nach Leonidio

Die Wetterprognosen werden jetzt immer schlechter, für die Nacht werden sogar Minustemperaturen vorausgesagt, das macht uns etwas Sorgen. Zelten ist wirklich nicht mehr lustig so! Nach Leonidio führt unsere Route uns bald in die Berge, zwar nur 1200müM. aber es hat Schnee dort, wir können ihn sehen!
Die 77 km bis ins Städtchen Leonidio, einem Paradies für Kletterer, gedenken wir in einem Tag zu fahren. Es ist eine Küstenstrasse wie wir sie auch schon gefahren immer etwas rauf und runter. Irgendeinmal nach einer Kurve kommt uns ein Touren-Radfahrer entgegen! Ich freue mich auf einen Schwatz, aber der grüsst nur und fährt weiter. Schade! Und schon kommt uns seine Frau entgegen,  sie muss sich beeilen um ihren Mann einzuholen und grüsst auch nur kurz… Wir schmunzeln ein wenig, und im Spass sagen wir, das waren sicher Schweizer, die haben einen fixen Fahrplan!
Kaum haben wir uns „erholt“ von dieser Begegnung, kommen uns schon wieder zwei Tourenfahrer entgegen! Und diesmal passiert, was eigentlich immer passieren sollte! Wir steigen ab, begrüssen uns wie alte Freunde, tauschen uns aus, lachen über die kleinen Begebenheiten, die einem so passieren! Und wirklich, schon fast als Freunde verabschieden wir uns eine halbe Stunde später, wir haben abgemacht, in Kontakt zu bleiben und im Frühling werden wir die Beiden in Athen besuchen!

Gemütlich fahren wir weiter, die Strasse windet sich um die Hügel, die Aussicht ist immer superschön trotz aufziehenden Wolken und auffrischendem Wind.  

Im Lauf des Tages machen sich aber ganz ungewohnt, schleichend, stechende Schmerzen im rechten Knie bemerkbar. Zuerst versuche ich diese Seite etwas zu entlasten, keinen Druck damit auszuüben, aber es wird immer schwieriger, und natürlich gibt es jetzt gerade noch ein paar ganz mühsame Steigungen! Nach 60 km geht es nicht mehr, wir müssen in einem ziemlich leeren Dorf ein Zimmer suchen, und da komme ich kaum mehr die Treppe zum Zimmer hoch. Dazu kommen seit kurz nach dem Mittagessen noch diffuse Magenschmerzen. Weiss der Kuckuck, was heute los ist mit mir?
Das Zimmer ist gefühlte 2° warm, ich schlüpfe in die Daunenjacke und unter die Decke, Martin versucht, die Klimaanlage in Gang zu bringen, aber die bläst zuerst nur kalte Luft ins Zimmer. Nach Rücksprache mit der Besitzerin gelingt es ihm dann, der Maschine etwas Wärme zu entlocken. Der heisse Tee aus unserem Thermos hilft auch, gegen die Kälte und die Magenschmerzen. Martin geht die Velos abschliessen und kommt zurück mit der Nachricht, dass es in Strömen regnet! Da haben wir ja Glück gehabt!
Nach drei Stunden im warmen Bett ist mein Magen zur Ruhe gekommen. Unten im Restaurant, das zwar geschlossen hat, knistert ein Feuer im Cheminee, die ganze Familie ist da versammelt, wir dürfen uns zu Ihnen setzen. Die Frau erklärt uns, was sie für uns zu essen machen könnte: Souflaki, (das sind Fleischspiesschen, die mit Salat, Fladenbrot und Pommes frites serviert werden), Saganaki (frittierter oder gebratener Käse), Feta mit Tomaten vom Grill und Pommes Frites. Und die sind aus Kartoffeln, die von Hand geschnitten sind! Mein Magen macht nach der Mahlzeit keinen Mucks mehr, es war sehr gut! Wie ein dreijähriges Kind muss ich Stufe um Stufe mit dem linken Fuss voran zu unserem Zimmer hinauf, das Knie erholt sich nicht so schnell wie der Magen. Das wird wahrscheinlich etwas länger dauern…

Die restlichen 20 Kilometer bis Leonidio fahre ich am nächsten Tag mit der Kraft des linken Beins. Dank der Klickpedale geht das einigermassen. Bei der Pause am Strassenrand erleben wir noch eine Überraschung: Da kommen doch zwei junge Leute auf einem vollbepacktem Tandem mit Anhänger daher!!! Sie halten an und wir laden sie ein zu Kaffee und Tee, den wir gerade zubereitet haben. Die beiden sind in Frankreich gestartet, über Korsika, Sardinien, Sizilien und ganz Süditalien bis nach Brindisi, von dort mit der Fähre nach Igoumenitsa bis hierher gefahren, in der Gegenrichtung wie wir um den Peloponnes und jetzt auf dem Weg nach Athen. Die Weihnachtstage haben sie mit dem anderen französischen Paar verbracht, das wir in Nafplion getroffen hatten! Es sind also doch auch andere Velofahrer unterwegs! Martin fragt sich nämlich ab und zu, wo denn alle diese Fahrer sind, die da auf Facebook und Co.  „posten“, wie sie unterwegs sind… Nach dem Kaffee wollen sie weiter, sie wollen bis nach Korinth, das sind sicher fast 90 Kilometer, und am Nachmittag will es ja vielleicht regnen….Also dann, Bon Voyage!!

In Leonidio angekommen genehmigen wir uns zuerst einen Cappuccino in einem warmen Kaffee, checken dort im Internet ein paar Unterkünfte, und suchen uns eine Bleibe, wieder für ein paar Tage, wegen dem Knie, aber auch wegen dem Wetter. Der Camping wäre ja offen, aber es ist einfach zu kalt!
Wir wählen ein Hotel, das Zimmer hat, die mit einer kleinen Küche ausgestattet sind, das passt uns sehr gut. Aber noch besser ist die Zentralheizung, die jeden Abend das Zimmer wirklich warm und bewohnbar macht! Die Wahl ist gut, die Leute sind sehr freundlich. Die Hotelbesitzerin füllt uns  unsere 3dl Olivenölflasche mit ganz frisch gepresstem Öl auf, an einem anderen Tag schenkt uns ihre Mutter Weihnachtsgebäck und Kuchen, der hier am 1.Januar zum Frühstück gegessen wird.

In der Apotheke kaufen wir eine Salbe fürs Knie, jetzt wird eingeschmiert! Schon nach zwei Tagen ohne Anstrengung wird es besser. Wir spazieren täglich in das langgestreckte Dorf, da hat es wirklich ziemlich viele Kletterer, man erkennt sie an den sportlichen, farbigen Jacken und Hosen…
Eine Kooperative mit Laden und Bar-Kaffee ist der Treffpunkt dieser Leute. Wir lernen ein Paar aus Deutschland kennen, sie sind schon das dritte Mal hier seit letztem Sylvester. Sie erzählen uns vom Aufschwung des Wintertourismus im Dorf, den es seit etwa 2013 dank den Kletterern gibt. Seitdem wurden für über 1000 Routen Haken in die Felsen der Umgebung gebohrt! Jährlich findet ein Kletterfestival statt, das jedes Jahr immer mehr Menschen anzieht.

Suchbild: findest du die vier Kletterer?

Zuvor war vor allem der Sommertourismus eine Einnahmequelle neben den Oliven, Orangen, Mandarinen und dem Gemüseanbau. Die Olivenernte ist momentan in vollem Gang, überall sind die Bauern in den Bäumen am Ablesen und Schneiden. Wir können von unserem Fenster aus die Ölmühle beobachten, wo Tag und Nacht der Kamin raucht und die Bauern mit ihren Pickups volle Säcke herbringen, den Tanklastwagen, der das Öl abholt, und die ausgepressten Überreste der Oliven in einem grossen Container vor sich hindampfen und einen etwas säuerlichen Duft ausströmen.

Wir machen einen Ausflug mit den Velos zum Hafen des Nachbarortes, ich will wissen, ob das Knie noch schmerzt. Nach 16 km ist gerade genug, also noch nicht gut für den Aufstieg auf 1200m in knapp 30 Kilometern!

Am ersten Januar wandern wir zum Fuss  einer Felswand hinauf, da, wo die Kletterer starten, aber heute ist niemand hier. Es hat ja eben über 1000 Routen wo man klettern kann. Leider verzieht sich die Sonne schnell, der kalte Wind vertreibt uns wieder ins Dorf in die warme Stube hinunter. Auch bei diesem Ausflug merke ich, dass das Knie die Belastung noch nicht lange durchhalten würde!

 Aber, wir finden auch für dieses „Problem“ eine Lösung! Wir werden uns einen Transport nach Kosmas organisieren, dort ist der höchste Punkt, von dort aus können wir dann selber fahren. Wir warten also die kalten, windigen und regnerischen Tage ab, am nächsten sonnigen Tag werden wir starten!

Weihnachten

Für die Weihnachtswoche haben wir in Nafplion ein Studio gemietet. Wir wollen diese Tage gut erreichbar sein für Familie und Freunde, aber auch ein bisschen zuhause sein.
Es ist eine der schönsten alten Städte in Griechenland, dementsprechend hat es auch Tourismus, gerade über die Weihnachtstage. Aber es sind vor allem Griechen, die ihre paar freien Tage hier verbringen. Wir treffen am Hafen auf ein französisches Paar auf den Velos, etwas jünger als wir, sie haben ein Jahr frei genommen, um eine Velotour durch Süd-Europa zu machen. Auch sie campen wild und kochen selber, da hat man sofort Gesprächsstoff. Wir plaudern ein wenig und wünschen uns dann gegenseitig „safe travels“!

Weihnachtsbaum mal anders!

Das Studio ist sehr klein, es war mal eine Garage, mit eingebauter Küchenecke, Dusche und Toilette. Wir wohnen da mit unserem ganzen Gepäck und den Velos…Das ist ein Tiny-House-Feeling! Ordnung geht über alles, damit wir nicht immer wieder über unsere Taschen stolpern! Dafür passt der Preis einigermassen.

Aber wir verbringen ja viel Zeit draussen, fahren durch die Orangenfelder, besteigen die Ruine Tiryns, sind auch hier fast die einzigen Besucher, fahren und wandern dem Meer entlang und besuchen auch immer wieder die Stadt, bummeln ziellos durch die Gassen und geniessen es, abends im warmen Zimmer zu kochen und zusammen zu sein.

Am letzten Tag wechselt Martin noch den Schlauch von meinem Vorderrad, es verliert einfach immer ganz wenig Luft. Als wir dann abends packen und alles vorbereiten für die Abfahrt am nächsten Tag, kontrolliert er den Reifen… Zero Luft im Pneu!!! Anstatt gemütlich ins Bett zu liegen, nehmen wir das Fahrrad nochmals auseinander und finden im Pneu einen mikroskopisch kleinen Dorn, den er am Nachmittag nicht gespürt hat. Nochmals Schlauch flicken und pumpen! Jetzt hält er sicher!

Sonnige Tage

In Loutraki, dem Nachbarort von Korinth haben wir eine kleine Wohnung für ein paar Tage, es will ja schon wieder regnen und vor allem viel Wind mit Böen von über 60 km/h. Die Stadt erinnert uns an Playa San Juan in Alicante, es hat offene Geschäfte und Restaurants, Leute unterwegs, eine schöne Weihnachtsbeleuchtung, aber auch viele leere Quartiere. In dieser Jahreszeit wohnt kaum jemand da. Vielleicht gerade deshalb gefällt es uns, wir spazieren dem Meer entlang, solange der Wind uns lässt, aber bald schon Schüttelt er an den Bäumen und wird kalt, da verziehen wir uns bald in die Wohnung und beschäftigen uns mit kochen, Kleider waschen und trocknen, ein paar Filme anschauen. Ich schreibe am Blog, bearbeite die Fotos, und dann muss  alles hochgeladen werden, was einige Stunden Arbeit und Wartezeit ergibt, da das WLan halt nicht so schnell ist.

Wir diskutieren viel über unsere Reise, wie wollen wir weiter, was wollen wir noch machen bis Ende Januar? Nach Athen? Oder Kreta? Da wäre es vielleicht etwas wärmer? Oder….? So grob entscheiden wir nach einigem hhin und her, dass wir um den Peloponnes fahren und dabei einige antike Stätten besuchen wollen. Der Wetterbericht will eine Woche sehr mild mit viel Sonne, das wollen wir ausnützen!

Da hat einer sein Boot parkiert?

Die Küste des Saronischen Golfs ist sehr grün und hügelig, es hat kaum Häuser oder Feriensiedlungen. Nur ein paar Dörfer mit kleinen Stränden, die zum Verweilen einladen. An steilen Hügeln wilder Pinienwald, oder Olivenbaumplantagen, soweit das Auge reicht. Es geht rauf und runter, da bleiben wir warm! Es ist wirklich das erste Mal seit langem, dass wir in T-Shirt und kurzen Hosen fahren können und auch in der Mittagspause keine Jacke anziehen müssen.

Gegen Abend finden wir ein wunderschönes, einsames Plätzchen zum campen, das bekommt auf der Skala von 1 bis 10 eine glatte 10!

das ist die Aussicht von diesem wunderschönen Platz
Die Sonne kommt dann etwas später hinter dem Hügel zum Vorschein
Alles bereit zum Trocknen
Frühstück in der Sonne!

 Um Epidaurus zu erreichen, brauchen wir dann etwas länger, die Steigungen habe ich nicht so genau angeschaut, es sind mehr als ich gedacht habe! Als wir um halb drei Uhr ankommen, lassen wir die Fahrräder mit allem Gepäck beim Eingang, spazieren hinein und können fast ganz allein das Theater  und all die Reste der antiken Tempel und Häuser bestaunen. Alles sehr eindrücklich. Es braucht aber schon einige Fantasie, sich diese Stadt vorzustellen, es liegen halt schon viele Brocken am Boden herum… Nach fast zwei Stunden in den Ruinen haben wir langsam genug, wir müssen jetzt ein Plätzchen zum Übernachten finden, bevor es dunkel wird.

Der riesengrosse, gähnend leere Parkplatz vor dem Gelände zeugt von einem endlosen Besucherstrom im Sommer. In der Nähe zweigt ein Wanderweg ab, wir fahren da mal hin und finden mitten in den Olivenbäumen einen Platz für unser Zelt. Die Bauern sind mitten in der Olivenernte, aber diese Bäume sind schon abgeerntet, da sollten wir eigentlich keine Probleme bekommen. Einige sehen uns und winken, andere schauen gar nicht hin. Die Hunde bellen die ganze Nacht, aber das ist ja normal und überall so. Am Morgen ist eine wunderschöne, feucht-kalte Nebelstimmung! Wir warten auf die Sonne, die sofort wärmt und alle unsere Sachen trocknet.

Danach fahren wir zu einem Camping, der das ganze Jahr geöffnet hat,er liegt in einer kleinen Bucht und hier geniessen wir ein paar Tage das Meer und die Sonne. Und an einem Abend ist es sogar so warm, das wir bis um 22 Uhr draussen sitzen können ohne zu frieren. So wie wir es uns vorgestellt haben…. Und das im Dezember, so kurz vor Weihnachten!

eine Brücke aus der mykenischen Zeit!
So blüht also dieser Kaktus! unser zuhause hat noch nie Blumen gemacht. ist wahrscheinlich noch zu klein!

Wandern statt Velofahren

Nach zwei Tagen anklimatisieren in Patras fahren wir los, dem Golf von Korinth entlang. Wir haben mal was anderes im Sinn. Eine Zahnradbahn (Schweizer Fabrikation) fährt von Diakofto bis nach Kalavryta, einem Dorf in den Bergen, das auf verschiedene Arten touristische Anziehung hat: erstens hat es ein Skigebiet, zweitens eine schreckliche Vergangenheit. Im zweiten Weltkrieg wurde fast die ganze männliche Bevölkerung des Dorfes ermordet, und es hat eine Gedenkstätte und ein kleines Museum dazu. Und dann eben auch die Fahrt mit dem speziellen Zug, der sich durch ein wirklich schönes Tal windet, das zur engen Schlucht mit Steilhängen und Felsformationen wird.
Wir haben im Sinn, von der Mittelstation hinunterzuwandern, den Gleisen der Bahn entlang, durch die Schlucht und das Tal. Trotz wechselhaftem Wetter fahren wir bis Zacharo, ein im Sommer sicher gut besuchtes Dörfchen, jetzt ist es ausgestorben, ein paar Katzen huschen herum, eine Frau mit vollen Einkaufstaschen geht in ein Haus hinein, Aha, da wohnen also doch noch ein paar Leute. Aber die haben alle ein Auto, da ist niemand abhängig vom Zug. Das sieht man auch auf der Fahrt, ein italienisches Paar, eine griechische Schulklasse und wir sind die Fahrgäste, dazu kommen der Zugführer, und ein Mann, der einmal aussteigt und einen Steinbrocken zur Seite schiebt, weil der zu nahe am Gleis liegt. (Später beobachten wir, dass der Zug auf jeder Bergfahrt einmal anhält und der Mann aussteigt, um einen Brocken wegzuschieben… Gehört also zum Erlebnis >Zugfahrt in die Berge.)

Der Fahrplan ist recht kümmerlich, dreimal täglich, am Wochenende fünfmal am Wochenende. So können wir unbeschwert auf und neben den Gleisen talwärts wandern, der Zeitplan ist einfach. Die Bäume sind herbstlich gelb gefärbt, zwischen den Wolken kommt ab und zu die Sonne raus und legt einen goldenen Schimmer über das ganze Tal. Bei jeder Brücke hat es eine Verbotstafel, dass das Überqueren der Brücke verboten ist, aber es gibt gar keinen anderen Weg….So ist die Behörde abgesichert, falls etwas passiert. Es ist fast wie mit den Geschwindigkeitstafeln auf der Strasse, wo man bei einer Baustelle laut Verkehrstafel noch 10 fahren darf, aber niemand hält sich daran. Weil es niemand kontrolliert.

Das Tal wird an einer Stelle sehr eng, die Schlucht ist mit Tunnel und Fussgängersteg ausgestattet. Es ist immer wieder eindrücklich zu sehen, wie viel Kraft das fliessende Wasser hat und was es in den Jahrtausenden geschaffen hat. Hier tost der vor hundert Metern noch friedlich plätschernde Bach über die Felsen und schiesst mit unglaublichem Tempo zwischen den Felsen talwärts. Es wird mir fast schwindlig, da hinunterzuschauen auf das Naturspektakel.

Es ist eine gemütliche Wanderung, nach drei Stunden sind wir wieder im Dorf, wo wir uns einen griechischen Käsekrapfen leisten, bevor wir wieder in unsere Unterkunft gehen, bevor der nächste Regenguss uns erreicht.

Apropos Einkaufen: Das ist nämlich etwas schwierig geworden! Warum? Die Schrift, das griechische Alphabet ist leider so nicht einfach! Da stehen wir dann vor dem Regal und versuchen herauszufinden was da wohl in der Verpackung ist? Soja? Bulgur? Ich beginne Fotos zu machen und dann mit WLan einem Übersetzer und der griechischen Tastatur, die ich auf dem Handy installiert habe, versuche ich zu entziffern und zu verstehen was in den Verpackungen drin ist. Manchmal steht dann aber auf dem Joghurtkübel: „Die tägliche party“…?!

was genau ist jetzt da drin?

Auf allen Strassen, egal ob klein oder gross, überall hat es am Strassenrand Plastikflaschen, vorwiegend Halbliter, gedankenlos zum Autofenster rausgeworfen, ….was für eine  Gedankenlosigkeit!!!
Es gibt Tage, da macht es mich wütend, an anderen schaue ich einfach nicht hin! Aber: wie kommen wir Menschen dazu, die Natur, unsere Lebensgrundlage, so zu vermüllen? Und dies natürlich nicht erst in Griechenland, auch schon in Italien hat es mich erschreckt, wie viel Müll es am Strassenrand, aber auch in abgelegenen Gebieten hat.
Da muss noch sehr viel Aufklärungsarbeit geleistet werden!
Positiv aufgefallen sind uns die kleineren Läden, wo man viele Esswaren aus grossen Säcken kaufen kann. (Solche Unverpackt-Läden die jetzt neu in der Schweiz wieder aufmachen) Klar, es wird in Plastiksäcke abgefüllt, aber wir haben schon gemerkt, dass das Personal bereit ist, unsere mitgebrachten Taschen zu befüllen, und wenn wir sagen „no Plastic“, hören wir oft „oh yes,very good“!
Nach diesem kleinen Exkurs über Abfälle wieder zurück zum Fahrrad. Mein Vorderreifen verliert immer ganz langsam ganz wenig Luft. Nach einem Check merken wir, dass der Pneu ziemlich mitgenommen ist, es ist der einzige alte, den wir nicht ausgewechselt haben, weil er noch recht gut war. Aber jetzt muss er ersetzt werden, sonst haben wir immer wieder Probleme. Also das heisst, in jeder grösseren Stadt suchen wir jeden Fahrradladen auf und fragen, ob sie diesen extradicken Schwalbe Reisepneu haben! Bis jetzt haben wir noch keinen gefunden.

Die Küste bis Korinth ist ähnlich verbaut wie in Italien, die Orte meistens ziemlich menschenleer und wenn mal ein Kaffee offen ist, sitzen nur ältere Männer drin und wenn wir uns auch hineninsetzen um uns aufzuwärmen, gibt es griechischen Kaffee oder Nescafe, aber keine so feinen Croissants dazu, die müssen wir vorher separat kaufen in einem der wenigen Läden die da offen haben. Wir übernachten in verschiedenen Apartments, die einen sind fast luxuriös, die anderen etwas leer und kalt. Ja die Heizung am Abend ist schon etwas, das wir immer mehr schätzen, die Nächte sind sehr feucht und kühl geworden.
Wir begegnen einer Familie auf dem Velo, voll bepackt, aber sie haben keine Anstalten gemacht anzuhalten, leider. Später erfahren wir von einem Gastgeber, dass sie auch bei Ihm übernachtet hatten, eine französische Familie, die für ein Jahr in Europa unterwegs sind. Vielleicht begegnen wir Ihnen noch einmal, sie fahren um den Peloponnes, in der anderen Richtung wie wir es tun wollen. Und dann, am Kanal von Korinth begegnen wir einem französischen Paar im Campingbus, wir plaudern ein wenig miteinander, bevor wir über die Fussgängerbrücke auf die andere Seite wollen…

Griechenland wir kommen!

Nach einem ziemlich windigen und sehr kühlen Abend auf dem Camping, (nicht die Nacht ist das Problem) brechen wir das Zelt ab und reisen weiter. Ziel ist Bari! Nein, die Fähre! Griechenland! Patras! die Sonne! die Wärme!
Drei Tage brauchen wir, um Bari zu erreichen, übernachtet wird in heizbaren und mit Küche ausgestatteten Studios oder Wohnungen, die kleinen Städtchen gefallen uns schon, aber jetzt wird nicht gebummelt, es will Ende Woche wieder viel Regen und Kälte, es ist merklich kühler geworden und wir ziehen uns wärmer an. In Bari checken wir in einem Hostel ein, wir ergattern das einzige Doppelzimmer! Zwar nicht sehr schwierig im Dezember, es sei sehr ruhig, sagt uns Dave, der das Hostel führt.

Im Keller ist das Schlafzimmer
Die Einfahrt nach Bari gestaltet sich dann aber etwas schwieriger, es hat einen Fluss, und über den gehts nur per Autobahn oder Nationalstrasse!

In den paar Tagen hier gehen wir nochmals Italienisch essen, ganz unspektakulär und extrem günstig in einem Self-Service Restaurant, wir erhalten drei verschiedene Arten von Orecchiette, viel Gemüse, von Hand geschnittene Pommes Frites, es ist sehr lecker. Obwohl wir für italienische Verhältnisse sehr früh sind (etwa halb acht Uhr), füllt sich das Lokal, vor allem alleinstehende Männer, die direkt vom Büro hier essen gehen, einige kennen sich, es ist eine lockere Atmosphäre, wir werden eingeführt und beraten, und dann geduldet, selten verirrt sich wahrscheinlich ein Tourist hierher.
Tickets für die Fähre kaufen wir zwei Tage zum Voraus, im Hafen schauen wir alles genau an, damit ich weiss, wo wir hinmüssen, denn im Internet habe ich ziemliche Horrorgeschichten über den Hafen von Bari gelesen, dass das Personal gar nicht hilfsbereit ist, man von A nach B geschickt wird, lange Warte-Schlangen beim Check-in,….
Aber jetzt, in dieser Jahreszeit hat es kaum Leute, ja klar die Lastwagenfahrer, von denen hat es eine Menge, die stehen da im Hafen herum, rauchen draussen und palavern drinnen, da bekomme ich das irrationale Gefühl, dass ich dann vielleicht die einzige Frau auf dem ganzen Schiff bin???
Klar, es geht bei uns ja auch darum, die Kosten nicht in die Höhe zu treiben, und eine Überfahrt kostet 65€, Eine Kabine aber gerade mal 100€ mehr! Pro Person!
Aber, ich bin nicht mehr zwanzig und muss nicht irgendwo auf einer Bank auf Deck in den Schlafsack gehüllt übernachten, oder? Ich werde ja nächstes Jahr auch schon sechzig, da darf man sich doch eine Kabine leisten, oder?! (könnt ihr euch vorstellen, wie Martin und ich da in der Tickethalle, voller Lastwagenfahrer, diskutieren?)
Lieber Martin, du hast dich gefügt, mir das Abenteuer einer Nacht ohne Kabine auf dem Schiff erspart, Herz-Dank!

Es weihnachtet sehr!

Und so können wir am 6. Dezember, dem Samichlaus-Tag,  Bari verlassen, die Stadt des heiligen St. Nikolaus, wo heute Abend Prozessionen mit Musik stattfinden, die beleuchtete Nikolaus-Kirche viele Menschen anzieht, die ganze Stadt in Feststimmung ist.

Und wir fahren zum Hafen, es ist 18 Uhr, dunkle Nacht, wir holen unsere Tickets, keine Schlange beim Check-in, aber wieder viele Lastwagenfahrer, und dann dürfen wir mit den Lastwagen zum Schiff fahren…Wir haben unsere Leuchtwesten an, ich bin froh um unser helles Licht am Velo vorne und hinten, die Lastwagen sind einfach alle sooo gross! Aber es wird vorsichtig gefahren, die Angestellten wissen, dass wir kommen, wir werden durchgewunken, an den Lastwagen vorbei, dort, diese Rampe hinauf und dann in diese Ecke, wo noch niemand ist.

Geschafft! wir sind drin!

Wir befestigen die Velos, nehmen die zwei Taschen, die wir brauchen und überlassen die Velos ihrem Schicksal, ein Schiffsarbeiter hat sie noch mit zwei Seilen gut festgezurrt, die fahren nirgendwo hin!
Wir werden oben auf dem Schiff in unsere Kabine geführt, alles ist ruhig, noch…
Wir gehen auf Deck die Aussicht „geniessen“! Da können wir zuschauen, wie diese Lastwagenfahrer ihre 40Tönner parkieren, zum Teil rückwärts die Rampe hochfahren, mit Anhänger, vollgeladen, die Männer auf dem Schiff wissen genau, welcher wohin muss, es hört nicht auf, die Decks des Schiffes füllen sich, Zentimeter-genau wird einer nach dem anderen parkiert, sodass kaum ein Mann zwischendurch gehen kann. Und da kommen zwei Lastwagen langsam hochgefahren, es  stellt mir fast den Atem ab: vollgepackt mit lebenden, jungen Kühen oder Stieren, zweistöckig! Diese armen Viecher! Mir tut das Herz weh für diese Kreaturen. Was müssen die für eine Angst aushalten! Wir können nicht sehen, was für eine Nationalität die Lastwagen haben, es hatte schon albanische und griechische und türkische. Wo diese Tier wohl hingekarrt werden?
Diese Bilder werde ich nicht so schnell vergessen und sie werden mir helfen, weniger Fleisch zu essen!

Bei der Ankunft in Patras sehen wir, wie nahe die Lastwagen an unsere Velos parkiert wurden!

Genau in diesem Moment kommen zwei junge Leute mit Rucksäcken auf Deck, wir fragen nach dem wohin und woher, sie ist Schwedin, und war bis Venedig auch mit dem Velo unterwegs! Und er ist Schweizer, aha, was? sogar aus Burgdorf! Etwa im Alter, wie unsere Kinder, und wir tauschen nur kurz aus, dann wissen wir, dass er und Tom sich kennen! Zwar nicht von Burgdorf, aber sie waren zusammen im Militär! Schnell mache ich ein Foto und schicke es unserem Sohn, ach ist die Welt doch klein!
Als wir in das Schiff hineinkommen, wimmelt es nur so von jungen Leuten! In den Lounges räkeln sie sich und schwatzen, im Restaurant geht es hoch zu und her, und in den Gängen bei den Kabinen ist ein Kommen und Gehen, Lachen und Palavern. Das muss eine ganze Schule sein, die da einen Ausflug nach Italien gemacht hat und nun auf der Rückreise ist…

Von wegen einzige Frau auf dem Schiff!!!

Ich habe trotz dem Lärm der Schüler recht gut geschlafen. Die Schüler haben nämlich das Schiff in Igoumenitsa verlassen, das heisst sie mussten um sieben parat sein, Sieben Uhr griechische Zeit, also um sechs, heisst, etwa um fünf ging der Lärm los, Türen schlagen, Toilettenspülungen, Gelächter und Geschrei auf den Gängen, und dann der Stewart, der an die Türe klopfte und sich bei uns vergewissert, ob wir nach Patras fahren!!!! Dann wurde es aber wieder ruhiger. Wir wollten eigentlich frühstücken auf dem Schiff, aber die saftigen Preise lassen uns nur zu einem Kaffee und Croissant greifen. Wir haben ja auch noch ein paar Knabbereien in unseren Taschen. Als wir auf Deck kommen, sehen wir, dass das Deck fast leer ist, fast alle sind in Igoumenitsa schon raus, auch die Lastwagen mit den Kälbern sind nicht mehr da.

Die Fahrt geht ruhig und bei warmem und sonnigem Wetter durch die Inseln bis nach Patras, wo wir mit den restlichen Lastwagenfahrern (jetzt sind wir nur noch drei Frauen) zu den Fahrzeugen und dann an Land gehen. Die Velos packen und losgefahren, wir sind in Griechenland! Fast 700km weiter südlich als noch gestern! Schön!

Wir wollen etwas essen, das geht am besten mitten in der Stadt, in einem Beizli, wo wir bei Essen und Bier das Treiben beobachten können.

In Griechenland wird es schwieriger, bei Warmshower Gastgebern zu übernachten, da es fast keine hat! Auf dem ganzen Peloponnes hat es etwa 10 Menschen, die Velofahrern eine warme Dusche und eine Couch oder den Garten zum Zelten anbieten. Und keiner davon ist in Patras. Wir versuchen es bei Couchsurfing, leider etwas zu kurzfristig, und niemand kann uns aufnehmen. Aber eine Frau haben wir getroffen und ein Stündchen geplaudert mit ihr und ihren Kollegen und Kolleginnen. Sie haben einen  Markt für Kunsthandwerker organisiert, mit Live Musik und einer Performance Acro Yoga. Es gibt sie auch hier, die kleine alternative Szene!

Weihnachtsstimmung in Patras

Wir haben dann ein Hotel gebucht, etwas ausserhalb des Zentrums, dafür mit Meerblick! Ich kann sogar ein Stündchen auf dem Balkon sitzen, die Sonne und die Aussicht geniessen und richtig Ankommen!

unser Zimmer im Delfini, im 2. Stock, fast hinter dem Baum…

Gargano

Lange nichts gehört? ja hmh, wir sind eigentlich schon in Griechenland! Aber da habe ich noch ein paar schöne Fotos vom Gargano, die ich euch zeigen möchte, ohne Worte sozusagen ;-)
Wir haben Zeit über die Weihnachtstage zum Schreiben! Während dem Fahren sind die Tage einfach zu kurz. Also schaut bald wieder rein, der nächste Blog ist auch schon am Entstehen!

zum Auslösen benützen wir das Handy…
…das erste Mal gehts meistens schief…
…dann gelingt das perfekte Foto!

Wild zelten

Oft ist es gar nicht so wild, sondern einfach etwas aufregend, wenn wir wieder einen Platz suchen zum Übernachten. Da war einmal dieser Picnic Platz, neben einem kanadischen Gedenkfriedhof, auf einem Hügel, einsam (denken wir), mit Aussicht auf das Meer. Da geht an einem gewöhnlichen Dienstag niemand hin. Wir tanken noch Wasser beim Friedhof und fahren hin. Von wegen niemand: da spazieren ein paar Leute mit ihren Hunden, es ist ein etwa 1 Kilometer langer Weg durch die Pinien, abgesperrt für Autos und wirklich sehr schön, ab und zu hat es einenTisch und Bänke, dann eine kleine Aussichtsplattform mit Spielgeräten aus Holz, recht neu, aber trotzdem schon ziemlich überwachsen mit Gras und Unkraut. Es ist erst kurz nach 16 Uhr, es fehlt noch eine knappeStunde bis es finster wird.

Wir setzen uns an einen der Tische, schauen, wie die Sonne sich dem Horizont zuneigt, da kommt eine Gruppe Frauen, alle im Fitness Dress, mit Walking Stöcken, es wird palavert und gewalkt, was das Zeug hält! Dreimal hin und her laufen die Frauen, mit der Instruktorin voraus, dann verschwinden sie wieder mit ihren Autos. Auch ein Mann läuft hin und her. Es sieht gemütlich aus, und wenn er vorbeikommt wechselt er jedes Mal ein paar Worte mit uns: er komme oft hierher zum Gehen, so drei bis vier Kilometer könne er noch machen, jetzt will er aber nach Hause, es wird ihm zu kühl. Zwei Frauen mit ihrem Hund plaudern auch noch mit uns, dann kommt ein Vater mit seiner kleinen Tochter zum Spielen… Wir überlegen jetzt schon mal, wo wir das Zelt hinstellen könnten, es hat ziemlich Wind und die Hunde, die wir bellen hören, sind nicht so weit weg.
Windgeschützt und unsichtbar sollte der Platz sein, flach und unter den Bäumen, damit das Zelt nicht zu nass wird, aber am liebsten mit Morgensonne…Endlich, es dämmert schon, begeben sich auch Vater und Tochter auf den Heimweg, und wir sind allein. Ganz hinten hat es einen Platz, der bis auf die Morgensonne alles erfüllt, naja, Wind haben wir auch, so dass wir dann im Zelt drinnen essen. Unser rotes Lämpli erhellt unser Schnipseln des Gemüses und das Kochen, die Hunde bellen sich in die Nacht, sicher nicht wegen uns! Aber es ist schon so, wir lauschen auf ungewöhnliche Geräusche, Autos oder Schritte, das Krächzen eines Nachtvogels lässt uns innehalten und horchen. Wenn wir uns Mühe geben und ganz langsam sind mit Kochen, Essen und Abwaschen, (Ja das machen wir immer!) dann ist es vielleicht halb acht Uhr bis wir fertig sind. Für uns schon ewig Nacht, finster und kühl, deswegen verkriechen wir uns in den Schlafsack, der ist schnell schön warm. Ich lese meistens noch ein wenig auf dem Handy und Martin schläft schon bald.
Ich habe einen leichten Schlaf, mehrmals wache ich auf, lausche den Hunden zu, die armen Kerle, die da Nacht für Nacht allein irgendwo am Bellen sind! Oder ich höre irgendwo eine Strasse oder das Brummen der Maschinen vom Hafen der nahen Stadt. Und manchmal denke ich, es wird nie mehr Tag, immer wieder, wenn ich die Augen öffne, ist es noch dunkel, aber endlich, ein Vogel zwitschert, das ist ein untrügliches Zeichen, dass der neue Tag erwacht!

