder weniger der Küste entlang weiter. Die Wetterlage bestimmt unsere Route, Auch im Hinterland hängen die Wolken tief und die Sonne ist eher ein seltener Gast, deshalb lassen wir auch das Hinterland lieber links liegen.

 

„Gota fría“

Wortwörtlich übersetzt heisst das „kalter Tropfen“! Heisst aber: ein Unwetter! Es ist am Montag über Alicante hinweggezogen, mit starkem Wind und Regen, soviel Regen auf einmal, wie sonst in einem halben Jahr hier fällt!
Wir haben mit Freunden unseren Abschied mit einem Essen gefeiert. Trotz Regen seit dem frühen Morgen sind wir in unserer Wohnung gemütlich zusammengesessen, bis gegen Abend. Als aber Toni aufbrechen will, kommt es gerade sehr schlimm, ein Gewitter donnert und blitzt über uns, so dass wir nach draussen schauen und merken, dass der Regen angefangen hat, sich vor und hinter dem Haus auf dem Parkplatz zu sammeln. Das Tor hat schon längstens den Geist aufgegeben und steht offen. Die Stromversorgung bricht nun immer wieder zusammen. Das Handynetz ist total überlastet und hat Ausfälle, das Wifi hat schon vor Stunden den Geist aufgegeben. Bei einer der Terrassentüren müssen wir Lappen hinlegen und das hereindrückende Wasser aufwischen, da plötzlich beginnt es von der Decke zu tropfen! Die Farbe hat eine dicke Blase bekommen, die ist geplatzt und das Wasser ist rausgespritzt. Schnell rücken wir das Sofa zur Seite, holen Kessel und Becken, um die Tropfen aufzufangen. Ob wohl die Nachbarin oben auch einen Wasserschaden hat?
Wir beobachten, wie es aus Kübeln schüttet, da bemerkt Toni, dass der Wasserspiegel knapp unterhalb der Autotüre steht und plötzlich schnell steigt! „Ich muss jetzt sofort das Auto in Sicherheit bringen“! Er rennt hinunter, muss durch knietiefes Wasser waten, setzt sich ins Auto und fährt los, raus aus dem Parking bis zur Kreuzung. Eigentlich möchte er nach Hause, aber die Strasse ist voll Wasser, die Avenida Costa Blanca gesperrt, überall stehen gestrandete Wagen, deshalb parkt er es schlussendlich auf dem Trottoir, dem höchsten Punkt hier. Nun ist aber er in der Patsche, hat nasse und kalte Füsse und rund ums Haus hier ist das Wasser bis auf fast einen Meter gestiegen, er kann nicht mehr zurückkommen.   Fran telefoniert mit seinen Kindern und seiner Frau, die unterwegs sind, auf dem Heimweg von der Arbeit. Überall herrscht ein Chaos, nirgendwo kann das Wasser noch abfliessen, es kommt einfach viel zu viel vom Himmel.
Endlich aber erscheint seine Frau, sie nimmt Toni mit, kommen aber nicht weit, müssen umkehren, parken ihr Auto neben das von Toni auf dem Trottoir, sie wollen jetzt nach Hause laufen. Und Fran und Yeni? Am Nachmittag haben wir noch über Warmshower gewitzelt, über die Kapazität von unserer Wohnung, wir könnten zur Not bis zu 4 Personen hier schlafen lassen. Und jetzt müssen sie ernsthaft darüber nachdenken, es ist unterdessen schon fast 23.00 Uhr! Sie haben sich schon halb entschlossen hier zu bleiben, da ruft Frans Frau an, berichtet über Wasser in ihrer Wohnung, und da hält es ihn nicht mehr. Er hat einen Auto-Schlüssel bei sich, und wird versuchen, Yeni nach Hause zu fahren. Das Wetter hat sich etwas beruhigt, es regnet kaum mehr und der Wasserspiegel ist schon etwas gesunken, aber der Wetterradar verspricht schon bald wieder mehr, viel mehr Regen.
Also jetzt oder nie: Die zwei ziehen die Schuhe aus und waten durch den See, raus aus dem Haus, und weiter ans „Festland“. Zum Glück hat es ein Geländer, da können sie sich festhalten.
In der Nacht regnet es zum Glück nicht mehr, das Unwetter wird gegen Süden geblasen, der Wind pfeift durch unsere Wohnung, und das Wasser sucht sich langsam seinen Weg in den Untergrund. Am nächsten Morgen ist der Spuk schon fast vorbei, aber überall liegt eine dicke Schicht Dreck, und es geht ans Aufräumen. Das Erdgeschoss ist sehr betroffen, die Wohnungen standen sicher einen halben Meter unter Wasser, sie müssen alle renoviert werden!
Wir sehen nun auch, warum der Wasserspiegel so plötzlich gestiegen ist: Die Mauer zum Park hinten ist gebrochen und der See hat sich auf den Parkplatz ergossen. Im Nachbarhaus ist die Garage im Untergeschoss vollgelaufen, mehr als 2 Meter hoch sei es,  auf den etwas tiefer gelegenen Parkplätzen der Gebäude ringsum stehen Autos bis zum Bauch oder sogar bis zum Dach im Wasser. Das wird für einige Leute hart, wenn Wohnung und Auto betroffen sind, und sie vielleicht keine Versicherung haben…
Wir verschieben unsere Abreise um einen oder zwei Tage, der Wind ist immer noch sehr stark, die Böen gehen bis 70km/h. Da zieht es uns nicht gerade raus! Und auf die Fähre nach Mallorca wollen wir auch nicht, wenn es noch stürmt!
Wir haben ja ein Riesenglück, das wir nicht schon letzte Woche losgefahren sind!

Wie doch die Zeit vergeht!

Die letzten Monate sind nur so an uns vorbeigesaust, und doch, unser Alltag ist (noch) ruhig und beschaulich. Ich sitze kaum vor der Karte und studiere eine Route für den nächsten Tag, suche keine Campingplätze oder andere Übernachtungs-möglichkeiten, sondern sitze auf der Terrasse und lese den ganzen Tag lang einen Krimi, oder auch gerade mal zwei! Wir schauen Filme oder Doks an, hören viel Musik und Sendungen vom Schweizer Radio, (Menschen und Horizonte, Persönlich,…) kochen feine Menus,… oder wir spazieren dem Meer entlang, oder fahren mit den Rädern durch das Hinterland, gehen auf ein Bier oder Glas Wein in eine Bar, wo wir uns mit ein paar Tapas oder Raciones verwöhnen,…treffen uns mit Freunden, um über Fahrräder und das Reisen zu palavern, fahren an der Massa critica mit, besuchen zweimal eine Tablao de Flamenco,…. einfach fast wie Ferien.
Wir haben einige, auch mehrtägige, Radtouren gemacht, unser Freund Fran ist voller Elan dabei, in der ganzen Provinz Valencia (dazu gehört auch Alicante), neue Routen auszukundschaften. Im Hinterkopf hat er die EuroVelo 8, wo diese einmal durchführen könnte, wenn die Verantwortlichen dann einmal kapiert haben, wie wichtig das wäre für die Velofahrer hier und natürlich auch für den Tourismus. Im Winter ist das Klima hier meistens ideal zum Velofahren und das Land hat so viel mehr als Sand, Strand und Sonne zu bieten. Die besten Mandarinen sind doch die selbst gepflückten!

Gerade heiss war es in diesen Tagen nicht.
Die Strässchen, die durchs Hinterland führen haben ihren Reiz, und dank GPS finden wir sie auch. Dass dann manchmal die Bodenbeschaffenheit etwas schwieriger wird, vor allem wenn es so viel geregnet und gestürmt hat wie dieses Jahr, sieht das GPS aber nicht voraus! Da mussten wir schon selber anpacken, damit wir weiterkamen.
Kurz vor Sonnenuntergang noch einen Platten, das macht doch Freude, und eiskalte Finger und Füsse!Essen ist immer gut!  Seit Jahren, ja Jahrzehnten hat es nicht mehr so viel geregnet, deshalb sind die Felder jetzt voller Blumen! Wie schön, dass es richtig warm ist.Auch dieser Stausee ist so voll wie seit Jahren nicht mehr! 
Voller Freude haben wir Ende Januar einen Abstecher nach Salobreña gemacht, um für einige Tage unsere letztjährigen  Warmshower-Schweizer-Gastgeber hoch auf den Hügeln über der Stadt zu besuchen! Dafür wollten wir zuerst einen Bus nehmen, (die Fahrt hätte über 8 Stunden gedauert), dann haben wir bei Blabla-Car nachgeschaut, leider fährt in dieser Jahreszeit nur selten jemand in diese Gegend), und zuletzt habe ich die Auto-Mietangebote studiert. Dabei sind uns fast die Augen aus dem Kopf gefallen: Für 5 Tage haben wir einen VW Golf gemietet, für 36€, total! Klar, da kam noch das Benzin dazu, (und beim Abholen wollte die Dame am Schalter uns eine teure Versicherung aufschwatzen.) Da haben uns sogar die Spanier gesagt, eigentlich seien sie blöd, selber ein Auto zu haben, wenn man es so billig mieten kann. Wahrscheinlich ist es wegen der Jahreszeit, es hat jetzt nur wenig Touristen, und viel zu viele  Autovermieter und tausende von Autos rund um den Flughafen Alicante, der unterdessen der am 4-meisten angeflogene Flughafen von Spanien ist und immer noch jährlich zweistellige Zuwachsraten verbuchen kann. Die Felder weitherum sind zu Parkplätzen umfunktioniert worden, jeder, der hier ein Stück Land besitzt, will etwas mitverdienen. Viele Ferienhausbesitzer haben sogar ein eigenes Auto, das sie nur während ihrer Ferienzeit benützen, ihre Häuser stehen meistens irgendwo in einer Siedlung, vielleicht an einem steilen Hang, weit weg von Bus, Zug, Einkaufsmöglichkeiten oder dem Strand…nur mit einem Auto erreichbar. Und in der restlichen Zeit des Jahres steht dieses dann hier auf einem Parkplatz!
So haben wir also ein Auto gemietet und sind 450 km südwärts gefahren, alles auf der Autobahn. Letztes Jahr brauchten wir für dieselbe Strecke mehr als zwei Wochen! Die uns aber viel besser in Erinnerung bleiben werden als diese 4 Stunden auf der schwarzen Strasse.
Das Gefühl ist überwältigend, als wir wieder diesen Hügel hochfahren, diese lieben Menschen dort treffen und wir fühlen uns sofort wieder wohl! Wir verbringen wunderschöne und interessante Tage mit den Beiden.
Auf dem Rückweg machen wir einen Abstecher in den Parque National Cabo de Gata, unsere englischen Freunde Debbie und Steve sind dort auf einem Campingplatz stationiert! Die Überraschung gelingt uns voll, die beiden waren „zuhause“! Schon bald werden sie aufbrechen, wieder durch Spanien nordwärts, sie haben für diesen Sommer das Nordkap im Visier. Da dauert es vielleicht sehr lange, bis wir uns wiedersehen!Wieder zurück in Alicante haben wir Besuch aus Berlin bekommen, und Ende März aus Holland! Welche Freude, diese Freunde wieder zu sehen! Wir verbrachten sehr schöne und erlebnisreiche Tage mit beiden Paaren!
Seit einigen Tagen ist es nun wärmer geworden, aktuell sind wir tagsüber bei 20°+ und nachts über 11°! Da kann man an windstillen Tagen schon mal auf die Felsen am Cabo de la Huerta Sonnenbaden gehen oder abends draussen sitzen und zuschauen wie die Sonne untergeht!
Der Frühling ist da!
In all diesen Tagen und Wochen haben wir uns auch intensiv mit unserer Zukunft befasst, wie wollen wir weiterfahren, was wollen wir wirklich, was ist möglich, kurzfristig in den nächsten Monaten, aber auch längerfristig, in den folgenden Jahren??? Herauszufinden was wir nicht möchten, war gar nicht schwierig! Und Ideen, was wir machen könnten, hatten wir auch ganz viele. Die richtige Auswahl zu treffen, das hat uns einiges an Gesprächen und Denkprozessen erfordert.
Jetzt aber sind wir soweit: unsere Lastesel werden in Topform gebracht: Gründliche Reinigung, die Sättel einfetten, Ölwechsel der Rohloff Schaltung, Ketten schmieren und nachziehen, etc…etc…der Blog wird noch nachgeführt und dann werden die Taschen gepackt, die Velos beladen und los geht’s! Es kribbelt uns in den Beinen und im Kopf, die Freude auf die nächsten Monate unterwegs ist allgegenwärtig. Nächstes Ziel sind die Balearen! Mehr verraten wir noch nicht, wir wissen ja selber noch nicht genau, was uns dort erwartet!

 

Ruhepause?

Unser Abstecher zu unseren Kindern in die Schweiz verging wie im Flug, aber das ist eigentlich immer so, wenn wir etwas Schönes unternehmen!
Zurück in Alicante: Ausflüge bei Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen ans Cabo de los Huertos, wo wir die felsigen Buchten und Strände auskundschaften. Es wird so heiss, dass wir unsere Sonnehüte vermissen! Und beinahe ins Wasser steigen, aber das ist dann doch erschreckend kalt!
Lange Spaziergänge am Meer entlang, jedes Mal ist die Stimmung anders, mit langen Gesprächen über unsere nähere  Zukunft werden zu einem Bestandteil von unserem Alltag.
Wir besuchen einen Velomechaniker in San Joan d’Alacant, Martin muss an beiden Fahrrädern das hintere Kettenritzel umdrehen, es ist schon ziemlich abgenützt.
Beim nächtlichen Ausflug nach Benidorm ins Rock n’Roll House mit unseren Freunden Fran und Marie-Carmen kommt Martin sogar zu einem kleinen Nebenauftritt auf der Bühne bei den „Blues Brothers“.
An der Massa-Critica haben wir neue Leute kennengelernt, diesmal ist Latino-Musik aus den Boxen von Kevin und Sylvia mit dabei, sie sind mit ihren Fahrrädern seit dreieinhalb Jahren in Europa unterwegs. Die beiden haben eine Gruppe Velofahrer (AlicanteCicloturismo) angeschrieben, die sich dem Genussfahren oder Spazierenfahren, dem Cicloturismo verschrieben haben, das noch gar nicht so verbreitet ist wie in Deutschland oder in der Schweiz. Diese Leute haben sich an uns gewandt, ob Kevin und Sylvia bei uns schlafen könnten.
   Claro, wir sind ja geübte Warmshower Gastgeber! Und wir haben viel Spass miteinander, und obwohl Kevin krank ist, führen sie ihr Theater am Samstag im „El Tumbao“, einem Kultur-Lokal, auf. Jaja, ein Theater auf dem Velo! Die beiden sind unterwegs nach Portugal, wo sie den Rest des Winters verbringen wollen. Ihre Fahrräder wiegen etwa das Doppelte wie unsere wenn sie beladen sind, deshalb werden sie noch eine Weile fahren, bis sie dann dort sind. Sie übernachten vor allem bei Warmshowers und helfen ab und zu als „Workaway“. Ihr Budget ist sicher noch viel kleiner als unseres! Sie leben von den Einnahmen des Theaters, das sie im Sommer fast täglich in Frankreich aufgeführt hatten.
Kevin muss sich zuerst auskurieren, bevor sie weiterfahren. Und es wird trotz der kleinen Wohnung und ihrem vielen Gepäck nicht zu eng, im Gegenteil, wir sind direkt froh ein paar Abende gemeinsam zu kochen und zu viert das Wohnzimmer aufzuwärmen.  Da die Wohnung wirklich für den Sommer ausgerüstet ist, hat es nur Einfachverglasung, die Rollladen-Kasten sind regelrechte Lüftungen und wenn der Wind von Osten bläst, zieht es ziemlich ungemütlich durch die ganze Wohnung. 14° (nachts) ist zwar viel mehr als in der Schweiz momentan, aber zum einfach gemütlich Rumsitzen doch ein wenig zu kühl. Wir haben einen kleinen elektrischen Ofen, das muss genügen, sonst fliegen die Sicherungen raus!
Als die beiden uns verlassen gibt es fast schon eine kleine Lücke, aber die füllen wir schnell mit unseren Ausflügen. Die sind manchmal sehr spontan, so wie zum Faro de Santa Pola. Da haben wir nach dem Termin beim Zahnarzt nur kurz einen Kollegen von Fran in seinem Laden besuchen wollen, und daraus ist ein 65km langer Ausflug geworden, von dem wir erst nach dem Eindunkeln wieder nach Hause kommen.
Oder der Samstagsausflug durchs Hinterland zum Essen in El Campello mit unseren Alegres Biciclista-Freunden. Da ist es schon ein wenig kühler geworden, die Ankündigung einer Kältewelle beschäftigt uns aber noch nicht allzu sehr.
Was dann aber kommt muss uns beschäftigen, gezwungenermassen!
In der nächsten Umgebung schneit es, seit 30 Jahren das erste Mal, nachdem in der Nacht die Temperatur auf 1Grad runtergefallen ist!  Fotos zirkulieren in unserem Chat hier, von Schnee und Eis, eine Sensation! Und ich erhalte Winterfotos aus der Schweiz, wo es noch viiiel kälter und viiiel mehr Schnee gegeben hat!!!!!
In Denia hat es geschneit!  In Murcia auch!  Wir müssen zum Glück die Schneeräumungsgeräte nicht montieren!In Bern schneit es auch!
Hier in Alicante regnet es nur in Strömen und ein unangenehmer Wind bläst in Böen bis zu 60km/h aus Osten durch die Wohnung! (siehe oben die Beschreibung!) Wir lassen die Rollladen ganz unten, und verziehen uns mit unserem Ofen und den Schlafsäcken in das kleinste Zimmer und in die Küche, die nach Westen geht. Da verbringen wir fast zwei Tage ohne rauszugehen, wir lesen, schauen uns Filme an, kochen immer wieder etwas Gutes, das wärmt!
Durchschnittliche Temperatur in der (ungeheizten) Wohnung, etwa 10° Grad Celsius. Gerade gut genug um die Velos aufzubewahren!Einmal fahren wir mit dem Tram nach Alicante und verbringen einen halben Tag in einem Einkaufszentrum, schlendern durch  alle Läden, gehen ins Kino und dann noch ins Restaurant, hier ist es ganz schön geheizt! Die Geschichte wird noch ein paar Tage dauern, in der einen Nacht fällt eine Böe noch einen Baum vor unserem Balkon. Die Gewitter wechseln sich mit ein paar Sonnenstrahlen, diese Pause nützen wir, um schnell einzukaufen und am Strand ein paar Fotos zu schiessen.
Das nächste Gewitter kommt bestimmt
Jetzt können wir wirklich das Meer und den Schnee gleichzeitig sehen!