So zwischen 6 und 7 Uhr wird es hell, wir stehen auf, packen zusammen, und machen Kaffee und Frühstück, oder wie diesmal, suchen uns zuerst einen Platz an der Sonne, es ist kalt, sehr kalt! Wir finden den Platz an der Sonne und wie wir so herumschauen, sehen wir die nahen Berge voll verschneit! Aha, deshalb ist es so kalt, eine klare Nacht so nahe am Schnee. Aber die Sonne und der Kaffee wärmen uns und das Zelt trocknet im Nu.
Oder in einer Pineta, wir sind schon etwas spät dran, der Weg dahin war ziemlich holprig, dafür fast verkehrsfrei, an Feldern und Bauernhöfen mit freilaufenden, bellenden und Velofahrer jagenden Hunden vorbei…Wir landen auf einem sandigen Weg, müssen die Velos stossen, da plötzlich hinter mir aus dem Nichts ein riesiger schwarzer Hund, dann noch ein zweiter, weisser, langhaariger. Sie bellen nicht, sie begleiten uns und schnüffeln herum, wie wenn sie zu uns gehören würden. Es dunkelt schon, da finden wir ein flaches Plätzchen unter einer Piniengruppe, stellen schnell das Zelt auf bevor wir nichts mehr sehen. Wo die nächsten Häuser sind? keine Ahnung! Wo die nächste Strasse, die für Autos zugänglich ist? keine Ahnung!
„Unsere“ Hunde sind immer noch da, sie spielen miteinander, wir hören, wie sie sich raufen. Etwas ausgepowert sitzen wir im Zelt, machen eine kleine Pause vor dem Kochen. Da fangen die Hunde an zu bellen, wütend, scheint mir, wir hören Schritte und lautes Schnaufen, auch wütend. Ich schaue mal vorsichtig hinaus und sehe in der letzten Abenddämmerung die Silhouette eines Stieres, knapp 15-20 Meter von unserem Zelt entfernt! Die beiden Hunde geben alles, wie verrückt bellen sie, und der Stier verzieht sich langsam auf die andere Seite, immer noch wütend schnaufend, und da plötzlich, schreit laut und durchdringend ein Esel! Das tönt ja auch sehr ungeheuerlich, so in der Nacht und unerwartet! Der Stier muht zurück, zum Glück sind wir nicht gerade dazwischen, sondern etwas abseits.
Was jetzt? Weggehen geht nicht, keine Ahnung wo wir einen besseren Platz finden könnten, und auf dem sandigen Weg, nachts? Nein,wir bleiben hier, die Hunde beschützen uns ja! Aber wir wollen jeden Lärm vermeiden, deshalb verzichten wir aufs Kochen, unser Benzinkocher ist einfach etwas zu laut. Wir haben wir noch Tee in der Thermoskanne, der wärmt uns. Und dazu gibt es alles, was wir dabei haben und kalt essen kann: Brot, Käse, Oliven, Mandeln und Rosinen, und zum Dessert haben wir sogar noch etwas Schokolade und Guetzli!

So schön!…da war der Bulle noch nicht da…

Klar, diese Nacht wache ich noch etwa 5x mehr auf, die Hunde sind da, einmal muss wieder ziemlich geknurrt und gebellt und dann weggerannt werden, aber etwas später sind sie wieder bei uns, immer in einer Entfernung von 10-.20 Metern. Erst als es hell wird und die Vögel zwitschern, höre ich, wie sich der eine schüttelt, (der hat ein Halsband!) und als ich zum Zelt rauskomme, ist keiner mehr da! Danke ihr Hunde, dass ihr uns beschützt habt!!!
Wir sind am zusammenpacken, es ist gerade 7Uhr, da höre und sehe ich weiter vorne den Kehrichtlastwagen, zwei orange gekleidete Männer, die dort einen Container leeren, ein wenig rundum etwas zusammenwischen und dann wieder wegfahren. Oh, da bei uns in der Nähe hat es auch einen Abfallkübel, den haben wir gestern im Halbdunkel gar nicht mehr gesehen,…zum Glück kamen die nicht noch hierher. Da hätten wir uns erklären müssen. So früh am Morgen hier draussen?!

Obschon, es ist paradox, wir müssen uns erklären, wir nehmen unseren Müll immer mit, von uns sieht man nichts mehr, wenn wir weg sind. Wir finden aber immer überall Abfall, und zwar Glas und Plasticflaschen, Papier und Karton… Hier hatten ein paar Leute ein Essen veranstaltet und Bierflaschen, Teller, Becher und Besteck, alles liegen gelassen…wir können gar nicht alles mitnehmen und müssen das Zeugs liegenlassen, obwohl es im Herz weh tut.

Nach ein paar verregneten und windigen Nächten, die wir in einer tollen Wohnung verbringen, geht’s weiter mit wilden Nächten. Der Gargano, der Sporen in der Mitte der Adriaküste lockt uns mit seinen Wäldern und der schönen Küstenstrasse, die zum Teil kaum mehr befahren wird, da eine bessere Strasse durchs Landesinnere führt. Das Wetter will schön und warm, super. Los geht’s. Es hat zwar Städtchen hier und da, aber die Preise für die B&B oder Hotels sind recht hoch, im Vergleich zu der letzten Wohnung. Mitten in der Woche und so in der Nebensaison könnte man meinen, aber wir merken schon, es ist sehr touristisch und im Sommer muss es hier extrem viele Leute haben, und die Menschen hier sind etwas Touristenmüde. Oder wollen halt einfach Geld verdienen.

Die Strecke ist sehr schön, wir geniessen die Herausforderung, jetzt geht es doch etwas auf und ab, mit toller Aussicht. Die Platzsuche wird etwas schwierig, die Buchten sind eingezäunt, Alles im Privatbesitz von Campingplätzen und Feriendörfern? Hügelwärts hören wir Glockengeläute, da sind Ziegen und Kühe unterwegs, die sehen wir dann auch ab und zu. Ein Stier pro Monat reicht mir!

Wäre doch schön mal so an einem Strand zu übernachten.

Aber mal in der Nähe von einem Strand möchte ich schon zelten. Das Strässchen, wo wir es vesuchen wollen, ist aber wirklich eine riesige Pfütze, und es fährt gerade ein Auto runter, wir wollen aber nicht, dass uns jetzt jemand sieht, dass wir da hinunter fahren. Weiter also, und da in einer Kurve, der Zaun ist weg und wir können einen kleinen Pfad nehmen. Zuerst zu Fuss, ohne Velo, findet Martin einen schönen und geeigneten Platz, gut um mit den Velos hinzukommen und noch einigermassen rechtzeitig, kein Stress also. Wir inspizieren die Umgebung, eine Gebäuderuine steht da, völlig überwachsen mit Bäumen und Efeu, keine Autospuren, es hat zwar wieder Abfall rumliegen, Bauschutt vor allem. Wir bleiben da. Eine Ziegenherde zieht später am Hügel oben vorbei, bei dem Gebimmel kommt es uns vor wie mindestens 400 Ziegen, mit ihren Hütehunden, aber die können sich nicht um uns kümmern. Es wir ruhig, dunkel, wir beginnen mit Kochen, essen im roten Licht, (ist immer noch gewöhnungsbedürftig) sitzen da und hören das Meer, leider wieder etwas in der Ferne. Etwa um 19Uhr fährt plötzlich ein Auto ganz nahe unten über ein Kiessträsschen und stoppt vorne am Strand. Ein Fischer? Oder hat es ein Haus dort?

Der Thermos ist Gold wert!

Ich schlafe wieder besser hier und als das Zwitschern der Vögel beginnt, war die Nacht nicht endlos lang gewesen.

Für die nächste Nacht haben wir dann den perfekten Platz gefunden. Eine Mauer verhindert den Zugang von Autos, ein Weg führt neben der Mauer in den Wald, er ist gerade breit genug für unsere Velos. An der Mauer steht zwar der Durchgang ist verboten, wegen Erdrutschen wenn es regnet, aber heute und morgen regnet es nicht. Dahinter führt der Weg zuerst noch ein wenig flach, (es ist die Toilette der Autofahrenden), aber nach 50 Metern zwischen den Bäumen hindurch auf ein schön flaches Plätzchen. Ideal, ausser dass es keine Sonne haben wird! Der Weg geht dann ziemlich steil hinunter zu einem Strand, das geht für uns gar nicht. Wir entscheiden uns für diesen Ort und richten uns gemütlich ein. Es ist aussergewöhnlich warm, die ganze Nacht, der Sternenhimmel leuchtet durch die Äste, wir können ganz lange draussen sitzen und den Abend geniessen, einfach wunderbar. Trotz Spuren von irgendeinem Tier, das in der Erde gewühlt hatte, bleibt es ruhig, wir hören gerade mal zwei Autos, die ganze Nacht lang. Dann am Morgen hat es ein paar mehr, die sehen uns aber nicht.

auf dem Weg zum Schlafplatz
Frühstück mit Kaffee!
Der Kaffee in der Fussgängerzone der Städtchen darf nicht fehlen

Am Strand können wir erst ein paar Tage später übernachten, aber dann sind wir wirklich nur eine kleine Sanddüne davon entfernt, auf einem Campingplatz, der das ganze Jahr geöffnet hat. Es hat ein paar Camper, sogar aus der Schweiz. Ein Paar wohnt seit der Pensionierung im Wohnwagen und ist schon längere Zeit hier, weil es Ihnen so gut gefällt! Das ist Freiheit, die wir auch geniessen! Wir bleiben auch ein paar Tage, machen Pause, Waschtag, Schreibtag, Sonnenaufgang geniessen vom Schlafsack aus, Strandspaziergang, Muscheln sammeln, Mittagsschläfchen machen, mit den Leuten plaudern,…

Der morgendliche Blick zum Zelt hinaus!
Das habe ich gesehen!
Sonnenaufgang
Besuch auf unserem INnenzelt
Bis bald!

Wir bleiben in Italien

Pic-nic in einer Pineta

Die Entscheidung ist gefallen, wir bleiben noch in Italien! Das Land, die Leute und das Wetter haben uns schlussendlich die Entscheidung leicht gemacht. Trotz Hochwasser in Venedig und starken Windböen in Apulien sind wir eigentlich gerade am besten Ort von Italien und im ganzen adriatischen Raum. Also fahren wir in Ancona nicht zum Hafen, sondern zur Via del Conero, die sich auf die Hügel und um den Monte Conero schlängelt. Da haben wir schon in der Stadt die ersten richtigen Steigungen, so steil, dass wir die Fahrräder schieben müssen und so richtig ins Schwitzen kommen. Dazu beginnt es noch zu regnen und kaum sind wir unter einem Baum im Trockenen, hört es schon wieder auf, wir fahren/stossen weiter, oben belohnt uns kurzer Sonnenschein, ein halber Regenbogen und die schöne Aussicht.

Die Tage sind kurz, schon müssen wir Ausschau halten für einen Schlafplatz, bei einem „Agriturismo“ sehen wir einen Mann und fragen ihn, leider ist er nicht zuständig, aber er gibt uns einen Tipp. Wir schauen uns diesen Tipp an, es ist ein Ferienhaus etwas abseits der Strasse, alles ist verriegelt und geschlossen, ein steiler Feldweg führt hinauf, kein Privato, kein geschlossenes Tor …rund ums Haus Gras, etwas verwildert, viel Laub am Boden und hinter dem Haus beginnt ein Dickicht, der perfekte Platz! Es ist zu verlockend, wir bleiben hier. Um diese Jahreszeit ist sicher niemand in diesem Haus in den Ferien! Beim Einnachten stellen wir unser Zelt auf, und beginnen zu kochen. In einem Blog von einem Velofahrer haben wir gesehen, dass man rotes Licht nicht so gut sieht von weitem, das probieren wir jetzt hinter dem Haus aus. Zuerst ist es etwas komisch, alles hat eine ähnlich orange Farbe, aber unsere Augen gewöhnen sich dran und wir geniessen unser Abendessen, ein Käuzchen ruft ganz in der Nähe, und es ist gar nicht kalt!
Es ist ja nicht so, dass wir einfach ohne Skrupel so auf einem Privatgelände unser Zelt aufstellen, wir besprechen das gerade im Dunkeln, da beleuchten plötzlich Scheinwerfer das Zelt und drei!!! Autos fahren vor das Haus! Martin geht sofort auf die Autos zu und versucht, mit einem der drei Fahrer zu sprechen, der aber kann oder will kein englisch sprechen und hat sofort das Handy in der Hand und sagt etwas von Proprietario….
Martin versucht es weiter, mit biccicleta, solo una notte,….aber der sagt, der Proprietario werde kommen. Sie steigen aus, machen Licht vor und im Haus und verschwinden drinnen. Und dann kommt der Besitzer, ein älterer Mann, Martin geht auf ihn zu und gibt ihm die Hand und erklärt, dass wir aus der Schweiz und mit dem Fahrrad da sind, und nur bis morgen dableiben und dann weiterfahren. Ich komme auch dazu, der Mann ist sehr freundlich, er geht zu den Männern ins Haus und erklärt ihnen die Lage, es tönt fast so, wie wenn er gewusst hätte, dass wir da sind. Uns erklärt er dann, die Männer hätten die Wohnung gemietet, sie arbeiten in der Gegend. Wir bedanken uns bei ihm für die Grosszügigkeit, dass wir bleiben dürfen, und auch bei den Männern, die uns nicht wegschicken.
Alles ist geklärt, er fährt wieder davon, das Ganze hat vielleicht 15 Minuten gedauert! Puh, da haben wir wirklich Glück gehabt. Das machen wir nicht so schnell wieder! Die drei Männer parken ihre drei genau gleichen Autos im Halbkreis vor die Türe, etwa eine halben Stunde später fahren sie weg, alle drei, (wahrscheinlich Abendessen) und als wir schon lange im Schlafsack liegen, kommen sie zurück.
Morgens um sieben stehen wir auf, wir wollen zeigen, dass es uns ernst ist mit dem Wegfahren, zum Glück war die Nacht so warm, dass das Zelt fast trocken ist. Und schon bald sind die drei Männer mit einem kurzen ciao davongefahren, zur Arbeit. Und wir machen uns jetzt noch einen Kaffee und frühstücken, schliesslich wollen wir gestärkt die nächsten Steigungen erklimmen.
Solche Momente kann ich mit keinem einzigen Foto dokumentieren, da denke ich nicht eine Sekunde daran, dass man die Situation mit Fotos festhalten könnte! Die bleiben auch so ganz klar im Gehirn eingraviert!

Das Wetter, beziehungsweise die Wetter-App, verursacht uns wieder zwei Hotelnächte, hier „dürfen“ wir die Velos ins Zimmer hinauf mitnehmen, in den zweiten Stock, mit Lift! Es ist dann gar nicht so nass wie gemeldet, dafür schlendern wir stundenlang herum, zuerst im Hafen, wo die Fischerboote in Reih und Glied auf besseres Wetter warten und danach über einen riesigen Markt, wo man wirklich alles kaufen könnte, was das Herz begehren würde. Wir begnügen uns mit ein paar Früchten, die ersten Mandarinen dieses Jahr! Es hat sehr viele Leute auf dem Markt, uns scheint, dass wir die einzigen Fremden sind. Nach einer langen Siesta und schreiben im Hotelzimmer  gehen wir abends in eine Osteria essen, italienisches Essen ist sehr lecker!

Und am nächsten Tag, als wir weiterfahren, regnet es in Strömen….wir lernen, ab jetzt buchen wir nicht mehr zwei Nächte, das Wetter kann sich über Nacht radikal ändern.
Während der Fahrt werden wir immer wieder angefeuert von Menschen, die auch unterwegs sind, meistens zu Fuss, aber auch von Velofahrern, die sich kurz unserem Tempo anpassen und ein wenig mit uns schwatzen, bevor sie uns „buon viaggo“ wünschen und dann davonradeln…Und wir sehen, was das Meer der Küste, den Stränden antun kann. Wir verstehen die hohen Sandmauern nun besser, die nützen aber nur kurzzeitig, werden von den Wellen während einem Unwetter weggewaschen.
Da sind all die Bagni, die während des Unwetters von den Wellen überrollt wurden, die Wege, die voller Sand, Holz und Steine zurückbleiben, wenn sich das Meer wieder etwas beruhigt hat. Da sind die Strasse und die Eisenbahn der ganzen Küste entlang, die in Mitleidenschaft gezogen werden. Hier ein paar Fotos von dem, was wir gesehen haben:

Aufräumarbeiten auf dem Veloweg
Da braucht es ein wenig mehr als aufräumen

Also die Radwege hat es fast überall, einzig bei den Brücken gibt es manchmal  Engpässe, vor allem wenn die Flüsse gerade auch Gemeindegrenzen sind, da müssen wir auf die vielbefahrene Nationalstrasse, die manchmal schon sehr voll ist, obschon es eine Autobahn gäbe, ein paar wenige Kilometer im Landesinnern. Leider ist diese in Privatbesitz und kostet, deshalb ziemlich leer…

Auch hier kann ich das nicht dokumentieren mit Fotos, die ganze Aufmerksamkeit muss sich dem Verkehr widmen, es darf uns kein Fehler passieren, es könnte verheerende Folgen haben! Links im Spiegel sehen wir die Autos, Lieferwagen und Lastwagen kommen, die Busse sind am schlimmsten, die nehmen kaum Abstand und brausen an uns vorbei, wie wenn es uns nicht geben würde.
Am Boden und rechts die anderen Tücken: die Gullis für das Wasser, die viel tiefer liegen als der Teer, all die Höcker, die die Lastwagen oder die Wurzeln der Bäume in den Teer gemacht haben, und all die Löcher und Risse im Teer, wer weiss was die verursacht hat. Nicht zu reden von den Gräben, die so nahe sind, dass bei einem Schwenker die Gefahr besteht, einen Sturz in den Graben zu machen. Wenn wir dann in eine Ortschaft kommen, sind da Kreuzungen und die Einbahnstrassen, die fast immer da sind, die wir, natürlich in der Gegenrichtung fahren wollten ….

Aber die Radwege sind wirklich gut, manchmal etwas holprig wegen den Wurzeln, die versuchen, sich einen Weg durch den Bodenbelag zu bahnen, manchmal aber super neu geteert und gut ausgeschildert, wenn man sich mal an das System gewöhnt hat. Manchmal sind sie ein wenig schmal…Ach nein, das war ja nur für Fussgänger, wenn man nicht aufpasst ist man plötzlich weg vom Radweg, oder es gibt ihn noch nicht.

Einige werden jetzt vielleicht sagen, warum fährt ihr denn der Küste entlang, etwas langweilig oder? Es wäre doch auch schön im Landesinnern, mehr Abwechslung? Ja, schon, aber da geht es schnell auf über 700 Meter ü.M. und da sinken die Temperaturen nachts ziemlich schnell unter 10 Grad, und das ist dann fürs zelten doch eher schon an der unteren Grenze. Und wir wollen lieber schneller richtig in den Süden kommen, wo es dann etwas höhere Temperaturen gibt. Und jetzt, von Pescara aus sieht man die Schneeberge schon ganz nah! Wir haben von verschiedenen Leuten gehört, dass es sehr schön ist, in den Bergen zu fahren, wenig Verkehr und wunderschöne Panoramas. Aber auch hier an der Küste gibt es immer wieder wunderschöne Momente!

Abendliche Ankunft in Pescara, mit einer tollen Velo- und Fussgängerbrücke!
An diesem Morgen war es sehr kalt, in den Bergen hat es geschneit!
und immer wieder mal ein Cappucino mit Beilage!

Jetzt ans Meer!

La Selvatica ist ein Ort, wo wir bleiben könnten, alles passt für uns bei Enrico. Zusammen kochen, essen, trinken, spielen, diskutieren,…Das Haus ist uralt, war jahrelang unbewohnt und verfiel, aber mit viel Arbeit und Behutsamkeit hat Enrico es wieder bewohnbar gemacht. Es strahlt eine Atmosphäre der Ruhe und Wohnlichkeit aus, wir fühlen uns sehr wohl.

Das Treppchen hoch und wir sind in “unserem” Zimmer…

Aber das Meer zieht…

Meine Offline-Karte zeigt verschiedene Strassenntypen an: Rot – Autobahn, Orange – National und wichtige Provinzialstrassen, Gelb – meistens nicht so stark befahrene, Weiss – da gibt’s dann geteerte und Naturstrassen bis zum grasbewachsenen Feldweg einfach alles. Dann sind da noch die braunen Striche und die gestrichelten braunen und die ganz dünnen gepunkteten…das sind dann die Wege, die viele Überraschungen bereithalten, zB. Bäche oder viele grosse Steine, so dass man nicht mehr mit dem Velo durchkommt. Und Achtung, es gibt noch die lila gestrichelten, das sind aber keine Wege sondern Gemeindegrenzen!!!
Bei Recherchen auf Google Earth mit Street View, da sind vor allem die blauen Punkte in Naturschutzgebieten sehr interessant geworden! Ich finde einige Vogel-Beobachtungshütten und Türme, die uns vielleicht mal zum Übernachten dienen könnten. Auf der Fahrt besuchen wir so eine Hütte und lassen den nächsten Regenguss an uns vorbeiziehen, während wir im Trockenen einige Enten in einem ehemaligen Reisfeld beobachten. Es gibt ein paar wenige solche Vogelschutzgebiete in der Po-Ebene, und dann natürlich das ganze Delta des Po.

Schlafen in so einer Hütte möchte ich aber nur im Notfall, es hat nämlich immer noch ziemlich viele Mücken. Oder wir müssten schauen, wie wir das Zelt in dem Hüttchen aufstellen könnten.
Später gegen Abend kommen wir zu einem anderen Schutzgebiet, hier gibt es ein Besucherzentrum, mit Ausstellungen und Veranstaltungen, heute Nachmittag ist es aber abgeschlossen und auf einem kleinen Blatt steht, dass das Zentrum im November am Sonntag geöffnet ist. Wir laufen rund um die Häuser, es stehen ein paar Autos da, und in einem Gebäude läuten wir, eine Frau erklärt uns, sie wohne nur hier. Da kommt ein Mann aus dem Wald, mit dem schwatzen wir auch und fragen ihn dann, ob wir hier zelten könnten. Er sagt uns, dass er noch seine Frau fragen will, und geht zu der Wohnung, wo wir vorher geläutet haben…Die Frau hat demnach doch ein wenig Einfluss hier. Er zeigt uns dann den Platz, direkt vor dem Haus unter den Bäumen, wo wir unser Zelt aufstellen können. Wir wären ja lieber etwas hinter dem Haus, aber so haben sie uns gut im Blick!
Wir stellen unser Zelt auf, es wird schon bald dunkel, es ist 17 Uhr! Ja, das ist manchmal schon etwas lästig, dieses frühe Einnachten, aber hier dürfen wir Licht machen, die Leute wissen ja, dass wir hier sind. Aber dann gehen überall Laternen an, das ganze Besucherzentrum ist gut beleuchtet, die ganze Nacht! Wir haben also genug Licht und köcheln unser Abendessen mit heller Beleuchtung ;-)

Der Mond scheint hell, es ist kühl geworden, aber trotzdem noch angenehm, und wir machen noch einen schönen Nachtspaziergang um 20 Uhr, bevor wir uns ins Zelt verkriechen und noch ein wenig auf dem Handy lesen. Die Sonne geht etwa um 7.20 Uhr auf, der Himmel ist blau, ein wunderschöner Morgen! Wir kochen Kaffee und frühstücken. Da, kurz vor 8 Uhr, fahren zwei Autos aufs Gelände und parken hinter dem Haus. Die drei Personen winken uns zu, sind dann aber geschäftig rund um das Besucherzentrum, öffnen Türen und Gitter und ein paar Minuten später fährt ein Bus auf den Parkplatz voll mit Kindern, die fröhlich aussteigen und direkt an uns vorbei zum Haus laufen. Einige werfen uns neugierige Blicke zu, die meisten laufen vorbei ohne hinzuschauen.
Wir packen unsere Sachen zusammen, das Zelt steht noch in der Sonne zum Trocknen, da fahren nacheinander etwa 10 Autos auf den Platz, in jedem sind zwei bis vier Leute drin und der Platz bevölkert sich. Wer hätte das gestern Abend gedacht, dass hier noch so viel los ist?

Das Wetter wird langsam etwas schwieriger, immer wieder sind Regen und Gewitter angesagt, manchmal trifft die Vorhersage zu, manchmal nicht. So wird das Zelten etwas mühsamer, Durch die tieferen Temperaturen in der Nacht ist das ganze Zelt und auch die Schlafsäcke am Morgen feucht bis tropfnass, und wenn es regnet, müssen wir alles tropfnass zusammenpacken. Wenn es den ganzen Tag keinen Sonnenschein gibt, stellen wir dann alles wieder nass auf und so wird auch das Innenzelt immer feuchter,…so suchen wir immer wieder mal einen Gastgeber, bei dem wir übernachten und alles trocknen können. Dann haben wir aber den Druck, abends dort zu sein.
Und genau an so einem Tag, wir haben noch viele Kilometer vor uns, gibt es in einem Kreisel einen lauten Knall und ein Pfffffiiitt und Martins Vorderrad steht auf dem Felgen! Zum Glück sind wir in einem ländlichen Gebiet und es hat nur wenig Verkehr, so können wir das Velo entladen und alles in die Mitte bringen, wo wir den Schaden begutachten können. Kein Nagel oder Draht, nein, der Pneu hatte einen kleinen Riss, und der wurde immer grösser, bis dann eben der Schlauch geplatzt ist.

Martin sagt: Ich habe so ein Geräusch am Rad gehört, ich dachte, da ist ein Steinchen eingeklemmt in einer Rille vom Pneu oder so etwas, aber das war eben der Schlauch, der da so langsam zum Riss herausgequollen ist. Martin ist gut gewappnet für solche Fälle, er hat einen faltbaren Ersatzpneu und natürlich Schläuche dabei, und so wechseln wir Pneu und Schlauch, dort mitten auf dem Kreisel.

Die Zeit läuft uns davon, es ist schon Mittag als wir endlich weiterfahren, und es sind noch sicher mehr als 60 Kilometer. Jetzt heisst es, die schnellste Route zu nehmen, also los auf eine Orange Strasse. Wir montieren auch die Leuchtwesten, die nützen wirklich gut, die Autofahrer sind zum grössten Teil rücksichtsvoll. Wir rechnen, etwa um 19 Uhr anzukommen, das heisst, zwei Stunden im Finstern fahren. Die Abschnitte in der SP3 sind sehr unterschiedlich, die neueren haben einen schmalen Streifen am Rand, auf dem wir fahren können, die älteren Teile sind enger und wir fahren auf dem weissen Strich am Strassenrand. Der Gegenwind macht den Gegenverkehr recht spürbar, vor allem die grossen Lastwagen haben eine richtige Sogwirkung auf uns. Aber es hat nicht zuviel Verkehr, und es ist nicht sooo stressig. Sogar als es dunkel wird, geht es recht gut. Als wir um halb acht ankommen sind wir sehr froh, dass wir in die Wärme in ein Haus können, eine warme Dusche nehmen und dann Abendessen kochen dürfen. Christian, unser Gastgeber macht uns einen heissen Tee und wir plaudern, bis er noch weg muss. Am nächsten Morgen muss er früh zur Arbeit und lässt uns den Schlüssel fürs Haus, so können wir Ravenna besuchen, und vor allem einen neuen Pneu und Schlauch kaufen. Der faltbare Ersatzpneu kommt wieder ins Gepäck, hoffentlich brauchen wir ihn nicht mehr! Wieder regnet es und wir sitzen in Ravenna vor allem im Kaffee und geniessen dazu die feinen Sachen, die es da gibt.

Abends kochen und essen wir dann zusammen bis spät in die Nacht. Da Christian auch am nächsten Tag arbeiten muss, lässt er uns die Schlüssel, die wir dann einfach in der Küche deponieren, wenn wir fertig gepackt haben. Es ist wunderbar solches Vertrauen zu spüren!

Der Radweg von Ravenna nach Ciervo ist sehr schön, er führt durch einen riesigen Wald, es hat viele Wege und Brücken, Kanäle und Sumpfgebiete, und bei einem Beobachtungsplatz sehen wir ein paar Flamingos im Wasser. Es ist Samstag und es hat viele Mountain-Biker, die da durch den Wald rasen und johlen. Gut so, da hört man wenigstens, dass sie kommen, die Wege sind nämlich manchmal schmal und unübersichtlich.

die Fischerhäuschen sind begehrte Wochenendhäuschen geworden

Am Meer ist es dann etwas enttäuschend, der Strand ist vollständig verbaut mit den Bagni. Das sind die kleinen Häuschen, die im Sommer als Bar, Depot für Sonnenschirme und Liegestühle etc. genutzt werden, und natürlich kosten,… Diese Ferienorte, die im Sommer sicher voller Touristen sind, wirken auf uns verschlafen und leer, am Strand entlang wurde eine grosse künstliche Sanddüne aufgeschüttet und die Bagni sind verbarrikadiert. Dann wieder eine kilometerlange Strasse unter den Pinien, die Häuser, Hotels, Bars und Restaurants links und rechts alle geschlossen, bis wir uns wieder einem Städtchen nähern, wo auch im Winter Leute leben und arbeiten.

So fahren wir also südwärts, auf einem der letzten Campingplätze, der hier noch offen hat übernachten wir, fast ganz allein, nur ein paar ältere Leute sind da, die ihre Wohnwagen für den Winter einpacken. Sie kommen vorbei zu einem Schwatz, es ist einfach schön, wie die Leute ihre Neugier zulassen und kommen und fragen. Die Dame an der Reception hat Erbarmen mit uns und macht uns einen Spezialpreis, wir bräuchten ja keinen Strom und sowieso, es sei doch einfach zu kalt! Wir schmunzeln, klar es ist schon etwas kühl, die warme Unterwäsche ziehen wir schon an, aber es ist immer noch schön, abends draussen zu sitzen und das Abendrot im Himmel zu schauen.

wenn der Dampf emporsteigt ist der Kaffee bereit, und die Tassen warm…

Aber die Wetter-App will richtig Regen und kälter für die nächsten Tage, ja die ganze Woche! Wir finden wirklich gute Plätzchen zum Schlafen, mal ein Hotel das mit einem Frühstücksbuffet glänzt, wie wir noch nie gesehen haben! Da können wir sogar bei Regenwetter voller Energie fahren!

So kommen wir in Pesaro an, kurz bevor es dunkel wird, wir wollen durch das Zentrum fahren, aber da hat es so viele Menschen, sie flanieren, spazieren mit Kindern und Hunden, es herrscht eine fröhliche Atmosphäre. Wir steigen ab und spazieren mit all den Menschen durch die Gassen. Diese Leute wohnen hier und schlendern jetzt durch ihre Stadt. Es tut gut, nach all diesen leeren Strandsiedlungen eine lebendige Stadt anzutreffen.

Und jetzt haben wir ein Zimmer in einer Wohnung mit Küchenbenützung, und es regnet in Strömen! Zwei Pausentage, wir haben Kleider gewaschen, der Vermieter hat uns extra einen Wäsche-Ständer gebracht und die Heizung läuft.

die Kaffeepause im Sonnenschein….

Die nächste Entscheidung steht nun an: wollen wir in Italien weiterfahren? Oder wollen wir die Fähre in Ancona nehmen und nach Patras?

Ciclovia del Po

Euro-Velo 8 war schon in Alicante Thema!

Weiter geht’s bei milden Temperaturen und Sonnenschein, auf den verschiedenen Dämmen des Po, den vielen Windungen entlang, dann wieder über kleine Nebenstrassen ohne viel Verkehr. Wir sehen viele eingefallene Bauernhäuser, mitten in den bewirtschafteten Feldern. Es waren mal stattliche Höfe, mit grossen und kleinen Gebäuden, die da langsam verfallen, mit offenen Dächern, wo das Buschwerk und sogar ganze Bäume herauswuchern.

kaputt und neu ganz nahe nebeneinander

Es hat vor allem Maisfelder und Pappelplantagen, die Felder meist schon abgeerntet, manchmal weidet eine Herde Schafe auf den Feldern, was sehr malerisch aussieht im Morgennebel. Die Pappeln stehen in Reih und Glied, kaum Büsche oder Gras dazwischen, richtige Monokulturen. Wir sehen wenig Vögel, vor allem Raben und Elstern, weder Mäusebussard, Milan oder die vielen kleinen Wald-und Wiesenvögel. „Richtige“ Wälder, so wie wir sie kennen gibt es hier kaum.

und so wird geerntet

Ab und zu haben wir aber Glück:
In einem „Urwald“, zwischen Feldern von Gestrüpp, auf einem Streifen Gras, gerade breit genug, schlagen wir unser Zelt auf. Wir schlafen richtig gut diese Nacht, nur die Nachtvögel hören wir mal von da und dort. Am Morgen, beim Aufwachen, raschelt es plötzlich und etwas zwängt sich zwischen unserem Zelt und dem Gestrüpp durch. Ich bin natürlich sofort hellwach, öffne das Zelt und sehe gerade noch den dunklen Umriss eines Mannes der sich schnell entfernt, …der hat wohl einen grösseren Schrecken bekommen!

Urwald, wie er uns gefällt

Ja, es gibt die Pilzsammler und Jäger, die sich frühmorgens in den Wäldern und Feldern tummeln, aber wir schauen doch sehr drauf, dass da, wo wir Übernachten die Schilder stehen mit „Divieto la Caza“. Damit wir nicht plötzlich mit irgendwelchen Fasanen verwechselt werden!!!!
Die wir übrigens auch schon gesehen haben und sogar fotografieren konnten.
Während den Mittagspausen ist Trocknen angesagt, das Zelt, die Schlafsäcke, die Mätteli und auch die Daunenjacken, alles ist feucht bis tropfnass von der Nacht und dem Nebel am Morgen.

er hat mich auch gesehen…

Ein richtig schönes Gewitter ist laut Wetter App angesagt, so gegen Abend. Wir haben uns vorsorglich  bei einer Warmshower-Gastgeberin angemeldet, treffen die Frau aber erst gegen 18.00 Uhr. Den ganzen Tag haben wir noch in der Sonne pedalen können, erst gegen 16 Uhr hat es den Himmel mit grauen Wolken überzogen und die ersten Tropfen fallen. Wir müssen nur noch über eine grosse Brücke hinüber ins Städchen fahren. Das erste Mal montieren wir Regenhosen und Regenjacke, damit wir dann nicht mitten im Verkehr auf der Brücke uns plötzlich noch umziehen müssen. Sie ist fast 1 Kilometer lang, und natürlich brausen sehr grosse Traktoren mit Anhängern und noch grössere Lastwagen über die Strasse. Es hat zwar ein Trottoir, aber das ist zu schmal für uns mit den Taschen, wir müssen auf der weissen Seitenlinie fahren. Das erlaubte Tempo wäre 50, aber die Autos fahren mit sicher 80km/h an uns vorbei, die meisten zum Glück mit gutem Abstand. Dank unserem Rückspiegel können wir sehen, wenn ein Lastwagen nahe kommt und den Lenker ganz fest zu halten, damit uns der Sog micht zu sehr durchschüttelt. Alles in allem eine stressige Sache, natürlich geben wir Gas, damit wir da schnell durch sind, und entsprechend sind wir schweissgebadet in unseren Regenklamotten, als wir nach der Brücke auf die erste Nebenstrasse abbiegen! Natürlich ist kein Tropfen Regen gefallen…

Aber das Gewitter kommt, der Himmel ist unterdessen fast schwarz und wir suchen uns eilig einen Unterstand, wo wir vielleicht etwas trinken können. Der Chino hat einen Baldachin vor dem Haus, wir gehen rein, bestellen etwas zu trinken, und da hat die Frau gar nichts dagegen, dass wir unsere Fahrräder unters Dach stellen. Wir sind ja die einzigen Gäste. Der Himmel ist gelbschwarz und in der Ferne donnert es schon gewaltig. Ein paar Minuten später trommelt das Wasser auf den Baldachin. Zusammen mit den Getränken erhalten wir ein Schüsselchen mit Chips und ein Tellerchen mit Pizza -Küchlein! Es wird ja ein Weilchen dauern, bis der Regen aufhört, hat sich die Frau wohl gedacht. Es ist so dunkel geworden, dass plötzlich die Strassenbeleuchtung der Stadt angeht.

Und plötzlich hält der Baldachin die Regenmasssen nicht mehr aus. Wie ein Wasserfall sprudelt und spritzt es in der Mitte des Daches zwischen die Tische, auf unsere Fahrräder und die Stühle. Die Menschen unterwegs hasten entweder mit oder ohne Schirm durch den Regen oder stehen irgendwo im Halbtrockenen, wahrscheinlich mit der Hoffnung auf ein schnelles Ende. Ein Rennradfahrer hat gegenüber Schutz gesucht und steht in kurzen Hosen und Leibchen da, mit dem Handy in der Hand. Ob er wohl jemanden findet, der ihn abholt? Wir sehen nämlich auf unsere App, dass das so weitergehen wird bis spät in die Nacht hinein. Zwar hellt es langsam wieder auf, die Strassenbeleuchtung geht wieder aus, aber immer wieder kommt ein Guss, in dem man lieber nicht unterwegs sein möchte.

Unterdessen hat sich Alessandra, unserer Gastgeberin erkundigt, wo wir sind und wie es uns geht. Sie erklärt mir, dass sie am Abend nicht mit uns zusammen sein könne, ob sie noch etwas für uns einkaufen könne?
Ich erkläre ihr, dass wir immer ein Menu kochen können ohne einzukaufen, kein Problem.
Als wir uns in der Bar die Regenkleider anziehen, kommt die junge Frau heraus, mit einer Papiertasche und ihrem Handy in der Hand, die Tasche schenkt sie mir, es sind 2 Croissants drin. Das Handy hält sie Martin hin, damit er lesen kann, dann deutet sie ihm, er solle die Antwort ins Handy sprechen. Sie drückt anschliessend einige Tasten und liest (chinesisch) seine Antwort, nickt und bedankt sich mit Grazie für unseren Besuch! Dabei hat sie doch uns beschenkt mit den Tapas und mit den Croissants!!
Bei Alessandra zuhause die nächste Überraschung, sie überlässt uns ihre ganze Wohnung die ganze Nacht, eigentlich wohnt sie bei ihrem Freund im Nachbarort und heute haben sie beide keine Zeit, um mit uns zu plaudern und zu essen.Nach 15 Minuten sind wir allein, noch etwas verdutzt, aber draussen regnet es in Strömen und wir sind sehr froh, im Trockenen zu sein. Duschen, Kochen, Essen und Schlafen, und am Morgen ist der Himmel wieder blau und die Sonne scheint! Wir packen, tragen alle unsere Sachen zu den Velos und hinterlegen den Schlüssel am abgemachten Ort und senden Alessandra ein Foto und ein grosses Dankeschön für ihr Vertrauen!

Wir planen, in zwei bis drei Tagen in Ferrara auf dem Camping zu sein, es ist einer der wenigen, die noch offen haben. Aber, daraus wird nichts! Bei der Mittagspause fährt ein Traktor an uns vorbei, dann ein Kleinbus, als der zurückkommt stoppt er, die Scheibe schon unten, beginnt  zu fragen: Woher? Wohin? Wieviele Kilometer? Wieviel Zeit? Wo schläft ihr? Und diese Frage beantworte ich nur zögernd, wir wollen es den Leuten nicht unter die Nase reiben, dass wir wild campen, es ist ja eigentlich auch verboten…und das alles auf italienisch!
Er lässt mich aber gar nicht ausreden sondern lädt uns in sein Haus ein, er sei Bauer, habe 100 Kühe, mache Milch für den Käse, den Parmiggiano Reggiano,… schlussendlich steige ich in sein Auto ein, er zeigt mir sein Haus ein paar Kilometer entfernt und bringt mich wieder zurück, damit wir mit den Velos dahinfahren können. Als wir ankommen ist seine Tochter schon informiert, wir dürfen duschen und unsere Taschen im Esszimmer deponieren, da steht ein Sofa, wo wir dann drauf schlafen können. Ich frage seine Tochter, ob ihr Vater oft Leute mit nach Hause bringt, lachend antwortet sie: oh ja, immer wieder!
Wir besuchen die Farm, Mauro erklärt uns alles über die Kühe, die Milchroboter, die strengen Regeln für die Produktion des Käses. Nebenbei erklärt er uns, dass seine Frau erst spätabends nach Hause kommt, und wir zusammen nach Mantua fahren werden, wenn wir wollen.
Er zeigt uns die Stadt und dann gehen wir Pizza essen. Es wird ein ganz gemütlicher Abend.
Nach dem Frühstück um 7.30 verabschieden wir uns, packen unsere Velos und fahren los, so früh waren wir noch selten schon unterwegs. Die Sonne scheint und es wird schnell warm.

Bei der Mittagspause passiert wieder etwas Ungewöhnliches: ein Porsche fährt über die kaum befahrene Strasse, der Mann winkt, hält an, fährt 20 Meter zurück, steigt aus, öffnet die Hintertür und bringt uns ein Packet, wickelt es aus und streckt es uns entgegen: ein riesiges Stück Parmiggiano Reggiano! Mindestens 1 Kilo! OH, was machen wir mit dem? frage ich ganz überrascht. Da lacht er und sagt: MANGARE! Dreht sich um steigt in sein Auto ein und weg ist er!!! Wir sind sprachlos, es ist unglaublich, was da gerade passiert ist!

Kurz darauf merke ich beim Einpacken, dass meine langen Velohosen nicht da sind! Kurz überlegen, wo habe ich die ausgezogen? Nicht mit dem Gummizug angemacht??!!  Ohje!!!, wahrscheinlich etwa vor 10 Kilometern habe ich sie verloren…….. Nach kurzer Diskussion entscheiden wir, auf der Hauptstrasse zurück zu fahren, dann wieder auf den Damm, da sparen wir ein paar Kilometer, aber die Hosen holen wir wieder! Und wirklich, ganz in der Nähe wo ich am Morgen die Jacke und die Hosen ausgezogen hatte liegt sie! Der Umweg hat uns Zeit geraubt, wir müssen den Plan ändern. Auf der Karte sehen wir Ferrara immer noch in weiter Ferne, dafür ist Modena etwas näher und da hat es auch zwei WS-Gastgeber, die wir anschreiben könnten.
Auf der Suche nach der besten Route stosse ich auf ein „Agriturismo“, das probieren wir jetzt auch einmal aus! Wie ein Schlaf im Stroh? Oder ein B&B? oder? Das wollen wir jetzt wissen.
Bei der Ankunft werden wir vom Bauern freundlich begrüsst, er werkelt an seinem laufenden Traktor. Es entpuppt sich als für unser Budget etwas teures Zimmer, sieht etwas heruntergekommen aus, deshalb fragen wir den Bauern, ob wir vielleicht irgendwo auf dem Hof das Zelt aufstellen könnten? Und die Toilette benützen dürfen? Wir würden schon etwas bezahlen? Er versteht uns, seine Frau kommt jetzt auch raus und sagt etwas von keine sauberen Zimmer, geht nicht, die hat aber schlechte Laune! Aber er zeigt uns ein Plätzchen, das Badezimmer, das wir benützen dürfen, und verzieht sich wieder hinter seinen Traktor. Unter den neugierigen Blicken der drei Ziegen die da weiden stellen wir unser Zelt auf und während wir kochen, müssen wir sie energisch wegweisen, bis der Bauer sie dann in ihren Stall bringt.
Wir geniessen es, Licht zu machen und draussen zu sitzen, es ist nämlich gar nicht kalt und ausser ein paar Mücken stört uns niemand.

Enrico hat uns geschrieben dass er uns erwartet, super, die nächste Nacht also wieder mal in einem Haus schlafen. Unterwegs fällt uns ein Städtchen auf, wo eine ganze Gasse mit alten Häusern auf einmal renoviert wird. Da fragen wir uns schon, haben die wohl im Lotto gewonnen? Später etwas ausserhalb sehen wir dann so komische Maschinen, wie die Ölförderkräne die so auf- und abnicken, dann Leitungen, die vom Gelände wegführen, sind das etwa Pipelines? oder Gasleitungen? Machen die etwa Fracking?

im Hintergrund die auffälligen Maschinen

Wir werden versuchen, Antworten zu finden, Enrico kann uns vielleicht weiterhelfen. Ölfirmen in der Gegend würde den Renovationsboom im Städtchen erklären….

Bei Enrico in “La Selvatica”

Schon zwei Wochen?!

Nun sind es schon zwei Wochen die wir unterwegs sind! Wir haben schon so viel erlebt, dass ich fast nicht weiss, wie ich anfangen soll.

Mit dem Anfang natürlich! Der erste Tag, gemütlich durchs Emmental bis ins Entlebuch, wo wir freundlichst empfangen und bekocht werden von einem „Warmshower-Gastgeber-Paar“. Sie wohnen in einem wunderschönen Haus mit einem wunderschönen Garten und Schwimmteich, den Martin ausprobieren muss, trotz nur 13 Grad! Ich schaue lieber nur zu,….

Der nächste Tag bis Luzern, wieder um die 40km auf dem Velo, dann nehmen wir einen Zug nach Bellinzona. Warum denn? Martin wollte doch über den Gotthard? Naja, da hat es schon wieder geschneit und die nächsten Tage versprechen Kälte und Schnee, da mache ich lieber nicht mit! Die Gewitter in der ersten Nacht auf dem Camping in Bellinzona genügen mir völlig! Aber dann geht es bei blauem Himmel Richtung Lago Maggiore und Italien!!!

Auch die nächste Nacht sind wir auf einem Zeltplatz, zum Angewöhnen ans Reisen mit dem Velo eine feine Sache. Wir haben Glück, der letzte Platz auf dem Camping ist für uns gerade gross genug. Das ist ja schon verrückt: vor ein paar Jahren waren wir hier, etwa zur gleichen Zeit, und der Platz war fast leer, und jetzt übervoll, und der zweite Camping im Dorf hat auch alle Plätze besetzt! Nur etwas ist gleich: wir sind die einzigen im Zelt!!!

In Luino fahren wir am nächsten Tag ins Landesinnere, wo uns eine schöne ausgeschilderte Fahrradstrecke Richtung Varese führt. Zuerst aber wollen wir unser Talent fürs wild zelten etwas fördern und machen uns nach dem Einkauf in einem Supermarkt auf die Suche nach einem geeigneten Platz. Ich habe natürlich schon recherchiert und einen Wald mit Wiesen und einigen Sportfeldern rundum ausgesucht. Auf dem Weg müssen wir schon durch einen Bach waten, sehr gut, da kommen die Hundespaziergänger schon mal nicht durch. Am Ort schauen und horchen wir, ob nicht doch ein Haus (mit Hund) in der Nähe ist, und die teilweise abgemähten Maisfelder wollen wir auch meiden, man weiss nie, ob der Bauer heute Abend oder morgen früh wiederkommt um weiter zu mähen. Auf einem sehr kleinen grasigen und sumpfigen Weg stossen wir unsere Räder etwa 100 Meter in ein Waldstück, das man vom Weg aus nicht sieht. Schön flach und ideal für unser Zelt.

Einzig was fehlt, ist die Ruhe, eine Autobahn ist auf der anderen Seite des Waldes, und erfüllt den Wald die ganze Nacht mit dem Brummen der Motoren. Wir sind halt doch recht nahe von Mailand und die Gegend ist durchzogen von Strassen und ist auch sehr besiedelt.

An so einem Ort wollen wir nicht auffallen, wir haben gekocht, gegessen, stellen dann unser Zelt in der Dämmerung auf und so um 19.45 Uhr haben wir die Zähne geputzt und liegen auf der Matratze. Da sind wir schon froh haben wir Bücher und Podcasts auf unseren Handys und können noch etwas tun. Obschon, ich bin so müde, dass ich schon bald alles weglege und einschlafe.

Es ist ausser dem fernen Rauschen der Autobahn nichts zu hören, man würde jedes Näherkommen eines Tieres oder Menschen hören, es hat so viele trockene Äste rundum. Der Schlaf kommt sehr schnell, ist aber sehr leicht, ich träume viel und schrecke ein paarmal auf, aber nichts passiert. Nachts im Finstern auf die „Toilette“? Das geht an so einem Ort nicht, da muss meine Blase ihr ganzes Fassungsvermögen zeigen, was nach ein wenig Training schon wieder besser gehen wird.

Und als es endlich hell wird, so um 7.30 Uhr, sind wir froh, dass wir aufstehen können. Es ist ja noch nicht kalt, zum Glück! Kaffee machen wir etwas später, an einem Plätzchen in der Sonne, nach dem Zusammenpacken des Zeltes und Verlassen des Schlafplatzes. Es geht uns gut, wir haben schon zum ersten Mal einen sehr schönen Platz gefunden.

Unterwegs gibts auch Kurioses

Wir wollen es ja nicht übertreiben mit dem wilden, und wollen eine Nacht wieder auf einen Camping, solange es noch einige hat, die offen sind.
Wir steuern also einen kleinen Platz an einen See in der Region von Varese an.
Ab 15 Uhr soll das Tor wieder offen sein, es steht da WE ARE OPEN! Nach einer Pause am See, wo wir uns mit einem deutschen Paar auf Mountainbikes ein wenig austauschen, wollen wir uns auf dem Camping anmelden. Aber das Tor geht nicht auf, erst nach ein paarmal läuten dann aber doch, ein Mann kommt von der Strasse her und hat das Tor geöffnet, aber nicht für uns. Die Dame des Hauses hat sich nun doch bequemt, zu uns rauszukommen und uns zu erklären, dass seit Ende September der Platz geschlossen ist, das stehe auch auf der Webseite! Nun, hier draussen aber steht, dass sie offen haben. Vielleicht sollte sie mal ein anderes Schild z.B. „we are closed“ aufstellen?

Wasser gibt es immer bei den Friedhöfen!

Wir fahren weiter, dann suchen wir halt ein einsames Plätzchen irgendwo an einem der kleinen Seen. Aber das wird etwas schwierig, es ist sehr viel Privat und eingezäunt, oder dann eben sehr öffentlich und mit vielen Spaziergängern. Es ist warm, später Freitagnachmittag, ideal um sich etwas in der Natur zu bewegen. Einer der Spaziergänger fragt uns interessiert, woher und wohin, wir plaudern ein wenig, er kommt nämlich auch aus der Schweiz aus Freiburg. Und er hilft uns, eine Unterkunft zu finden, sogar mit einer Küche zum Benützen, telefoniert mit einer Bekannten und reserviert für uns ein B&B, einige Kilometer von hier. Da freuen wir uns doch auf die warme Dusche, einem privaten Zimmer und freiem WLan! Die Dame ist sehr nett, zeigt uns das Zimmer, das sogar private Dusche und Toilette hat, was für ein Luxus! Den wir in vollen Zügen geniessen nach diesen paar Tagen on the Road.

DA wir die grossen Strassen so gut wie möglich meiden, fahren wir manchmal etwas kreuz und quer, diesmal geht es durch einen Wald auf einer kleinen Strasse, die ich ausgewählt habe, leider ist sie nicht so leer wie ich erhofft habe, aber sie ist schmal und es kommt ein paarmal zu etwas gefährlichen Überhol-Manövern von den Autofahrern. Und dann sehen wir auch den Grund für den Verkehr: Da sitzen doch sehr knapp bekleidete, meist dunkelhäutige Frauen am Strassenrand!!! Wir grüssen freundlich, aber eigentlich finde ich es haarsträubend, dass sie hier „arbeiten“, müssen. Ich dachte auch, dass wir vielleicht wieder einen Platz finden könnten zum übernachten, aber nachdem wir so viele Frauen hier gesehen haben, habe ich keine Lust mehr, mich in diesem Wald zu verstecken.

So gibt es dann eben den ersten Ruhetag in Montafor, etwa 10km von Como entfernt, auf einem richtig italienischer Ganzjahres-Camping. Und da Wochenende ist, ist er sogar belebt, es wird gesägt, genagelt und natürlich gekocht und gegrillt. Wir geniessen die erste Pizza mit einem guten italieníschen Wein und freuen uns über das Cheminee-Feuer und den geschenkten Limoncello zum Schluss. Erholt und gestärkt fahren wir in die zweite Woche!

Es geht den kleinen Seen entlang Richtung Lecco, hier hat es einen Camping am See, wo Martin ein abendliches Bad geniesst. Ich hingegen gehe eine Dusche „geniessen“: An der Bar habe ich ein Plastic-Kärtchen gekauft, damit kann ich die Dusche in Gang bringen. Eine Dusche=1Euro. Alles gut? Die Maschine steht draussen vor dem Gebäude, ich muss da die Nummer der Dusche wählen, finde aber drinnen keine Nummer an den Türen. Macht nichts, ich kann ja dann die nehmen, die läuft. Wohlweislich entkleide ich mich zuerst, dann, nur mit Tüechli um den Körper, stecke ich das Kärtchen in den Schlitz und wähle eine Nummer. Und da höre ich drinnen das Waser rauschen! Schnell rein, Tüechli weg und rein in die Dusche….aber die spritzt so in der Gegend rum, dass ich kaum hineinkomme, der Gang wird nass, die Türe und die Wände, nur ich noch nicht. Wie lange habe ich noch Wasser??? Schnell versuche ich mich zu benetzen, einzuseifen und schnell wieder Seife wegspülen, weil, wenn das Wasser abstellt, gibt’s gar keines mehr!!! Nass und nackt gehe ich aber nicht nochmals das Kärtchen reinstecken! Das Bad im See war sicher gemütlicher! Noch am nächsten Morgen ist der Boden im Gang nass….

Abendessen bei Laternenlicht ist romantisch und da es nicht kalt ist, beginnen wir sogar erst nach dem Sonnenuntergang zu kochen.

Nun fahren wir Südwärts, dem Fluss Adda entlang, da hat es eine Pista Cyclabile, die geht bis zum Po. Bis wir aber da sind, müssen wir über ein paar ziemlich befahrene Kreisel fahren, da eine kleine Brücke die wir eigentlich nehmen wollten, eingestürzt ist. Wir erleben die Autofahrer aber sehr rücksichtsvoll, sie lassen uns in unserem Tempo durchfahren.

Bei einem Warmshower-Host dürfen wir übernachten, besichtigen zuerst noch eine Brücke, die der gleiche Ingenieur gebaut hat, wie die Kirchenfeldbrücke in Bern. Sie wird gerade repariert, Pablo erklärt uns, dass momentan in Italien viele Brücken repariert werden, seit in Genua die grosse Brücke eingestürzt ist.

Bald haben wir nun Mailand umfahren und können wirklich Richtung Süden fahren, Die Adda schlängelt sich zum Po, wir ihr nach, über Feldwege, Fusswege und auch mal durch kleine Flüsschen, Wälder und Felder, bis wir dann nach zwei Tagen den Po Cycle-Path erreichen!

In der Nähe von Cremona dürfen wir uns bei einem Warmshower Paar ausruhen und endlich mal Wäsche waschen. Enrico arbeitet fast das gleiche wie Martin und es gibt viel zu reden und wir lernen das Leben in einer Stadt wie Cremona kennen. Es gibt Cooperativas, Kitas auf dem Bauernhof, Leute, die sich für Radwege und weniger Autos einsetzen, Menschen, die sich verändern wollen dem Klima zuliebe!

Am Sonntag können wir eine Stradivari- Geige anhören, im Museo del Violino werden nämlich einige Exemplare gehütet und die müssen jeden Tag gespielt werden! Deshalb kann man im Auditorium des Museums fast täglich eine halbe Stunde zuhören gehen!

Gut bewacht….

Reisevorbereitungen

Zelt, Isomatten und Schlafsack

Das Zelt hat ja schon einiges hinter sich, es sieht etwas ausgewaschen und verbleicht aus. Aber nach einigen Recherchen, Gesprächen mit anderen Langzeitreisenden haben wir uns entschlossen, die Reise noch einmal mit unserem alten Zuhause zu machen. Einige Elastic vom Innenzelt wurden ersetzt, da sie gar nicht mehr elastisch und sehr ausgeleiert waren. Die Reisverschlüsse und Schlitten hat Martin sorgfältig revidiert. Ansonsten erfüllt das Zelt unsere Anforderungen immer noch perfekt.
Schlafen ist nach dem Velofahren fast genau so wichtig, deshalb haben wir für uns die besten Matten ausgesucht. Und da wir jetzt im Herbst starten, zwar südwärts, können die Nächte kühl oder sogar kalt werden, haben wir uns zwei neue Daunenschlafsäcke gekauft!

Karten, GPS, Apps …

Die letzte Reise haben wir mit einer Offline-Karte auf dem IPad und dem GPS EdgeTouring geplant, gefahren und aufgezeichnet. Wie wollen wir diesmal???
Die Akku Laufzeit des GPS ist etwas kürzer geworden, wir hoffen, dass es noch einen Tag lang ohne Aufladen durchkommt. Planen damit ist aber zu kompliziert, Garmin und seine Software ist da (für mich) nicht genug Benutzerfreundlich, und Velofreundlich schon gar nicht!!!!
DIe Offlinekarte PocketEarth (App) haben wir auf unseren IPhones synchronisiert, es ist immer noch die beste Karte die wir kennen. Vielleicht kommt Gurumaps ihr am nächsten, wir haben diese auch geladen, zum Vergleichen.
Dann die Apps zum Finden von geeigneten Plätzen zum Schlafen: von booking über Hostelworld und ACSI Camping, couchsurfing und warmshower bis zu IOverlander und park4night haben wir so allerhand auf den Handys. Wie diese dann zum Zug kommen, werden wir sehen. Die besten Erfahrungen haben wir mit Warmshower gemacht, leider wird die App nicht mehr unterstützt und man muss über die Homepage seine Gatgeber suchen und anschreiben.

Elektrizität

Solarpanel mit zwei Akkus zum Aufladen, dazu die Nabendynamos, mit denen wir die Akkus auch laden können, sollten unseren Stromverbrauch für Handys, GPS, Lampe und unser Musikböxli abdecken. Das Notebook müssen wir an einer Steckdose anschliessen, wenn es nach 6-7 Stunden meldet, es sei am Absterben….Ach ja und die Kamera auch, die braucht ab und zu eine Nachladung per Steckdose.

Rückkehr in die Schweiz

 

Wir haben auf dem Camping ein holländisches Paar getroffen das den gleichen Weg fährt wie wir, sie wollen aber bis an die Quelle der Rhone und dann über den Pass an die Quelle des Rheins und diesem Fluss entlang nach Holland fahren. Am frühen Morgen verlassen wir den noch schlafenden Platz, nur diese Beiden sind auch am Aufbrechen. Denn die letzte Etappe in die Schweiz verlangt Kraft und Ausdauer, einige Höhenmeter sind zu überwinden, vor allem am Anfang geht es in die Höhe. Aber für die Gegenrichtung ist es auch kein Zuckerschlecken, wir fahren nämlich später eine sehr lange Strecke hinunter, und begegnen da einem Tourenfahrer, der ziemlich schwitzt beim Hinauffahren.
Ganz unspektakulär überqueren wir die Grenze in einem Wald, wir merken es erst im nächsten Dorf, der rote Wegweiser, ein IP-Plakat an einer Holzwand, die „generell 50“ Geschwindigkeitstafel,….
Und das GPS zeigt uns eine weisse Landschaft ohne Srassen und Zeichen…! In der Mittagspause, die wir im Schatten bei einer Waldhütte machen, gelingt es uns, die Schweizerkarte vom Laptop auf das GPS zu laden. Aber es ist eine reine Openstreetmap, keine Velokarte, sehr schlecht, ohne Höhenkurven, Campings und andere für uns wichtige Sachen drauf. Wir haben gar nicht daran gedacht, dass wir die Schweizerkarte brauchen werden!!! Es gibt Schlimmeres, aber in den nächsten Tagen merken wir, wie oft uns ein Blick auf das Gerät die richtige Richtung bestätigen würde, ohne das Tablet hervornehmen zu müssen. Denn, die Velo-Wegweiser, zwar schön rot, sind in der Schweiz oft versteckt irgendwo an  der Kreuzung, weit unten oder sehr hoch oben, aber sicher nicht bei den anderen Wegweisern. Das macht es zum Suchspiel: wer findet zuerst das rote Schildchen? Mit dem Verkehr ist das oft nicht gerade einfach, anhalten und suchen ist dann die Devise. So kommt das Tablet wieder vermehrt zum Zug, was aber jedes Mal heisst, einen Schattenplatz suchen, absteigen, Tasche öffnen, die Karte aufrufen und studieren. Ich habe ja schon ein gutes Gedächtnis, aber eine Strecke von 60km mit allen Abzweigungen im Kopf zu behalten, geht dann doch ein bisschen zu weit.
Es ist heiss, die Pause wird etwas länger, wir sitzen da und plaudern. Als dann die beiden Holländer vorbeikommen, checken wir gemeinsam die Campings rund um Genf. Der nächste Platz ist noch 20km entfernt, die anderen 30-40km, am Ufer des Genfersees Richtung Frankreich, die falsche Richtung für uns. Wir werden sicher beim Nächsten bleiben, auch wenn der Flughafen sehr nahe ist!
Sie fahren sofort weiter, wir bleiben noch ein wenig und lassen uns Zeit. Im nächsten Dorf verfahren wir uns natürlich schon wieder, ärgerlich! Ach ja, und Geld sollten wir noch haben! Wir haben ja nur Euro dabei! Am Bahnhof versucht Martin an einem Automaten Bargeld zu beziehen, erfolglos. Ein Mann fährt mit seinem Rad heran, ich quatsche ihn an, ob er wisse, wo es eine Post mit Geldautomat hat? Die Post wurde geschlossen, es hat hier nichts mehr, auch am Bahnhof nicht. Wir sollen doch den Zug nehmen, dann sind wir in 10 Minuten mitten in der Stadt Genf. Ach nein, das wollen wir doch nicht, das wäre viel zu schnell für uns! Wir wollen der Rhone und der Veloroute entlang an den See kommen! In unserem Tempo, das uns jetzt schon viel zu schnell vorkommt. Wir lachen viel, erzählen von uns und er von sich, dann macht er noch ein Foto, bevor der Zug kommt und ihn nach Genf bringt. Wir fahren ohne Schweizer Franken weiter, im schlimmsten Fall haben wir ja die Euros und die Kreditkarte.
Der Rhone entlang geht es idyllisch durch ein kleines Naturschutzgebiet, bei einem Wasserkraftwerk hat es unter den Bäumen Picknickplätze, man glaubt es kaum, dass wir nahe einer grossen Stadt sind.
Die Zufahrt zum Camping geht dann mitten durch ein sehr geschäftiges und vielbefahrenes Industriegebiet. Der Platz liegt in der hintersten Ecke, gerade wo ein Wald beginnt und wäre eigentlich noch schön, aber, der Fluglärm ist sehr penetrant. Manchmal im 2-Minutentakt starten die Maschinen über unsere Köpfe hinweg. Man kann buchstäblich die Abgase riechen! Beim Eingang ist niemand, die Rezeption ist erst ab 17 Uhr besetzt. An der Türe hängt aber ein Plan, wo die Wiese für die Zelte leuchtend grün bezeichnet ist. Wir fahren also rein und richten uns neben den Holländern ein, die schon etwas früher eingetroffen sind. Die Bungalows sehen sehr bewohnt aus, wir vermuten, dass hier Flüchtlingsfamilien eine Unterkunft bekommen haben, ein paar fremdsprachige kleine Kinder laufen neugierig herbei und gucken uns beim Zelt aufstellen zu.
Um 17.25 erscheint dann endlich die Dame der Rezeption, wir sind schon ein paar Leute, die auf sie warten. Sie tut furchtbar kompliziert um uns aufzunehmen, muss Fotokopien von ID und ACSI Ausweis machen(beide Seiten, pro Seite ein Blatt), ein Formular ausfüllen mit Geburtsort und allem drum herum! Ob wir das immer machen, uns auf fremden Grundstücken einfach einzurichten?? Ja, hätten wir warten sollen in der Hitze vor der Rezeption, bis sie, nach zwei Stunden und mit 25 Minuten Verspätung, erscheint? Ich bestätige ihr, ja das machen wir öfters, es würde manchmal sogar gewünscht, dass man sich wohl fühle, das Geschäftliche könne man dann abends abwickeln. Und der Plan an der Türe könne ja schon als eine Aufforderung für Velofahrer angesehen werden, sich zu installieren, wenn zwischen 12-17 Uhr niemand da sei. Ich darf mit der Karte bezahlen, SFR 32.-, aber das Bier, das ich auch noch kaufen möchte, kann ich nur bar bezahlen. Dann kaufe ich eben keines, ich habe keine Franken! Wir müssen uns sowieso an das Preisniveau der Schweiz gewöhnen!
Wir planen die Weiterfahrt und entschliessen uns, die ausgeschilderten Route Nr 1 durch Genf durch zu fahren, besser als selber mit dieser Karte auf dem GPS einen eigenen Weg zu suchen. Auch so ist es schwierig genug, nicht an jeder Kreuzung anhalten zu müssen (um das rote Schild zu suchen). Wir verabschieden uns im Morgengrauen von den Holländern, sie wollen heute bis nach Lausanne, wir wahrscheinlich bis Rolle, da hat es einen kleinen Camping-Platz am See!
Die Fahrt durch Genf wird wirklich zum Suchspiel, es hat in der Stadt einige Baustellen und die Wegweiser sind unauffindbar, oder an einer unsichtbaren Stelle. Am Bahnhof können wir, nach einiger Wartezeit, endlich etwas Geld beziehen. Und wir finden auch den See und machen ein Foto vom „Jet d’eau“.
Der Verkehr ist hektisch und als wir auf einer Busspur fahren, wo explizit auch Velofahrer fahren dürfen, überholt uns ein Bus sehr schnell und kommt Martin gefährlich nahe, da er viel zu früh wieder rechts hält. Bei der nächsten roten Ampel ruft ihm Martin noch zu, dass er besser aufpassen sollte! Und am Strassenrand  meint ein Mann, der alles beobachtet hat, dass die Buschauffeure in Genf wie die Teufel fahren! Erst nachdem wir die Stadt verlassen haben, wird es ruhiger, es gibt Velostreifen und die Strässchen ins Hinterland, weg von der N1, die trotz Autobahn stark befahren ist. Die Mittagspause machen wir in einem kleinen Dorf wo wir beobachten, wie nach 12 Uhr die Handwerker zum Mittagessen fahren. Es kommt uns vor, als wenn die, die oben im Dorf gearbeitet haben, an den See hinunter wollen und umgekehrt! Nach Nyon wird es uns zu heiss, alle die vielen Aufstiege und Umwege in die Hügel zu machen, wir nehmen die vielbefahrene Hauptstrasse, aber die hat bis Rolle fast durchgehend einen Velostreifen! Das ist gut für die Alltagsvelofahrer, zur Arbeit will man ja nicht schweisstreibende Umwege durch die Dörfer machen! Auf dem Camping beziehen wir ein Plätzchen unter einem Baum und stürzen uns in den See! Das tut gut!
Die Stimmung hier gefällt uns, man hört zwar auch ab und zu ein Flugzeug, aber die Entfernung ist so gross, dass es nicht mehr störend ist. Die Aussicht auf die Berge, die Wolken und der Sonnenuntergang sind wunderschön.
In Morges ist Markt, wir spazieren mitsamt den Rädern durch die Gassen, kaufen Käse und Gemüse und ein Stückchen Fleisch, Martin stellt es fast die Haare auf von dem Preis, den wir dafür bezahlen. Alles ist mindestens 50% höher als in Frankreich. Von Spanien wollen wir gar nicht sprechen.
Vor Lausanne biegen wir ab, nehmen die Veloroute 5, die Mittellandroute, die uns an den Neuenburger- und Bielersee führen wird. In dieser Gegend verbrachten wir Ferien mit den Kindern, fuhren mit den Fahrrädern dem Flüsschen Venoge entlang, bis nach Lausanne. Diesmal geht’s in die andere Richtung, fast alles durch den schattenspendenden Wald. Bei einer Hütte machen wir Rast, hier hat es sogar einen Brunnen, wo wir unsere Flaschen mit kühlem Wasser auffüllen können. Dann, etwas später, mitten auf dem Waldweg liegt ein grosser Baum, gefallen wahrscheinlich im letzten Gewitter. Martin muss zuerst schauen, ob es ein Durchkommen gibt für uns. Wir müssen alles abladen, die Taschen und die Velos einzeln hinüberhieven und wieder beladen. Aber da haben wir ja schon Übung und schaffen das locker.
Es wird schwül und Wolken ziehen auf, ein Gewitter ist angekündigt für die zweite Hälfte des Nachmittags. Die Venoge schlängelt sich durch eine Schlucht, die keinen Weg hat, das heisst für uns, überwinden von knapp 100 Höhenmetern, natürlich nicht durch den Wald, sondern durch Wiesen und Felder, da läuft bei mir der Schweiss nur so runter. Zum Glück bestehe ich auch noch ein wenig aus Haut und Knochen, sonst hätte ich mich in der Hitze völlig aufgelöst….
Der Camping, den wir ansteuern, ist auf dem nächsten Hügel, aber als wir oben ankommen, werden wir sehr unfreundlich begrüsst und über die (sehr hohen) Preise informiert. Das ärgert uns und wir entscheiden uns, weiterzufahren, obschon wir wissen, dass Yverdon noch 40km entfernt ist, wir schon über 40km in den Beinen haben und die Gewitterwolken über uns sich bedrohlich auftürmen und man das Grummeln schon hören kann. Noch eine halbe Stunde, dann wird’s ungemütlich nass auf dem Velo! Wir verlassen den Ort und beginnen sofort mit der Suche nach einem trockenen Plätzchen. Und wir haben enormes Glück: Wir finden den perfekten Platz um das Zelt sofort aufzustellen und alles ins trockene Innere zu befördern, bevor es zu schütten beginnt. Das Gewitter dreht ein paar Runden über unseren Köpfen, wir haben uns gemütlich eingerichtet und lesen, während es stürmt und draussen alles nass wird. Gerade richtig zur Kochenszeit klart der Himmel auf und wir können unser Abendessen ohne Schirm über dem Kocher zubereiten. Dazu beobachten wir zwei Füchse, die in der Nähe unter den Bäumen am Spielen oder Jagen sind. Es ist einer der ganz schönen Plätze auf dieser Reise, die Morgenstimmung mit dem Gemisch von Nebel, Wolken und Sonne ist sehr eindrucksvoll!
Kurz nachdem wir am nächsten Tag losfahren, bemerke ich, dass ich fast keine Luft mehr habe in meinem Vorderreifen, Flicken ist angesagt! Auf einem Feldweg vor einem Bauernhof laden wir ab und reparieren den Schlauch.
Dann, kurz vor  Yverdon gibt es plötzlich einen Knall-und Pfffff! Und der Hinterreifen von Martin ist geplatzt! Aber da ist nicht nur der Schlauch kaputt gegangen, sondern auch der Reifen ist gerissen auf einer Länge von 5cm. Er hattte gehofft, dass dieser abgefahrene Reifen bis nach Hause noch halten würde,…Er flickt den Schlauch und Reifen, kann aber nicht genug Luft reinpumpen, sonst hätte der Schlauch sich durch den Riss im Reifen gedrückt.
Es reicht gerade, um das Gepäck auf das Velo zu laden und es zu schieben. Martins Gewicht dazu, hätte zu einem erneuten Kollaps des Reifens geführt. Etwa einen Kilometer müssen wir schieben, dann sind wir in der Stadt und eine Frau zeigt uns, wo ein Fahrradladen ist. Dort müssen wir einen Reifen kaufen, der nicht ganz den Anforderungen eines Tourenrades entspricht, aber um in ein paar Tagen nach Hause zu kommen, ist er gut genug. Vor dem Laden wechselt Martin Reifen und Schlauch damit wir weiterfahren können. Am See machen wir dann eine ausgedehnte Mittagspause auf einer Wiese am See, wir müssen nicht mehr weit, unser Ziel heute ist la Corbiére, ein Bauernhofcamping in Estavayer le Lac, den wir schon vor knapp 20 Jahren zum ersten Mal per Velo mit den Kindern besucht haben. Die Strecke ist schön und führt durch das Naturschutzgebiet!
Langsam, mit schönen Erinnerungen verknüpfend, nähern wir uns unserem Zuhause. Es fällt uns noch schwer, das definitive Ende dieser Reise ins Auge zu fassen. 
Auf der nächsten Etappe beschliessen wir mitten im Wald, Freunde anzurufen und zu fragen, ob sie Hilfe bei ihrem Umzug in ein neues Haus brauchen könnten. Und sie können! So fahren wir nicht Richtung Bern, sondern Biel, wo wir die letzte Nacht im Zelt auf einem Bauernhofcamping verbringen! Wir fahren durch altbekannte Gegenden, mit Entzücken bleiben wir fast eine halbe Stunde neben diesen Tieren und schauen zu, wie sie ihr Leben geniessen! Die haben echt Schwein gehabt!
Wir kaufen frische süsse Erdbeeren vom Feld und schmausen sie umgehend, so gut sind sie! Die Sicht ist heute unwahrscheinlich klar und wir können die schönen schneebedeckten Alpen bewundern, obschon wir noch weit weg sind. Da kommen in mir Gefühle auf, die wohl mit dem Begriff  Heimat zu tun haben!
Und schon bald sind wir beim neugekauften Haus unserer Freunde angekommen, sie begrüssen uns freudig und wir verbringen plaudernd den Abend im noch wilden, ungepflegten Garten.
Wir helfen, die Wände eines Zimmers weiss zu malen, nehmen grosse Möbel auseinander, packen Kisten und dann, ein paar Tage später, mit vielen anderen Helfern zusammen, die ganze Haushaltung zu zügeln.
Voller Freude treffen wir unsere Kinder, die Familie, Freunde. Und der ganze administrative Kram kommt auf uns zu, überflutet uns, es ist unvermeidlich, wenn man nach zwei Jahren aus dem Ausland wieder nach Hause kommt.
So gehen wir langsam an das Leben hier heran, versuchen, seinen Rhythmus zu spüren und uns daran zu gewöhnen. Es ist nicht einfach! Das „Normale“ ist noch sehr ungewohnt, wie Fremde fühlen wir uns, sind aber doch nicht so fremd.