 

Winterquartier

img_1294-winterquartier„Unsere“ Wohnung hat etwas, das uns letztes Jahr gefehlt hatte: eine Terrasse mit viel Sonne ab dem Mittag, die wir ausgiebig geniessen in den nächsten Tagen!
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Daneben gibt es kleinere Reparaturen und Einkäufe zu erledigen:
Ein Balkonfenster steht so schräg in der Fassung, dass es am ersten Abend ziemlich unangenehm hineinzieht. Fast alle Storenbänder sind alt und müssen mit viel Geduld behandelt werden.
Die Küchenutensilien sind auf der Terrasse in Kartonschachteln und einem Plastikschrank verpackt, ziemlich vieles ist unbrauchbar alt oder kaputt. Der Plastik von dem Schrank zerfällt beinahe, als wir ihn anrühren, so spröd ist er.
Die Dusche verliert am Anfang des Schlauchs so viel Wasser, dass die Brause fast trocken bleibt und als wir unsere Frottiertücher an der Wäscheleine aufhängen wollen, zerfällt diese in weisses Pulver!
In der Küche hat jemand den Schüttstein (ja wirklich, noch ein Schütt-Stein) mit der gleichen weissen Farbe wie die Schränke angemalt, jetzt blättert diese bei jedem Abwasch ein wenig ab. Das sieht alles etwas unappetitlich aus! Der Wasserhahn spritzt auf alle Seiten, nur nicht ins Becken, und so weiter und so fort,…..wir haben zum Glück einen guten Handwerker dabei, der fast alles flicken kann! Sogar den Radiator, dessen Schalter sich nicht bewegen wollen, bringt er dazu, doch ein wenig zu heizen, als es abends mal etwas kühler wird!
Wir holen unsere eigene „Küche“ hervor, zu den paar Gläsern und Tellern, die wir auf der Terrasse finden, kaufen wir uns eine grosse Bratpfanne mit Deckel, da wir vielleicht auch mal Besuch haben werden, und vielleicht eine Paëlla oder sonst etwas Gutes kochen wollen. Und somit ist unsere Küche schon komplett.
Ach ja, und was uns noch fehlt, ist eine Internetverbindung! Ein WIFI! Im Haus hat der Sohn einer Nachbarin, die direkt über uns wohnt einen Anschluss. Wir haben ein gutes Signal, nur das Passwort fehlt uns! Wir würden uns gerne beteiligen an den Kosten, weil die Installation eines Routers sich für uns nicht lohnt. Der Sohn komme fast jeden Mittag zu der Mutter essen, sie sei schon älter, gehe kaum aus der Wohnung hinaus und sei schwerhörig, werden wir vom Concierge informiert. Aber in dieser Woche gibt es in Spanien zwei Feiertage, der 6.12. und der 8.12. sind schulfrei, die Supermärkte sind geschlossen, der Concierge hat frei, und …der Sohn kommt nicht zum Mittagessen zur Mutter. Wir wollen uns zweimal bei dieser Frau vorstellen, aber sie macht uns die Türe nicht auf. Also warten wir auf den Montag, um den Sohn abzufangen, falls er denn kommt! Und behelfen uns mit 3G, das für Mails und WhatsApp schon funktioniert, aber für den Blog und Skype nicht, da das zu viel kosten würde.
Am ersten Samstag schon ist die erste Massa Critica, das Treffen der Velofahrer in Alicante, da wollen wir natürlich nicht fehlen. Und lernen Toni und Yeni kennen, die gerade von ihrer ersten mehrmonatigen Tour durch Spanien zurück sind. Sie haben aber schon etliche andere Auslanderfahrungen, da sie in verschiedenen Ländern gearbeitet haben, unter anderem in China und Hongkong. Die beiden wollen wir einladen, um Erfahrungen auszutauschen und sie besser kennenlernen.
Nachmittags ist der Fussball-Match des Jahres angesagt, derjenige, wo in ganz Spanien niemand mehr in der Strasse unterwegs ist, sondern vor dem Fernseher sitzt: Barcelona-Madrid! Da müssen wir natürlich auch dabei sein und in einer Bar verfolgen wir zusammen mit Jorge das Spektakel, das zum Leidwesen aller mit 1:1 endet!
Nach zwei etwas regnerischen Tagen wird es wieder sehr freundlich und wir unternehmen unsere ersten kleinen Runden mit dem Fahrrad in der Gegend, wo wir jetzt wohnen. Wir sind nicht in der Stadt, sondern eher in der Region des Strandes, heisst Playa San Juan und ist ziemlich ruhig, viele Wohnungen sind unbewohnt im Winter. Es ist nicht besonders hübsch, aber das Quartier letztes Jahr war auch nicht hübsch. Dafür sind wir ganz nahe am Strand, nachts hören wir das Meer rauschen, so wenig Verkehr hat es! Von der Terrasse aus sieht man es sogar, zwischen den Pinien, Palmen und Hochhäusern. Und in 5 Minuten sind wir am Strand, was aber in dieser Saison nicht so wichtig ist, es ist zu kühl zum Baden. Wir hätten hinter dem Haus auch einen Swimmingpool, gefüllt mit schön blauem Wasser, (natürlich sind die Kacheln blau) aber auch hier, es ist doch ein wenig zu kühl, um sich reinzustürzen!
img_1315-winterquartierWir laden Toni und Yeni zum zusammen kochen ein, sie haben ja auch gezeltet und gekocht auf ihrer Tour. Fran und Jorge sind auch dazu eingeladen, aber Fran kann heute nicht. Wir sind eine fröhliche Truppe, die da in unserer Wohnung hantiert und es ist obergemütlich, die Sonne scheint zum Küchenfenster hinein, einfach toll. Schlussendlich haben wir eine Mahlzeit mit Tofu-Gemüse-Mix und spanischen Pistu, einem Gemüse-Kartoffel-Tomaten-Mix, zubereitet und geniessen ihn bei angeregten Gesprächen. Irgendeinmal kommt auch Fran zu uns, und etwa um 20.30 Uhr verabschieden wir uns voneinander! Das war eine sehr schöne Einweihung von unserer Küche und unserer Bratpfanne!
An einem Samstag stehen wir schon vor 7 Uhr bereit für einen grösseren Ausflug mit einer Gruppe Cicloturistas. Wir werden von Villena aus eine Rundtour um eine Sierra machen, das Ganze soll ca.100 km lang sein, aber nicht sehr anstrengend. Die Gruppe will viele solche Touren machen, diese dann veröffentlichen, um andere Tagestourenfahrer zu animieren. Sie unterscheiden sich von den Strassenfahrern und den Mountainbikern, die das Velofahren als reinen Sport ansehen. Fahrrad fahren soll Spass machen, auch gemütlich sein, gemeinsam unterwegs sein, die Landschaft und das Fahren geniessen.
Da die Strecke aber für eine Tagestour doch etwas lang ist, sind wir bis in die Nacht hinein unterwegs. Die Landschaft ist schön, zuerst viel Wein, Mandel- und Olivenbäume, dann aber auch Wildnis, Büsche und Pinienwald und fast alles über sehr wenig, bis gar nicht befahrene Strässchen. Ein Abschnitt fehlt sogar auf meinem GPS!
img_1313-winterquartier img_1316-winterquartier dsc_4658-winterquartier dsc_4659-winterquartier 20161215-223443-winterquartierimg_1314-winterquartierSo unternehmen wir Verschiedenes, allein oder mit unseren Freunden und lassen es uns gut gehen.img_1308-winterquartierSchlussendlich erhalten wir dann auch das WIFI von unserem Nachbarn, er will kein Geld dafür, wir sollen es einfach niemandem weitergeben! Das ist wirklich sehr nett! Und wir können unseren Blog wieder Updaten!
Schon bald werden wir einen kurzen Abstecher zu unseren Kindern machen, Weihnachten mit ihnen und Familie verbringen! Dieses Jahr sieht es eher weniger nach Skifahren aus, es hat nicht geschneit seit anfangs Dezember und weiterhin ist kein Schnee in Sicht!

Wir wünschen Euch allen ein frohes Weihnachtsfest, bis bald wieder mit neuen Berichten von unserer Reise!DSC_1260 IV