 

ViaRhôna

Ein paar Tage fahren wir im Rhônetal aufwärts, meistens dem Fluss oder seinen Nebenarmen entlang, die Veloroute ist gut ausgeschildert und fast ohne Verkehr! Dass es hier viel Industrie hat, wissen wir, ein AKW sehen wir in der Ferne und gegen Abend fahren wir an vier Kühltürmen vorbei, sehen und hören, wie das Wasser rauscht. Auch diesmal ist es, wie in Spanien, ein eigenartiges Gefühl, so nahe an einem so gefährlichen Ding zu stehen, nur geschützt durch einen Zaun, der ganz einfach zu übersteigen wäre… Wo sind da die Überwachungskameras? Wie ist das für die Leute, die gerade nebendran wohnen? Blendet man mit der Zeit die Gefahr einfach aus? Glaubt man an die Sicherheit, die vorgegaukelt wird? Nun ja, das AKW Mühleberg ist auch nicht so weit weg von Burgdorf und wir haben uns diesbezüglich kaum Gedanken gemacht über unsere Sicherheit.
Am ersten Abend, gerade als wir anfangen wollen zu kochen, ziehen dicke schwarze Wolken auf, es grummelt bedrohlich da oben. Schnell räumen wir alle unsere Sachen wieder ins Zelt, mitsamt Tisch und Stühlen, es ist wie letztes Jahr in England, rein mit uns bevor wir nass sind. Da fallen schon die ersten dicken Tropfen auf das Zelt! Noch ein paar Windstösse , dann beginnt es zu schütten wie aus Kübeln! Wir haben zum Glück einen grossen Einkauf gemacht, nachdem wir von der Ardéche ins Rhônetal eingebogen sind. So können wir uns ein wunderbares kaltes Menu zusammenstellen: wir machen einen Maissalat mit Zwiebeln und Peperoni, dazu Ziegenkäse und frisches Brot und zum Dessert ein Joghurt mit Crème de Marrons de l’Ardéche aus der Tube! Köstlich! Und dazu von oben als musikalische Begleitung das Trommeln des Regens und das Donnern.
Via RhônaEin neues Teilstück der ViaRhôna wird eingeweiht, wir begegnen vielen Radfahrern, von Veteranen bis zu ganzen Familien, die den Weg mit dem Wind südwärts fahren, der bläst uns heute wieder mal ärgerlich stark ins Gesicht. Aber wir haben schöne Begegnungen, Gespräche am Wegrand und an einem der Stände, wo gratis Kuchen, Kaffee oder andere Getränke ausgeschenkt werden. Fast wie ein Slow-Up (Fahrrad-Event in der Schweiz), nur viel kleiner und persönlicher. Bei einer Mittagspause fahren Tourenfahrer an uns vorbei, wir grüssen einander freundlich, aber anhalten mag niemand. Die Leute haben nicht viel Zeit zum Plaudern auf dem Weg. Und wir fahren eindeutig in die falsche Richtung, gegen den Wind, gegen den Strom! Aber doch, da fährt ein Mann daher, bremst ab und freut sich, mit uns zu plaudern, stellt sein Zelt auf, das nach dem Gewitter gestern noch nicht ganz trocken ist und erzählt uns von seinen Reisen und wir von unseren! Er kocht seine Mahlzeit am Mittag, und abends stellt er sein Zelt auf, wo es ihm gerade gefällt. So fährt er schon seit ein paar Jahren in Europa herum und lebt sein Leben auf diese Weise!
Die Vegetation verändert sich in diesen Tagen, langsam verschwinden die Olivenbäume, Palmen und Reben, immer häufiger tauchen Kirschen-, Aprikosen-, Pfirsich- und Nektarinen-Plantagen auf. Weizen, Roggen, Hafer, Mais und Kartoffeln werden auf den Feldern angepflanzt, fast wie zuhause. Neu sind die vielen grossen lichten Wälder aus Nussbäumen, die immer häufiger werden. Les noix de Grenoble! Hinten erheben sich die ersten Berge der Alpen und als wir hinter Valence abbiegen, um der Isère entlang zu fahren, nähern wir uns ihnen schnell.
 Noch eine kleine Episode im Zusammenhang mit dem GPS! Bei der Planung am Morgen habe ich einen Camping kurz nach Valence ausgesucht, ca. 60km auf der Veloroute zu fahren, dann kurz vorher rechts auf ein kleines Strässchen abbiegen, das uns direkt zum Platz führt. Da ich aber das GPS so eingestellt habe, dass die Entfernung relativ gross ist, sieht man nicht so genau, welche Strassen sich wirklich berühren und wo vielleicht noch ein Kanal dazwischen liegen könnte! So fahren wir diese grosse Schlaufe auf einem Damm, links der Fluss und rechts ein Kanal und  keine Abzweigung oder Brücke weit und breit. Wir haben schon fast 70 km hinter uns, es ist schon 18 Uhr gewesen, so langsam haben wir Hunger. Schon sage ich zu Martin, dass wir sehr wahrscheinlich einen Umweg von etwa 8km machen müssen, bis zur nächsten Brücke, da sehe ich plötzlich einen kleinen Steg über den Kanal. Da könnte man vielleicht hinüber! Zu Fuss gehe ich mal das steile Bord hinunter und erkunde die andere Seite, ob da ein Weg irgendwo hinführen könnte. Es hat ein Zaun, aber das GPS zeigt mir nun, nachdem ich herangezoomt habe, dass nach ein paar hundert Metern ein Fussweg abzweigt und auf die Strasse, die zum Camping geht, führt. Also runter mit den Fahrrädern, über das Brücklein und dem Waldweg entlang-hier könnte man auch wild campen….
Als wir ankommen, steht an der Türe der Rezeption: Complet! Das kann doch nicht möglich sein! Aber wirklich, als ich eintrete, schickt die Dame gerade ein Paar weg, die mit einem Camper-Van angekommen sind. Der nächste Platz sei nur 20km entfernt, das sei nicht weit. Kehren wir jetzt zum Fussweg am Kanal zurück? Ich hoffe, dass sie uns nicht wegschicke, sage ich zur Begrüssung, wir bräuchten nur ein kleines Plätzchen! Und wir dürfen in einer Kurve unter zwei Aprikosenbäumchen unser Zelt aufstellen, das ist zwar kein offizieller Platz (jedoch mit offiziellem Preis), aber wir sind froh, dass wir die Duschen benützen können! Etwas komisch finden wir nur, dass zwei Plätze gerade auf der anderen Seite frei sind und bis am anderen Morgen nicht besetzt werden.
Durch Weizenfelder und immer wieder einmal runter an die Isère, über eine Brücke und auf der anderen Seite wieder hinauf, haben wir den ganzen Tag die nahenden Berge vor den Augen.
Das Gewitter am nächsten Tag erwischt uns zum Glück nicht, wir haben gerade das Zelt verlassen und stehen bei den Toiletten unter dem Dach, als es beginnt zu schütten! Aber schon nach einer halben Stunde ist es vorbei und wir können im nahen Dorf einkaufen, auf der anderen Seite der Isére, runter und wieder rauf! Das machen wir heute ausnahmsweise mal ohne Gepäck! In einer grossen Schleife des Flusses, wo er sich Richtung Grenoble wendet, verlassen wir die Veloroute und nehmen wieder einmal eine normale Strasse, auf der wir über einige Hundert Höhenmeter hinauf zum Lac de Paladru schwitzen. Es kommt uns immer mehr vor wie im Kanton Freiburg, oder im Emmental?
Nur die Häuser sehen etwas anders aus als in der Schweiz. Von da geht’s dann wieder hinunter, Richtung Rhône, wo sie sich von Norden her Richtung Lyon wendet, wir werden nordwärts Richtung Genf fahren. Oh, jetzt sind wir schon nahe der Schweiz! Ab hier hat es wieder mehr Tourenfahrer, Deutsche und Schweizer! Aber das Paar, das sich neben unserem Platz niederlässt ist aus der Türkei! Wir freuen uns, mit ihnen zu plaudern, sie erzählen uns, dass sie nur drei Monate Zeit haben, wegen dem Visum! Dann gehen sie zurück, erneuern das Visum und fahren wieder los! Am Morgen, bevor sie früh losfahren, machen sie uns einen türkischen Kaffee!
Die Hitze macht uns nun zu schaffen, es wird über 30°, wir stehen um 6 Uhr auf und um 8 Uhr geht’s los. Dazu kommt, dass wir uns nicht beeilen müssen, wir wollen ja erst so gegen den 20. Juni zuhause eintrudeln. Wir fahren kürzere Etappen, damit wir die Mittagshitze im Schatten, am Pool oder Fluss verbringen können. Und einmal in Ruhe dem Stress der Sportfischer zuschauen.
Dann sitzen wir mal gemütlich auf der Terrasse eines Cafés am Fluss, und geniessen ein Eis, da sehen wir auf der anderen Seite Polizeimotorräder mit Blaulicht und Sirene über die Brücke und fast am Café vorbeibrausen. Was ist da los? Eine Suchaktion? Frankreich ist in höchster Alarmbereitschaft, die Polizisten sehen wir mit der Schussweste bekleidet in ihren Autos sitzen, und nun plötzlich hier, weit weg von einer Stadt so viel Polizei? Wir verlassen die Terrasse, und da sieht Martin auf der anderen Seite des Flusses ein paar Radfahrer mit einigen Motorrädern und Autos in Begleitung. Und dann brummt ein Helikopter über unsere Köpfe. Hei, das ist ein Velo-Rennen! Die Tour de France?! Schnell, an die Strasse, das müssen wir sehen!
Ich nehme die Kamera aus der Tasche und mache ein Foto vom Haupt-Feld, als sie auf der anderen Seite auftauchen – die sind aber sehr schnell! Und soooo viele Autos und Motorräder fahren vorne und hinten mit! Das ist ja verrückt!
An der Strasse habe ich gar keine Zeit, die Kamera einzustellen, es rauscht und im Nu sind die Radfahrer vorbei, dann die Motorräder und all die Autos der verschiedenen Equipen, mit Rädern auf dem Dach, oben der Helikopter, dann ein Pannenfahrzeug, eine Ambulanz und zum Schluss noch einmal ein paar Polizeimotorräder mit Blaulicht. Dann ist der Spuk vorbei und plötzlich wieder gespenstisch still! Ich muss lachen, na so etwas, da sitzt man ahnungslos auf einer Terrasse und plötzlich flitzt die Tour de France vorbei! Andere Leute gehen extra hin, warten stundenlang, um ja nichts zu verpassen,….
Am „See des Bettes des Königs“ machen wir wieder Halt. Die Campingplätze sind an dieser Strecke einfach sehr schön, mit Aussicht auf die Rhone und recht velofreundlichen Preisen. Gegen Abend fährt ein Berner Camping-Bus auf einen Platz in unserer Nähe. Wir kommen mit dem Paar ins Gespräch, es sind spannende Leute und wir plaudern lange miteinander, am Abend und dann auch wieder am nächsten Morgen! Vielleicht treffen wir uns einmal in der Schweiz! Machen zusammen ein Feuer oder eine Kanufahrt und diskutieren weiter!
Und in Seyssel verbringen wir unsere letzte Nacht  in Frankreich, es geht endgültig in die Schweiz. Da sind gemischte Gefühle, wieder nach Hause zu kommen!

Herault und Ardéche

Dem Herault entlang geht’s langsam in die Höhe, am Pont du Diable vorbei, an der Strasse werden Kanus vermietet, die Saison beginnt erst, es werden Häuschen aufgestellt, vereinzelt sieht man schon Kanus auf dem Fluss.
Wieder einmal geht es über einen Berg, es ist schon ziemlich warm, die Steigung ist aber erträglich und fahrbar. Ein paar Motorradfahrer überholen uns, was denken die wohl über uns?
Die Mittagspause machen wir an einer schönen Stelle direkt am Fluss, wo Kanufahrer ihre Bootstour beenden, das Gelände ist zugänglich bis zum Fluss, meistens geht es steil hinunter oder der Wald ist zu dicht! Das Flusstal ist beeindruckend, die Felsen hoch und steil, das Wasser hat sich Jahrhunderte lang seinen Weg durch diese Felsen gegraben. Und ringsum Wald, viel grüner Wald!
Irgendeinmal biegen wir ab, weg vom Fluss Herault, wieder etwas aufwärts, wo das Terrain bewirtschaftet wird mit Wein- und Ackerbau. Die Hitze flimmert auf dem Asphalt, wir sehen sogar Kühe zwischen den Büschen im hohen Gras, braun mit langen Hörnern. Auf einem kleinen Hügel in diesem Tal steht eine Kirche, ein paar Häuser ringsum, Montoulieu. Es hat ein Restaurant, das sich rühmt, Produkte des Tals in seinen Menus zu verarbeiten, ein Piscine und einen Camping municipal! Klein aber fein! Der Mann erfüllt uns freundlich den Wunsch nach einem Schattenplatz, wo sich unsere Körpertemperatur langsam normalisieren kann. Später, bei einem Glas Rosé, erfahren wir mehr über das Dorf, es lebt vom sanften Tourismus, Wandern, Radfahren, Menschen, die lieber Ruhe haben anstatt grossen Trubel, der anderswo zu finden ist.
Mit seiner Frau und dem Enkel besuchen wir die Chèvrerie, wo Ziegenkäse verkauft wird. Leider habe ich weder Handy noch Kamera mitgenommen, es hätte ein paar lustige Ziegenfotos gegeben! Der Bauernhof ist hochmodern eingerichtet und wir schauen zu, wie die Ziegen gemolken werden und können die Jungen streicheln. Der Enkel, etwa 8 Jahre alt, ist ganz entzückt über die Zutraulichkeit und Anhänglichkeit der Zicklein!
Und der ganz frische Ziegenkäse, das ist einfach eine Gourmandise! Aber auch die älteren Sorten sind sehr fein und auch gut haltbar, ohne Kühlschrank. Wer mich kennt, weiss, wie ich früher die Nase gerümpft habe, wenn es um Käse ging. Ich hätte selber nie gedacht, dass ich einmal so gerne Käse essen würde! Am Abend füllt sich die Terrasse des Restaurants und wir staunen, woher wohl all diese Leute  kommen? Ach ja, unsere Tagesetappen kann man im Auto in einer Stunde oder noch weniger zurücklegen. Da ist unsere Denkweise schon etwas beeinflusst nach so langer Zeit auf dem Fahrrad.
Früh am Morgen können wir unser bestelltes Brot abholen und fahren los. Wir wünschen dem Mann viel Erfolg mit seinem Camping, es ist eine kleine Oase, was sehr viel mit seiner Gegenwart zu tun hat!
Nach dem sanften Hochtal geht es dann wieder runter in ein tiefes Flusstal hinunter, und dann wieder hoch, durch Dörfer und mehr bewohntes Gebiet. Wir nähern uns Anduze, einem Touristenort am Fluss Gard, und Alés, der grössten Stadt in der Region. Wir fahren über Nebensträsschen, die manchmal zu Feldwegen werden, umfahren die Städte, die uns im Moment nicht interessieren und erreichen in der grössten Mittagshitze Cadet, wo am Fluss unter vielen alten Bäumen ein wunderschöner Camping steht. Wir dürfen uns am Fluss einen Platz suchen, und bezahlen einen Spezialtarif, 10.80€. Die Betreiber sind Holländer, die ganze Familie arbeitet im Betrieb mit, und die Gäste sind vorwiegend auch Holländer. Auch hier wird das Restaurant abends voll sein, wir sehen jetzt mehr jüngere Leute, die Ferien machen und nicht nur pensionierte Langzeit-Camper, die auf ihr Budget schauen, und kaum die Restaurants besuchen.
Es zieht uns Richtung Ardéche, diese Schlucht will ich sehen, soviel habe ich schon darüber gehört, und bin noch nie dagewesen. Martin ist mit einem Rumpeln und Grummeln in der Magengegend aufgewacht, das sich auch nach der eher explosiven Entleerung den ganzen Tag über nicht richtig beruhigt. Unterwegs trinkt er in einem Dorf eine Cola, das hilft ein bisschen. Wir besuchen einen kleinen Flohmarkt, wo auch ein paar alte Autos stehen, 2CV’s und andere, die uns später wieder überholen. Die Mittagspause machen wir unter einer alten Eiche mit Blick auf ein wunderschönes Mohnfeld, das Rot leuchtet so intensiv, dass man fast nicht glauben kann, dass so etwas die Natur hervorbringt!
Die letzte Etappe bis nach Vallon Pont d’Arc wird dann richtig lang, zuletzt noch ein steiler Aufstieg, wieder in der grössten Hitze (das habe ich gut geplant!). An einer Apotheke blinkt so eine Datum-, Zeit,- und Temperaturanzeige, da sehen wir, dass es 32° ist. Endlich kommen wir an, wir brauchen Schatten, viel Flüssigkeit und Martin unbedingt etwas Schlaf. Alle diese Wünsche können wir uns erfüllen. Wir bleiben einen Tag hier, damit sich Martins Magen auskurieren kann. Wir sind neben der Ardéche, am Nachmittag gehen wir baden. Es ist etwas enttäuschend, hier ist noch gar nichts von Schlucht zu sehen, dafür aber ein Kanuverleih neben dem anderen, etwa 10 Campings, und das Dorf voll mit Touristenshops und Cafés, und, wir staunen, vielen Touristen.
Wir wollen in die Schlucht, selber, keine geführte Kanu-Tour, also los: Einkaufen, bis die Taschen fast platzen, anrufen und uns anmelden, (das machen wir sonst nie), und am nächsten Tag los, zum Camping des Templiers. Den gibt es seit etwa 44 Jahren, hat eine Seilbahn fürs Gepäck (und unsere Velos, deshalb der Anruf). Die Leute müssen auf einem steilen Waldweg etwa 150 Höhenmeter hinunterlaufen. Da kommt kein Wohnwagen oder Autocaravan hin! Es ist ein Naturisten Platz, auch der Strand, schon immer gewesen. Der Begründer, Jaques, war ein richtiger Naturisten-Fundamentalist, der mit Frauen und Kindern hier gelebt, Bäume gepflanzt oder gerodet hat, die Seilbahn gebaut und legalisiert hat, und nach jedem Hochwasser immer wieder alles neu geputzt und repariert hat. Lange war der Platz illegal, aber Jaques hat nie aufgegeben, hat sich mit allen in der Gegend angelegt und der Platz war nur einmal für eine Saison geschlossen. Heute ist Jaques 89 Jahre alt, hat vor ein paar Jahren den Platz dem Bürgermeister von Vallon verkauft, dem gehört auch ein 4-Stern Camping in Vallon und ein Kanuverleih. Dieser wolle den Platz erhalten, er sei einzigartig in der Schlucht. Viele, die hierherkommen, sind Stammgäste, nehmen seit Jahren immer wieder die Mühe auf sich, alles hier herunterzutragen!
Und das nehmen wir auch auf uns, laden die Velos und das Gepäck  auf die Seilbahn und lassen alles runterfahren. Danach machen wir uns auf den Weg und steigen den Waldweg hinunter. Und begegnen hier dem Paradies! Viele Bäume und Büsche, kleine Hütten und Plätze, die gerade gross genug sind für ein Zelt. Man hört und sieht Vögel, Frösche, das Wasser und tagsüber die vielen Kanufahrer, die das „Abenteuer“ wagen, diesen Fluss runter zu paddeln. Wir verbringen ein paar wundervolle, ruhige, zeitlose, freie Tage, bis unsere Vorräte langsam zur Neige gehen. Wir hängen noch einen Tag an, es gefällt uns so gut,.
Links oben im Baum, das ist kein Vogelnest, da hat im Frühling das Hochwasser Holz angeschwemmt!Am Tag unserer Abreise ist es bewölkt, was uns gerade gelegen kommt, der Aufstieg von der Seilbahn bis zur Strasse ist sehr steil. „Au Revoir“ du schönes Plätzchen, hier würden wir gerne wieder einmal herkommen!

Es wird heiss!

Der Canal du Midi liegt vor uns und schon bald erinnern wir uns wieder an letzten November, als wir manchmal auch nur einen kleinen Pfad fanden. Jetzt kommt dazu, dass das Gras bis zu einem Meter hoch ist, die Wurzeln der grossen Bäume unsichtbar was uns ziemlich verlangsamt. Ich schlage mehrmals mit dem Pedal auf der Grasnarbe auf, habe aber Glück, dass ich nicht gleich hängenbleibe und stürze. Auf dem Canal hat es ein paar Schiffe, es ist ja schon wieder Samstag! Velofahrer hingegen treffen wir kaum, nur kurz nach Carcassonne einen Tourenfahrer aus Deutschland, mit dem ich ein paar Worte wechsle. Er ist wahrscheinlich auf seinem ersten Trip nach der Pensionierung, allein für ein paar Monate mit dem Fahrrad durch Europa, die Frau ist zuhause geblieben. Er möchte es eigentlich etwas gemütlicher nehmen, aber allein unterwegs ist das gar nicht so einfach, sich irgendwo hinzusetzen und nichts zu machen- da fahren viele noch ein bisschen weiter und fahren dann 80-100 km oder mehr pro Tag.
Es ist anstrengend, dem Canal entlang zu fahren, wir treffen auf dickes Gestrüpp mit Brombeeren und Disteln. Dazu ist es heiss geworden, viele der schönen Allee-Bäume wurden abgeholzt, weil sie schon alt und morsch waren. Zwar werden vielerorts lange Reihen neue Bäumchen gepflanzt, aber da ist noch kein Schatten. Dass mit der Anpflanzung auch der Weg entlang des Kanals etwas verbessert werden könnte, haben die Verantwortlichen schlicht übersehen.
Unterwegs treffen wir auf ein älteres Paar auf dem Rad, er ist gerade im Gras hängegeblieben mit seinem Pedal, wir kommen ins Gespräch und plaudern fast eine halbe Stunde lang. Im nächsten Dorf finden wir eine offene Epicerie, wo wir einkaufen können. Wir haben den Plan, am Canal wild zu campen, aber wir finden dann doch kein geeignetes Plätzchen. Zu offen, zu viele Schiffe oder zu nahe an den Häusern. Es ist Samstag, da müssen wir auch mit Leuten rechnen, die Abends noch an den Canal fahren um die Nacht da zu feiern….deshalb nehmen wir eine Strasse nach Mirepeisset, zu einem Camping. Eine Dusche ist heute auch nicht zu verachten!
Es ist ein Bungalow-Camping, mit einer Bar, vielen Leuten und nur vier kleinen Stellplätzen. Auf einem sind zwei Australier, die eine Tour durch Europa machen. Sie haben keine Küche dabei und gehen Essen, wir hingegen haben Spargeln gekauft und kochen uns ein wunderbares Menü!
Wir verlassen den Canal du Midi, wir haben schon genug davon, es geht Richtung St.Chinian nach Roquebrun, eine wunderbare, schön hügelige, weite Landschaft, wenige Dörfer und dazwischen viel Reben, Pinienwald und wildes Land.  Lange beobachten wir eine dicke graue Wolke, die uns entgegenkommt, oder eher an uns vorbeiziehen wird? Pech gehabt, sie erwischt uns, nachdem wir St.Chinian verlassen haben. Wir ertragen den Regenguss unter einem Baum am Strassenrand, und sind bald wieder bei Sonnenschein unterwegs. Roquebrun ist ein kleines, verschlafenes Dorf in einem Tal, der Camping fast noch verschlafener.  Die Rezeption ist geschlossen ist, aber ein Mann in einem kleinen „Eriba“ Wohnwagen leiht uns seine  Karte, um die Duschen- und Toilettentüren zu öffnen.
Er ist ein pensionierter Geologe, der immer im Frühling für sechs Wochen hierher kommt, um zu arbeiten, da er noch ein paar Projekte fertigstellen will. Sein ganzes Leben hat er immer wieder in dieser Region die Steine erforscht. Es gibt hier viel Spannendes für Geologen zu finden! Er beschreibt uns eine Schlucht, die wir besuchen könnten, im nächsten Quertal, da hat es auch viele interessante geologische Kostbarkeiten. Ich gehe hier nicht ins Detail, da ich nicht viel verstehe von der Geologie. Was ich verstehe, ist, dass man hier ganz wunderbar die verschiedenen Erdschichten sehen kann, die vor etwa 350 Millionen Jahren aufgebrochen sind und sich übereinander geschoben haben.
Am Montagmorgen werden wir von der Dame an der Reception belehrt, dass am Sonntag: „Dieu se repose, et nous, on se repose aussi!“ Sehr schön für Sie!
Der Abstecher in die Gorges d’Heric wird kurz, da der Weg steil in die Höhe geht, ohne Ausgang. Das heisst, dass wir da raufkeuchen, um dann wieder zurück zu fahren- das macht mir definitiv keinen Spass. Die Schlucht ist ein Kletter- und Wanderparadies.  Am Eingang hat es einen riesigen Parkplatz und der Weg hinein ist für Fahrzeuge gesperrt. Wir fahren ein wenig hinein, finden aber kein Plätzchen wo wir mit den Velos an den Bach könnten, wollen sie aber nicht vollbeladen und allein da oben stehen lassen. Deshalb verlassen wir sie, unser Weg führt uns auf einer „Voie verte“ weiter, da finden wir ein schattiges Plätzchen, wo wir unsere Mittagsrast machen können.
 
Nach Bédarieux  biegen wir in ein kleines Tal, mit einem kleinen Pass zuhinterst, jetzt  wollen wir wirklich wieder einmal wild zelten, aber auch hier, immer wieder Häuser, oder Zufahrten zum Bach die so kurz sind, dass wir befürchten, von der Strasse aus gesehen zu werden. Ein Platz gefällt uns besonders gut, es wäre perfekt, wenn nicht ein Parkplatz wäre und Picknicktische dastehen würden.
Wir fahren und fahren, und endlich, auf der anderen Seite des Passes finden wir einen Weg, der von der Strasse wegführt, es sind keine Häuser in Sicht, durch einen Bach und hinter einem kleinen Hügel, da ist ein Plätzchen, das uns sehr geeignet erscheint zum Bleiben. Wunderschön, so mitten in der Natur zu sein! Auch wenn die Dusche durch einen Waschlappen ersetzt wird – das halten wir aus!
Wir sind gerade beim Kochen, da hören wir ein Auto den Weg hochfahren, und schon sind wir voll in Sicht. Damit haben wir nicht gerechnet, die Fahrerin aber auch nicht. Sie stellt den Motor ab, steigt aus und kommt auf uns zu. Ich bin auch schon aufgestanden, (zum Glück haben wir das Zelt noch nicht aufgestellt) gehe auf sie zu, sie beginnt zu sprechen, französisch mit starkem Akzent. Es stellt sich heraus, dass sie weiter hinten in einem Wohnwagen wohnt, der Landbesitzer ein netter Mann ist, und sie Engländerin ist, hier arbeitet und falls wir Wasser brauchen, könnten wir zu ihr kommen! Für sie ist klar, dass wir hier übernachten wollen, es ist hier einfach zu schön. Da wäre jeder blöd, wenn er es nicht so machen würde. Aber sicher passiert es nicht so oft, dass hier jemand auftaucht. Sie winkt uns noch zu und verschwindet  zu ihrem Wohnwagen, der gut versteckt hinter dem nächsten Hügel steht. Die Stimmung ist sehr ruhig und friedlich, nachdem wir das Zelt aufgestellt haben, verkriecht sich Martin zum Lesen ins Zelt und ich sitze in der Abenddämmerung, bis die Sterne zu leuchten beginnen und es langsam kühl wird.
Am frühen Morgen, die Vögel haben mich durch ihr Konzert geweckt, streife ich mit der Kamera durch die Umgebung, die rote Erde und die Pflanzen drauf faszinieren mich.
Und da finde ich sogar eine ganz heisse Spur!!!
Ich bemerke jetzt auch weiter hinten eine Hütte, auf einem anderen Hügel ein Futtergestell für Kühe und höre neben den vielen Vögeln auch einen Hahn krähen, wir sind doch nicht so weit entfernt von der Zivilisation. Beim Kaffeetrinken kommt die Frau wieder herunter, sie muss zur Arbeit, wir wechseln noch ein paar freundliche Worte, und sie legt uns einen Besuch beim Landbesitzer ans Herz, der gerade nach der nächsten Kurve unten wohnt.
Die Dinosaurierspuren auf einem Felsen, die gut geschützt unter einem Dach und eingezäunt am Wegrand sind, werden wahrscheinlich nicht mehr so oft besucht, oder nicht so gut vermarktet, wie anderes in dieser Gegend. Das merken wir, als wir durch ein Dorf fahren das gerade voll ist mit Wander-Touristen, die ein paar gut vermarktete Felsensäulen mitten im Tal bestaunen und die Berge, die ein wenig aussehen wie die Dolomiten (nur etwas weniger hoch).
Den Lac de Salagou bekommen wir nicht zu Gesicht, der ist wohl hinter den „Dolomiten“. Wir wollen aber heute bis nach Gignac, da hat es am Fluss Herault einen Naturisten-camping, den wir uns anschauen möchten und ein paar Tage Ferien machen. Das Wetter würde passen, das Dorf gut erreichbar zum Einkaufen. Wir verlassen die Berge, das Gebiet hinter Montpellier ist nur leicht hügelig. Die Mittagshitze ist schon recht kräftig, die Pause wird heute im Schatten abgehalten. Unser Wasserkonsum ist in den letzten Tagen in die Höhe geschnellt, wir leeren alle Flaschen bis zum Abend. Und das sind genau 9 Liter, die wir mitführen können. Das ist aber keine Klage, fast noch nie hatten wir so schön warm, und wir geniessen es!!!!
Der Camping gefällt uns gut, viele Bäume und Schatten, Die anderen Gäste sind Holländer und Franzosen. Unser Plätzchen ist unter Bäumen, die in voller Blüte sind, das Summen der Bienen begleitet uns von frühmorgens  bis spätabends. Und die verblühten Teilchen segeln dauernd herunter und decken alles zu. (ich habe gegoogelt und nehme an, dass es eine Art Akazie ist)
Die Temperaturen steigen in diesen Tagen immer höher, bis zu 34° Grad werden gemessen, wir faulenzen, baden in der Sonne und im Pool, und, nachdem uns eine Frau erzählt hat, dass sie im Fluss schwimmen geht, auch im angenehm kühlen Fluss! (Die Aare in Bern hat 14Grad, das habe ich extra nachgeschaut, der Herault etwa 18). Die Nächte sind angenehm warm, die Zeiten der Tropfsteinhöhle (das Zelt) am Morgen ist endlich vorbei! Einmal gehen wir im Restaurant essen, es ist wunderbar, aber leider würde ein mehrmaliger Besuch unser Budget sprengen!
Der Samstagsmarkt in Gignac hat gerade die richtige Grösse, wir kaufen viel ein, so dass wir für die nächsten Tage mit frischen Früchten und Gemüse versorgt sind! Und nach dem Einkauf trinken wir am Rande des Markts ein Glas Weisswein und essen dazu von der Fougasse, die wir vorher am Brotstand erstanden haben. Was für ein Leben! Da die Hitzewelle noch andauert, bleiben wir ein bisschen länger, und als wir uns endlich entschliessen, weiterzufahren, stellen wir den Wecker auf 6 Uhr! Bis wir alles gepackt und gemütlich gefrühstückt haben mit Müesli und Kaffee, dauert es gute 2 Stunden. So können wir dann die kühleren Morgenstunden zum Fahren nutzen.

Auf nach Frankreich

Als wir endlich am 2.Mai den Brief aus Alicante erhalten, sind wir froh, dass wir endlich los können. Es ist immer noch nicht wirklich warm genug, um an der Sonne zu liegen, aber ideal zum Velofahren!
Die Pirinexus oder Eurovelo 8, gut beschildert, geht über Felder und durch Wälder in der schönen Hügellandschaft von Catalunya. Überall blüht der Mohn, ich kann fast nicht fahren, so viele Fotos muss ich machen. Der Himmel ist etwas bewölkt, und natürlich haben wir Wind, von Nordosten, genau gegen die Nase!
In Empúries, einer antiken griechischen Siedlung, versuchen wir, einen Blick auf die Ruinen zu erhaschen, der Wind hat aber ziemlich aufgefrischt, deshalb fahren wir bald weiter bis in ein kleines, ehemaliges Fischerdorf, das ganz schön touristisch vermarktet wird, jetzt aber ziemlich trist ist, weil noch kaum jemand da ist. Auf dem Camping finden wir aber schon Zeichen, dass es im Sommer hier hoch zugehen wird.
Am nächsten Tag verlassen wir die Pirinexus, die, wie der Name sagt, in die Pyrenäen führt, wir aber wollen an die Küste. Wir entscheiden uns spontan, über einen Hügel zu fahren, anstatt der Hauptstrasse zu folgen, dieser entpuppt sich dann aber als recht nahrhaft. Er führt uns nach San Pere de Rodes, einem uralten Benediktinerkloster hoch oben am Hang. Nebelschwaden ziehen vom Meer her über die Hügel und vermitteln eine ganz aussergewöhnliche Stimmung. Bald aber löst sich alles auf und wir werden belohnt mit der atemberaubenden Aussicht übers Meer. Die hatten damals an den unmöglichsten Orten ihre Kloster und Kirchen gebaut, denken wir.
Nach dem Aufstieg, der unsere Kräfte gebraucht hat, fahren wir nun in die Regenjacken eingepackt wieder hinunter ans Meer, wo wir auf einem der teuersten (24€) und zugleich doch  ziemlich heruntergekommenen Camping aufstellen. Der Mann an der Rezeption weiss nicht einmal, ob das Restaurant offen hat und das Wifi würde pro Stunde 4€ kosten! Wir dürfen nicht dort aufstellen wo wir wollen, sondern auf dem schrägsten Stück, ganz nahe an der Strasse und weit weg von den Toiletten und dem Wasser. Mit zwei anderen kleinen Zelten, die Wanderern gehören, sind wir fast die Einzigen, die hier zelten, also wäre es eigentlich kein Problem, uns in der Nähe der Sanitäranlagen aufstellen zu lassen. Wir regen uns aber gar nicht mehr auf, in Catalunya ist im letzten Jahr vieles sehr teurer geworden, aber nicht unbedingt besser. Dass dann die ganze Nacht noch eine oder zwei Nachtigallen ihre Lebensfreude mit lautem Singen, Zwitschern, kundtun, hat aber nichts mit dem Camping zu tun. Man glaubt es kaum, dass so ein kleiner Vogel solch einen Lärm veranstalten kann!
Der nächste Tag ist unser Grenztag! Schon als wir losfahren wollen, bemerkt Martin, dass er keine Luft mehr im vorderen Reifen hat. Also, alles wieder abladen und Schlauch wechseln. Später, die Küstenstrasse geht hoch über den Hügel, dann runter in die kleinen etwas verschlafenen Dörfer, dann wieder hoch über den nächsten Hügel weiter. In  einem dieser Dörfer halten wir Ausschau nach einem Laden, wo wir unsere Vorräte aufstocken können, da macht es laut „Päng und Pfffff“ – und Martins Hinterreifen ist sofort platt! Neben einem Spielplatz laden wir wieder alles ab und Martin muss sogar den Pneu wechseln, da es einen Riss gegeben hat. Zum Glück hat er Reserve dabei! Na, da will uns Spanien nicht so schnell gehen lassen, witzeln wir beim Weiterfahren. Wenn wir noch einen Platten einfahren, muss Martin zuerst den Schlauch flicken.
Das Grenzdorf Port-Bou besteht fast nur aus dem riesigen, menschenleeren Bahnhof. Das Dorf selber ist menschenleer, man sieht zwar die frühere Geschäftigkeit noch, aber heute läuft hier nichts mehr. Die Gebäude oben an der Grenze sind verriegelt und vernagelt, der Wind bläst um die Ecken, nicht einmal mehr die Bar hat offen. Wir wollen eigentlich hier Mittagspause machen, aber es ist zu kühl und ein paar Tropfen warnen uns vor dem Regen, der jederzeit fallen könnte. Er fällt dann zwar nicht, aber der Wind ist einfach kalt hier oben. Als ich abends einer guten Kollegin schreibe, dass wir da durchgefahren sind, erinnert sie sich an einen Grenzübertritt in den 80er-Jahren, da wurde sie herausgepickt und musste sich filzen lassen, weil man vielleicht bei ihr Drogen vermutete,….wie sich die Zeiten doch verändern können.
In Banyuls-sur-mer fahren wir zum Camping municipal, hier wartet eine Überraschung: es hat mehrere Zelte, zwar keine Velofahrer, aber Leute, die im Zelt schlafen! Aber auch welche, die im Auto schlafen, das hatten wir in Avignon auch schon gesehen. Eigentlich dachten wir, Frankreich sei etwas teurer als Spanien, aber verglichen mit Catalunya, sind hier die Campings richtig günstig! Wir bezahlen von nun an zwischen 10,50-17€, fast die Hälfte als in den letzten Wochen. Das Wifi ist meistens zeitlich limitiert auf eine halbe Stunde, alle 6 Stunden wieder, aber gratis! Uns genügt das völlig.
Am Sonntag 7. Mai (Präsidentschaftwahlen!) haben wir uns falsch entschieden, aber losgefahren ist losgefahren. Es ist sehr anstrengend der Küste entlang, wegen dem vielen Sonntagsverkehr auf der schmalen kurvigen Strasse. Einige Franzosen halten nicht so viel Abstand wie die Spanier, was doch eine gewisse Gewöhnungszeit meinerseits braucht. In Collioure dann, muss ich einfach ein Foto machen für eine Kollegin, mit ihr war ich nämlich in den 80er Jahren mal hier in den Ferien. Sie kann sich sicher auch gut an diese Woche erinnern. (Sie wollte viel Wandern gehen und ich bekam dann immer einen Bärenhunger und wollte Essen gehen!)
Als wir im Städtchen eine Pause machen, kommt ein Paar auf uns zu, bestaunt die Fahrräder und wir beginnen zu plaudern, wie schon oft. Plötzlich fragt uns die Frau: „Wart ihr nicht im November am Canal du Midi unterwegs? Und da haben wir uns doch schon einmal getroffen, kurz miteinander gesprochen. Wir waren da mit unseren 5 Kindern unterwegs an die Küste! Mir kommt langsam die Erinnerung, genau, wir hatten gerade Mittagspause gemacht, und sie kamen vorbei, zuerst zwei Jungs, dann der Vater mit einem Mädchen, der bremste und fing an, mit uns zu reden, dann die Frau mit einen Mädchen auf einen Anhängerrad,… Aber die Kinder waren nicht sehr geduldig, deshalb fuhren sie bald weiter! Wie ist die Welt doch klein!!!!
Nach Colliure geht es nur noch ein kleines Stückchen der Küste entlang, dann fahren wir endlich auf Nebenstrassen durchs Landesinnere, Richtung Westen, wir wollen hinten durch, nicht mehr der Küste entlang.
Wir erreichen einen kleinen Camping, den Mas Mignane, der seine Wiesen zu einem Zeltplatz umfunktioniert hat. Das grosse Eingangstor ist geschlossen, wir sehen niemanden und denken schon, der ist noch geschlossen. Aber da steht auf der Informationstafel eine Telefonnummer und ich rufe mal an. Eine Frau nimmt ab und bittet uns freundlich, doch einfach reinzugehen und einen Platz zu suchen, sie käme dann gegen Abend zu uns. Schon will sie abhängen, da kann ich noch gerade fragen, wie wir denn hineinkämen? Ganz erstaunt sagt sie, einfach schieben, das Tor ist nicht abgeschlossen! Aha, das ist ja etwas Neues. Aber klar, so ist es einfacher für sie, wenn sie mal weg ist können die Gäste trotzdem rein. Und hier draussen auf dem Land ist es sicher selten, dass gerade jemand einen leeren Camping ausrauben will. Da der Wind immer noch ziemlich stark bläst, suchen wir ein Weilchen, um den geschütztesten  Platz zu finden. Zwischen zwei hohen Hecken verstecken wir uns, es hat sogar einen kleinen, etwas gedeckten Platz, wo wir sitzen und kochen können. Abends kommt die Frau dann vorbei, wir plaudern ein wenig und sie will wissen, wie wir sie gefunden haben. Nun, die Karte und das GPS haben den Camping drauf. Das erstaunt sie sehr, das sei nicht mehr ihr Ding, so mit dem Internet. Aber anscheinend hat sie genügend Gäste im Sommer, ohne dass sie Werbung mit einer Webseite machen muss!
Am nächsten Tag müssen wir dann, wegen einem Fehler im GPS und auf der Karte, einige Kilometer zurück fahren: eine kleine Strasse ist jetzt gesperrt, (wir glauben den Sackgasse-Schildern nicht, da auf der Karte ein Durchgang ist) aber wir müssen  zurück, nehmen dafür aber einen Feldweg, der sich durch eine wunderschöne Landschaft mit Oliven, Reben und den Schneebergen im Hintergrund schlängelt. Danach kommt ein Teilstück von einer „Voie Verte“, von denen hat es in Frankreich viele, lange und kurze, immer aber sind sie gut beschildert (bis jetzt) und in einem recht guten Zustand. Wegen dem Wind müssen wir einen Picknickplatz wieder verlassen, es ist zu kalt, und der Nächste ist nicht gerade ein Highlight, an einer Gartenmauer in einem Vorort, mit nur wenig Schatten, dafür aber windstill. Das ist gewöhnungsbedürftig, die Sonne ist doch sehr heiss, aber der Wind bläst zu kalt und zu stark, dass man sich einfach irgendwo niederlassen könnte.
Zuletzt gibt es noch eine Fahrt auf einem kleinen Fussweg am Canal de Perpignan entlang, schön einsam und ruhig. Das Land wird ziemlich bewirtschaftet, deshalb verwerfen wir den Gedanken, wild zu zelten. Der erste Camping, den wir ansteuern, ist jetzt aber wirklich noch geschlossen, es ist eher ein Sommerferiendorf mit diesen Plastik-Bungalows, die wir in England auch immer wieder gesehen hatten. Ein Mann sagt uns, dass es ein paar Kilometer von hier einen anderen hat, der offen ist. In Néfiach steht der, da sind wir dem Canal entlang schnell da. Wir werden freundlich begrüsst, dürfen einen Platz aussuchen, das Wasser des Pools sei schon schön warm, 30 Minuten-Gratis-Wifi und sogar einen Camping-Stecker zum Aufladen unserer Geräte gibt es auch! Was wollen wir noch mehr? Die Dusche tut gut, es ist ziemlich warm geworden. Das Bad im Pool lassen wir dann bleiben, wir haben Hunger und wollen kochen.
Am nächsten Tag geht es nun richtig ins Hinterland, durch Weinbaugebiet, mit vielen Hügeln und Steigungen, ab und zu durch ein kleines Dorf, die Strassen sind ziemlich leer, die Aussicht ist wieder einmal beeindruckend!
In Caramany, einem kleinen Dörfchen, hat es einen sehr kleinen Camping, die Leute sind noch an Renovationsarbeiten, wir sind die einzigen Gäste. Wir bekommen den Schlüssel für Dusche und Toilette, es hat Wifi und abends können wir in dem Gebäude sogar die Nachrichten schauen und uns endlich ein wenig über das Weltgeschehen und die Wahlen in Frankreich informieren.
Viele Steigungen und imposante Schluchten  erwarten uns, eine Via Ferrata und die Gorges de Calamus er-fahren wir, da hat der Fluss Agly jahrhundertelang gegraben und weggespült!

Es ist ein langer und schwüler Tag, bis wir in Bugarach auf der Wiese eines Wanderhotels das Zelt aufstellen. Hier hat es sogar ein Häuschen, wo wir kochen und geschützt von Wind und Wetter an der Wärme sitzen und essen können. Die Berge ringsum sind mit Wolken verhangen, gegen Abend aber bläst der Wind die Wolken teilweise weg, so dass wir ein tolles Panorama haben. In der Nacht regnet es ziemlich, und morgens ist wieder alles verhangen. Wir packen unser Zelt schnell zusammen, es könnte wieder regnen, danach essen wir gemütlich im Häuschen Frühstück. Auf Wikipedia lese ich, dass in Bugarach  ziemlich viel los war im Jahr 2012, da dieser Ort der einzige gewesen wäre, wo man das Ende der Welt (laut Mayakalender)  überlebt hätte. Wer das erfunden hatte, ist nicht mehr klar, aber es gab Leute im Dorf, die Teile ihres Gartens für viele Hunderte Euros an Abergläubige vermieteten, bis sogar die Polizei einschreiten musste, dann kam natürlich ein TV Sender und das beschauliche Dorf in diesem grünen Talkessel wurde für ein kurze Zeit weltberühmt. Heute sind wieder die Wanderer unterwegs und es ist Ruhe eingekehrt, nur ein Mann sei immer noch überzeugt, dass hier ein magischer Platz sei, und er der Verkünder des Paradieses….
Wir sind gut im Schuss, die Fahrt geht nun wieder etwas abwärts, dem Flüsschen entlang, wo wir durch ein paar hübsche Dörfer kommen. Die Landschaft wird flacher und wir treffen wieder auf Fahrradwege…
Wenn wir eine offene Boulangerie oder Patisserie antreffen, können wir meistens nicht wiederstehen, da gibt es immer feine Stärkung zu kaufen!
Es geht Richtung Carcassonne, das wir gegen Abend erreichen. Wir quartieren uns wieder auf einem halb offenen Camping ein, der zu einem Reithof gehört. Neben der Pferdewiese stellen wir unser Zelt auf, das ist doch gemütlich, mal Pferde als Nachbarn zu haben. Die paar Kilometer nach Carcassonne nehmen wir gerne in Kauf, wir schlafen hier sicher ruhiger als gerade neben den Stadtmauern und der Strasse. Nachts galoppieren die Tiere dann mehrere Male fast neben unserem Zelt vorbei, und wir kommen uns vor wie im wilden Westen!
Wir machen einen Rundgang durch die Cité, es ist ein Tag im Touristenrummel einerseits, aber auch interessant, so durch diese alten Mauern zu bummeln und sich vorzustellen, wie das Leben hier vor Hunderten von Jahren stattgefunden hat!
Im neueren Teil dieser Stadt suchen wir noch einen Veloladen auf, wo wir einen neuen Schlauch kaufen-man weiss ja nie, wann wieder mal die Luft aus den Reifen entweicht! Auf der anderen Strassenseite entdecken wir einen kuriosen Laden, der uns aber fasziniert. Wenn unser Stauraum nicht so knapp bemessen wäre, hätten wir vielleicht so ein Pferd mit Ritter mitgenommen….

Der Küste entlang bummeln

 

Am Dienstag nach Ostern fahren wir bei warmen Temperaturen los, Richtung Barcelona, das wir einen Tag später per Zug erreichen, von Sitges bis ins zum Hafen nehmen wir den Zug. Die Strecke ist eigentlich nur kurz, aber leider sehr befahren mit vielen Autos und Lieferwagen, die es immer eilig haben, aber trotzdem nicht die Autobahn nehmen wollen. Wir sind diese Strecke nun schon zweimal selber gefahren, heute habe ich keine Lust dazu.
In Barcelona ist es bewölkt und eine Jacke kühler, als wir das Hafengebiet erreichen, beginnt es zu nieseln, mit Gegenwind, klar. Da es gerade Mittagszeit ist, stellen wir unsere Räder unter ein Dach und essen ein Stück Pizza, drinnen in so einem Fastfood-laden. Dazu beobachten wir den regen Touristenverkehr, wir hören englisch, französisch, japanisch und/oder chinesisch, einige kommen rein und bestellen ihr Mittagessen, andere einen Kaffee. Wir sind froh, dass wir die Stadt verlassen können, es ist uns nicht nach Stadtleben. Nein, wir wollen wieder etwas Natur, dafür müssen wir aber etwa zwei Tage fahren, damit wir aus den Ferien-Touristenorten kommen, die nahtlos ineinander übergehen, meistens mit der stark befahrenen National-Strasse und der Zug-Linie genau vor der Küste. So fahren wir auf den Paseos maritimes, die, je nach Gemeinde, für Fahrräder erlaubt oder verboten sind. Da der Wind aber ziemlich aufgefrischt hat, sind wir fast die einzigen unterwegs, mal hat es ein paar Jogger oder Mountainbiker, ganz selten eine Frau mit Kinderwagen.
Gegen 17 Uhr erreichen wir den Camping Barcelona, ein riesiger Komplex mit vielen Bungalows, Restaurant mit Vollpension, Bar und vielen, vielen Leuten. Wir können gerade noch einchecken, und ersparen uns eine längere Wartezeit, bevor eine Gruppe, die mit dem Bus angereist kommt, die Rezeption füllt und diese für längere Zeit beschäftigt. Wir bezahlen 26 Euro, das ist der Preis für eine kleine Parzelle, weil Barcelona nahe und teuer ist. Vom Camping aus kann man mit einem Gratis-Shuttlebus in die Stadt fahren. Eigentlich ist der Platz nicht sehr reizvoll, aber der Besitzer hat sein Geschäftsmodell ganz auf die Barcelona-Touristen abgestimmt und scheint viel Erfolg damit zu haben. Hier sehen wir das erste Mal wieder andere Zeltler, eine Frau zu Fuss, mit dem Rucksack, andere mit dem Auto.
Wir verzichten am nächsten Tag auf den Shuttlebus und fahren selber Richtung Nordosten weiter, noch durch ein Städtchen, wo reges Samstags Treiben herrscht, am Strand wird ein Rallye für alte Autos abgehalten, wir spazieren durch die parkierten “Oldtimer”, von denen einige in unseren jungen Jahren noch ganz aktuelle Modelle waren!
Nun aber Richtung alte Küstenstrasse, die durch hügeliges Gebiet, rauf und runter führt und ein richtiger Augenschmaus ist. Endlich viel grün und blau und fast keine hässlichen Gebäude mehr, die überall die ganze Küste „zieren“. Die Zug-Linie und die National-Strasse sind abgebogen und fahren durchs Landesinnere nach Girona. Gemütlich kurven wir, mit vielen Renn-Radfahrern (es ist Samstag, die Spanier sind auch unterwegs) auf dieser Strasse, verweilen wo es uns gefällt, wenn es nach Pinien, manchmal nach Rosmarin und Feigenbäumen duftet und der Ausblick zu atemberaubend wird.
Die Campings kosten nun alle um die 18-20€, was schon ein Unterschied ist zu letztem Jahr, wo wir oft 15 -17 € bezahlt haben. Sogar mit ACSI-Card-Ermässigung sind es 19€, und wir bezahlen meistens den gleichen Preis, auch ohne Fahrzeug und Elektrizität. In Spanien hat der Tourismus im letzten Jahr so viel zugelegt, dass alle davon profitieren wollen.
Ach ja, diese ACSI-Card, die hatten wir ja noch in Alicante bestellt, da diese aber mit zwei dicken Bücher verschickt wird, kam das Packet nicht in der angegebenen Zeit an (12 Arbeitstage), so sind wir ohne sie losgefahren, ist nicht so schlimm, haben wir gedacht. Aber schon bald gemerkt, dass wir auf den guten Willen des Personals des jeweiligen Campings angewiesen sind, wenn wir unsere Geschichte erzählt haben. Unterdessen hat uns der Concierge des Hauses in Alicante geschrieben, dass das Packet endlich angekommen ist, genau 25 Tage hat es gebraucht! Unser Freund Fran hat es geholt, ausgepackt und schickt uns nun die Karte in einem Brief hierher, in den Camping, wo wir uns jetzt aufhalten und wir hoffen, dass ein Brief von Alicante nach Palafrugell wirklich nur 3-4 Tage braucht, wie von der Post versprochen wurde.
Da die Tage vor Ostern so warm waren, haben wir uns gedacht, jetzt ist die Zeit gekommen, um uns ein wenig an die Sonne zu legen, hier in einem Camping. Er ist sehr ruhig gelegen, aber nur 3 Kilometer vom nächsten Städtchen entfernt, wo es Einkaufsmöglichkeiten gibt.
Morgens beobachte ich oft einen Eichelhäher, der hier in der Umgebung zuhause ist und zur Futtersuche auf dem Gelände herumspaziert. Daneben hat es den wunderschönen, braunen Wiedehopf, der mit seinem langen Schnabel die Würmer aus der Erde zieht und sehr elegant aussieht mit seiner Federhaube. Dann die Spatzen, Amseln, Finken und Tauben, und viele andere, die ich oft nur höre aber nicht sehe oder nicht kenne. Oder die Eichhörnchen, die verspielt an den Bäumen herumturnen. Das Vogelkonzert am frühen Morgen ist auf jeden Fall wunderschön und erfreut mein Herz! Wie schön es doch ist, draussen zu erwachen und zuzuhören!
Der Wind ist wieder kraftvoll und kühl, so dass wir eher im Zelt oder in der Bibliothek windgeschützt lesen oder am Laptop sitzen, anstatt die Sonne zu geniessen.
Es hat ziemlich viele Leute hier, neben den Spaniern auch von Holland, Deutschland, England, Belgien und Frankreich, immer wieder haben wir interessante Gespräche mit diesen Menschen, die entweder vom Überwintern im Süden kommen oder seit Jahren hierher in die Ferien fahren. Meistens sind wir die Jüngsten, und immer die Einzigen, die nur mit Zelt und Fahrrädern unterwegs sind. Aber das stört uns nicht, wir geniessen es, draussen zu sein.

Workaway privat

 

Genau zwei Wochen verbringen wir bei Bekannten in Reus, helfen ein wenig mit in ihrer Finca, im Garten und im Haus. Wir dürfen vier alte Stühle neu polstern, das macht mir besonders Spass! Ein alter Schreibtisch muss abgeschliffen und neu lackiert werden. Ein Baum hat seine Äste weit über das Dach gestreckt und reibt die Äste an den Dachrinnen, Martin steigt auf die Leiter und schneidet  sie ab, was einen Riesenhaufen Äste gibt, den wir zu Brennholz zerkleinern. Ein kleines Haus auf der Parcela muss für neue Mieter ausgeräumt und geputzt werden. Der Kamin der „Barbacoa“ verlängert werden, damit der Rauch besser abziehen kann. Es ist fast wie Workaway, aber mit Leuten, die wir schon lange kennen und früher auch schon besucht hatten. Sie sind schon beide über 80 Jahre alt, haben aber immer noch viele Ideen im Kopf, die oft ihre eigenen Körperkräfte etwas übersteigen. Wir bewundern sie sehr, wie sie ihr Leben mit all den Einschränkungen des Alters meistern. Neben den Arbeiten kochen wir oft zusammen, gehen einkaufen, und erfahren viel über die früheren Zeiten, als unsere Bekannte in die Schweiz kam, um bei ihrer Tante zu arbeiten.
Den Plan, von Barcelona aus die Balearen zu besuchen, lassen wir jetzt definitiv ins Wasser fallen. Über Ostern haben wir keine Lust, uns auf die Strassen in das Getümmel der spanischen Touristen zu stürzen, die in der Semana Santa am liebsten viel und weit herumfahren. Gerade nach Ostern sind dort wieder Gewitter angesagt – ein Zeichen des Himmels. Wir werden uns wirklich ein andermal mit diesen Inseln anfreunden.

Naturschutzgebiete

 

Wir sind im Kontakt mit Yeni und Toni, sie sind am Samstag in Alicante auch mit den Velos für eine grosse Tour durch Europa losgefahren und wir bewegen uns ganz in der Nähe. Eines Morgens ist es dann soweit, sie besuchen uns auf einem Campingplatz. Was für ein Hallo und Wiedersehen!
Wir verabreden uns auf einem Camping etwa 70 Km weiter von hier, um dort gemeinsam zu campen und Erfahrungen auszutauschen. Sie fahren schon mal los, wir müssen zuerst noch zusammenpacken….Wir fahren über die Strässchen im Inland, sie der Küste entlang, was vielleicht einen Unterschied von einigen Kilometern ausmacht, aber wir fahren lieber durch Orangenfelder als durch tote Ferienstädte. So erreichen wir nachmittags Benicassim, einen Ferienort, der noch ein bisschen belebt wirkt, da hier wahrscheinlich genug Leute überwintern. Wir sind sogar früher da als die Beiden, richten uns ein, nachdem ich vergeblich versucht habe, um den Preis zu feilschen. Ich finde einfach, dass wir nicht so viel bezahlen müssten wie die Camper Vans. Aber der Mann an der Rezeption ist und bleibt freundlich unerbittlich. Als wir dann auf der Wiese aufstellen wollen, muss er sich noch einmal einmischen und verweist uns auf eine Parzelle, die schön mit Plastik und Kieselsteinen ausgelegt ist, gut für einen Camper oder Wohnwagen, aber nicht so gut für uns mit Zelt und Heringen. Als dann die Beiden ankommen, ist ein anderer Mann da, der will zwar auch den gleichen Preis, aber sie hätten auf der Wiese zelten dürfen! Nun, da wir uns schon eingerichtet haben, bleiben sie bei uns. Wir verbringen einen gemütlichen Abend zusammen, sie freuen sich auf all die Abenteuer, die sie dieses Jahre auf ihrer Velo-Reise durch Europa erleben werden.
Der nächste Tag wird zur Herausforderung, viele Wolken und ein Lüftchen, das sich immer mehr gegen uns wendet und uns immer kälter und böig um die Ohren pfeift. Wir begegnen einem Tourenfahrer, er kommt von Zaragossa her, wir plaudern etwa eine Viertelstunde, dann haben wir so kalt, dass wir weiterfahren müssen. Er erzählt uns von einem Franzosen, der ein Bio-Restaurant aufgemacht hat, gerade kurz vor Alcossobre, da wollen wir hin. Als wir endlich ankommen, ist es so kalt geworden, wie schon lange nicht mehr. Gerne lassen wir uns eine warme Mahlzeit kochen, diskutieren über dies und das, und als er uns anbietet, dass wir in seinem Studio übernachten könnten, bin ich sofort dafür. Im Sommer vermieten sie es an Feriengäste, jetzt steht es leer. Sie kennen auch workaway, haben oft Leute da, die mithelfen und dafür hier auch Ferien machen können. Wir verbringen den Rest des Tages drinnen, weg vom Wind, Juhui! Am nächsten Morgen weht kein Lüftchen mehr und wir geniessen auf der Terrasse des Restaurants unser Frühstück. Victor wünscht uns eine gute Reise und wir ihm viel Erfolg für seine weiteren Lebens-Pläne.
Das nächste Highlight wartet auf uns, die Sierra d’Irta, wildes Hügelland, ein Nationalpark, und mitten drin ein Campingplatz. Das muss sicher ein schöner Platz sein, wir kaufen ein, damit wir genug Essen dabei haben für zwei bis drei Tage und fahren los. Leider ist der Camping eine grosse Enttäuschung, eher ein Parkplatz für Campers, langweilig und überhaupt nicht so, wie wir uns vorgestellt haben. Deshalb fahren wir weiter, wir suchen uns selber ein schönes Plätzchen. Da es viele Wege hat in dieser Sierra, verfahren wir uns trotz GPS und müssen die Räder auf einem Weg, das gerade für Wanderer gut ist, schieben.
Aber wir sind ganz allein mit dem Meer, dem Wind (der wieder aufgefrischt hat) und der Natur! Rosmarin, Thymian, Pinien, wilde, rote und violette Blumen, gelbe Büsche, etc. etc. Bei einer kleinen Bucht müssen wir alles abladen, da geht’s auf der einen Seite 2 Meter runter und auf der anderen über Steine und Felsen wieder hinauf. Wir machen eine Pause und essen unser Picknick hier unten, einigermassen geschützt vom Wind.
Martin sucht dann den einfachsten Weg auf der anderen Seite wieder hinauf, wir laden die Räder, und kurze Zeit später sind wir auf dem richtigen Weg. Etwas weiter vom Meer weg hat es kleine Pinienwäldchen, gut, um wind- und blickgeschützt zu übernachten. Nach kurzem Suchen werden wir fündig, ein Plätzchen mitten in einem Wäldchen, ohne Stachelgebüsch und ohne Scherben! Zuerst aber bleiben wir weiter vorne an der Sonne, die ist nämlich sehr warm, wenn man nicht dem Wind ausgesetzt ist. Erst nach dem Kochen und Abendessen, als es beginnt, dunkel zu werden, gehen wir zu unserem Plätzchen und richten uns für die Nacht ein. Danach sitzen wir in der Abendstille und lauschen den Nachtgeräuschen, der Wind hat sich gelegt, man hört das Rauschen der Wellen. Es sind solche Momente, die uns sehr gefallen, die wir nie vergessen werden.
Und genau in diesem Moment trabt ein Tier in unser Blickfeld, etwa 10 Meter entfernt, bleibt stehen, und ich flüstere: „schau mal, ein Wildschwein!“ Da dreht es den Kopf in unsere Richtung und stellt die Ohren auf, es erscheint mir riesig! Ohne viel zu denken, stehe ich auf und klatsche in die Hände, so locker, wie wenn man eine Katze wegscheucht! Das Schwein studiert zum Glück nicht lange, trabt davon und verschwindet hinter den Büschen. Hei das ist ja ein Ding, so ein grosses Wildschwein haben wir noch nie gesehen! und nicht einmal erschrocken bin ich! Wir überlegen uns dann aber schon, was hätten wir gemacht, wenn es sich gegen uns gedreht hätte, um in unsere Richtung zu kommen? Keine Ahnung, laut geschrien, sehr wahrscheinlich! Trotz diesem Erlebnis schlafen wir sehr gut hier.
Der Morgen begrüsst uns freundlich ohne Wind, dafür mit blauem Himmel und Sonne, es ist warm und das Zelt trocken, was bis jetzt selten ist, meistens ist es morgens tropfnass, wegen dem Kondenswasser oder dem Tau. Beim Frühstück hören wir plötzlich ein Auto, es nähert sich unserem Plätzchen, hält dann aber vorne, wo wir am Tag zuvor die Sonne genossen und gekocht hatten. Zwei Männer steigen aus, reden miteinander, entfernen sich zu Fuss. Sicher die Bauern, die in der Nähe ein Feld anpflanzen wollen, das haben wir gestern gesehen, gepflügt. Wir verhalten uns still, wollen nicht unbedingt entdeckt werden. Nach etwa 10 Minuten hören wie die beiden wieder und dann den Motor des Autos und weg sind sie. Wir denken noch, dass sie vielleicht auch Abfall hergebracht haben, solche Plätze sind beliebt um heimlich Matratzen oder anderes zu entsorgen. Als wir fertig sind und wegfahren, schaue ich genau hin und sehe, dass sie einen grossen Stein in den Weg zum gepflügten Feld hingelegt haben, damit niemand dort hinauf fahren kann. Vielleicht waren es doch Bauern, die nicht wollen, dass man ihr Feld findet oder so eine Art Aufseher, die aufpassen, dass hier niemand Felder anlegt?? Naja, wir sind froh, dass wir unentdeckt wegfahren können, wir wollen keine Unannehmlichkeiten mit irgendwelchen Leuten.
Bald ist die schöne Landschaft vorbei, wir begegnen noch einigen Sonntags-Radfahrern, dann kommen wir nach Peniscola, ein hübsches Städtchen, leider ringsum verbaut mit den üblichen, hässlichen Ferienbauten. Unser Ziel ist jetzt das Ebrodelta, ein anderes Naturschutzgebiet, mit vielen Vögeln, Sumpf und Schilf. (denken wir!) Das Wetter verwöhnt uns mit Sonne und Wärme, wir müssen uns nicht beeilen, bleiben auf einem schönen, ruhigen Campingplatz. Hier beobachten wir eine Wolkenwand, die sich im Laufe des Tages auftürmt, grau und schwarz wird, die Kante genau über uns, so dass wir nicht wissen, ob es auch bei uns kommt oder nicht. Auf der anderen Seite ist nämlich immer noch wolkenloser, blauer Himmel, und die Sonne scheint auf unser Zelt. Aber, wir haben Pech, ein Wind kommt auf, das Grollen des Donners kommt immer näher, die Blitze zerreissen den Himmel und dann leeren sich die Wolken über uns aus, wie aus Eimern schüttet es! Wir sitzen gemütlich in unserem Zelt, Martin macht eine verlängerte Siesta und ich lese in meinem elektronischen Buch, das über 1400 Seiten hat. Es ist die Geschichte über die Indianerin Sagajawea, die als Übersetzerin 1805 die Expedition von Lewis und Clark durch den Westen der USA begleitet hatte. Da es in Englisch ist, muss ich oft Wörter übersetzen, damit ich wirklich verstehe, was sich alles abgespielt hat. Viele Bräuche und Riten der verschiedenen Stämme werden beschrieben und Auszüge aus den Tagebüchern der beiden Entdecker machen das Buch so lang, aber auch sehr interessant.
Die Fahrt durch das Ebrodelta ist dann eine kleine Enttäuschung, kaum Wildnis wie wir erwartet haben, wir sehen fast keine Vögel, die uns auf einer Tafel präsentiert werden, sondern viel trockene Erde, Reisfelder, die in dieser Jahreszeit von Traktoren bearbeitet werden, erst Ende April wird bewässert und der Reis gepflanzt. Ab und zu eine Reihe Palmen, die nicht wie an den Promenaden von den alten Palmwedeln befreit werden, so sehen also die Palmen eigentlich aus.
Weil es noch nicht so feuchtwarm ist, hat es noch keine Mücken und wir können abends lange draussen sitzen und den Abendhimmel bewundern.
Von nun an geht’s auf alten Spuren, hier fuhren wir schon einmal vor etwa 6 Jahren, noch mit dem Anhänger, und den alten Fahrrädern. Ein Erlebnis werden wir nie vergessen: Da war eine lange Strecke einer Nationalstrasse, die trotz Autobahn nebenan voller Lastwagen war, wir fuhren auf dem Pannenstreifen und da kam von hinten so ein Laster auf dem Pannenstreifen, ich sah ihn von weit her kommen in meinem Rückspiegel, der machte keine Anstalten, wieder auf die Strasse zu schwenken, war der wohl eingeschlafen?? Martin schrie mir zu, dass ich vom Velo aus über die Leitplanke springen sollte, meine Reaktionsfähigkeit war aber nicht so schnell, ich überlegte noch, was dann alles passieren könnte, da schwenkte der Lastwagen gerade im richtigen Moment auf die Strasse zurück und donnerte an uns vorbei. Martin sah nur, dass der Fahrer eine Zeitung auf dem Steuerrad hatte, der war wohl gerade tief in einen Artikel vertieft!
Eben dieses Stück der Nationalstrasse werden wir sicher nicht fahren, heute haben wir das GPS dabei und finden die Strassen entlang des Meeres, manchmal in besserem oder schlechterem Zustand.
Auf Feldwegen geht es ab und zu ziemlich steil rauf und runter, über die Hügel, ist aber viel schöner und entspannter, als auf dem Pannenstreifen zu fahren. Nur etwa 4 Kilometer müssen wir auf die grossse Strasse, die hat sich noch keinen Deut gebessert, die Autobahn ist fast leer, die Nationalstrasse voller 40Tönner. Hier muss man sicher bezahlen für die Autobahn!
Eine Nacht verbringen wir in Sichtweite eines AKWs, der Camping ist in einem Top Zustand, aber es hat fast keine Leute hier. Auch für uns ist es etwas unheimlich, man hört das Brummen des AKW, in der Nacht noch viel deutlicher als am Tag, und am Morgen hören wir Lautsprecherdurchsagen von dort her, verstehen aber nicht, was das bedeutet. Ich habe in Wikipedia nachgeschaut, Vandellòs heisst das AKW, hat schon einige Jahre auf dem Buckel und einige schwere Störfälle hinter sich. Nummer 1 ist stillgelegt und am Abkühlen, seit fast dreissig Jahren, Nummer 2 hatte im Jahr 2015, den letzten schlimmen Störfall. Wir fahren weiter, im Bewusstsein, dass wir noch längere Zeit im Einflussgebiet von diesem AKW unterwegs sein werden.
Wir bleiben ein paar Tage auf einem wirklich schönen Camping, mit viel Blick aufs Meer und Plätzen, die man selber aussuchen kann, keine Parkplätze, Parzellen in Reih und Glied. Der Wind ist wieder ein Thema für uns, er soll in Böen bis zu 75km/h daherkommen, da wollen wir ein windgeschütztes Plätzchen. Die Mauern der Terrassen sollen uns Schutz geben, von den erwarteten Windstössen. Dazu spannen wir am Zelt alle Schnüre straff ab. So sind wir gut vorbereitet, und als es am Abend noch zu regnen beginnt, gehen wir ins Restaurant essen und verbringen das Gewitter an der Wärme. In der Nacht kommt der Wind mit seiner ganzen Gewalt, ich kann nicht mehr schlafen so wild wütet der da draussen. Es kommt mir vor, wie wenn ein Tier seine Beute im Maul hat und zu Tode schüttelt, so wird unser Zelt durchgeschüttelt, dann rauscht es wieder laut in den Bäumen und wie von einer Faust aus dem Nichts wird unser Zeltlein zu Boden gedrückt. Wir sind der Natur ausgeliefert! Das ist ein ungemütliches Gefühl, dazu die ungemütlichen Gedanken, ob wohl die Bäume ringsum der Gewalt standhalten können und nicht umkippen, gerade auf unser Zelt? Wir überleben diese Nacht aber unbeschadet und wie ich am Morgen aus dem Zelt komme, leuchtet die Sonne und der Himmel strahlt blau um die Wette mit dem Blau des Meeres, das immer noch aufgewühlt wird von dem unvermindert blasenden Wind.
   Wir werden uns nicht bewegen von hier, bis der sich beruhigt hat. Ganz nahe an der Mauer finden wir sogar ein fast windstilles Plätzchen, um den Kocher in Betrieb zu nehmen und Kaffee zu machen. Was wäre der Tag ohne den „Best Moment“! Wir beobachten beim Frühstücken, wie sich einige Camper aus der Meeres-Frontlinie entfernen, sich näher zu einer Mauer in den Windschatten stellen, die hatten wohl auch nicht gerade eine ruhige Nacht.
Die „Wartezeit“ verbringen wir mit Schreiben, Lesen, Spazieren gehen, in der Sonne liegen, Wäsche waschen und Velos putzen, fotografieren,….

Pläne ändern sich!