Wiedersehen in Reus und Falset

dsc_0846-reus-und-falsetGanz unspektakulär reisen wir von St.Susanna nach Tarragona, inklusive Umsteigen in Barcelona-Sants. Hier sieht man ab und zu Radfahrer, auch auf dem Zug, die Züge sind einfach zu besteigen und wir werden nicht wie Ausserirdische bestaunt. Von Tarragona fahren noch ein paar Kilometer mit dem Velo, das tut gut, zuerst sind es zwar noch ziemlich stark befahrene Strassen, aber dann auf Caminos durch die Felder bis nach Reus.
Hier hat unser GPS noch nicht die aktuellen Caminos drauf, denn plötzlich endet der Weg an einem Zaun mit zweispurigen Gleisen hintendran – eine „neue“ Linie des Hochgeschwindigkeitszuges, die zwar schon vor 8 Jahren gebaut wurde, aber es fahren immer noch keine Züge….von der Brücke aus, die wir nach dem Umweg überqueren, sehen wir die tiefe Schneise, die solche Projekte in das Land graben!
Welche Freude unsere Freunde wieder zu sehen! Wir dürfen unsere Velos bei der Mutter von Gerardo in Reus parkieren, sie bekommen einen Komfort-Parking in einem Zimmer in der Wohnung mitten in der Stadt. Mele, die Mutter, freut sich sehr, uns kennenzulernen, und wir erhalten ein Zvieri, das unsere Mägen füllt, wir werden heute nichts mehr zu essen brauchen.
In Serra d’Almos angekommen, heizt Gerardo den Mandelschalen-Ofen ein, es ist doch ziemlich frisch in der guten Stube, etwa 13 Grad! Der Ofen ist aber genial, schnell wird es warm, ohne dass man viel machen muss. Die Schalen fallen so nach und nach aus dem Reservoir in die Glut, und heizen die Stube viele Stunden lang. Wir sitzen bis spät in die Nacht zusammen, erzählen einander von unseren Reisen und was sich verändert hat seit dem letzten Mal, als wir hier waren.
img_1736-reus-und-falset img_5867-reus-und-falsetAm nächsten Tag kommt Sandra mit ihrem Sohn und einem seiner Freunde zum Mittagessen. In Falset ist eine grosse Fiesta, und die Klasse der Jungs verkauft selbstgebackene Waren, um eine Klassenreise zu finanzieren. Die Jungs wollen bald wieder zurück und Sandra bringt sie schnell hinunter.
Zusammen mit einem Nachbarn, der auch einen Mandelschalen – Ofen hat, muss Gerardo Nachschub organisieren. Da diese Öfen sehr altmodisch und deshalb selten geworden sind, gibt es kaum noch Lieferungen in Säcken, so wie es sich die beiden vorstellen. Zum Organisieren der ganzen Sache gehen wir zu diesem Freund in der Gasse nebenan. Die Besprechung dauert, und wir sitzen alle gemütlich bei Augusto und Margarita, seiner Partnerin, in der warmen Stube. Irgendwann machen sie Tee, dann eine grosse Schüssel Salat und ein paar Thon-Sandwiches, es wird ziemlich nach Mitternacht, bis wir wieder in „unser“ Haus zurückkehren.
dsc_4648-reus-und-falsetDas Wetter hat umgeschlagen, dicke Wolken ziehen über den Himmel, es ist nicht mehr ganz so kalt wie in der vorderen Nacht. Am frühen Morgen zieht  dann noch ein richtiges Gewitter durch, es schüttet aus Kübeln und blitzt und donnert! Ja, auch das gibt es hier, schlechtes Wetter! Trotzdem besuchen wir ein Dorf, das während des spanischen Bürgerkrieges vollständig zerstört wurde. Wir sind in einer Gegend, wo 1938 schlimme Kämpfe stattfanden. Es ist sehr eindrücklich, das neue Dorf wurde neben dem alten, kaputten, aufgebaut, und so läuft man durch Häuserreihen, die zusammengestürzt sind, wie wenn es gestern gewesen wäre…nur ein riesiger Feigenbaum mitten in den Trümmern zeigt, dass es schon ein paar Jahre her sind. In der Kirche, auch diese zerbombt, ist eine Ausstellung mit Fotos aus der Zeit zu besichtigen.
dsc_4640-reus-und-falset dsc_4649-reus-und-falsetdsc_4647-reus-und-falsetNachdenklich und mit unseren Gedanken beschäftigt, fahren wir zurück. Es wird uns wieder einmal mehr bewusst, was für ein Riesenglück wir hatten, in einem so friedlichen Ort wie der Schweiz aufwachsen zu dürfen!
Später fahren wir nach Falset, wo wir die Fiesta besuchen und den Kindern an ihrem Stand eine Tasche voller Süssigkeiten abkaufen. Mit Sandra haben wir ein langes Gespräch über Coaching, Menschen und Musik, kochen einen Arroz und sitzen gemütlich zusammen, bis uns Gerardo abholt, der einen Freund besucht hat.
Am Montagmittag fahren wir mit ihm nach Reus, als er zur Arbeit fährt, wir wollen die Eltern von unserer Nachbarin in der Schweiz besuchen, was bestens klappt. Später am Nachmittag bummeln wir ein wenig durch die Stadt, die uns schon letztes Jahr sehr gut gefallen hat, und auch diesmal ist es einfach schön, durch diese Gassen zu schlendern und dem vorweihnachtlichen Treiben zuzusehen.
dsc_0781-reus-und-falsetUnterdessen wurden die Mandelschalen geliefert, nicht in Säcken, sondern 1500kg lose, ein riesiger Haufen liegt in der Gasse, zugedeckt mit einem Plastik.  Am nächsten Morgen schaufeln wir die Schalen in die vielen ausgedienten Kartoffel- und Futtersäcke, die sie über die Jahre zu diesem Zweck gesammelt haben. Es dauert ein paar kurzweilige Stunden, bis alle Säcke voll und in den Keller getragen sind und die Strasse wieder sauber ist. Augusto hat immer wieder Ideen, uns alle zum Lachen zu bringen!  Margarita hat währenddessen ein chinesisches Menu gekocht, das uns allen sehr mundet.
img_5871-reus-und-falset dsc_4653-reus-und-falset dsc_4656-reus-und-falset dsc_4657-reus-und-falset                                                                                   Los Championes!
Mit dem Zug fahren wir abends nach Reus, wo wir bei der Mutter von Gerardo übernachten dürfen, sie hat uns eine Tortilla gemacht, sie liebt es sehr, glaub ich, Gäste zu haben! Am nächsten Morgen stehen wir  früh auf, wir fahren ca. 20km bis nach Cambrils, da nehmen wir den Zug für unsere letzte Etappe nach Alicante! In Valencia müssen wir umsteigen, die 20Minuten Verspätung, die er in Cambrils noch hatte, sind in Valencia wieder eingeholt, da sind wir aber sehr froh. Mit den Fahrrädern können wir in Spanien nur ein paar wenige Züge benützen, und so hätten wir in Valencia übernachten, und erst am nächsten Morgen um 7.12 Uhr den nächsten Zug nehmen müssen!
Aber so erreichen wir Alicante schon um 17 Uhr, gerade kurz vor dem Eindunkeln. Was für ein Gefühl, es ist fast wie nach Hause kommen….
DSC_1272 IVWir fahren zu der Bar, wo unser Freund die Schlüssel von „unserer“ Wohnung deponiert hat, und als wir gerade auf der Kreuzung vor der Bar sind, hören wir ein lautes „Holaaaa!“ Fran und seine Frau Marie-Carmen wollten uns die Schlüssel persönlich überreichen! Es ist ein herzliches Wiedersehen! Nach einem Willkommenstrunk fahren wir zusammen zu der Wohnung, das Wasser wird aufgedreht, die Gasflaschen kontrolliert, ja, der Durchlauferhitzer funktioniert, und dann sind wir allein, in dieser fremden Wohnung, die schon älteren Datums ist. In der, seit dem Erbau des Wohnblocks in den 70-erJahren wahrscheinlich nie etwas renoviert wurde. Sie hat aber alles, was wir brauchen, und das ist das Wichtigste!

 