 

Bei noch frischen Temperaturen verlassen wir “unsere” Wohnung, verabschieden uns von Fran und dann fahren wir los, wir wollen zum Stausee, wo wir vor zwei Wochen mit Jorge und Manu waren. Hier wollen wir unseren Start zelebrieren. Wir haben uns nämlich vorgenommen etwas mehr wild zu zelten, die Natur zu geniessen!
Die ersten Kilometer müssen wir uns an das Gewicht gewöhnen, Die Räder sind einiges schwerer als die letzten drei Monate! Die Steigung bis nach Aigues schaffen wir recht gut, und die Strecke bis zum Stausee ist dann wirklich sehr schön. Zwar haben wir nur etwa 30Km gemacht, aber zum Anfangen ist das genug, und wir wollen hier ja etwas Zeit haben. Schon die Platzsuche gestaltet sich ein wenig schwierig, da überall, wo es Plätzchen hätte, viele Scherben rumliegen. Die Spanier glauben wohl, wenn sie die Flaschen zerschlagen, verschwinden sie dann von selbst! Schade! Es wäre so schön hier, wenn alle Leute ihren Müll wieder mitnehmen würden. Wir finden aber einen Platz, sammeln die Scherben auf und richten uns ein.
Es ist Freitagnachmittag, noch hat es ziemlich viele Velofahrer und sogar ein Motorrad fährt durch, eigentlich ist die Strasse gesperrt und über die Staumauer können nur Fussgänger und Velofahrer-das kümmert die Motorradfahrer aber nicht, sie fahren auch durch. Nach kurzer Zeit kommt ein Pärchen, das etwas enttäuscht ist, dass wir diesen Platz besetzt haben, sie bleiben nicht lange und brausen wieder davon. Etwas weiter oben sitzt auch ein Paar, die palavern bis es Nacht wird, dann setzen auch sie sich auf ihr Motorrad und fahren davon. Es wird halt schon noch kühl, und für die meisten Spanier ist es zu kalt, draussen zu sitzen. Wir geniessen die Ruhe, das Plätschern des Sees, die Schreie der Möwen und dann die Nachtgeräusche, die an so einem Ort immer viel lauter sind, als wenn man auf einem Camping ist. Die Nacht wird dann aber nicht so ruhig, irgendeinmal kommt eine Gruppe junger Leute bis zur Staumauer und lässt laute Musik laufen, es wird laut geredet (die Spanier können, wenn sie in einer Gruppe sind, fast nicht leise reden!) und gelacht, einige Frauen kreischen, aber dann fahren sie auch wieder davon, und haben ihre Flaschen hoffentlich mitgenommen!
  Der nächste Morgen begrüsst uns mit Vogelgezwitscher, die Sonne scheint durch die Äste, es ist einfach herrlich. Wir frühstücken gemütlich, es ist „the best Moment of the Day“!
Wir lassen und Zeit, wir haben kein Tagesziel, einfach ein wenig weiterfahren, bis wir wieder einen so schönen Platz finden. Eine Gruppe Mountainbiker zeigt uns einen Weg durch die Felder, so dass wir kaum auf der grossen Nationalstrasse fahren müssen. Wir durchqueren gemütlich Benidorm, jetzt am Tag zeigt es sein anderes Gesicht, junge Engländer, die mit roten Köpfen und nacktem Oberkörper mit Bierdosen in der Hand über den Paseo wanken auf dem Weg zum nächsten Lokal. Die Damen aufgebretzelt, in viel zu engen Shorts oder Miniröcken, ihre ganzen, etwas überquellenden, Reize zur Schau stellend, sie sind die Queens! Daneben viele Spanier die heute, Samstag, hierhergekommen sind, um zu flanieren, noch ist es Winter, sie sind verpackt in warme Mäntel. Und die älteren englischen Touristen, die in leichten Sommerkleidern auf den Bänken sitzen und die Sonne auf sich wirken lassen. Eine fremde Welt, die uns nicht so gefällt. Wir verlassen diese Stadt, froh, dass es auch noch anderes gibt als diese Scheinwelt.
Etwas später entscheiden wir, nicht wild zu campen, es gibt rundum Benidorm nicht wirklich Wildnis, da ist alles verbaut. Wir fahren mal den nächsten Camping  an, schauen, wieviel der kostet, denn nach Altea kommt die nächste Steigung, einige Kilometer auf der Nationalstrasse, das machen wir lieber am Sonntagmorgen, da hat es sicher etwas weniger Verkehr als jetzt. Und so steigen wir in Albir von den Fahrrädern, steuern die Rezeption an vom Camping“ Cap-Blanch“. Zuerst will die Dame dort 18€, plötzlich aber fragt sie uns, ob wir schon lange unterwegs sind, aha, aus der Schweiz mit dem Fahrrad, oh, sehr gut, darf ich ein Foto machen, das gefällt dem Chef, ihr könnt gratis eine Nacht hier übernachten, wenn wir das Foto auf  Facebook stellen dürfen. Naja, also gut, das tönt ja nicht schlecht, wir sind ja eh schon ein paar Mal in Facebook aufgetaucht (massa critica Alacant)…
Nachdem wir uns einen Platz ausgesucht haben, darf ich noch einen kleinen Bericht in spanisch über unsere Reise schreiben, das hätte sie gerne. Gut, ich kürze unsere Reise ab, das würde dann doch zu viel. Wir freuen uns sehr über die Geste des Chefs, der uns einfach so gratis campen lässt, ohne dass er uns selber gesehen hat! Unsere Nachbarn auf dem Camping sind Deutsche, die den ganzen Winter hier verbringen, sie laden uns ein auf einen Tee, nach dem Abendessen, und wir dürfen mit ihnen den ganzen Abend im windgeschützten, warmen Vorzelt sitzen und plaudern.
Die Fahrt auf der Nationalstrasse geht dann wie geplant sehr gut, es hat nur wenig Verkehr am Sonntag, wie vorausgesehen. Calpe schauen wir uns nur von oben an, an Teulada fahren wir auch vorbei und Xabia, das auch sehr schön sein soll, lassen wir auch rechts unten liegen.
In den letzten Tagen haben wir uns genau über die Wetterlage informiert, immer wieder wurden wir gewarnt von den Gewittern und Regenstürmen, die im Frühling über Mallorca wüten. Und genau so eine Gewitterwelle ist im Anmarsch, die ganze nächste Woche will es gar nicht gut dort. Da ändern wir kurzum unsere Pläne, die Fähre von Denia aus wäre sowieso nicht so ideal gewesen, die kommt nämlich nachts um 1.15 Uhr in Palma an, und die Nächte dort sind noch so um die 6-8 Grad, weit und breit kein Camping, und für eine halbe Nacht ein Hotelzimmer suchen ist auch nicht gerade der Hit. Von Valencia aus hat es auch noch Fähren (sogar günstiger im Preis und den Abfahrtszeiten) oder dann von Barcelona aus. Wenn wir auf diese Insel fahren, möchten wir einigermassen schönes Wetter antreffen.
Und so fahren wir auch an Denia vorbei. In kurzen Etappen fahren wir Richtung Valencia, übernachten noch einmal wild, fast in den Dünen, zwischen Schilf und hohen Oleanderbüschen. Wenn ich solche riesige Büsche sehe, denke ich oft an unseren Nachbarn, der liebevoll jeden Winter seine Oleander in den Keller zügelt und im Frühling wieder in die Sonne, die aber doch nur etwa 1,50 Meter hoch werden. Und hier wird diese Pflanze fast zum Unkraut. Wenn es nicht geschnitten wird wächst es gut und gerne bis zu 5 Meter in die Höhe!
In dieser Nacht rauscht das Meer schön laut, es ist ganz nahe hinter den Dünen. Die Tage sind sehr sonnig, aber es hat fast immer Wind und der ist einfach noch kühl, deshalb sitzen wir, sobald wir am Schatten sind oder wenn die Sonne untergegangen ist, mit unseren Daunenjacken und den Faserpelzkäppis da. Schliesslich haben wir vor langer Zeit im Tauchkurs gelernt, dass der Mensch über den Kopf am meisten Wärme verliert! Wir suchen die schönsten Wege und fahren lange durch schöne Orangen-, Mandarinen- und Zitronenbaumfelder, es ist die Zeit der Blüte und der Duft ist einfach umwerfend gut, ich möchte am liebsten einmal eine Nacht unter diesen Bäumen verbringen, so gut duftet es! Leider sind hier viele Zäune und verschlossene Tore, oft hat es Hunde, die die Parcelas bewachen, und das gefällt mir dann wieder weniger.
Naturschutzgebiete wechseln sich ab mit den meistens ausgestorbenen Ferienretorten-Orten, die wir schnell wieder verlassen. Valencia durchqueren wir, diese Stadt gefällt uns zwar sehr gut, aber es ist uns nicht nach Stadtbummel zumute, deshalb verlassen wir sie, Richtung Norden. Ach ja und die Gewitterlage über Mallorca hat sich noch nicht bemerkenswert verschoben, deshalb fahren wir jetzt mal bis nach Barcelona mehr oder weniger der Küste entlang weiter. Die Wetterlage bestimmt unsere Route, Auch im Hinterland hängen die Wolken tief und die Sonne ist eher ein seltener Gast, deshalb lassen wir auch das Hinterland lieber links liegen.

 

„Gota fría“

Wortwörtlich übersetzt heisst das „kalter Tropfen“! Heisst aber: ein Unwetter! Es ist am Montag über Alicante hinweggezogen, mit starkem Wind und Regen, soviel Regen auf einmal, wie sonst in einem halben Jahr hier fällt!
Wir haben mit Freunden unseren Abschied mit einem Essen gefeiert. Trotz Regen seit dem frühen Morgen sind wir in unserer Wohnung gemütlich zusammengesessen, bis gegen Abend. Als aber Toni aufbrechen will, kommt es gerade sehr schlimm, ein Gewitter donnert und blitzt über uns, so dass wir nach draussen schauen und merken, dass der Regen angefangen hat, sich vor und hinter dem Haus auf dem Parkplatz zu sammeln. Das Tor hat schon längstens den Geist aufgegeben und steht offen. Die Stromversorgung bricht nun immer wieder zusammen. Das Handynetz ist total überlastet und hat Ausfälle, das Wifi hat schon vor Stunden den Geist aufgegeben. Bei einer der Terrassentüren müssen wir Lappen hinlegen und das hereindrückende Wasser aufwischen, da plötzlich beginnt es von der Decke zu tropfen! Die Farbe hat eine dicke Blase bekommen, die ist geplatzt und das Wasser ist rausgespritzt. Schnell rücken wir das Sofa zur Seite, holen Kessel und Becken, um die Tropfen aufzufangen. Ob wohl die Nachbarin oben auch einen Wasserschaden hat?
Wir beobachten, wie es aus Kübeln schüttet, da bemerkt Toni, dass der Wasserspiegel knapp unterhalb der Autotüre steht und plötzlich schnell steigt! „Ich muss jetzt sofort das Auto in Sicherheit bringen“! Er rennt hinunter, muss durch knietiefes Wasser waten, setzt sich ins Auto und fährt los, raus aus dem Parking bis zur Kreuzung. Eigentlich möchte er nach Hause, aber die Strasse ist voll Wasser, die Avenida Costa Blanca gesperrt, überall stehen gestrandete Wagen, deshalb parkt er es schlussendlich auf dem Trottoir, dem höchsten Punkt hier. Nun ist aber er in der Patsche, hat nasse und kalte Füsse und rund ums Haus hier ist das Wasser bis auf fast einen Meter gestiegen, er kann nicht mehr zurückkommen.   Fran telefoniert mit seinen Kindern und seiner Frau, die unterwegs sind, auf dem Heimweg von der Arbeit. Überall herrscht ein Chaos, nirgendwo kann das Wasser noch abfliessen, es kommt einfach viel zu viel vom Himmel.
Endlich aber erscheint seine Frau, sie nimmt Toni mit, kommen aber nicht weit, müssen umkehren, parken ihr Auto neben das von Toni auf dem Trottoir, sie wollen jetzt nach Hause laufen. Und Fran und Yeni? Am Nachmittag haben wir noch über Warmshower gewitzelt, über die Kapazität von unserer Wohnung, wir könnten zur Not bis zu 4 Personen hier schlafen lassen. Und jetzt müssen sie ernsthaft darüber nachdenken, es ist unterdessen schon fast 23.00 Uhr! Sie haben sich schon halb entschlossen hier zu bleiben, da ruft Frans Frau an, berichtet über Wasser in ihrer Wohnung, und da hält es ihn nicht mehr. Er hat einen Auto-Schlüssel bei sich, und wird versuchen, Yeni nach Hause zu fahren. Das Wetter hat sich etwas beruhigt, es regnet kaum mehr und der Wasserspiegel ist schon etwas gesunken, aber der Wetterradar verspricht schon bald wieder mehr, viel mehr Regen.
Also jetzt oder nie: Die zwei ziehen die Schuhe aus und waten durch den See, raus aus dem Haus, und weiter ans „Festland“. Zum Glück hat es ein Geländer, da können sie sich festhalten.
In der Nacht regnet es zum Glück nicht mehr, das Unwetter wird gegen Süden geblasen, der Wind pfeift durch unsere Wohnung, und das Wasser sucht sich langsam seinen Weg in den Untergrund. Am nächsten Morgen ist der Spuk schon fast vorbei, aber überall liegt eine dicke Schicht Dreck, und es geht ans Aufräumen. Das Erdgeschoss ist sehr betroffen, die Wohnungen standen sicher einen halben Meter unter Wasser, sie müssen alle renoviert werden!
Wir sehen nun auch, warum der Wasserspiegel so plötzlich gestiegen ist: Die Mauer zum Park hinten ist gebrochen und der See hat sich auf den Parkplatz ergossen. Im Nachbarhaus ist die Garage im Untergeschoss vollgelaufen, mehr als 2 Meter hoch sei es,  auf den etwas tiefer gelegenen Parkplätzen der Gebäude ringsum stehen Autos bis zum Bauch oder sogar bis zum Dach im Wasser. Das wird für einige Leute hart, wenn Wohnung und Auto betroffen sind, und sie vielleicht keine Versicherung haben…
Wir verschieben unsere Abreise um einen oder zwei Tage, der Wind ist immer noch sehr stark, die Böen gehen bis 70km/h. Da zieht es uns nicht gerade raus! Und auf die Fähre nach Mallorca wollen wir auch nicht, wenn es noch stürmt!
Wir haben ja ein Riesenglück, das wir nicht schon letzte Woche losgefahren sind!

Wie doch die Zeit vergeht!

Die letzten Monate sind nur so an uns vorbeigesaust, und doch, unser Alltag ist (noch) ruhig und beschaulich. Ich sitze kaum vor der Karte und studiere eine Route für den nächsten Tag, suche keine Campingplätze oder andere Übernachtungs-möglichkeiten, sondern sitze auf der Terrasse und lese den ganzen Tag lang einen Krimi, oder auch gerade mal zwei! Wir schauen Filme oder Doks an, hören viel Musik und Sendungen vom Schweizer Radio, (Menschen und Horizonte, Persönlich,…) kochen feine Menus,… oder wir spazieren dem Meer entlang, oder fahren mit den Rädern durch das Hinterland, gehen auf ein Bier oder Glas Wein in eine Bar, wo wir uns mit ein paar Tapas oder Raciones verwöhnen,…treffen uns mit Freunden, um über Fahrräder und das Reisen zu palavern, fahren an der Massa critica mit, besuchen zweimal eine Tablao de Flamenco,…. einfach fast wie Ferien.
Wir haben einige, auch mehrtägige, Radtouren gemacht, unser Freund Fran ist voller Elan dabei, in der ganzen Provinz Valencia (dazu gehört auch Alicante), neue Routen auszukundschaften. Im Hinterkopf hat er die EuroVelo 8, wo diese einmal durchführen könnte, wenn die Verantwortlichen dann einmal kapiert haben, wie wichtig das wäre für die Velofahrer hier und natürlich auch für den Tourismus. Im Winter ist das Klima hier meistens ideal zum Velofahren und das Land hat so viel mehr als Sand, Strand und Sonne zu bieten. Die besten Mandarinen sind doch die selbst gepflückten!

Gerade heiss war es in diesen Tagen nicht.
Die Strässchen, die durchs Hinterland führen haben ihren Reiz, und dank GPS finden wir sie auch. Dass dann manchmal die Bodenbeschaffenheit etwas schwieriger wird, vor allem wenn es so viel geregnet und gestürmt hat wie dieses Jahr, sieht das GPS aber nicht voraus! Da mussten wir schon selber anpacken, damit wir weiterkamen.
Kurz vor Sonnenuntergang noch einen Platten, das macht doch Freude, und eiskalte Finger und Füsse!Essen ist immer gut!  Seit Jahren, ja Jahrzehnten hat es nicht mehr so viel geregnet, deshalb sind die Felder jetzt voller Blumen! Wie schön, dass es richtig warm ist.Auch dieser Stausee ist so voll wie seit Jahren nicht mehr! 
Voller Freude haben wir Ende Januar einen Abstecher nach Salobreña gemacht, um für einige Tage unsere letztjährigen  Warmshower-Schweizer-Gastgeber hoch auf den Hügeln über der Stadt zu besuchen! Dafür wollten wir zuerst einen Bus nehmen, (die Fahrt hätte über 8 Stunden gedauert), dann haben wir bei Blabla-Car nachgeschaut, leider fährt in dieser Jahreszeit nur selten jemand in diese Gegend), und zuletzt habe ich die Auto-Mietangebote studiert. Dabei sind uns fast die Augen aus dem Kopf gefallen: Für 5 Tage haben wir einen VW Golf gemietet, für 36€, total! Klar, da kam noch das Benzin dazu, (und beim Abholen wollte die Dame am Schalter uns eine teure Versicherung aufschwatzen.) Da haben uns sogar die Spanier gesagt, eigentlich seien sie blöd, selber ein Auto zu haben, wenn man es so billig mieten kann. Wahrscheinlich ist es wegen der Jahreszeit, es hat jetzt nur wenig Touristen, und viel zu viele  Autovermieter und tausende von Autos rund um den Flughafen Alicante, der unterdessen der am 4-meisten angeflogene Flughafen von Spanien ist und immer noch jährlich zweistellige Zuwachsraten verbuchen kann. Die Felder weitherum sind zu Parkplätzen umfunktioniert worden, jeder, der hier ein Stück Land besitzt, will etwas mitverdienen. Viele Ferienhausbesitzer haben sogar ein eigenes Auto, das sie nur während ihrer Ferienzeit benützen, ihre Häuser stehen meistens irgendwo in einer Siedlung, vielleicht an einem steilen Hang, weit weg von Bus, Zug, Einkaufsmöglichkeiten oder dem Strand…nur mit einem Auto erreichbar. Und in der restlichen Zeit des Jahres steht dieses dann hier auf einem Parkplatz!
So haben wir also ein Auto gemietet und sind 450 km südwärts gefahren, alles auf der Autobahn. Letztes Jahr brauchten wir für dieselbe Strecke mehr als zwei Wochen! Die uns aber viel besser in Erinnerung bleiben werden als diese 4 Stunden auf der schwarzen Strasse.
Das Gefühl ist überwältigend, als wir wieder diesen Hügel hochfahren, diese lieben Menschen dort treffen und wir fühlen uns sofort wieder wohl! Wir verbringen wunderschöne und interessante Tage mit den Beiden.
Auf dem Rückweg machen wir einen Abstecher in den Parque National Cabo de Gata, unsere englischen Freunde Debbie und Steve sind dort auf einem Campingplatz stationiert! Die Überraschung gelingt uns voll, die beiden waren „zuhause“! Schon bald werden sie aufbrechen, wieder durch Spanien nordwärts, sie haben für diesen Sommer das Nordkap im Visier. Da dauert es vielleicht sehr lange, bis wir uns wiedersehen!Wieder zurück in Alicante haben wir Besuch aus Berlin bekommen, und Ende März aus Holland! Welche Freude, diese Freunde wieder zu sehen! Wir verbrachten sehr schöne und erlebnisreiche Tage mit beiden Paaren!
Seit einigen Tagen ist es nun wärmer geworden, aktuell sind wir tagsüber bei 20°+ und nachts über 11°! Da kann man an windstillen Tagen schon mal auf die Felsen am Cabo de la Huerta Sonnenbaden gehen oder abends draussen sitzen und zuschauen wie die Sonne untergeht!
Der Frühling ist da!
In all diesen Tagen und Wochen haben wir uns auch intensiv mit unserer Zukunft befasst, wie wollen wir weiterfahren, was wollen wir wirklich, was ist möglich, kurzfristig in den nächsten Monaten, aber auch längerfristig, in den folgenden Jahren??? Herauszufinden was wir nicht möchten, war gar nicht schwierig! Und Ideen, was wir machen könnten, hatten wir auch ganz viele. Die richtige Auswahl zu treffen, das hat uns einiges an Gesprächen und Denkprozessen erfordert.
Jetzt aber sind wir soweit: unsere Lastesel werden in Topform gebracht: Gründliche Reinigung, die Sättel einfetten, Ölwechsel der Rohloff Schaltung, Ketten schmieren und nachziehen, etc…etc…der Blog wird noch nachgeführt und dann werden die Taschen gepackt, die Velos beladen und los geht’s! Es kribbelt uns in den Beinen und im Kopf, die Freude auf die nächsten Monate unterwegs ist allgegenwärtig. Nächstes Ziel sind die Balearen! Mehr verraten wir noch nicht, wir wissen ja selber noch nicht genau, was uns dort erwartet!

 

Ruhepause?

Unser Abstecher zu unseren Kindern in die Schweiz verging wie im Flug, aber das ist eigentlich immer so, wenn wir etwas Schönes unternehmen!
Zurück in Alicante: Ausflüge bei Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen ans Cabo de los Huertos, wo wir die felsigen Buchten und Strände auskundschaften. Es wird so heiss, dass wir unsere Sonnehüte vermissen! Und beinahe ins Wasser steigen, aber das ist dann doch erschreckend kalt!
Lange Spaziergänge am Meer entlang, jedes Mal ist die Stimmung anders, mit langen Gesprächen über unsere nähere  Zukunft werden zu einem Bestandteil von unserem Alltag.
Wir besuchen einen Velomechaniker in San Joan d’Alacant, Martin muss an beiden Fahrrädern das hintere Kettenritzel umdrehen, es ist schon ziemlich abgenützt.
Beim nächtlichen Ausflug nach Benidorm ins Rock n’Roll House mit unseren Freunden Fran und Marie-Carmen kommt Martin sogar zu einem kleinen Nebenauftritt auf der Bühne bei den „Blues Brothers“.
An der Massa-Critica haben wir neue Leute kennengelernt, diesmal ist Latino-Musik aus den Boxen von Kevin und Sylvia mit dabei, sie sind mit ihren Fahrrädern seit dreieinhalb Jahren in Europa unterwegs. Die beiden haben eine Gruppe Velofahrer (AlicanteCicloturismo) angeschrieben, die sich dem Genussfahren oder Spazierenfahren, dem Cicloturismo verschrieben haben, das noch gar nicht so verbreitet ist wie in Deutschland oder in der Schweiz. Diese Leute haben sich an uns gewandt, ob Kevin und Sylvia bei uns schlafen könnten.
   Claro, wir sind ja geübte Warmshower Gastgeber! Und wir haben viel Spass miteinander, und obwohl Kevin krank ist, führen sie ihr Theater am Samstag im „El Tumbao“, einem Kultur-Lokal, auf. Jaja, ein Theater auf dem Velo! Die beiden sind unterwegs nach Portugal, wo sie den Rest des Winters verbringen wollen. Ihre Fahrräder wiegen etwa das Doppelte wie unsere wenn sie beladen sind, deshalb werden sie noch eine Weile fahren, bis sie dann dort sind. Sie übernachten vor allem bei Warmshowers und helfen ab und zu als „Workaway“. Ihr Budget ist sicher noch viel kleiner als unseres! Sie leben von den Einnahmen des Theaters, das sie im Sommer fast täglich in Frankreich aufgeführt hatten.
Kevin muss sich zuerst auskurieren, bevor sie weiterfahren. Und es wird trotz der kleinen Wohnung und ihrem vielen Gepäck nicht zu eng, im Gegenteil, wir sind direkt froh ein paar Abende gemeinsam zu kochen und zu viert das Wohnzimmer aufzuwärmen.  Da die Wohnung wirklich für den Sommer ausgerüstet ist, hat es nur Einfachverglasung, die Rollladen-Kasten sind regelrechte Lüftungen und wenn der Wind von Osten bläst, zieht es ziemlich ungemütlich durch die ganze Wohnung. 14° (nachts) ist zwar viel mehr als in der Schweiz momentan, aber zum einfach gemütlich Rumsitzen doch ein wenig zu kühl. Wir haben einen kleinen elektrischen Ofen, das muss genügen, sonst fliegen die Sicherungen raus!
Als die beiden uns verlassen gibt es fast schon eine kleine Lücke, aber die füllen wir schnell mit unseren Ausflügen. Die sind manchmal sehr spontan, so wie zum Faro de Santa Pola. Da haben wir nach dem Termin beim Zahnarzt nur kurz einen Kollegen von Fran in seinem Laden besuchen wollen, und daraus ist ein 65km langer Ausflug geworden, von dem wir erst nach dem Eindunkeln wieder nach Hause kommen.
Oder der Samstagsausflug durchs Hinterland zum Essen in El Campello mit unseren Alegres Biciclista-Freunden. Da ist es schon ein wenig kühler geworden, die Ankündigung einer Kältewelle beschäftigt uns aber noch nicht allzu sehr.
Was dann aber kommt muss uns beschäftigen, gezwungenermassen!
In der nächsten Umgebung schneit es, seit 30 Jahren das erste Mal, nachdem in der Nacht die Temperatur auf 1Grad runtergefallen ist!  Fotos zirkulieren in unserem Chat hier, von Schnee und Eis, eine Sensation! Und ich erhalte Winterfotos aus der Schweiz, wo es noch viiiel kälter und viiiel mehr Schnee gegeben hat!!!!!
In Denia hat es geschneit!  In Murcia auch!  Wir müssen zum Glück die Schneeräumungsgeräte nicht montieren!In Bern schneit es auch!
Hier in Alicante regnet es nur in Strömen und ein unangenehmer Wind bläst in Böen bis zu 60km/h aus Osten durch die Wohnung! (siehe oben die Beschreibung!) Wir lassen die Rollladen ganz unten, und verziehen uns mit unserem Ofen und den Schlafsäcken in das kleinste Zimmer und in die Küche, die nach Westen geht. Da verbringen wir fast zwei Tage ohne rauszugehen, wir lesen, schauen uns Filme an, kochen immer wieder etwas Gutes, das wärmt!
Durchschnittliche Temperatur in der (ungeheizten) Wohnung, etwa 10° Grad Celsius. Gerade gut genug um die Velos aufzubewahren!Einmal fahren wir mit dem Tram nach Alicante und verbringen einen halben Tag in einem Einkaufszentrum, schlendern durch  alle Läden, gehen ins Kino und dann noch ins Restaurant, hier ist es ganz schön geheizt! Die Geschichte wird noch ein paar Tage dauern, in der einen Nacht fällt eine Böe noch einen Baum vor unserem Balkon. Die Gewitter wechseln sich mit ein paar Sonnenstrahlen, diese Pause nützen wir, um schnell einzukaufen und am Strand ein paar Fotos zu schiessen.
Das nächste Gewitter kommt bestimmt
Jetzt können wir wirklich das Meer und den Schnee gleichzeitig sehen!

 

Winterquartier

img_1294-winterquartier„Unsere“ Wohnung hat etwas, das uns letztes Jahr gefehlt hatte: eine Terrasse mit viel Sonne ab dem Mittag, die wir ausgiebig geniessen in den nächsten Tagen!
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Daneben gibt es kleinere Reparaturen und Einkäufe zu erledigen:
Ein Balkonfenster steht so schräg in der Fassung, dass es am ersten Abend ziemlich unangenehm hineinzieht. Fast alle Storenbänder sind alt und müssen mit viel Geduld behandelt werden.
Die Küchenutensilien sind auf der Terrasse in Kartonschachteln und einem Plastikschrank verpackt, ziemlich vieles ist unbrauchbar alt oder kaputt. Der Plastik von dem Schrank zerfällt beinahe, als wir ihn anrühren, so spröd ist er.
Die Dusche verliert am Anfang des Schlauchs so viel Wasser, dass die Brause fast trocken bleibt und als wir unsere Frottiertücher an der Wäscheleine aufhängen wollen, zerfällt diese in weisses Pulver!
In der Küche hat jemand den Schüttstein (ja wirklich, noch ein Schütt-Stein) mit der gleichen weissen Farbe wie die Schränke angemalt, jetzt blättert diese bei jedem Abwasch ein wenig ab. Das sieht alles etwas unappetitlich aus! Der Wasserhahn spritzt auf alle Seiten, nur nicht ins Becken, und so weiter und so fort,…..wir haben zum Glück einen guten Handwerker dabei, der fast alles flicken kann! Sogar den Radiator, dessen Schalter sich nicht bewegen wollen, bringt er dazu, doch ein wenig zu heizen, als es abends mal etwas kühler wird!
Wir holen unsere eigene „Küche“ hervor, zu den paar Gläsern und Tellern, die wir auf der Terrasse finden, kaufen wir uns eine grosse Bratpfanne mit Deckel, da wir vielleicht auch mal Besuch haben werden, und vielleicht eine Paëlla oder sonst etwas Gutes kochen wollen. Und somit ist unsere Küche schon komplett.
Ach ja, und was uns noch fehlt, ist eine Internetverbindung! Ein WIFI! Im Haus hat der Sohn einer Nachbarin, die direkt über uns wohnt einen Anschluss. Wir haben ein gutes Signal, nur das Passwort fehlt uns! Wir würden uns gerne beteiligen an den Kosten, weil die Installation eines Routers sich für uns nicht lohnt. Der Sohn komme fast jeden Mittag zu der Mutter essen, sie sei schon älter, gehe kaum aus der Wohnung hinaus und sei schwerhörig, werden wir vom Concierge informiert. Aber in dieser Woche gibt es in Spanien zwei Feiertage, der 6.12. und der 8.12. sind schulfrei, die Supermärkte sind geschlossen, der Concierge hat frei, und …der Sohn kommt nicht zum Mittagessen zur Mutter. Wir wollen uns zweimal bei dieser Frau vorstellen, aber sie macht uns die Türe nicht auf. Also warten wir auf den Montag, um den Sohn abzufangen, falls er denn kommt! Und behelfen uns mit 3G, das für Mails und WhatsApp schon funktioniert, aber für den Blog und Skype nicht, da das zu viel kosten würde.
Am ersten Samstag schon ist die erste Massa Critica, das Treffen der Velofahrer in Alicante, da wollen wir natürlich nicht fehlen. Und lernen Toni und Yeni kennen, die gerade von ihrer ersten mehrmonatigen Tour durch Spanien zurück sind. Sie haben aber schon etliche andere Auslanderfahrungen, da sie in verschiedenen Ländern gearbeitet haben, unter anderem in China und Hongkong. Die beiden wollen wir einladen, um Erfahrungen auszutauschen und sie besser kennenlernen.
Nachmittags ist der Fussball-Match des Jahres angesagt, derjenige, wo in ganz Spanien niemand mehr in der Strasse unterwegs ist, sondern vor dem Fernseher sitzt: Barcelona-Madrid! Da müssen wir natürlich auch dabei sein und in einer Bar verfolgen wir zusammen mit Jorge das Spektakel, das zum Leidwesen aller mit 1:1 endet!
Nach zwei etwas regnerischen Tagen wird es wieder sehr freundlich und wir unternehmen unsere ersten kleinen Runden mit dem Fahrrad in der Gegend, wo wir jetzt wohnen. Wir sind nicht in der Stadt, sondern eher in der Region des Strandes, heisst Playa San Juan und ist ziemlich ruhig, viele Wohnungen sind unbewohnt im Winter. Es ist nicht besonders hübsch, aber das Quartier letztes Jahr war auch nicht hübsch. Dafür sind wir ganz nahe am Strand, nachts hören wir das Meer rauschen, so wenig Verkehr hat es! Von der Terrasse aus sieht man es sogar, zwischen den Pinien, Palmen und Hochhäusern. Und in 5 Minuten sind wir am Strand, was aber in dieser Saison nicht so wichtig ist, es ist zu kühl zum Baden. Wir hätten hinter dem Haus auch einen Swimmingpool, gefüllt mit schön blauem Wasser, (natürlich sind die Kacheln blau) aber auch hier, es ist doch ein wenig zu kühl, um sich reinzustürzen!
img_1315-winterquartierWir laden Toni und Yeni zum zusammen kochen ein, sie haben ja auch gezeltet und gekocht auf ihrer Tour. Fran und Jorge sind auch dazu eingeladen, aber Fran kann heute nicht. Wir sind eine fröhliche Truppe, die da in unserer Wohnung hantiert und es ist obergemütlich, die Sonne scheint zum Küchenfenster hinein, einfach toll. Schlussendlich haben wir eine Mahlzeit mit Tofu-Gemüse-Mix und spanischen Pistu, einem Gemüse-Kartoffel-Tomaten-Mix, zubereitet und geniessen ihn bei angeregten Gesprächen. Irgendeinmal kommt auch Fran zu uns, und etwa um 20.30 Uhr verabschieden wir uns voneinander! Das war eine sehr schöne Einweihung von unserer Küche und unserer Bratpfanne!
An einem Samstag stehen wir schon vor 7 Uhr bereit für einen grösseren Ausflug mit einer Gruppe Cicloturistas. Wir werden von Villena aus eine Rundtour um eine Sierra machen, das Ganze soll ca.100 km lang sein, aber nicht sehr anstrengend. Die Gruppe will viele solche Touren machen, diese dann veröffentlichen, um andere Tagestourenfahrer zu animieren. Sie unterscheiden sich von den Strassenfahrern und den Mountainbikern, die das Velofahren als reinen Sport ansehen. Fahrrad fahren soll Spass machen, auch gemütlich sein, gemeinsam unterwegs sein, die Landschaft und das Fahren geniessen.
Da die Strecke aber für eine Tagestour doch etwas lang ist, sind wir bis in die Nacht hinein unterwegs. Die Landschaft ist schön, zuerst viel Wein, Mandel- und Olivenbäume, dann aber auch Wildnis, Büsche und Pinienwald und fast alles über sehr wenig, bis gar nicht befahrene Strässchen. Ein Abschnitt fehlt sogar auf meinem GPS!
img_1313-winterquartier img_1316-winterquartier dsc_4658-winterquartier dsc_4659-winterquartier 20161215-223443-winterquartierimg_1314-winterquartierSo unternehmen wir Verschiedenes, allein oder mit unseren Freunden und lassen es uns gut gehen.img_1308-winterquartierSchlussendlich erhalten wir dann auch das WIFI von unserem Nachbarn, er will kein Geld dafür, wir sollen es einfach niemandem weitergeben! Das ist wirklich sehr nett! Und wir können unseren Blog wieder Updaten!
Schon bald werden wir einen kurzen Abstecher zu unseren Kindern machen, Weihnachten mit ihnen und Familie verbringen! Dieses Jahr sieht es eher weniger nach Skifahren aus, es hat nicht geschneit seit anfangs Dezember und weiterhin ist kein Schnee in Sicht!

Wir wünschen Euch allen ein frohes Weihnachtsfest, bis bald wieder mit neuen Berichten von unserer Reise!DSC_1260 IV

Wiedersehen in Reus und Falset

dsc_0846-reus-und-falsetGanz unspektakulär reisen wir von St.Susanna nach Tarragona, inklusive Umsteigen in Barcelona-Sants. Hier sieht man ab und zu Radfahrer, auch auf dem Zug, die Züge sind einfach zu besteigen und wir werden nicht wie Ausserirdische bestaunt. Von Tarragona fahren noch ein paar Kilometer mit dem Velo, das tut gut, zuerst sind es zwar noch ziemlich stark befahrene Strassen, aber dann auf Caminos durch die Felder bis nach Reus.
Hier hat unser GPS noch nicht die aktuellen Caminos drauf, denn plötzlich endet der Weg an einem Zaun mit zweispurigen Gleisen hintendran – eine „neue“ Linie des Hochgeschwindigkeitszuges, die zwar schon vor 8 Jahren gebaut wurde, aber es fahren immer noch keine Züge….von der Brücke aus, die wir nach dem Umweg überqueren, sehen wir die tiefe Schneise, die solche Projekte in das Land graben!
Welche Freude unsere Freunde wieder zu sehen! Wir dürfen unsere Velos bei der Mutter von Gerardo in Reus parkieren, sie bekommen einen Komfort-Parking in einem Zimmer in der Wohnung mitten in der Stadt. Mele, die Mutter, freut sich sehr, uns kennenzulernen, und wir erhalten ein Zvieri, das unsere Mägen füllt, wir werden heute nichts mehr zu essen brauchen.
In Serra d’Almos angekommen, heizt Gerardo den Mandelschalen-Ofen ein, es ist doch ziemlich frisch in der guten Stube, etwa 13 Grad! Der Ofen ist aber genial, schnell wird es warm, ohne dass man viel machen muss. Die Schalen fallen so nach und nach aus dem Reservoir in die Glut, und heizen die Stube viele Stunden lang. Wir sitzen bis spät in die Nacht zusammen, erzählen einander von unseren Reisen und was sich verändert hat seit dem letzten Mal, als wir hier waren.
img_1736-reus-und-falset img_5867-reus-und-falsetAm nächsten Tag kommt Sandra mit ihrem Sohn und einem seiner Freunde zum Mittagessen. In Falset ist eine grosse Fiesta, und die Klasse der Jungs verkauft selbstgebackene Waren, um eine Klassenreise zu finanzieren. Die Jungs wollen bald wieder zurück und Sandra bringt sie schnell hinunter.
Zusammen mit einem Nachbarn, der auch einen Mandelschalen – Ofen hat, muss Gerardo Nachschub organisieren. Da diese Öfen sehr altmodisch und deshalb selten geworden sind, gibt es kaum noch Lieferungen in Säcken, so wie es sich die beiden vorstellen. Zum Organisieren der ganzen Sache gehen wir zu diesem Freund in der Gasse nebenan. Die Besprechung dauert, und wir sitzen alle gemütlich bei Augusto und Margarita, seiner Partnerin, in der warmen Stube. Irgendwann machen sie Tee, dann eine grosse Schüssel Salat und ein paar Thon-Sandwiches, es wird ziemlich nach Mitternacht, bis wir wieder in „unser“ Haus zurückkehren.
dsc_4648-reus-und-falsetDas Wetter hat umgeschlagen, dicke Wolken ziehen über den Himmel, es ist nicht mehr ganz so kalt wie in der vorderen Nacht. Am frühen Morgen zieht  dann noch ein richtiges Gewitter durch, es schüttet aus Kübeln und blitzt und donnert! Ja, auch das gibt es hier, schlechtes Wetter! Trotzdem besuchen wir ein Dorf, das während des spanischen Bürgerkrieges vollständig zerstört wurde. Wir sind in einer Gegend, wo 1938 schlimme Kämpfe stattfanden. Es ist sehr eindrücklich, das neue Dorf wurde neben dem alten, kaputten, aufgebaut, und so läuft man durch Häuserreihen, die zusammengestürzt sind, wie wenn es gestern gewesen wäre…nur ein riesiger Feigenbaum mitten in den Trümmern zeigt, dass es schon ein paar Jahre her sind. In der Kirche, auch diese zerbombt, ist eine Ausstellung mit Fotos aus der Zeit zu besichtigen.
dsc_4640-reus-und-falset dsc_4649-reus-und-falsetdsc_4647-reus-und-falsetNachdenklich und mit unseren Gedanken beschäftigt, fahren wir zurück. Es wird uns wieder einmal mehr bewusst, was für ein Riesenglück wir hatten, in einem so friedlichen Ort wie der Schweiz aufwachsen zu dürfen!
Später fahren wir nach Falset, wo wir die Fiesta besuchen und den Kindern an ihrem Stand eine Tasche voller Süssigkeiten abkaufen. Mit Sandra haben wir ein langes Gespräch über Coaching, Menschen und Musik, kochen einen Arroz und sitzen gemütlich zusammen, bis uns Gerardo abholt, der einen Freund besucht hat.
Am Montagmittag fahren wir mit ihm nach Reus, als er zur Arbeit fährt, wir wollen die Eltern von unserer Nachbarin in der Schweiz besuchen, was bestens klappt. Später am Nachmittag bummeln wir ein wenig durch die Stadt, die uns schon letztes Jahr sehr gut gefallen hat, und auch diesmal ist es einfach schön, durch diese Gassen zu schlendern und dem vorweihnachtlichen Treiben zuzusehen.
dsc_0781-reus-und-falsetUnterdessen wurden die Mandelschalen geliefert, nicht in Säcken, sondern 1500kg lose, ein riesiger Haufen liegt in der Gasse, zugedeckt mit einem Plastik.  Am nächsten Morgen schaufeln wir die Schalen in die vielen ausgedienten Kartoffel- und Futtersäcke, die sie über die Jahre zu diesem Zweck gesammelt haben. Es dauert ein paar kurzweilige Stunden, bis alle Säcke voll und in den Keller getragen sind und die Strasse wieder sauber ist. Augusto hat immer wieder Ideen, uns alle zum Lachen zu bringen!  Margarita hat währenddessen ein chinesisches Menu gekocht, das uns allen sehr mundet.
img_5871-reus-und-falset dsc_4653-reus-und-falset dsc_4656-reus-und-falset dsc_4657-reus-und-falset                                                                                   Los Championes!
Mit dem Zug fahren wir abends nach Reus, wo wir bei der Mutter von Gerardo übernachten dürfen, sie hat uns eine Tortilla gemacht, sie liebt es sehr, glaub ich, Gäste zu haben! Am nächsten Morgen stehen wir  früh auf, wir fahren ca. 20km bis nach Cambrils, da nehmen wir den Zug für unsere letzte Etappe nach Alicante! In Valencia müssen wir umsteigen, die 20Minuten Verspätung, die er in Cambrils noch hatte, sind in Valencia wieder eingeholt, da sind wir aber sehr froh. Mit den Fahrrädern können wir in Spanien nur ein paar wenige Züge benützen, und so hätten wir in Valencia übernachten, und erst am nächsten Morgen um 7.12 Uhr den nächsten Zug nehmen müssen!
Aber so erreichen wir Alicante schon um 17 Uhr, gerade kurz vor dem Eindunkeln. Was für ein Gefühl, es ist fast wie nach Hause kommen….
DSC_1272 IVWir fahren zu der Bar, wo unser Freund die Schlüssel von „unserer“ Wohnung deponiert hat, und als wir gerade auf der Kreuzung vor der Bar sind, hören wir ein lautes „Holaaaa!“ Fran und seine Frau Marie-Carmen wollten uns die Schlüssel persönlich überreichen! Es ist ein herzliches Wiedersehen! Nach einem Willkommenstrunk fahren wir zusammen zu der Wohnung, das Wasser wird aufgedreht, die Gasflaschen kontrolliert, ja, der Durchlauferhitzer funktioniert, und dann sind wir allein, in dieser fremden Wohnung, die schon älteren Datums ist. In der, seit dem Erbau des Wohnblocks in den 70-erJahren wahrscheinlich nie etwas renoviert wurde. Sie hat aber alles, was wir brauchen, und das ist das Wichtigste!