„Workaway“ in Spanien

dsc_4595-workaway In Argelès-sur-Mer haben wir für ein paar Tage ein Studio gemietet, um meinen Husten auszukurieren. Das Städtchen gefällt uns ausnehmend gut, mal abgesehen von der ganzen touristischen Region in Strandnähe, die aber momentan ziemlich ausgestorben ist.
Hier wird gelebt, es hat ein paar Cafés und Restaurants, verschiedene Läden in 2-3 Strassen, unser Studio ist fast im Zentrum, in einem kleinen ruhigen Gässchen. Die Velos nehmen wir mit hinauf, es hat genug Platz, obschon der Vermieter gesagt hat, die könnten wir dann nicht hinaufnehmen. Aber wir lassen unsere Vehikel doch nicht auf der Strasse, auch wenn sie ruhig und sicher ist, wie er sagt.
dsc_4582-workawayWir kochen uns ein feines Abendessen: ein Stück Fleisch aus der Metzgerei, Gemüse aus der Epicerie, einer Flasche Wein aus der Region aus der Weinhandlung nebendran und zum Dessert etwas Feines aus der Bäckerei! Ja essen kann ich, trotz dem blöden Husten!
workawayAm Samstag ist Markt in der Stadt, wir schlendern durch die Gassen und geniessen dieses Ambiente bei noch immer warmem Sonnenschein. An einigen Ständen stehen die Leute Schlange zum Einkaufen, beim Biobauern hat es die längste Kolonne! Der ist dann auch kurz nach 12 Uhr völlig leergekauft, es hat nur noch ein paar Salate, sonst sind die Kistchen leer! Auch wir haben uns ein paar wenige Sachen gekauft, Feigen, Peperoni, Zucchetti und frische Steinpilze, das gibt wieder ein leckeres Abendessen! Den Nachmittag verbringen wir gemütlich drinnen, es wird kalt, der Wind heult durch die Gassen, bevor ein heftiges Gewitter über die Stadt hinwegzieht. Ich bin schön froh, in einem Haus zu sein!
dsc_4581-workawayWir beschliessen etwas schweren Herzens, die nächste Etappe doch mit dem Zug zu machen, meiner Gesundheit zuliebe. Ein bisschen Anstrengung und ich huste mir nämlich fast die Lunge aus dem Leib. Und der Weg nach Spanien geht nun mal über die Pyrenäen, egal, welche Route wir nehmen.
Am Montag, 7. November, fahren wir diese Zug – Etappe nach Figueres, es ist ziemlich kalt, aber sehr sonnig. Der Zug ist neu, hat Platz für Fahrräder und wir können einfach hineinfahren, juhui! Ein Mann sagt uns, wir sollten diese Strecke doch mit dem Velo fahren, es sei die Schönste hier im Roussillon, ja, das nächste Mal werden wir, ganz sicher. In Port Bou müssen wir umsteigen, hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Der riesige Bahnhof ist fast menschenleer. Seit die Zugstrecke im Landesinnern neben der Autobahn in Betrieb genommen wurde, passiert hier kaum noch etwas. Aber doch, etwas passiert: Es stehen etwa 20 Personen herum und warten, da kommen zwei Polizisten in die Halle, schauen sich um und wollen dann von zwei Personen einen Ausweis sehen – nein, nicht von uns! Sonst hat man gar nichts gemerkt von einer Grenze. Ach ja, wir sind ja schon ein paar Tage in Catalunya, da hat es gar keine Grenzen…
img_1258-workaway img_1260-workawayDer Zug in Spanien ist auch etwas neuer, hat auch Plätze für Velos, das Perron ist aber alt, d.h. nicht an die neuen Züge angepasst und wir müssen sie eine Stufe hoch hineinhieven. In Figueres sind dann die Perrons auch neu, und wir fahren einfach raus. Hier übernachten wir in einem Hostel, das eine Küche hat, wo wir unser Essen kochen können. Aber jetzt, es ist gerade zwei Uhr, müssen wir unsere Ankunft in Spanien feiern: wir gehen in eine Tapas-Bar, bestellen ein Glas Wein und geniessen ein paar feine Tapas! Anschliessend wollen wir ins Dalí-Museum, aber es ist Montag und geschlossen. Na gut, dann machen wir halt eine Siesta, die Stadt ist so etwas von ausgestorben um vier Uhr nachmittags! Aber am Abend herrscht hier wieder Leben und wir spazieren ausgeruht noch etwas durch die Gassen der Stadt.
Der Besuch im Museum ist sehr interessant und erzählt uns viel von der Arbeit dieses speziellen Künstlers. Hier treffen wir auf viele Touristen, die wir gestern gar nicht bemerkt haben. Im Internet machen wir uns später noch ein bisschen schlauer über Dalí, über den wir vorher gar nicht so viel gewusst haben.
dsc_4584-workaway dsc_4585-workaway dsc_4591-workaway img_1264-workawayIch habe schon die nächste Übernachtung organisiert bei einem Warmshower Gastgeber in der Nähe von Girona, er schickt uns eine Route, wie wir auf schönen Strässchen bis zu ihm fahren können, das ist super!
Xavier Corominas Mainegre war früher einmal Bürgermeister in seiner Stadt und aktiv in vielen verschiedenen Gremien, die den Veloverkehr fördern. Er hat mitgeholfen, die erste Via Verde zu realisieren und natürlich auch viele andere Fahrradwege in der Region. Mit seiner Partnerin wird er im Januar mit den Fahrrädern nach Neuseeland fliegen, um eine lange Tour zu machen, die sie über Australien nach Indonesien führen soll, wenn alles so läuft, wie sie sich es vorstellen. Wir haben natürlich sehr viel zu diskutieren, nicht nur das Velo sondern auch die Politik von Spanien und Katalonien sind ein immer wiederkehrendes Thema. Es erstaunt uns immer wieder, was für spannende Leute wir kennenlernen! Es ist einfach super!
Die nächsten 2 Tage fahren wir eben diese erste Via Verde von Spanien und eine wunderschöne einsame Strasse der Küste entlang Richtung Barcelona, das Wetter ist uns sehr freundlich gesinnt.
Mein Husten nimmt so langsam ab und das Schwitzen tut mir gut, ich spüre richtig, wie es die Bakterien eine nach der anderen abtötet!
dsc_4597-workaway  dsc_4605-workawayIn den letzten Tagen haben wir uns etwas Neues ausgedacht und im Internet gesucht, bis wir „es“ gefunden haben: Workaway! Das ist doch etwas für Junge, Studenten, die das Reisen nicht aus der eigenen Tasche finanzieren können und deshalb immer wieder etwas arbeiten müssen, für das Bett und das Essen. Wir aber möchten so das Leben der Leute noch etwas besser kennenlernen und im Hinterkopf geistert die Idee herum, vielleicht einmal einen Winter lang im Süden ein Haus zu hüten, da wären solche Erfahrungen doch ganz gut!
Nach zwei Absagen finden wir ein Paar, das uns für zwei Wochen aufnehmen will, sie haben ein grosses Haus und einen grossen Garten, Grossmutter und Grossvater wohnen auch da, 2 Hunde und etwa 5 Katzen, da gibt es immer irgendetwas zu reparieren oder renovieren und der Garten braucht Pflege. Genau was wir wollten. Und wir haben ein Riesen-Glück, diese Leute sind sehr nett, die Arbeit passt zu uns und wir verstehen uns sehr schnell ganz gut. Am zweiten Tag nehmen sie uns mit zu Ihren Freunden zum Mittagessen, das ist nicht selbstverständlich für Spanier. An den ersten Tagen essen wir in unserem Häuschen, aber dann zusammen, das geht einfacher und wir haben viel  miteinander zu reden. Abends spielen wir Karten zusammen, was Martin hoch anzurechnen ist, er spielt sonst gar nicht gern Karten. Aber hier passt es einfach. Nach ein paar Tagen schlägt das Wetter um, ein starker Wind schüttelt die Bäume und heute Morgen hat uns um 6 Uhr ein Gewitter geweckt, so stark hat der Regen aufs Dach geprasselt.
Nach zwei Wochen haben wir nicht nur einen tiefen Einblick in eine spanische Familie bekommen, sondern auch gute Freunde gewonnen!
dsc_4615-workaway dsc_4610-workawayimg_1280-workaway img_1283-workawaydsc_4637-workawayNeben den 4-5 Stunden Arbeit haben wir Zeit, um viel zu lesen, den Blog zu schreiben (leider kann ich ihn nicht raufladen, da das Wifi sehr langsam ist und wir kaum eine Website aufmachen können, geschweige ein paar Fotos hochladen), und die nächsten Monate zu planen.
Wir wollen wieder in die Umgebung von Alicante, das Klima dort ist einfach sehr angenehm und wir freuen uns auf die kleinen Velo-Touren mit unseren Freunden dort. Einer hilft uns tatkräftig mit der Suche nach einer Wohnung und wird fündig!
Zuerst aber besuchen wir noch unsere Freunde Gerardo und Sandra in Falset! Es ist schon über ein Jahr her, als wir bei ihnen waren und sie im Januar bei uns in Alicante! Es kommt mir aber vor, als wäre es gerade erst gewesen. Und doch: Wir haben im letzten Jahr soooo viel erlebt, viel mehr als eigentlich möglich ist in einem Jahr. Wir freuen uns sehr, die beiden wieder zu sehen!dsc_0886-workaway

 