 

„Workaway“ in Spanien

dsc_4595-workaway In Argelès-sur-Mer haben wir für ein paar Tage ein Studio gemietet, um meinen Husten auszukurieren. Das Städtchen gefällt uns ausnehmend gut, mal abgesehen von der ganzen touristischen Region in Strandnähe, die aber momentan ziemlich ausgestorben ist.
Hier wird gelebt, es hat ein paar Cafés und Restaurants, verschiedene Läden in 2-3 Strassen, unser Studio ist fast im Zentrum, in einem kleinen ruhigen Gässchen. Die Velos nehmen wir mit hinauf, es hat genug Platz, obschon der Vermieter gesagt hat, die könnten wir dann nicht hinaufnehmen. Aber wir lassen unsere Vehikel doch nicht auf der Strasse, auch wenn sie ruhig und sicher ist, wie er sagt.
dsc_4582-workawayWir kochen uns ein feines Abendessen: ein Stück Fleisch aus der Metzgerei, Gemüse aus der Epicerie, einer Flasche Wein aus der Region aus der Weinhandlung nebendran und zum Dessert etwas Feines aus der Bäckerei! Ja essen kann ich, trotz dem blöden Husten!
workawayAm Samstag ist Markt in der Stadt, wir schlendern durch die Gassen und geniessen dieses Ambiente bei noch immer warmem Sonnenschein. An einigen Ständen stehen die Leute Schlange zum Einkaufen, beim Biobauern hat es die längste Kolonne! Der ist dann auch kurz nach 12 Uhr völlig leergekauft, es hat nur noch ein paar Salate, sonst sind die Kistchen leer! Auch wir haben uns ein paar wenige Sachen gekauft, Feigen, Peperoni, Zucchetti und frische Steinpilze, das gibt wieder ein leckeres Abendessen! Den Nachmittag verbringen wir gemütlich drinnen, es wird kalt, der Wind heult durch die Gassen, bevor ein heftiges Gewitter über die Stadt hinwegzieht. Ich bin schön froh, in einem Haus zu sein!
dsc_4581-workawayWir beschliessen etwas schweren Herzens, die nächste Etappe doch mit dem Zug zu machen, meiner Gesundheit zuliebe. Ein bisschen Anstrengung und ich huste mir nämlich fast die Lunge aus dem Leib. Und der Weg nach Spanien geht nun mal über die Pyrenäen, egal, welche Route wir nehmen.
Am Montag, 7. November, fahren wir diese Zug – Etappe nach Figueres, es ist ziemlich kalt, aber sehr sonnig. Der Zug ist neu, hat Platz für Fahrräder und wir können einfach hineinfahren, juhui! Ein Mann sagt uns, wir sollten diese Strecke doch mit dem Velo fahren, es sei die Schönste hier im Roussillon, ja, das nächste Mal werden wir, ganz sicher. In Port Bou müssen wir umsteigen, hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Der riesige Bahnhof ist fast menschenleer. Seit die Zugstrecke im Landesinnern neben der Autobahn in Betrieb genommen wurde, passiert hier kaum noch etwas. Aber doch, etwas passiert: Es stehen etwa 20 Personen herum und warten, da kommen zwei Polizisten in die Halle, schauen sich um und wollen dann von zwei Personen einen Ausweis sehen – nein, nicht von uns! Sonst hat man gar nichts gemerkt von einer Grenze. Ach ja, wir sind ja schon ein paar Tage in Catalunya, da hat es gar keine Grenzen…
img_1258-workaway img_1260-workawayDer Zug in Spanien ist auch etwas neuer, hat auch Plätze für Velos, das Perron ist aber alt, d.h. nicht an die neuen Züge angepasst und wir müssen sie eine Stufe hoch hineinhieven. In Figueres sind dann die Perrons auch neu, und wir fahren einfach raus. Hier übernachten wir in einem Hostel, das eine Küche hat, wo wir unser Essen kochen können. Aber jetzt, es ist gerade zwei Uhr, müssen wir unsere Ankunft in Spanien feiern: wir gehen in eine Tapas-Bar, bestellen ein Glas Wein und geniessen ein paar feine Tapas! Anschliessend wollen wir ins Dalí-Museum, aber es ist Montag und geschlossen. Na gut, dann machen wir halt eine Siesta, die Stadt ist so etwas von ausgestorben um vier Uhr nachmittags! Aber am Abend herrscht hier wieder Leben und wir spazieren ausgeruht noch etwas durch die Gassen der Stadt.
Der Besuch im Museum ist sehr interessant und erzählt uns viel von der Arbeit dieses speziellen Künstlers. Hier treffen wir auf viele Touristen, die wir gestern gar nicht bemerkt haben. Im Internet machen wir uns später noch ein bisschen schlauer über Dalí, über den wir vorher gar nicht so viel gewusst haben.
dsc_4584-workaway dsc_4585-workaway dsc_4591-workaway img_1264-workawayIch habe schon die nächste Übernachtung organisiert bei einem Warmshower Gastgeber in der Nähe von Girona, er schickt uns eine Route, wie wir auf schönen Strässchen bis zu ihm fahren können, das ist super!
Xavier Corominas Mainegre war früher einmal Bürgermeister in seiner Stadt und aktiv in vielen verschiedenen Gremien, die den Veloverkehr fördern. Er hat mitgeholfen, die erste Via Verde zu realisieren und natürlich auch viele andere Fahrradwege in der Region. Mit seiner Partnerin wird er im Januar mit den Fahrrädern nach Neuseeland fliegen, um eine lange Tour zu machen, die sie über Australien nach Indonesien führen soll, wenn alles so läuft, wie sie sich es vorstellen. Wir haben natürlich sehr viel zu diskutieren, nicht nur das Velo sondern auch die Politik von Spanien und Katalonien sind ein immer wiederkehrendes Thema. Es erstaunt uns immer wieder, was für spannende Leute wir kennenlernen! Es ist einfach super!
Die nächsten 2 Tage fahren wir eben diese erste Via Verde von Spanien und eine wunderschöne einsame Strasse der Küste entlang Richtung Barcelona, das Wetter ist uns sehr freundlich gesinnt.
Mein Husten nimmt so langsam ab und das Schwitzen tut mir gut, ich spüre richtig, wie es die Bakterien eine nach der anderen abtötet!
dsc_4597-workaway  dsc_4605-workawayIn den letzten Tagen haben wir uns etwas Neues ausgedacht und im Internet gesucht, bis wir „es“ gefunden haben: Workaway! Das ist doch etwas für Junge, Studenten, die das Reisen nicht aus der eigenen Tasche finanzieren können und deshalb immer wieder etwas arbeiten müssen, für das Bett und das Essen. Wir aber möchten so das Leben der Leute noch etwas besser kennenlernen und im Hinterkopf geistert die Idee herum, vielleicht einmal einen Winter lang im Süden ein Haus zu hüten, da wären solche Erfahrungen doch ganz gut!
Nach zwei Absagen finden wir ein Paar, das uns für zwei Wochen aufnehmen will, sie haben ein grosses Haus und einen grossen Garten, Grossmutter und Grossvater wohnen auch da, 2 Hunde und etwa 5 Katzen, da gibt es immer irgendetwas zu reparieren oder renovieren und der Garten braucht Pflege. Genau was wir wollten. Und wir haben ein Riesen-Glück, diese Leute sind sehr nett, die Arbeit passt zu uns und wir verstehen uns sehr schnell ganz gut. Am zweiten Tag nehmen sie uns mit zu Ihren Freunden zum Mittagessen, das ist nicht selbstverständlich für Spanier. An den ersten Tagen essen wir in unserem Häuschen, aber dann zusammen, das geht einfacher und wir haben viel  miteinander zu reden. Abends spielen wir Karten zusammen, was Martin hoch anzurechnen ist, er spielt sonst gar nicht gern Karten. Aber hier passt es einfach. Nach ein paar Tagen schlägt das Wetter um, ein starker Wind schüttelt die Bäume und heute Morgen hat uns um 6 Uhr ein Gewitter geweckt, so stark hat der Regen aufs Dach geprasselt.
Nach zwei Wochen haben wir nicht nur einen tiefen Einblick in eine spanische Familie bekommen, sondern auch gute Freunde gewonnen!
dsc_4615-workaway dsc_4610-workawayimg_1280-workaway img_1283-workawaydsc_4637-workawayNeben den 4-5 Stunden Arbeit haben wir Zeit, um viel zu lesen, den Blog zu schreiben (leider kann ich ihn nicht raufladen, da das Wifi sehr langsam ist und wir kaum eine Website aufmachen können, geschweige ein paar Fotos hochladen), und die nächsten Monate zu planen.
Wir wollen wieder in die Umgebung von Alicante, das Klima dort ist einfach sehr angenehm und wir freuen uns auf die kleinen Velo-Touren mit unseren Freunden dort. Einer hilft uns tatkräftig mit der Suche nach einer Wohnung und wird fündig!
Zuerst aber besuchen wir noch unsere Freunde Gerardo und Sandra in Falset! Es ist schon über ein Jahr her, als wir bei ihnen waren und sie im Januar bei uns in Alicante! Es kommt mir aber vor, als wäre es gerade erst gewesen. Und doch: Wir haben im letzten Jahr soooo viel erlebt, viel mehr als eigentlich möglich ist in einem Jahr. Wir freuen uns sehr, die beiden wieder zu sehen!dsc_0886-workaway

 

Südfrankreich

dsc_4515-suedfrankreichAuf dem Zeltplatz in Avignon haben wir einen Mann kennengelernt, der in seinem uralten klapprigen Auto lebt. Er hatte viele Jahre in verschiedenen Hotels gearbeitet, am letzten Ort musste er kündigen und jetzt findet er  keinen Job mehr. Das ist seine Version. Wie lange jetzt ist wissen wir nicht. Von weitem nimmt man ihm den Portier oder sogar den Kellner noch ab, aber wenn er bei uns stehenbleibt, um mit uns zu schwatzen, sieht man dem Kragen von seinem weissen Hemd an, dass es sicher schon seit Wochen keine Seife gesehen hat. Und riecht, dass auch er mal die Dusche benützen sollte. Er schläft in den Kleidern auf dem Fahrersitz und der einzige Luxus den er besitzt, ist sein Gaskocher, auf dem er seine Mahlzeiten brutzelt. Aber, er ist sehr grosszügig, will uns zu einem Glas Wein einladen (wir haben aber unsere Flasche auch gerade aufgemacht) und füttert die Katzen, die da auf dem Camping herumlaufen. Besonders eine hat es ihm angetan, die kommt durchs Fenster zu ihm ins Auto, wenn er schläft und kuschelt sich auf den Beifahrersitz. Diese Begegnung gibt uns sehr zu denken, das in einem Land wie Frankreich! Wie lange er schon so lebt, haben wir nicht herausgefunden.
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Und wieder hat es Martins Hinterreifen erwischt, natürlich gerade als wir am Morgen wegfahren wollen!
dsc_4514-suedfrankreich Nach 2 Tagen anklimatisieren in Avignon radeln wir auf kleinen „weissen“ Strässchen durch die Landschaft Richtung Arles. Wir sind erstaunt, was zwei Stunden Zugfahrt ausmachen und eine Gegend sich verändert. Wir sind wirklich in Südfrankreich angekommen! In einem Städtchen kommen wir gerade ein bisschen zu spät, der Markt ist gerade zu Ende, aber wir haben Glück und können noch Gemüse und Früchte und 2 Geissen-Käsli kaufen. Wir haben gemerkt, dass man kaum mehr frischen Käse einkaufen kann, ausser eben auf den Märkten.
Die Fahrt durch die Camargue gefällt uns auch sehr gut, wir können uns aber schwer vorstellen, wie es wohl hier im Sommer ist. Vor allem verkehrsmässig, aber das wollen wir uns gar nicht vorstellen.
dsc_4524-suedfrankreich dsc_4525-suedfrankreichAuf einem 2000-plätzigen Camping in le Grau du Roi hat es noch ziemlich viele Leute, aber aha! Es ist Freitag vor Allerheiligen, Toussaints, fast wichtigster Feiertag, mehr noch als Weihnachten oder Ostern, und die Kinder haben schulfrei bis am Mittwoch. Da haben sich doch einige noch ein paar Tage Ferien gegönnt, das Wetter ist ja auch super. In der Reception muss ich anstehen und fast eine Viertelstunde warten! Das ist uns schon lange nicht mehr passiert.
Am nächsten Tag „bummeln“ wir den Veloweg auf dem Streifen zwischen Meer und Lagune entlang. Der Strand ist gut besucht, es hat sogar noch einige Leute die baden! Auch hier staunen wir: Es hat Zugänge zum Strand durch die Dünen, die nummeriert sind, wir sehen die Nummer 79! Und hinter den Dünen riesige, gähnend leere Parkplätze, und noch weiter dahinter, bevor die Lagune beginnt, die stark befahrene Strasse.
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Wir machen eine lange Mittagspause am Strand,  bis es uns zu heiss wird!
In Palavas-les Fonts haben wir ein Hotelzimmer reserviert, da hier gar keine Campings mehr offen sind. Und zwischendurch muss man sich etwas gönnen. Wir werden in einem anderen Hotel untergebracht als dem gebuchten und das wird zum Upgrade für uns! Ein grosses, sonniges Zimmer, und vom Pool unten hört man die anderen Gäste plaudern und lachen. Das Dorf, ich muss wohl sagen der Dorfkern, ist noch gemütlich, Palavas war einmal ein Fischerdorf und hat seinen alten Charme ein wenig behalten. Vorne am Hafen steht eine Beiz neben der anderen, die den Gästen das Geld aus der Tasche ziehen wollen, aber zum Flanieren ist uns das gerade recht. Anstatt Muscheln oder Fisch zu essen, suchen wir uns in einem hinteren Gässchen eine Pizzeria aus, die noch offen hat und moderate Preise hat. Ein Glücksfall, denn die Pizza ist aus dem Holzofen und sehr lecker! Die Muscheln essen wir dann wieder in Spanien!dsc_4562-suedfrankreich
Gut ausgeschlafen und bei Sonnenschein, geht es weiter, mal der Küste, mal einer Lagune entlang, manchmal sind wir auf der Eurovelo 8, manchmal nicht. Diese Euroveloroute, auf dem Papier und im Internet schon fertiggestellt, ist in Realität leider noch an vielen Orten nicht ausgeschildert, führt über stark befahrene Strassen oder über Wege, die bei viel Regen unpassierbar werden. An einigen Orten wurde viel investiert in Velobrücken und separate, frisch geteerte Strässchen.  Auf dem GPS ist sie durchgehend als blaues Band markiert, aber wie der Zustand ist, ist für uns immer wieder eine Überraschung.dsc_4536-suedfrankreich dsc_4538-suedfrankreich img_1251-suedfrankreich
In Marseillan-Plage, einem fast ausgestorbenen Sommerferien Dorf, oder Stadt? finden wir an der verschlossenen Türe der Touristinformation eine Liste mit allen Campings und ihre Öffnungszeiten. Welche Überraschung, da hat noch einer offen, La Plage. Da gibt es Stellplätze, von denen man aufs Meer schauen kann. Diese sind fast alle besetzt, von Campern aus ganz Europa. Da sind sie also wieder, die „Winterflüchtlinge“! Gut, wir gehören da ja auch ein bisschen dazu. Aber wir bleiben unten, zwischen den Büschen und Bäumen, in der Hoffnung, dass unser Zelt nicht so nass wird. Naja, einige Hoffnungen vergehen nie, auch wenn wir es eigentlich wissen sollten. Schon am Abend beginnt es, sobald es dämmert kommt der Tau und befeuchtet alles, und dann die klare Nacht, vielleicht 10 Grad oder sogar ein bisschen weniger, und wir im Zelt, mit unserer Wärme und den Ausdünstungen, da kann es einfach nicht trocken bleiben. Das Zelt ist morgens innen und aussen tropfnass, sogar im Innenzelt werden die Wände feucht.
Ein anderes Detail, an das wir uns schon seit Avignon gewöhnen mussten, sind die Mücken! Die haben sofort entdeckt, dass wir völlig ahnungslos unsere Beine nicht eingepacken, und haben sich sofort auf sie gestürzt! Es vergehen einige Tage, bis wir eine Strategie entwickelt haben, um uns nicht mehr stechen zu lassen. Etwas Gutes haben die Mücken aber schon: Endlich kann ich das seit über einem Jahr mitgeschleppte „AntiBrumm“ benützen! Und die Salbe für danach, wenn‘s juckt, kann nun auch ihren Zweck erfüllen, mehr als uns lieb ist!
Am frühen Morgen, Winterzeit, Sonnenaufgang, ich stehe oben auf der Düne und schaue, wie die Sonne wie ein roter Ball aus dem Meer steigt, aber alle Camper, die da stehen, haben noch die Fenster geschlossen und verbarrikadiert, niemand sieht das wunderbare Spektakel, das die Sonne hier jeden Morgen bietet! Man könnte das vom Bett aus verfolgen! Da werde ich doch gerade ein Moment lang neidisch, ich stehe da, mit Daunenjacke, Faserpelzjacke um die Hüften und der Mütze auf dem Kopf und geniesse diesen schönen Morgen! Aber schnell bin ich wieder glücklich, der Boulanger kommt nämlich vorbei und wir haben ein gediegenes Frühstück mit Croissants und frischem knackigen Brot.dsc_4542-suedfrankreich dsc_4543-suedfrankreich dsc_4546-suedfrankreich dsc_4547-suedfrankreich
Die Sonne war wirklich rot, aber ich habe es der Kamera nicht beibringen können, sie auch rot zu machen!
dsc_4559-suedfrankreichDer Canal du Midi hat mich schon lange interessiert, beinahe wären wir einmal mit den Kindern dort hin, um Bootferien zu machen, jetzt sehen wir ihn, fahren auf schmalen Wegen entlang des Wassers, Die Alleen der alten Bäume beeindrucken sehr, aber ihre Wurzeln stören das gemütliche Fahren gehörig. In Beziers finden wir einen Wegweiser der Eurovelo, uns wären etwas kürzere Teilabschnitte lieber mit der angemessenen Beschilderung.img_1253-suedfrankreich
Dann müssen wir einer Deviation folgen, da ein Abschnitt nach den 9 Ecluses geschlossen ist. Es hatte hier ziemlich geregnet vor ein paar Wochen, es gab Überschwemmungen und wahrscheinlich ist irgendwo der Weg ins Wasser abgesackt. Wir folgen also der ausnehmend gut beschilderten Deviation für die Veloroute, bis wir vor einem Gitter stehen, das die Strasse ganz verbarrikadiert. Ab hier gibt es nur noch Schilder für die Autofahrer. Eine Deviation der Deviation! An einer Kreuzung hat es dann auf jede Seite ein Schild-  und wir können auslesen, welchem wir folgen möchten, jedem seine eigene Deviation! Zum Glück haben wir Karte  und GPS und finden unseren Weg auch ohne die „hilfreichen“ Schilder.
Das Wochenende gestaltet sich zum Einkaufen etwas schwierig, jeder Laden macht nach Gutdünken auf oder zu, sogar die ganz grossen Supermärkte haben geschlossen! Nur die Boulangeries haben offen, immer! Wir decken uns ein, mit Feinem zum Dessert und frischem Brot. Und unsere Notfallmenus, die wir immer haben, helfen uns auch, ohne Hungergefühl in den Schlafsack zu schlüpfen. Eine Flasche Wein bekommen wir an der Reception des Campings, und da steht neben dem Wein doch noch so ein grünes Kistchen mit Gemüse-Martin liest sich eine Aubergine und zwei Peperonis aus in der Annahme, dass es zum Verkauf ist, und sagt zu dem Mann, dieses Gemüse möchten wir auch noch. Dieser schaut etwas verwirrt drein und meint, das Gemüse sei für ihn,… Oh Pardon, das wussten wir nicht! Ah, mais non, je vous les donne, c’est bon! Und er schenkt uns sein Gemüse! Am Montag ist dann ein kleiner  Gemüse Laden in einem Dorf offen und wir können unsere Vorräte wieder aufstocken.
dsc_4566-suedfrankreichIn Narbonne auf der Tourist Information will ich wieder fragen, ob vielleicht ein Camping in der Nähe noch offen ist, vor mir ein paar verkleidetet Kids, die um Bonbons bitten, Halloween! Hier gehen die Kinder von Laden zu Laden und betteln so um Süssigkeiten. Und mir kommt in den Sinn, letztes Jahr waren wir in Alcaniz, Spanien, da waren auch die Kinder verkleidet unterwegs, genau gleich. Martin war erkältet und am husten, das Motorradrennen, der Camping und dann das unvergessliche Gewitter ein paar Tage später! Schon ein Jahr ist seither vergangen!
In der Information will der Herr mit einem Lächeln von mir wissen, ob ich auch Bonbons möchte, wir lache gemeinsam und ich bringe mein Anliegen vor. Und welch Wunder, es hat sogar einen offenen Campingplatz! Klein aber fein, könnte man sagen! Wir sind ziemlich allein, da er in keinem Führer aufgelistet ist. Ich spüre, dass mich Martin angesteckt hat und die Käferli erfolgreich sich in meinem Innern breit machen, Kratzen im Hals, Heiserkeit und schon beginnt die Nase zu laufen. Da wir jeden Tag weiterfahren und immer wieder zum Schwitzen kommen, geht das alles im Schnellzugtempo,
img_1255-suedfrankreichDer nächste Zeltplatz wird zum Albtraum. Eingeklemmt zwischen Autobahn, TGV  und stark befahrener Hauptstrasse, liegt  er fürs Auge eigentlich noch schön unter Pinien, aber der Lärmpegel ist immens und hört nie auf, die ganze Nacht fahren die Camions und Autos an unserem Zelt vorbei, ich schliesse kaum ein Auge und huste mich durch die Nacht. img_1256-suedfrankreichHier sieht man vorne die Masten des TGV, und hinten die Autobahn, leicht erhöht, dadurch dringt der Lärm ungehindert zu unserem Zelt. Völlig ermüdet fahren wir am nächsten Tag weiter, so langsam erscheinen im Dunst die Berge der Pyrenäen. In St. Cyprien fahren wir der Promenade entlang und sehen, dass hier noch ziemlich etwas läuft, erhalten wieder gute News, dass auch hier ein Camping das ganze Jahr offen hat und finden hier ein Plätzchen zwischen zwei Campervans.
dsc_4567-suedfrankreich Mein Gesundheitszustand hat sich rapide verschlechtert, ich bin müde und mag nicht mehr. Die Weiterfahrt ist ziemlich gefährdet, das Wetter will in zwei Tagen auch umschlagen und zwar richtig: Regen, Wind und tiefe Temperaturen, bis weit in die nächste Woche hinein. Und die Eurovelo ist auch so geheimnisvoll, wie ist sie in den Bergen? Wir haben keine Ahnung, was uns da erwartet, ein Strässchen? Ein Wanderweg? Eine Mountainbikestrecke? Sicher ist, dass es keine Dörfer hat auf der ganzen Strecke bis nach la Jonquera, Die Strecke ist kaum abzuschätzen, in kleinen Windungen geht es bergauf und wieder runter, wieviele Kilometer sind das? Wild zelten bei Wind mit Böen bis zu 90 km/h? Nein.
dsc_4574-suedfrankreichDa braut sich etwas zusammen, ein Kälteeinbruch ist vorausgesagt. Das wird nun zur Überraschung, nicht nur für Euch, auch für uns, wie es jetzt weitergehen wird. Wir könnten natürlich hierbleiben, ein Häuschen mieten auf dem Camping und warten bis es wieder besser wird?  Mit mir und dem Wetter!

bis nach Lyon…Avignon

dsc_4456-bis-nach-lyonBei wunderschönem Wetter verlassen wir unser Bungalow, der Weg führt uns durch sehr schönes Gebiet, alles der Saône oder einem der vielen Kanäle entlang.
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dsc_4460-bis-nach-lyonEs wird immer wärmer, und kurz nach dem Mittag passiert es: plötzlich will mein Vorderrad nach links ausscheren und ich spüre, da ist etwas nicht in Ordnung! Ich rufe Martin, ich müsse anhalten etwas stimmt nicht und da sehe ich, die Luft ist raus aus dem Vorderrad! Zum Glück hat Martin alles dabei, wie immer, und der Schlauch ist recht schnell ausgewechselt. Mein erster platter Reifen, seit über einem Jahr!
dsc_4465-bis-nach-lyonIm späteren Nachmittag kommen wir an einem Garten vorbei aus dem lautes reden und Lachen tönt-Hei, das ist doch Schweizerdeutsch! Wir halten an, gucken durchs Gebüsch und sehen junge Leute, die da Zelte aufstellen und anderes ausgebreitet haben. Kurzentschlossen gehen wir hinein und fragen ob wir ev. auch hier zelten könnten? Wir kommen ins Gespräch mit den Leuten, sie waren in Südfrankreich am Kite-Surfen, mussten aber am letzten Tag wegen dem schlechten Wetter vom Camping evakuiert werden. Jetzt sind sie da bei den Eltern von einem, um alles zu trocknen und richtig einzupacken. Der Vater erklärt uns, dass es in der Nähe ein ganz ruhiges Plätzchen gebe, wo wir ungestört zelten könnten, hier gebe es wahrscheinlich eine ziemlich laute Party.
Wir dürfen unsere Wasserflaschen füllen und er unsere Weinflasche, dann ziehen wir etwas weiter und finden wirklich ein wunderschönes Plätzchen, wo wir gemütlich den Sonnenuntergang geniessen, dann kochen und den Wein geniessen, und später den Mondaufgang bestaunen können. So gefällt uns das, deshalb sind wir immer noch unterwegs, weil wir so nahe an den schönen Momenten der Natur sind.
dsc_4468-bis-nach-lyon dsc_4469-bis-nach-lyonDie Nacht wird zwar wieder ziemlich kalt, das Zelt ist morgens tropfnass, innen und aussen, aber die Nebelschwaden die über der Wiese wallen und die Kühe ganz in einer mystische Stimmung erscheinen lassen, versöhnen uns mit der Kälte. Und der Kaffee und Porridge helfen uns, sie zu überwinden, bis die Sonne sich langsam durch den Nebel kämpft.
dsc_4475-bis-nach-lyon dsc_4476-bis-nach-lyon dsc_4482-bis-nach-lyon dsc_4481-bis-nach-lyonUnd wieder empfängt uns dann Vicki ganz herzlich, sie und ihr Mann Jacky haben spanische Wurzeln, ganz in der Nähe einer Via Verde die wir auch gefahren sind letztes Jahr. Wir können mit ihnen spanisch sprechen, was vor allem Martin Spass macht. (und ich beim Abendessen etwas mehr zum Essen komme, da auch er  erzählen kann.) Wir finden heraus, dass uns die spanische Geschichte alle sehr interessiert, vor allem der Bürgerkrieg. (das Buch, das Martin seit Holland dabei hat)
Wir dürfen eine Nacht länger dableiben, und besuchen Dole. Der Tag ist zwar etwas grau, aber der Abend mit Jacky ist wieder sehr spannend. Wir lernen eine Spezialität der Gegend kennen, den Käse Mont d’Or, der warm aus dem Ofen, mit Kartoffeln zusammen genossen wird. Wir hoffen sehr, dass wir uns vielleicht wieder einmal treffen, in Spanien, oder vielleicht einmal in der Schweiz?
dsc_4489-bis-nach-lyon dsc_4492-bis-nach-lyonDank Jacky geht die Weiterfahrt querfeldein, nicht den vielen Windungen der Saône entlang, dafür durch viele kleine Dörfer und die typischen Alleen, die sich schön herbstlich verfärben. Dann erreichen wir den Zusammenfluss von Doubs und Saône, jetzt wird der Fluss richtig breit. Im Feierabend-Verkehr müssen wir durch Chalon sur Saône fahren, zum Glück ist die Veloroute sehr gut ausgeschildert und das GPS hat sie auch drauf, dann noch einige Kilometer einer Voie verte entlang. Bei Benoît und Anne-Sophie finden wir diese Nacht Unterkunft, eine Familie, deren Kinder viel Energie und Freude an unserem Besuch haben. Das Paar hat mit einem Spezial Tandem (hinten normaler Velosattel, vorne bequemer Liegeradsessel) eine Veloreise in Südamerika gemacht. Wir haben uns viel zu erzählen und die Nacht wird kurz. Morgens müssen alle früh raus, Arbeit, KIndergarten und Krippe, wir dürfen noch etwas bleiben, in Ruhe unsere Sachen packen und verlassen dann das Haus durch die Veranda.
Den ganzen Tag fahren wir auf der Voie Verte, es wird eine lange Strecke, auf  dem ehemaligen Bahngleis durch hügeliges Hinterland, mit einer Umleitung über einen kleinen Pass, da der Tunnel geschlossen ist wegen der Fledermäuse, die drinnen überwintern. Wir begegnen zwei Velofahrern mit Hund, die nach Santiago de Compostela fahren, mit einfacher Ausrüstung, und sehr schweren Anhängern. Da ich an meiner Lenkertasche auch eine Muschel angehängt habe, meint der eine, ob wir auch nach Santiago unterwegs sind. Ich erkläre ihm, dass wir nur zum Teil den Camino fahren, da greift er unter seine Decke und schenkt mir eine grüne Muschel aus Glas und Messing, und wünscht uns viel Glück.
dsc_4497-bis-nach-lyonIn Mâcon übernachten wir in einem Fasthotel, das fast an der Veloroute liegt, aber auch an der Autobahn. Es ist ein Elementbau der billigen Art, die Duschen sind so Plastik-Einbaukabinen und Isolation ist nicht gerade seine Stärke. Aber für uns genug, hat es doch vier Wände und eine Heizung. Das Restaurant befindet sich noch im Bau, deshalb kochen wir unser Notmenu. Das Hotel ist wie ein Motel angelegt, jede Zimmertüre geht auf den Parkplatz, es hätte sogar Tische und Bänke. Die benützen wir aber nicht, es ist schon zu kalt. Und wir essen im Zimmer. Das ist am nächsten Morgen tropfnass an der Wand, so gross ist der Temperaturunterschied.
Wir fahren weiter bis nach Villefranche sur Saône, dort können wir erst um 18 Uhr erscheinen, da Annick und Yvon arbeiten. Unterwegs gönnen wir uns ab und zu ein paar Leckereien aus der Boulangerie.dsc_4491-bis-nach-lyon
dsc_4501-bis-nach-lyonWir sind pünktlich dort und die beiden erscheinen auch gerade. Sie öffnen uns die Türe und gehen dann in Englischkurs und Sport, aber wir dürfen uns schon gemütlich einrichten und duschen, bis sie dann um 20 Uhr wieder zurück sind und wir zusammen Abendessen. Sie haben ein gefülltes Arbeitsleben, aber unsere Erzählungen machen sie doch auch gluschtig auf eine längere Reise.
Morgens müssen sie schon um 6.30 aus dem Haus, aber auch hier dürfen wir bleiben, frühstücken um 8.30 Uhr (der Kaffee ist programmiert und bereit, als wir in die Küche kommen.) Es ist einfach unglaublich, wieviel Vertrauen uns entgegengebracht wird!
Durch die Garage können wir das Haus verlassen, heute haben wir nicht so eine lange Fahrt und nehmen sie gemütlich in Angriff. In einem kleinen Dorf spricht uns ein Mann an, und zeigt uns einen Weg weiter, wieder durch die Landschaft und kleine Dörfer, da die Strecke dem Fluss entlang etwas steinig sei. Wir befolgen seinen Rat und geniessen diese Fahrt über kleine Strässchen durchs Land. Bis wir in die Nähe von Lyon kommen und hier den Wegweisern für die Fahrradfahrer folgen. Wenn es schon welche hat. Es ist einfach, immer dem Fluss entlang, bei einigen Baustellen wird die Veloroute zwar umgeleitet, aber wir bleiben am Fluss. Die Saône ist nun sehr breit, sie wird sich in Lyon in die Rhone ergiessen.
dsc_4503-bis-nach-lyonIn einem Vorort von Lyon dürfen wir etwas nach 18 Uhr bei Sylvie und Yves erscheinen. Wir haben noch Zeit und fahren zur Kathedrale und gehen gemütlich in einem Bistro einen Tee trinken. Sylvie und Yves empfangen uns herzlich und wir verbringen mit Ihnen einen gemütlichen Abend.dsc_4504-bis-nach-lyonIn den Letzten Tagen haben wir uns überlegt, wie es weitergehen soll. Die vielen Übernachtungen bei Warmshower Gastgebern sind zwar sehr interessant und spannend, aber wir möchten auch wieder einmal im Zelt schlafen, selber kochen und  für uns sein. Und Martin hat sich erkältet, er hustet, und hat etwas Fieber, da mag er auch nicht so lange Gespräche führen. (Diesmal will er die Krankheit durchseuchen, nicht wie damals in England, wo er diese Medikamente genommen hat und dann alles in 2 Tagen weg war.) Wir hätten aber sicher noch eine ganze Woche zu  fahren bis wir in Avignon wären, und das Wetter will nicht so gut. Und das Rhonetal ist auch nicht gerade ein Highlight, da fährt man viel durch Industriegebiet. Und zudem, die Campingplätze sind fast alle geschlossen.
Deshalb entschliessen wir uns, für die nächste Nacht in der Stadt ein Hotel zu buchen, ein Ticket für einen Zug nach Avignon zu kaufen, die Züge und Gleise zu studieren und dann einen Tag Städtetrip zu spielen. Lyon zeigt sich von seiner besten Seite, die Sonne scheint und wir flanieren durch die Fussgängerzone, trinken Kaffee in einem der vielen Bistros. Abends gehen wir in einem Vietnamesischen Restaurant essen, ein Glückstreffer, das Essen ist sehr gut. Gegen 20 Uhr sind wir in unserem Zimmer und schauen uns einen Film an. Das ist etwas, das wir kaum machen, dabei warten auf der Harddisk doch einige gute Filme darauf, angeschaut zu werden.
dsc_4508-bis-nach-lyonUnd dann am Sonntag, dem 23. Oktober, um 11Uhr, steigen wir in den Zug und fahren in knapp 3 Stunden nach Avignon. Es regnet unterwegs, alles ist grau in grau, aber ich sehe die ersten Olivenbäume, und als wir aussteigen, ist es sicher etwa 10 Grad wärmer als es in Lyon war! Wir haben uns in 3 Stunden Zugfahrt eine ganze Woche Velofahren erspart. Wir fahren  zum Camping und installieren uns hier. Martin muss schlafen, er hat Fieber, aber heute sind wir bei niemandem angemeldet und er kann schlafen und sich auskurieren.
Am nächsten Morgen geht es ihm schon besser, wir waschen unsere Kleider in einer Maschine, und die Sonne und der Wind sind sie nun am Trocknen. Martin schläft wieder und ich schreibe, damit ihr wisst, dass es uns gut geht und wir bald voller Elan weiterfahren wollen.dsc_4512-bis-nach-lyon dsc_4509-bis-nach-lyon dsc_4510-bis-nach-lyon