Südfrankreich

dsc_4515-suedfrankreichAuf dem Zeltplatz in Avignon haben wir einen Mann kennengelernt, der in seinem uralten klapprigen Auto lebt. Er hatte viele Jahre in verschiedenen Hotels gearbeitet, am letzten Ort musste er kündigen und jetzt findet er  keinen Job mehr. Das ist seine Version. Wie lange jetzt ist wissen wir nicht. Von weitem nimmt man ihm den Portier oder sogar den Kellner noch ab, aber wenn er bei uns stehenbleibt, um mit uns zu schwatzen, sieht man dem Kragen von seinem weissen Hemd an, dass es sicher schon seit Wochen keine Seife gesehen hat. Und riecht, dass auch er mal die Dusche benützen sollte. Er schläft in den Kleidern auf dem Fahrersitz und der einzige Luxus den er besitzt, ist sein Gaskocher, auf dem er seine Mahlzeiten brutzelt. Aber, er ist sehr grosszügig, will uns zu einem Glas Wein einladen (wir haben aber unsere Flasche auch gerade aufgemacht) und füttert die Katzen, die da auf dem Camping herumlaufen. Besonders eine hat es ihm angetan, die kommt durchs Fenster zu ihm ins Auto, wenn er schläft und kuschelt sich auf den Beifahrersitz. Diese Begegnung gibt uns sehr zu denken, das in einem Land wie Frankreich! Wie lange er schon so lebt, haben wir nicht herausgefunden.
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Und wieder hat es Martins Hinterreifen erwischt, natürlich gerade als wir am Morgen wegfahren wollen!
dsc_4514-suedfrankreich Nach 2 Tagen anklimatisieren in Avignon radeln wir auf kleinen „weissen“ Strässchen durch die Landschaft Richtung Arles. Wir sind erstaunt, was zwei Stunden Zugfahrt ausmachen und eine Gegend sich verändert. Wir sind wirklich in Südfrankreich angekommen! In einem Städtchen kommen wir gerade ein bisschen zu spät, der Markt ist gerade zu Ende, aber wir haben Glück und können noch Gemüse und Früchte und 2 Geissen-Käsli kaufen. Wir haben gemerkt, dass man kaum mehr frischen Käse einkaufen kann, ausser eben auf den Märkten.
Die Fahrt durch die Camargue gefällt uns auch sehr gut, wir können uns aber schwer vorstellen, wie es wohl hier im Sommer ist. Vor allem verkehrsmässig, aber das wollen wir uns gar nicht vorstellen.
dsc_4524-suedfrankreich dsc_4525-suedfrankreichAuf einem 2000-plätzigen Camping in le Grau du Roi hat es noch ziemlich viele Leute, aber aha! Es ist Freitag vor Allerheiligen, Toussaints, fast wichtigster Feiertag, mehr noch als Weihnachten oder Ostern, und die Kinder haben schulfrei bis am Mittwoch. Da haben sich doch einige noch ein paar Tage Ferien gegönnt, das Wetter ist ja auch super. In der Reception muss ich anstehen und fast eine Viertelstunde warten! Das ist uns schon lange nicht mehr passiert.
Am nächsten Tag „bummeln“ wir den Veloweg auf dem Streifen zwischen Meer und Lagune entlang. Der Strand ist gut besucht, es hat sogar noch einige Leute die baden! Auch hier staunen wir: Es hat Zugänge zum Strand durch die Dünen, die nummeriert sind, wir sehen die Nummer 79! Und hinter den Dünen riesige, gähnend leere Parkplätze, und noch weiter dahinter, bevor die Lagune beginnt, die stark befahrene Strasse.
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Wir machen eine lange Mittagspause am Strand,  bis es uns zu heiss wird!
In Palavas-les Fonts haben wir ein Hotelzimmer reserviert, da hier gar keine Campings mehr offen sind. Und zwischendurch muss man sich etwas gönnen. Wir werden in einem anderen Hotel untergebracht als dem gebuchten und das wird zum Upgrade für uns! Ein grosses, sonniges Zimmer, und vom Pool unten hört man die anderen Gäste plaudern und lachen. Das Dorf, ich muss wohl sagen der Dorfkern, ist noch gemütlich, Palavas war einmal ein Fischerdorf und hat seinen alten Charme ein wenig behalten. Vorne am Hafen steht eine Beiz neben der anderen, die den Gästen das Geld aus der Tasche ziehen wollen, aber zum Flanieren ist uns das gerade recht. Anstatt Muscheln oder Fisch zu essen, suchen wir uns in einem hinteren Gässchen eine Pizzeria aus, die noch offen hat und moderate Preise hat. Ein Glücksfall, denn die Pizza ist aus dem Holzofen und sehr lecker! Die Muscheln essen wir dann wieder in Spanien!dsc_4562-suedfrankreich
Gut ausgeschlafen und bei Sonnenschein, geht es weiter, mal der Küste, mal einer Lagune entlang, manchmal sind wir auf der Eurovelo 8, manchmal nicht. Diese Euroveloroute, auf dem Papier und im Internet schon fertiggestellt, ist in Realität leider noch an vielen Orten nicht ausgeschildert, führt über stark befahrene Strassen oder über Wege, die bei viel Regen unpassierbar werden. An einigen Orten wurde viel investiert in Velobrücken und separate, frisch geteerte Strässchen.  Auf dem GPS ist sie durchgehend als blaues Band markiert, aber wie der Zustand ist, ist für uns immer wieder eine Überraschung.dsc_4536-suedfrankreich dsc_4538-suedfrankreich img_1251-suedfrankreich
In Marseillan-Plage, einem fast ausgestorbenen Sommerferien Dorf, oder Stadt? finden wir an der verschlossenen Türe der Touristinformation eine Liste mit allen Campings und ihre Öffnungszeiten. Welche Überraschung, da hat noch einer offen, La Plage. Da gibt es Stellplätze, von denen man aufs Meer schauen kann. Diese sind fast alle besetzt, von Campern aus ganz Europa. Da sind sie also wieder, die „Winterflüchtlinge“! Gut, wir gehören da ja auch ein bisschen dazu. Aber wir bleiben unten, zwischen den Büschen und Bäumen, in der Hoffnung, dass unser Zelt nicht so nass wird. Naja, einige Hoffnungen vergehen nie, auch wenn wir es eigentlich wissen sollten. Schon am Abend beginnt es, sobald es dämmert kommt der Tau und befeuchtet alles, und dann die klare Nacht, vielleicht 10 Grad oder sogar ein bisschen weniger, und wir im Zelt, mit unserer Wärme und den Ausdünstungen, da kann es einfach nicht trocken bleiben. Das Zelt ist morgens innen und aussen tropfnass, sogar im Innenzelt werden die Wände feucht.
Ein anderes Detail, an das wir uns schon seit Avignon gewöhnen mussten, sind die Mücken! Die haben sofort entdeckt, dass wir völlig ahnungslos unsere Beine nicht eingepacken, und haben sich sofort auf sie gestürzt! Es vergehen einige Tage, bis wir eine Strategie entwickelt haben, um uns nicht mehr stechen zu lassen. Etwas Gutes haben die Mücken aber schon: Endlich kann ich das seit über einem Jahr mitgeschleppte „AntiBrumm“ benützen! Und die Salbe für danach, wenn‘s juckt, kann nun auch ihren Zweck erfüllen, mehr als uns lieb ist!
Am frühen Morgen, Winterzeit, Sonnenaufgang, ich stehe oben auf der Düne und schaue, wie die Sonne wie ein roter Ball aus dem Meer steigt, aber alle Camper, die da stehen, haben noch die Fenster geschlossen und verbarrikadiert, niemand sieht das wunderbare Spektakel, das die Sonne hier jeden Morgen bietet! Man könnte das vom Bett aus verfolgen! Da werde ich doch gerade ein Moment lang neidisch, ich stehe da, mit Daunenjacke, Faserpelzjacke um die Hüften und der Mütze auf dem Kopf und geniesse diesen schönen Morgen! Aber schnell bin ich wieder glücklich, der Boulanger kommt nämlich vorbei und wir haben ein gediegenes Frühstück mit Croissants und frischem knackigen Brot.dsc_4542-suedfrankreich dsc_4543-suedfrankreich dsc_4546-suedfrankreich dsc_4547-suedfrankreich
Die Sonne war wirklich rot, aber ich habe es der Kamera nicht beibringen können, sie auch rot zu machen!
dsc_4559-suedfrankreichDer Canal du Midi hat mich schon lange interessiert, beinahe wären wir einmal mit den Kindern dort hin, um Bootferien zu machen, jetzt sehen wir ihn, fahren auf schmalen Wegen entlang des Wassers, Die Alleen der alten Bäume beeindrucken sehr, aber ihre Wurzeln stören das gemütliche Fahren gehörig. In Beziers finden wir einen Wegweiser der Eurovelo, uns wären etwas kürzere Teilabschnitte lieber mit der angemessenen Beschilderung.img_1253-suedfrankreich
Dann müssen wir einer Deviation folgen, da ein Abschnitt nach den 9 Ecluses geschlossen ist. Es hatte hier ziemlich geregnet vor ein paar Wochen, es gab Überschwemmungen und wahrscheinlich ist irgendwo der Weg ins Wasser abgesackt. Wir folgen also der ausnehmend gut beschilderten Deviation für die Veloroute, bis wir vor einem Gitter stehen, das die Strasse ganz verbarrikadiert. Ab hier gibt es nur noch Schilder für die Autofahrer. Eine Deviation der Deviation! An einer Kreuzung hat es dann auf jede Seite ein Schild-  und wir können auslesen, welchem wir folgen möchten, jedem seine eigene Deviation! Zum Glück haben wir Karte  und GPS und finden unseren Weg auch ohne die „hilfreichen“ Schilder.
Das Wochenende gestaltet sich zum Einkaufen etwas schwierig, jeder Laden macht nach Gutdünken auf oder zu, sogar die ganz grossen Supermärkte haben geschlossen! Nur die Boulangeries haben offen, immer! Wir decken uns ein, mit Feinem zum Dessert und frischem Brot. Und unsere Notfallmenus, die wir immer haben, helfen uns auch, ohne Hungergefühl in den Schlafsack zu schlüpfen. Eine Flasche Wein bekommen wir an der Reception des Campings, und da steht neben dem Wein doch noch so ein grünes Kistchen mit Gemüse-Martin liest sich eine Aubergine und zwei Peperonis aus in der Annahme, dass es zum Verkauf ist, und sagt zu dem Mann, dieses Gemüse möchten wir auch noch. Dieser schaut etwas verwirrt drein und meint, das Gemüse sei für ihn,… Oh Pardon, das wussten wir nicht! Ah, mais non, je vous les donne, c’est bon! Und er schenkt uns sein Gemüse! Am Montag ist dann ein kleiner  Gemüse Laden in einem Dorf offen und wir können unsere Vorräte wieder aufstocken.
dsc_4566-suedfrankreichIn Narbonne auf der Tourist Information will ich wieder fragen, ob vielleicht ein Camping in der Nähe noch offen ist, vor mir ein paar verkleidetet Kids, die um Bonbons bitten, Halloween! Hier gehen die Kinder von Laden zu Laden und betteln so um Süssigkeiten. Und mir kommt in den Sinn, letztes Jahr waren wir in Alcaniz, Spanien, da waren auch die Kinder verkleidet unterwegs, genau gleich. Martin war erkältet und am husten, das Motorradrennen, der Camping und dann das unvergessliche Gewitter ein paar Tage später! Schon ein Jahr ist seither vergangen!
In der Information will der Herr mit einem Lächeln von mir wissen, ob ich auch Bonbons möchte, wir lache gemeinsam und ich bringe mein Anliegen vor. Und welch Wunder, es hat sogar einen offenen Campingplatz! Klein aber fein, könnte man sagen! Wir sind ziemlich allein, da er in keinem Führer aufgelistet ist. Ich spüre, dass mich Martin angesteckt hat und die Käferli erfolgreich sich in meinem Innern breit machen, Kratzen im Hals, Heiserkeit und schon beginnt die Nase zu laufen. Da wir jeden Tag weiterfahren und immer wieder zum Schwitzen kommen, geht das alles im Schnellzugtempo,
img_1255-suedfrankreichDer nächste Zeltplatz wird zum Albtraum. Eingeklemmt zwischen Autobahn, TGV  und stark befahrener Hauptstrasse, liegt  er fürs Auge eigentlich noch schön unter Pinien, aber der Lärmpegel ist immens und hört nie auf, die ganze Nacht fahren die Camions und Autos an unserem Zelt vorbei, ich schliesse kaum ein Auge und huste mich durch die Nacht. img_1256-suedfrankreichHier sieht man vorne die Masten des TGV, und hinten die Autobahn, leicht erhöht, dadurch dringt der Lärm ungehindert zu unserem Zelt. Völlig ermüdet fahren wir am nächsten Tag weiter, so langsam erscheinen im Dunst die Berge der Pyrenäen. In St. Cyprien fahren wir der Promenade entlang und sehen, dass hier noch ziemlich etwas läuft, erhalten wieder gute News, dass auch hier ein Camping das ganze Jahr offen hat und finden hier ein Plätzchen zwischen zwei Campervans.
dsc_4567-suedfrankreich Mein Gesundheitszustand hat sich rapide verschlechtert, ich bin müde und mag nicht mehr. Die Weiterfahrt ist ziemlich gefährdet, das Wetter will in zwei Tagen auch umschlagen und zwar richtig: Regen, Wind und tiefe Temperaturen, bis weit in die nächste Woche hinein. Und die Eurovelo ist auch so geheimnisvoll, wie ist sie in den Bergen? Wir haben keine Ahnung, was uns da erwartet, ein Strässchen? Ein Wanderweg? Eine Mountainbikestrecke? Sicher ist, dass es keine Dörfer hat auf der ganzen Strecke bis nach la Jonquera, Die Strecke ist kaum abzuschätzen, in kleinen Windungen geht es bergauf und wieder runter, wieviele Kilometer sind das? Wild zelten bei Wind mit Böen bis zu 90 km/h? Nein.
dsc_4574-suedfrankreichDa braut sich etwas zusammen, ein Kälteeinbruch ist vorausgesagt. Das wird nun zur Überraschung, nicht nur für Euch, auch für uns, wie es jetzt weitergehen wird. Wir könnten natürlich hierbleiben, ein Häuschen mieten auf dem Camping und warten bis es wieder besser wird?  Mit mir und dem Wetter!

bis nach Lyon…Avignon

dsc_4456-bis-nach-lyonBei wunderschönem Wetter verlassen wir unser Bungalow, der Weg führt uns durch sehr schönes Gebiet, alles der Saône oder einem der vielen Kanäle entlang.
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dsc_4460-bis-nach-lyonEs wird immer wärmer, und kurz nach dem Mittag passiert es: plötzlich will mein Vorderrad nach links ausscheren und ich spüre, da ist etwas nicht in Ordnung! Ich rufe Martin, ich müsse anhalten etwas stimmt nicht und da sehe ich, die Luft ist raus aus dem Vorderrad! Zum Glück hat Martin alles dabei, wie immer, und der Schlauch ist recht schnell ausgewechselt. Mein erster platter Reifen, seit über einem Jahr!
dsc_4465-bis-nach-lyonIm späteren Nachmittag kommen wir an einem Garten vorbei aus dem lautes reden und Lachen tönt-Hei, das ist doch Schweizerdeutsch! Wir halten an, gucken durchs Gebüsch und sehen junge Leute, die da Zelte aufstellen und anderes ausgebreitet haben. Kurzentschlossen gehen wir hinein und fragen ob wir ev. auch hier zelten könnten? Wir kommen ins Gespräch mit den Leuten, sie waren in Südfrankreich am Kite-Surfen, mussten aber am letzten Tag wegen dem schlechten Wetter vom Camping evakuiert werden. Jetzt sind sie da bei den Eltern von einem, um alles zu trocknen und richtig einzupacken. Der Vater erklärt uns, dass es in der Nähe ein ganz ruhiges Plätzchen gebe, wo wir ungestört zelten könnten, hier gebe es wahrscheinlich eine ziemlich laute Party.
Wir dürfen unsere Wasserflaschen füllen und er unsere Weinflasche, dann ziehen wir etwas weiter und finden wirklich ein wunderschönes Plätzchen, wo wir gemütlich den Sonnenuntergang geniessen, dann kochen und den Wein geniessen, und später den Mondaufgang bestaunen können. So gefällt uns das, deshalb sind wir immer noch unterwegs, weil wir so nahe an den schönen Momenten der Natur sind.
dsc_4468-bis-nach-lyon dsc_4469-bis-nach-lyonDie Nacht wird zwar wieder ziemlich kalt, das Zelt ist morgens tropfnass, innen und aussen, aber die Nebelschwaden die über der Wiese wallen und die Kühe ganz in einer mystische Stimmung erscheinen lassen, versöhnen uns mit der Kälte. Und der Kaffee und Porridge helfen uns, sie zu überwinden, bis die Sonne sich langsam durch den Nebel kämpft.
dsc_4475-bis-nach-lyon dsc_4476-bis-nach-lyon dsc_4482-bis-nach-lyon dsc_4481-bis-nach-lyonUnd wieder empfängt uns dann Vicki ganz herzlich, sie und ihr Mann Jacky haben spanische Wurzeln, ganz in der Nähe einer Via Verde die wir auch gefahren sind letztes Jahr. Wir können mit ihnen spanisch sprechen, was vor allem Martin Spass macht. (und ich beim Abendessen etwas mehr zum Essen komme, da auch er  erzählen kann.) Wir finden heraus, dass uns die spanische Geschichte alle sehr interessiert, vor allem der Bürgerkrieg. (das Buch, das Martin seit Holland dabei hat)
Wir dürfen eine Nacht länger dableiben, und besuchen Dole. Der Tag ist zwar etwas grau, aber der Abend mit Jacky ist wieder sehr spannend. Wir lernen eine Spezialität der Gegend kennen, den Käse Mont d’Or, der warm aus dem Ofen, mit Kartoffeln zusammen genossen wird. Wir hoffen sehr, dass wir uns vielleicht wieder einmal treffen, in Spanien, oder vielleicht einmal in der Schweiz?
dsc_4489-bis-nach-lyon dsc_4492-bis-nach-lyonDank Jacky geht die Weiterfahrt querfeldein, nicht den vielen Windungen der Saône entlang, dafür durch viele kleine Dörfer und die typischen Alleen, die sich schön herbstlich verfärben. Dann erreichen wir den Zusammenfluss von Doubs und Saône, jetzt wird der Fluss richtig breit. Im Feierabend-Verkehr müssen wir durch Chalon sur Saône fahren, zum Glück ist die Veloroute sehr gut ausgeschildert und das GPS hat sie auch drauf, dann noch einige Kilometer einer Voie verte entlang. Bei Benoît und Anne-Sophie finden wir diese Nacht Unterkunft, eine Familie, deren Kinder viel Energie und Freude an unserem Besuch haben. Das Paar hat mit einem Spezial Tandem (hinten normaler Velosattel, vorne bequemer Liegeradsessel) eine Veloreise in Südamerika gemacht. Wir haben uns viel zu erzählen und die Nacht wird kurz. Morgens müssen alle früh raus, Arbeit, KIndergarten und Krippe, wir dürfen noch etwas bleiben, in Ruhe unsere Sachen packen und verlassen dann das Haus durch die Veranda.
Den ganzen Tag fahren wir auf der Voie Verte, es wird eine lange Strecke, auf  dem ehemaligen Bahngleis durch hügeliges Hinterland, mit einer Umleitung über einen kleinen Pass, da der Tunnel geschlossen ist wegen der Fledermäuse, die drinnen überwintern. Wir begegnen zwei Velofahrern mit Hund, die nach Santiago de Compostela fahren, mit einfacher Ausrüstung, und sehr schweren Anhängern. Da ich an meiner Lenkertasche auch eine Muschel angehängt habe, meint der eine, ob wir auch nach Santiago unterwegs sind. Ich erkläre ihm, dass wir nur zum Teil den Camino fahren, da greift er unter seine Decke und schenkt mir eine grüne Muschel aus Glas und Messing, und wünscht uns viel Glück.
dsc_4497-bis-nach-lyonIn Mâcon übernachten wir in einem Fasthotel, das fast an der Veloroute liegt, aber auch an der Autobahn. Es ist ein Elementbau der billigen Art, die Duschen sind so Plastik-Einbaukabinen und Isolation ist nicht gerade seine Stärke. Aber für uns genug, hat es doch vier Wände und eine Heizung. Das Restaurant befindet sich noch im Bau, deshalb kochen wir unser Notmenu. Das Hotel ist wie ein Motel angelegt, jede Zimmertüre geht auf den Parkplatz, es hätte sogar Tische und Bänke. Die benützen wir aber nicht, es ist schon zu kalt. Und wir essen im Zimmer. Das ist am nächsten Morgen tropfnass an der Wand, so gross ist der Temperaturunterschied.
Wir fahren weiter bis nach Villefranche sur Saône, dort können wir erst um 18 Uhr erscheinen, da Annick und Yvon arbeiten. Unterwegs gönnen wir uns ab und zu ein paar Leckereien aus der Boulangerie.dsc_4491-bis-nach-lyon
dsc_4501-bis-nach-lyonWir sind pünktlich dort und die beiden erscheinen auch gerade. Sie öffnen uns die Türe und gehen dann in Englischkurs und Sport, aber wir dürfen uns schon gemütlich einrichten und duschen, bis sie dann um 20 Uhr wieder zurück sind und wir zusammen Abendessen. Sie haben ein gefülltes Arbeitsleben, aber unsere Erzählungen machen sie doch auch gluschtig auf eine längere Reise.
Morgens müssen sie schon um 6.30 aus dem Haus, aber auch hier dürfen wir bleiben, frühstücken um 8.30 Uhr (der Kaffee ist programmiert und bereit, als wir in die Küche kommen.) Es ist einfach unglaublich, wieviel Vertrauen uns entgegengebracht wird!
Durch die Garage können wir das Haus verlassen, heute haben wir nicht so eine lange Fahrt und nehmen sie gemütlich in Angriff. In einem kleinen Dorf spricht uns ein Mann an, und zeigt uns einen Weg weiter, wieder durch die Landschaft und kleine Dörfer, da die Strecke dem Fluss entlang etwas steinig sei. Wir befolgen seinen Rat und geniessen diese Fahrt über kleine Strässchen durchs Land. Bis wir in die Nähe von Lyon kommen und hier den Wegweisern für die Fahrradfahrer folgen. Wenn es schon welche hat. Es ist einfach, immer dem Fluss entlang, bei einigen Baustellen wird die Veloroute zwar umgeleitet, aber wir bleiben am Fluss. Die Saône ist nun sehr breit, sie wird sich in Lyon in die Rhone ergiessen.
dsc_4503-bis-nach-lyonIn einem Vorort von Lyon dürfen wir etwas nach 18 Uhr bei Sylvie und Yves erscheinen. Wir haben noch Zeit und fahren zur Kathedrale und gehen gemütlich in einem Bistro einen Tee trinken. Sylvie und Yves empfangen uns herzlich und wir verbringen mit Ihnen einen gemütlichen Abend.dsc_4504-bis-nach-lyonIn den Letzten Tagen haben wir uns überlegt, wie es weitergehen soll. Die vielen Übernachtungen bei Warmshower Gastgebern sind zwar sehr interessant und spannend, aber wir möchten auch wieder einmal im Zelt schlafen, selber kochen und  für uns sein. Und Martin hat sich erkältet, er hustet, und hat etwas Fieber, da mag er auch nicht so lange Gespräche führen. (Diesmal will er die Krankheit durchseuchen, nicht wie damals in England, wo er diese Medikamente genommen hat und dann alles in 2 Tagen weg war.) Wir hätten aber sicher noch eine ganze Woche zu  fahren bis wir in Avignon wären, und das Wetter will nicht so gut. Und das Rhonetal ist auch nicht gerade ein Highlight, da fährt man viel durch Industriegebiet. Und zudem, die Campingplätze sind fast alle geschlossen.
Deshalb entschliessen wir uns, für die nächste Nacht in der Stadt ein Hotel zu buchen, ein Ticket für einen Zug nach Avignon zu kaufen, die Züge und Gleise zu studieren und dann einen Tag Städtetrip zu spielen. Lyon zeigt sich von seiner besten Seite, die Sonne scheint und wir flanieren durch die Fussgängerzone, trinken Kaffee in einem der vielen Bistros. Abends gehen wir in einem Vietnamesischen Restaurant essen, ein Glückstreffer, das Essen ist sehr gut. Gegen 20 Uhr sind wir in unserem Zimmer und schauen uns einen Film an. Das ist etwas, das wir kaum machen, dabei warten auf der Harddisk doch einige gute Filme darauf, angeschaut zu werden.
dsc_4508-bis-nach-lyonUnd dann am Sonntag, dem 23. Oktober, um 11Uhr, steigen wir in den Zug und fahren in knapp 3 Stunden nach Avignon. Es regnet unterwegs, alles ist grau in grau, aber ich sehe die ersten Olivenbäume, und als wir aussteigen, ist es sicher etwa 10 Grad wärmer als es in Lyon war! Wir haben uns in 3 Stunden Zugfahrt eine ganze Woche Velofahren erspart. Wir fahren  zum Camping und installieren uns hier. Martin muss schlafen, er hat Fieber, aber heute sind wir bei niemandem angemeldet und er kann schlafen und sich auskurieren.
Am nächsten Morgen geht es ihm schon besser, wir waschen unsere Kleider in einer Maschine, und die Sonne und der Wind sind sie nun am Trocknen. Martin schläft wieder und ich schreibe, damit ihr wisst, dass es uns gut geht und wir bald voller Elan weiterfahren wollen.dsc_4512-bis-nach-lyon dsc_4509-bis-nach-lyon dsc_4510-bis-nach-lyon

an der Mosel und Saône

dsc_4446-mosel-und-saoneDer Mosel entlang zu fahren ist ein Genuss, kaum Steigungen und meistens gut ausgebaute Wege ohne Autoverkehr durch die Flusslandschaft. Wir sehen hier Schiffe, grosse lange Kähne, wie auf dem Rhein, die wir bei den Schleusen bestaunen können.
dsc_4406-mosel-und-saoneEs ist sehr schön zum Fahren und unsere Etappen werden immer länger! Jetzt haben wir schon mehrmals 70 oder mehr Kilometer in einem Tag geschafft. Einen Einfluss hat dabei sicher auch, dass wir kaum mehr zelten, da die Nächte immer noch knapp über dem Gefrierpunkt sind. Die Mittagspausen sind auch nur kurz, da tagsüber die Temperaturen nicht mehr immer angenehm sind zum Rumsitzen. Das gibt uns viel mehr Zeit zum Fahren.
Wir übernachten bei Warmshower Gastgebern, die uns immer sehr freundlich und unkompliziert aufnehmen, obschon wir meistens nur 1-2 Tage vorher anfragen. Bis jetzt haben uns alle, die wir anschreiben, innerhalb von kurzer Zeit Antwort gegeben, das klappt hier ausgezeichnet!
In Metz stehen wir in einer Strasse und wissen noch gerade nicht, wie wir in die Innenstadt kommen, da spricht uns eine Velofahrerin an und bringt uns zur Brücke, wo wir dann ganz einfach den Weg finden. Sie fragt uns, wo wir übernachten werden, sie macht auch mit bei Warmshower, und sie kennt unseren Gastgeber. Er holt uns etwas später bei der Kathedrale ab und macht mit uns eine kleine Stadtrundfahrt, erzählt uns einige interessante historische Details, alles auf Spanisch! Er hat schon viele Sprachen gelernt, ungarisch, englisch, spanisch und im Moment lernt er Deutsch!  Er ist ein eingefleischter Velofahrer, schon seit 4 Jahren hat er sein Auto verkauft und setzt sich für das Fahrradfahren in Metz ein. Abends sind wir eingeladen bei seiner Freundin zum Abendessen, sie wohnt mitten in der sehr schönen Altstadt. Es hat sich wirklich gelohnt, diese Menschen und die Stadt ein bisschen kennenzulernen!
dsc_4412-mosel-und-saonedsc_4415-mosel-und-saoneDa unser Gastgeber in der Arbeitswelt steht, heisst es für uns, früh aufstehen und um 8 Uhr das Haus fertig gepackt zu verlassen. Um diese Zeit ist es immer noch ziemlich kalt, wir sind aber mit unseren Regenkleidern gut geschützt. Und das Pedalen gibt warm.
dsc_4432-mosel-und-saonedsc_4416-mosel-und-saoneDie Thermosflasche ist nun täglich im Einsatz!  Zuerst haben wir noch versucht, in einem Dorf ein Lokal zu finden, um einen Kaffee zu trinken, aber in Frankreich sind die Dörfer meistens leer, selten hat es einen Laden oder ein Restaurant. Man sieht zwar angeschriebene Häuser, aber wann die das letzte Mal ihre Türen geöffnet hatten, wissen wir nicht. Und einen Beauty-Salon oder Coiffeur benötigen wir nicht.
Da müssen wir uns schon an die grösseren Städtchen halten, hier finden wir Cafés oder eine Brasserie, aber auch hier ist das Ladensterben in vollem Gange, an bester Lage sind Lokale geschlossen, zu vermieten oder zu verkaufen. Dafür gibt es an den Stadträndern die riesigen Einkaufszentren, wo Leclerc, Super-U, Intermarché, Carrefour und wie sie alle heissen, ihre Waren an die Leute bringen. Da hat es auch Cafés, aber uns gefällt das nicht so sehr, in diese grossen Läden zu gehen. Da wir nur wenige Sachen kaufen können, wird jeder Einkauf zum Marathon, bis wir alles gefunden haben.
dsc_4422-mosel-und-saoneIn Toul, einem kleinen Städtchen an einer Schleife der Mosel, steht die alte Kathedrale fast am Fluss und die Stadtmauer noch fast rundum. Diese Stadt gibt es schon seit der Römerzeit oder sogar noch früher, und war lange das Zentrum der Region. Im 17Jh. wurde Nancy gegründet und Toul verlor an Wichtigkeit. In den letzten Kriegen war sie eine wichtige Militärbasis und deshalb wurde viel zerstört.
Hier übernachten wir bei einer interessanten Familie: er lernt Deutsch, seine Frau Englisch, und wir erfahren von ihren vielen Veloreisen ins Ausland, die sie mit ihren beiden Kindern machen, seit diese ganz klein sind. Sie wollen ihnen zeigen, wie wichtig Fremdsprachen sind!
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An einem Morgen, es ist sehr kalt, alles ist gefroren, biegen wir ab auf den Weg entlang des Canal du Vosges, der sich Richtung Dijon schlängelt. Die Stimmung an diesem Morgen ist überwältigend, die Kälte aber auch. Zum Glück kommt bald die Sonne hervor und wir können uns an der Sonne aufwärmen. Das Gefühl in den Fingern ist wie an einem  eisigen Tag beim Skifahren, trotz der warmen Handschuhe! (Den einen musste ich ausziehen, damit ich mit dem Handy die Kamera auslösen konnte!)dsc_4420-mosel-und-saone
dsc_4447-mosel-und-saoneDer Tag wird wieder sonnig und relativ warm, 13-14Grad zeigt der Tacho von Martin an. (die Ganauigkeit ist zwar etwas zweifelhaft, aber wir haben keinen anderen.) Die Strecke sehr schön und wir erreichen das Departement Franche-Comte, auf den Wegweisern steht nun schon etwas Wichtiges für uns:
dsc_4450-mosel-und-saoneWir sind die ersten Gäste bei einem Paar, das erst seit zwei Monaten bei Warmshower ist, und erst seit zwei Jahren Tandem fahren! Sie sind beide pensioniert und haben schon ein paar Touren in Frankreich unternommen, wollen aber nächstes Jahr ins Ausland. Wir geniessen es, vor ihrem schönen Ofen ins Feuer zu gucken, die Wärme in uns fliessen zu lassen! Ja so ein Feuer, das ist doch etwas sehr Schönes! Unser Französisch erwacht so langsam aus der Versenkung, wir parlieren wieder recht flüssig. Naja, kein Wunder, wenn man jeden Abend viele interessante Gespräche führt.
dsc_4453-mosel-und-saoneEs wird wärmer, gleichzeitig kommt eine Regenfront, die wir in einem Bungalow auf dem ganzjährg offenen Camping in Vesoul vorbeiziehen lassen. Hier kochen wir wieder einmal selber, schlafen am nächsten Morgen aus, während der Regen aufs Dach trommelt. Und haben einen Tag Zeit zum Schreiben und Lesen, Bremsen auswechseln, Veloständer fixieren, Lenker richten,…all die kleinen Sachen, die zu kurz kommen, wenn man so viel am Fahren ist. Und weiter planen, wieder Leute anschreiben fürs Übernachten und Referenzen schreiben für die Leute, die uns so grosszügig aufgenommen haben. Noch offene Campingplätze auf unserer weiteren Strecke suchen. Wir fahren der Saône entlang bis nach Lyon. Frankreich ist sooo gross! Aber wir werden Spanien schon erreichen! Charles le Téméraire wird uns den Weg in den Süden zeigen.