an der Mosel und Saône

dsc_4446-mosel-und-saoneDer Mosel entlang zu fahren ist ein Genuss, kaum Steigungen und meistens gut ausgebaute Wege ohne Autoverkehr durch die Flusslandschaft. Wir sehen hier Schiffe, grosse lange Kähne, wie auf dem Rhein, die wir bei den Schleusen bestaunen können.
dsc_4406-mosel-und-saoneEs ist sehr schön zum Fahren und unsere Etappen werden immer länger! Jetzt haben wir schon mehrmals 70 oder mehr Kilometer in einem Tag geschafft. Einen Einfluss hat dabei sicher auch, dass wir kaum mehr zelten, da die Nächte immer noch knapp über dem Gefrierpunkt sind. Die Mittagspausen sind auch nur kurz, da tagsüber die Temperaturen nicht mehr immer angenehm sind zum Rumsitzen. Das gibt uns viel mehr Zeit zum Fahren.
Wir übernachten bei Warmshower Gastgebern, die uns immer sehr freundlich und unkompliziert aufnehmen, obschon wir meistens nur 1-2 Tage vorher anfragen. Bis jetzt haben uns alle, die wir anschreiben, innerhalb von kurzer Zeit Antwort gegeben, das klappt hier ausgezeichnet!
In Metz stehen wir in einer Strasse und wissen noch gerade nicht, wie wir in die Innenstadt kommen, da spricht uns eine Velofahrerin an und bringt uns zur Brücke, wo wir dann ganz einfach den Weg finden. Sie fragt uns, wo wir übernachten werden, sie macht auch mit bei Warmshower, und sie kennt unseren Gastgeber. Er holt uns etwas später bei der Kathedrale ab und macht mit uns eine kleine Stadtrundfahrt, erzählt uns einige interessante historische Details, alles auf Spanisch! Er hat schon viele Sprachen gelernt, ungarisch, englisch, spanisch und im Moment lernt er Deutsch!  Er ist ein eingefleischter Velofahrer, schon seit 4 Jahren hat er sein Auto verkauft und setzt sich für das Fahrradfahren in Metz ein. Abends sind wir eingeladen bei seiner Freundin zum Abendessen, sie wohnt mitten in der sehr schönen Altstadt. Es hat sich wirklich gelohnt, diese Menschen und die Stadt ein bisschen kennenzulernen!
dsc_4412-mosel-und-saonedsc_4415-mosel-und-saoneDa unser Gastgeber in der Arbeitswelt steht, heisst es für uns, früh aufstehen und um 8 Uhr das Haus fertig gepackt zu verlassen. Um diese Zeit ist es immer noch ziemlich kalt, wir sind aber mit unseren Regenkleidern gut geschützt. Und das Pedalen gibt warm.
dsc_4432-mosel-und-saonedsc_4416-mosel-und-saoneDie Thermosflasche ist nun täglich im Einsatz!  Zuerst haben wir noch versucht, in einem Dorf ein Lokal zu finden, um einen Kaffee zu trinken, aber in Frankreich sind die Dörfer meistens leer, selten hat es einen Laden oder ein Restaurant. Man sieht zwar angeschriebene Häuser, aber wann die das letzte Mal ihre Türen geöffnet hatten, wissen wir nicht. Und einen Beauty-Salon oder Coiffeur benötigen wir nicht.
Da müssen wir uns schon an die grösseren Städtchen halten, hier finden wir Cafés oder eine Brasserie, aber auch hier ist das Ladensterben in vollem Gange, an bester Lage sind Lokale geschlossen, zu vermieten oder zu verkaufen. Dafür gibt es an den Stadträndern die riesigen Einkaufszentren, wo Leclerc, Super-U, Intermarché, Carrefour und wie sie alle heissen, ihre Waren an die Leute bringen. Da hat es auch Cafés, aber uns gefällt das nicht so sehr, in diese grossen Läden zu gehen. Da wir nur wenige Sachen kaufen können, wird jeder Einkauf zum Marathon, bis wir alles gefunden haben.
dsc_4422-mosel-und-saoneIn Toul, einem kleinen Städtchen an einer Schleife der Mosel, steht die alte Kathedrale fast am Fluss und die Stadtmauer noch fast rundum. Diese Stadt gibt es schon seit der Römerzeit oder sogar noch früher, und war lange das Zentrum der Region. Im 17Jh. wurde Nancy gegründet und Toul verlor an Wichtigkeit. In den letzten Kriegen war sie eine wichtige Militärbasis und deshalb wurde viel zerstört.
Hier übernachten wir bei einer interessanten Familie: er lernt Deutsch, seine Frau Englisch, und wir erfahren von ihren vielen Veloreisen ins Ausland, die sie mit ihren beiden Kindern machen, seit diese ganz klein sind. Sie wollen ihnen zeigen, wie wichtig Fremdsprachen sind!
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An einem Morgen, es ist sehr kalt, alles ist gefroren, biegen wir ab auf den Weg entlang des Canal du Vosges, der sich Richtung Dijon schlängelt. Die Stimmung an diesem Morgen ist überwältigend, die Kälte aber auch. Zum Glück kommt bald die Sonne hervor und wir können uns an der Sonne aufwärmen. Das Gefühl in den Fingern ist wie an einem  eisigen Tag beim Skifahren, trotz der warmen Handschuhe! (Den einen musste ich ausziehen, damit ich mit dem Handy die Kamera auslösen konnte!)dsc_4420-mosel-und-saone
dsc_4447-mosel-und-saoneDer Tag wird wieder sonnig und relativ warm, 13-14Grad zeigt der Tacho von Martin an. (die Ganauigkeit ist zwar etwas zweifelhaft, aber wir haben keinen anderen.) Die Strecke sehr schön und wir erreichen das Departement Franche-Comte, auf den Wegweisern steht nun schon etwas Wichtiges für uns:
dsc_4450-mosel-und-saoneWir sind die ersten Gäste bei einem Paar, das erst seit zwei Monaten bei Warmshower ist, und erst seit zwei Jahren Tandem fahren! Sie sind beide pensioniert und haben schon ein paar Touren in Frankreich unternommen, wollen aber nächstes Jahr ins Ausland. Wir geniessen es, vor ihrem schönen Ofen ins Feuer zu gucken, die Wärme in uns fliessen zu lassen! Ja so ein Feuer, das ist doch etwas sehr Schönes! Unser Französisch erwacht so langsam aus der Versenkung, wir parlieren wieder recht flüssig. Naja, kein Wunder, wenn man jeden Abend viele interessante Gespräche führt.
dsc_4453-mosel-und-saoneEs wird wärmer, gleichzeitig kommt eine Regenfront, die wir in einem Bungalow auf dem ganzjährg offenen Camping in Vesoul vorbeiziehen lassen. Hier kochen wir wieder einmal selber, schlafen am nächsten Morgen aus, während der Regen aufs Dach trommelt. Und haben einen Tag Zeit zum Schreiben und Lesen, Bremsen auswechseln, Veloständer fixieren, Lenker richten,…all die kleinen Sachen, die zu kurz kommen, wenn man so viel am Fahren ist. Und weiter planen, wieder Leute anschreiben fürs Übernachten und Referenzen schreiben für die Leute, die uns so grosszügig aufgenommen haben. Noch offene Campingplätze auf unserer weiteren Strecke suchen. Wir fahren der Saône entlang bis nach Lyon. Frankreich ist sooo gross! Aber wir werden Spanien schon erreichen! Charles le Téméraire wird uns den Weg in den Süden zeigen.

„Flug“ in den Süden

dsc_4396-unser-flugMit kräftigem Gegenwind aber schönem warmem Wetter fahren wir los. Wir warteten auf ein Buch, welches wir im Internet bestellt hatten.
dsc_4340-unser-flugdsc_4329-unser-flugNun pedalen wir der Maas entlang, mal auf dieser, mal auf der anderen Seite, zwischen den Grenzen von Holland, Deutschland und Belgien. Es hat viele Gänse, die wie wir in den Süden ziehen. Sie formieren sich mit wildem Geschrei. Einmal lagern sie auf dem Feld neben dem Camping. Die ganze Nacht hören wir ein Geschnatter und Gerangel, bis sie im Morgengrauen wegziehen. Auf Wiedersehen im Süden!
dsc_4393-unser-flugdsc_4339-unser-flugWir haben uns gut vorbereitet, die Zeltplätze welche wir ansteuern, sind noch offen aber trotzdem leer, manchmal ist ein Wohnwagen bewohnt, die anderen sind verpackt für die Winterruhe. Oft ist die Rezeption nicht mehr bedient, wir müssen telefonieren und uns selber installieren.  Die warme Dusche ist aber meistens in Betrieb und manchmal sogar geheizt!
dsc_4321-unser-flug dsc_4343-unser-flug dsc_4331-unser-flug dsc_4336-unser-flugEines Morgens, Martin will gerade Kaffee machen, streikt der Kocher. Also muss er zuerst die Schläuche und Ventile putzen, aber da geschieht das Unglück: Der Kocher bricht entzwei! Vom vielen Aufheizen ist das Material spröde geworden und ist jetzt gebrochen. Ohje! Ohne Kaffee müssen wir losfahren. In der nächsten Stadt habe ich einen Outdoor- Laden entdeckt (Internet sei Dank!) und hier kaufen wir einen Gaskocher, bis wir in Aachen vielleicht einen neuen Benzinkocher kaufen können. Oder unseren vielleicht reparieren könnten.
dsc_4344-unser-flug dsc_4359-unser-flugdsc_4352-unser-flugDer Gaskocher ist ein Riesending, wir sind froh, haben wir ein bisschen Platz übrig. Wir brauchen zwei Tage bis Aachen und das Ding leistet gute Dienste. Es ist mittlerweile kühl geworden, das Wetter hat ganz auf Herbst umgestellt. Wir kochen uns Tee und auch mal einen Porridge am Mittag. Die Nächte werden kälter, unsere Daunenschlafsäcke sind noch genügend warm.
Wir erreichen Aachen am Samstagnachmittag um 15 Uhr, gerade noch früh genug, um vor Ladenschluss den Outdoor-Laden aufzusuchen. Wir haben viel Glück, es hat sogar einen Primus-Kocher! Da gibt es nicht viel zu überlegen und wir kaufen diesen Ofen! Einschicken, warten bis Primus vielleicht einen Ersatz schicken würde – Nein das wollen wir nicht. Wir packen vor dem Laden um, damit der neue Kocher ein Plätzchen findet. Martin kommt mit einem Paar ins Gespräch, sie laden uns ganz spontan ein und wir dürfen bei Ihnen übernachten. Das Haus gehörte einer vor kurzem verstorbenen Tante. Abends gehen wir im Quartier zusammen sehr gut vietnamesisch essen! Wir verbringen einen sehr spannenden Abend mit den Beiden! Vielen Dank für Eure spontane Gastfreundschaft!
dsc_4369-unser-flug dsc_4367-unser-flugDer nächste Abschnitt ist der Vennbahn-Radweg. Ein ehemaliges Eisenbahntrassee, das sich von Dorf zu Dorf über die Ardennen schlängelt und uns einige Höhenmeter in angenehmer Steigung überwinden lässt! In einem kleinen Dorf fahren wir in einen Umzug hinein, wo die schönen starken Pferde Wagen oder Kutschen ziehen .Wir verweilen als Zuschauer.
img_1213-unser-flugLeider beginnt es am Nachmittag zu regnen und es wird kalt! Trotz heissem Tee am Mittag bin ich etwas durchgefroren. Wir entschliessen uns in Monschau mal rumzutelefonieren, vielleicht gibt es eine Pension, die noch ein Zimmer frei hat für uns. Aber da sind wir am falschen Wochenende unterwegs, hier ist ein Fest im Gang und alles ausgebucht. Bei Booking finden wir trotzdem ein Wirtshaus welches uns ein Zimmer vermietet. Es ist zwar im höher gelegenen Nachbardorf, das uns noch einige Anstrengung abverlangt. Hat aber sehr schöne und warme Zimmer! Wir verlassen das Haus nicht mehr und verschlingen  ein deftiges, leckeres Abendessen an der Wärme, während es draussen weiterregnet. Das stört uns nicht mehr.
dsc_4355-unser-flugDas Regenwetter beruhigt sich und wir können wieder zelten. Die nächste Nacht bekommen wir Besuch. Als wir vom Zähne putzen zurückkommen, sehen wir den Schatten einer Katze, oh nein, da schlüpft eine zweite sogar aus dem Zelt! Wir hatten es nicht ganz geschlossen. Katzen sind einfach zu neugierig, aber das ist ja nicht weiter schlimm, das hatten wir schon öfters. Plötzlich in der Nacht weckt mich Martin! Hast du gehört eine Katze ist im Zelt! Nein, ich habe nichts gehört! Aber ich bin auch hellwach, es könnte ja sein! Und wir hören wieder Geräusche, rascheln an der Zeltwand, ist da doch eine weitere Katze? Ich bin gerade wieder am Einschlafen, spüre ich etwas unter dem Kopfkissen unter meiner Matratze. So ein Stupsen, was war das? Etwas später als Martin sich umdreht, piepst es plötzlich. Aha, eine Maus! Oder sogar zwei?! Vor lauter Schreck wird es ganz still und wir schlafen wieder ein. Am Morgen beim Kaffee, als ich unsere Taschen etwas herumrücke, rennen plötzlich zwei Spitzmäuschen herum, die eine verschwindet draussen, die andere versteckt sich hinter einer anderen Tasche. Während des ganzen Frühstücks bleibt sie bei uns, ob sie wohl noch weiss, wo ihr zuhause ist?
In einem kleinen Dorf erhalten wir bei einer Warmshower-Gastgeberin Unterkunft, wo wir die herrliche Wärme in ihrer Stube geniessen. Nun wird uns richtig bewusst wie abhängig wir vom Wetter sind, aber auch, wie gut wir ausgerüstet sind. Wir verbringen immer noch so viel Zeit draussen. Und natürlich auch wie schön es ist, in einer warmen Stube zu sitzen!
dsc_4371-unser-flugGerade die nächste Nacht im Zelt wird dann extrem kalt. Am Morgen haben wir gefrorenes Eis am Zelt!
dsc_4385-unser-flugWir haben trotzdem recht gut geschlafen. Martin hatte die Daunenjacke an den Füssen, über dem Icebreaker die blaue Velojacke angezogen und über dem Kopf das Faserpelzkäppi! Mein Schlafsack hat sich auch bewährt, ich habe die Faserpelzjacke um die Hüften geschlungen und die Schlafsack-Kapuze über dem Faserpelzkäppi noch etwas zugeschnürt. Zum Frühstück haben wir dann Porridge gemacht, etwas Heisses muss in den Magen zum Aufwärmen. Nun kommt endlich die Sonne hinter dem Hügel hervor und wärmt uns auf.
dsc_4383-unser-flug dsc_4374-unser-flug dsc_4376-unser-flugZum Glück ist das eine Ausnahme, die nächste Nacht wird wieder ganz normal, 10 Grad, wir empfinden sie als richtig angenehm! Jetzt erreichen wir die Mosel, nachdem wir der Our und der Sûre gefolgt sind. Dieser Fluss schlängelt sich durch Weinberge, der Süden ist nicht mehr weit! Sowieso, die Wälder sind noch nicht gelb oder bunt, da muss noch etwas warmer Herbst kommen. Der kalte Wind kommt aus Osten, bei uns würden wir sagen die „Bise“ bläst von Sibirien her und bringt dauernd Wolken über unsere Köpfe.
dsc_4387-unser-flugWir kommen in Schengen vorbei, einem Städtchen, das jeder in Europa kennt, weil hier das wichtige Schengen-Abkommen unterschrieben wurde. Aber wissen die Leute auch, wo das liegt? Mir war es auf jeden Fall nicht so bewusst.
Und nun ist Frankreich angesagt, die Sonne kommt hervor und es wird sofort freundlicher und wärmer. Bonjour la France!
Bei Thionville haben wir einen Warmshower-Gastgeber, Johnny, der uns seine Wohnung überlässt zum Ausruhen, er muss arbeiten und wir dürfen an der Wärme Kleider waschen, Blog schreiben und weiterplanen. Seit wir Elly und Dave verlassen haben sind wir jeden Tag gefahren, ohne Unterbruch zwei Wochen lang. Der Ruhetag tut gut. Wir entscheiden, dass wir mit den Velos weiterfahren und noch keinen Zug nehmen. Das Wetter soll gut bleiben. Die Kälte wird hoffentlich wieder etwas verschwinden Es kann nicht sein, dass es hier während der Nacht nur 4-6 Grad kalt ist!
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Unerwartete Begegnung am Strassenrand.

Ferien

dsc_4255-feriendsc_4251-ferienÜber Land geht’s dann Richtung Osten, das nächste Ziel sind unsere Freunde in der Nähe von Arnheim, die wir damals auf dem Montenaturista in Portugal kennengelernt hatten. Was für eine Fahrt! Entlang von Kanälen, durch Dörfer, über grosse Wiesen, Auf einem Damm dem grossen See entlang, dann durch ein Wald-Moorgebiet mit vielen schon fast verblühten Erika, die noch ein wenig violett leuchten, wenn die Sonne hineinscheint. Und überall begegnen wir anderen Fahrern, einer Gruppe von Frauen, vielen älteren Paaren, Schülern oder Businessmännern auf dem Heimweg. Hier ist das Fahrrad einfach integriert in den Alltag, ganz natürlich. Man kann jetzt sagen, ja die haben halt keine Hügel, ja, aber das Wetter ist sicher nicht so verschieden von dem in der Schweiz.
dsc_4246-ferien Wir übernachten auf einem Naturcamping, sind fast allein in diesem Wald und geniessen die Ruhe hier. Ein Rotkehlchen besucht uns ein paarmal, sitzt da auf einem Ast und schaut uns zu. In der Nacht plötzlich ein Donnergrollen und es beginnt zu regnen. Ich bin natürlich hellwach, und Martin verschläft das ganze Gewitter! Am Morgen ist der Wald in Nebel gehüllt und ich bekomme eine leise Ahnung, dass es jetzt wirklich langsam Herbst wird. Es ist ja auch schon September. Aber der Nebel lichtet sich langsam und als wir weiterfahren, lugt die Sonne schon zwischen den Wolken hervor.
In einem Dorf finden wir per Zufall einen grossen Fiets-Laden, der wirklich gute Sachen hat. Martin ersteht sich Armwärmer, die er zu einem T-shirt anziehen kann, endlich findet er auch eine Sonnenbrille mit auswechselbaren Gläsern, die ihm passt und nicht zu teuer ist. Ich finde eine Hose mit Rock drüber und ein paar Socken, alles 30-50% günstiger. Sie wollen jetzt die Ware loswerden, im Frühling kommt die neue Kollektion. Da haben wir ja einen richtigen Schnäppchen-Einkauf  gemacht.
Gemütlich radeln wir weiter, in einem Wald machen wir unsere Mittagspause und da hat es immer wieder Leute die vorbeifahren, ganze Schulklassen, wieder Gruppen von älteren Frauen, (ob die wohl ins Nachbardorf fahren um einen Kaffee zu trinken?), und eine Menge von älteren Paaren. Bei der Nächsten Nummer merken wir dass wir doch noch ein rechtes Stück fahren müssen, sogar noch durch eine grössere Ortschaft, und es ist nun schon 17Uhr geworden. Der Weg entpuppt sich sogar als ziemlich hügelig, abnormal für Holland. Aber wir kommen dann doch an, etwas nach 18 Uhr stehen wir auf vor der Türe von Elly und Dave und werden herzlich begrüsst. Es ist für uns fast wie ein Nachhause kommen. Sie sagen, es sei für sie, wie wenn Cousins zu Besuch gekommen wären. Das erwärmt unsere Herzen! Gemütlich sitzen wir zusammen, später holen sie vom Chinesen wunderbar feines Essen und wir haben alle viel zu viel gegessen als wir zu Bett gehen. Hier dürfen wir eine  grosse Pause machen, Elly lädt uns richtiggehend ein, solange wie wir nötig haben eine Rast zu machen. Sie wissen, wie es ist, unterwegs zu sein, sie waren schon mehrere Male längere Zeit unterwegs, in Amerika und in Asien.
img_0482-ferienAm Samstag ist eine grosse Feier angesagt, eine Erinnerung an 1944, als Tausende von allierten Fallschirmspringer hier landeten, um eine Brücke zu befreien, für die Truppen, die von Frankreich und Belgien herkamen. Aber das Ganze scheiterte, es gab Kämpfe und grosse Verluste auf allen Seiten. Der folgende Winter war dann sehr kalt und schwierig für die Menschen die hier lebten. Daran soll dieser Tag erinnern. Wir fahren zu den Feldern, wo damals die Fallschirmspringer landeten. Und sind nicht allein!
dsc_4263-ferienWir haben unsere Stühle mitgenommen, viele Leute kommen, die Fahrt hierher kommt mir fast vor wie ein Slow-up in der Schweiz, wenn wirklich viele Leute auf den gesperrten Strassen unterwegs sind. Aber hier ist das normal, vor allem an Wochenenden mit schönem Wetter gehen viele Leute auf ein Fährtchen mit dem Velo!dsc_4261-feriendsc_4299-ferien

dsc_4288-ferienEs ist sehr eindrücklich, als die alten Flieger über uns hinwegdonnern und die Fallschirmspringer ausspuckt,
dsc_4294-ferien dsc_4287-ferien dsc_4290-ferien6 Flugzeuge, die in drei grossen Runden immer wieder kommen und jedesmal springen wieder Fallschirme raus. Wie muss das sein für Menschen die damals hier lebten, wenn schon mir die Hühnerhaut über den Rücken kriecht?
Wir besuchen am nächsten Tag auch noch das Airborne-Museum in Osterbeck, das eine sehr interessante Ausstellung hat und uns viele Informationen liefern kann.
Die Woche ist gefüllt mit vielen Dingen, die schon lange anstanden: Waschen von allen Kleidern, inklusive die Regenkleider.img_1190-ferien Das Zelt mal richtig trocknen. Die Schlafsäcke und Daunenjacken haben es auch dringend nötig, wir bringen diese in eine Reinigung. Blog schreiben. Wieder einmal ein Buch lesen. img_1191-ferienViele interessante Informationen über Amerika sammeln. Im Internet surfen, bis der Akku leer ist, einfach so, weil es ein Internet hat. Blog schreiben. Andere Weltenbummler auf dem Rad, die irgendwo in der Welt unterwegs sind, wieder einmal verfolgen und schauen was mit ihnen alles geschehen ist. Blog schreiben. So langsam habe ich ihn aktualisiert, England ist fertig geschrieben. Planen, wie es weiter geht! Karten studieren. Routen studieren. Viele Gespräche mit Elly und Dave führen. Wein trinken, gut essen, kochen mit Backofen! 10 Kilo Äpfel verarbeiten zu Apple Crumble und anderen Desserts.
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Im Garten auf der Terrasse sitzen, die Sonne geniessen, nichts tun. Die Tage vergehen, wir kommen zur Ruhe, und die Pläne werden langsam konkret. Holland zeigt sich von der besten Seite, das Wetter ist stabil warm und sonnig! Wenn dieses Land etwas südlicher liegen würde, wäre es perfekt für uns!
img_1189-ferienAuf einer Fahrt in die Nachbarsstadt ist der Hebst sehr präsent, der Duft nach trockenen Blättern, die abgeernteten Felder, der Wagen voll mit bunten  Kürbissen, die zum Verkauf hier liegen, alles zeigt mir, es ist Herbst!
Zeit, um in den Süden zu „fliegen“! Wir werden zu Vögel, die sich versammeln, um in die Wärme zu ziehen, aber wir werden auf unseren Rädern fliegen!dsc_4014-ferien

Welcome in Holland

dsc_4243-welcome-in-hollandDie ersten Tage in einem neuen Land sind immer aufregend. Alles ist neu, anders und wir vergleichen mit dem Land in dem wir vorher waren. Hier ist einfach das Paradies! Wir haben gar nichts auszusetzen an Holland, alles gefällt uns sehr gut!img_1201-welcome-in-holland
dsc_4216-welcome-in-hollandimg_1177-welcome-in-hollandZuerst natürlich das super warme und sonnige Wetter, ohne Regenvorhersage! Und heisse 22-25 Grad, das ist wirklich Hochsommer, nach den durchschnittlich 15-18 Grad, die wir in den letzten 2 Monaten hatten. Es ist Mitte September!
Dann wieder das links Fahren, nachdem Martin die Spiegel gewechselt hat, geht das einige Stunden und ich habe mich wieder umgewöhnt, das ist einfach mehr im Blut als das rechts Fahren!
Das Fahren überhaupt: Die Wege sind super ausgeschildert, wenn man begriffen hat wie es geht! Begegnungen mit Autos gibt es selten, im Kreisverkehr haben die Fahrräder Vortritt, und das wird eingehalten. Die Autofahrer sind halt alle auch Fahrradfahrer!
Die Zeltplätze sind noch für Zeltler gemacht, und es hat auch noch Leute, die das Wochenende im Zelt verbringen. Wir lassen uns gleich in der Nähe von Ijmuiden auf einem Naturcamping im Wald nieder, und kommen einfach mal an. Machen am Nachmittag einen Ausflug ans Meer, durch die Dünen und liegen eine Weile in der Sonne. Das tut gut! Es hat hier aber auch einen scharfen Wind, der die Sandkörnchen in alle Ritzen bläst, deshalb verlassen wir nach 2 Stunden den Strand wieder. Wir wollen uns keinen Sonnenbrand holen!
dsc_4218-welcome-in-hollandimg_1178-welcome-in-hollandSo bleiben wir 3 Tage hier, bevor wir nach Amsterdam fahren, ohne vorher genau die Route studiert zu haben, sondern einfach den Wegweisern und Nummern nach, wir begreifen das System so langsam!
dsc_4220-welcome-in-holland dsc_4221-welcome-in-holland dsc_4222-welcome-in-holland dsc_4223-welcome-in-hollandIn der Stadt sind wir wieder beeindruckt von der Anzahl, und der Infrastruktur für Fahrräder. Die Parkhäuser sind einfach riesig!
img_1181-welcome-in-holland Das ist ein Bild für Jorge, einer unserer Freunde in Alicante!
Ich fühle mich schon etwas eingeschüchtert, erinnere mich an die ersten Tage in Kopenhagen, als ich mich kaum auf die Strasse wagte wegen der vielen, selbsbewussten und schnellen Fahrradfahrern.
Auf dem Campingin Amsterdam hat es einige Zelte mit jungen Leuten, gegen Abend kommen noch  ein paar dazu, unter anderem  2 Fahrradfahrer, die ihre Zelte in unserer Nähe aufstellen. Martin kommt mit ihnen ins Gespräch und wir verbringen viel Zeit zusammen, zeigen uns die verschiedenen wichtigen Sachen die wir dabeihaben. Und wir lernen auch noch Neues kennen! Rami hat eine Solarlampe dabei die aussieht wie eine CD. Super leicht und super Licht! Hamdi hat wie wir Stuhl, Tisch und eine umfangreiche Küche dabei. Er liebt es zu kochen, heute macht er Bulgur, und davon eine Extraportion, damit wir auch kosten können! Nach dem Essen sitzen wir noch etwas zusammen und plaudern bei einem Tee.
dsc_4229-welcome-in-hollandIn der Nacht muss ich dann dringend auf die Toilette, weil ich am Abend zuviel Tee getrunken habe. Als ich aus dem Zelt schlüpfe, liegt ein schwerer Duft über dem Feld.  Fast auf jedem Bänkli wird Marihuana geraucht, in der offenen Küche wird auch noch geschwatzt, mir wird fast schwindlig nur von dem kurzen Spaziergang. Zum Glück ist in unserem Zelt noch relativ neutraler Geruch und ich schliesse die Reissverschlüsse ganz gut, damit wir nicht eingeräuchert werden.
Am nächsten Morgen sind die Duschen auf unserem Feld geöffnet, gestern Abend waren sie noch geschlossen, und ich hatte reklamiert! Ha, es hat genützt denke ich ganz stolz. Aber weit gefehlt: Ein Stimmengewirr nähert sich und entpuppt sich als 4-5 Schulklassen, die in den hellbraunen Haus-Zelten Quartier beziehen! Es ist ein Lärm und Lachen- naja so geht es manchmal ruckzuck, und die Ruhe ist vorbei!
Das Frühstück machen wir gemeinsam mit unseren Nachbarn, wir helfen, ihre Resten zu essen, denn sie sind am Ende ihrer Reise. Sie werden am Nachmittag einen Bus Richtung Köln besteigen. Von den beiden erfahren wir, dass diese Fernbusse manchmal bei Voranmeldung Fahrräder mitnehmen. Gut zu wissen!
Als sie gepackt haben und losfahren wollen, bemerkt Hamdi, dass sein Fahrrad hinten einen platten Reifen hat! Also wieder abladen und einen neuen Schlauch montieren. Wir tauschen Adressen und Handynummern aus, wir werden uns sicher einmal wiedersehen!
dsc_4226-welcome-in-hollandWir besuchen die Stadt, fahren einfach der Nase nach, durch die Gassen, den Kanälen entlang. Irgendwo halten wir an, schauen in ein paar Läden rein, essen eine Kleinigkeit und machen dann eine grosse Rundfahrt, über zwei Brücken, durch verschiedene kleine, alte Quartiere mit hübschen Häuschen. Die Holländer brauchen definitiv wenig Platz zum Wohnen, so kommt es uns auf jeden Fall vor. Die Häuschen sind so klein, viele sind von Familien bewohnt.
dsc_4238-welcome-in-hollandDie verschiedenen Typen von Fahrrädern schauen wir uns genau an, da hat es Lastvelos, solche mit grossen Kisten vorne dran, oder Tandems, wo vorne ein Kind sitzt, oder viele mit zwei Kindersitzen, vorne und hinten, und nicht zu reden von all den verschiedenen Elektrobikes, es ist eine riesige Diversität. Und Martin findet in den Veloshops bis auf den Ersatzreifen alles, was er braucht für unsere Velos.dsc_4241-welcome-in-holland

 

letzte Tage in England

dsc_4117-letzte-tage-englandEinen Tag lang fahren wir wirklich fast immer der Küste entlang, an Schloss Bamburgh vorbei, und an anderern kleinen Dörfern und Städtchen. Die Sonne scheint und ein recht starker Gegenwind hält uns fit, denn es hat wirklich kaum Steigungen. Dafür geht es durch richtige Feldwege, durch Dünen und Wiesen mit Kühen, aber da es die letzten Tage trocken war kein Problem, wegen Pfützen oder Matsch.
dsc_4204-letzte-tage-england dsc_4113-letzte-tage-englandNach circa 40 Km hat es ein paar Campingplätze, die verteilt sind in der Gegend, auf so einem versuchen wir unser Glück, obwohl er dem Caravan und Campingclub angehört. Die Frau findet uns sogar im Computer, da wir irgendwo auch schon auf einem Clubmitglied gezeltet hatten, und so unsere Daten jetzt bei Ihnen gespeichert sind. Wir bekommen ein hübsches Plätzchen und geniessen die Wärme der Sonne, die uns noch ein bisschen verwöhnt. Nachts ziehen Wolken auf und bei grauem Himmel ziehen wir am nächsten Tag weiter. Es hat abgekühlt, und wirklich nach etwa einer Stunde beginnt es zu regnen. Unter einem Baum schlüpfen wir in unsere Regenkleider. Nach 20 Minuten warten beschliessen wir weiterzufahren. Aber es wird nicht besser und noch einmal halten wir an, damit wir auch die Gamaschen über die Schuhe anziehen können, bevor die Socken und Füsse auch nass sind. Plötzlich taucht aus dem Nichts ein Wanderer auf, auch er ist tropfnass. Er stellt sich zu uns unter den Baum und wir beginnen ein Gespräch, über das Wetter und dann über unsere und seine Reise. Er hat einen Wohnwagen, von da aus läuft er Tagesetappen und fährt mit dem Bus zurück. Nach einigen Tagen fährt er mit dem Wohnwagen weiter und macht dann wieder ein paar Tagesetappen zu Fuss. So läuft er seit Jahren alle Küsten von England ab. Auch das ist eine interessante Art zu Reisen.
dsc_4197-letzte-tage-englandDen Kühen macht der Regen überhaupt nichts aus, sie kennen nichts anderes!
Wir erreichen dann Warkworth, ein hübsches Städtchen, gerade hört es auf zu regnen, und wir verspüren grosse Lust, uns ein wenig aufzuwärmen bei einem Tee.dsc_4203-letzte-tage-england
Da werden wir aufmerksam auf ein Plakat vor einer Türe und ich gehe mal hinein, um zu sehen, wie wir das mit den Fahrrädern machen können. Das Lokal ist voll! Es hat sogar Leute die da stehen und auf Sitzplätze warten. Aber die Dame kommt schnell heran und zeigt uns das Innenhöfli, wo wir die Fahrräder hinstellen dürfen. Um dies zu bewerkstelligen, müssen wir durch zwei Türen und das halbe Restaurant. Aber das ist kein Problem, die Frau hält uns die Türen auf und komplimentiert die Wartenden zur Seite, damit wir durchkommen. Der Innenhof, wunderschön dekoriert mit Blumen, ist auch die Terrasse, wenn die Sonne scheint, auf alle Seiten geschützt vor dem ewigen Wind. Wir ziehen hier unsere nassen Kleider aus und hängen sie an unseren Rädern auf. In der kurzen Zeit verschwinden die Wolken langsam und eine wunderbar warme Sonne strahlt vom blauen Himmel und erwärmt uns. Es riecht aussergewöhnlich gut im Lokal und unsere Bäuche beschliessen, sich hier etwas einzuverleiben. Eine sehr gute Entscheidung! Wir essen herrlich und gar nicht so teuer ein wunderbares Mittagessen. Manchmal muss man sich etwas gönnen, oder?!
dsc_4200-letzte-tage-england dsc_4201-letzte-tage-englandAls wir aus dem Café herauskommen, haben sich die Wolken vollends verzogen und wir packen unsere Regensachen trocken ein. Aber der Wind hat aufgedreht, er bläst uns seitlich ins Gesicht. Aber wir sind gestärkt und fahren frohen Mutes südwärts.
Die Strecke wird heute etwas länger, Alle Plätze die wir abklappern, sind keine Zeltplätze mehr, sondern haben nur noch diese Plastikhäuser, und nennen sich Holiday-Park.
In Newbiggin by the sea hat es gleich drei solche und keiner hat ein Plätzchen für uns, es ist schon halb sechs und wir sind langsam müde und etwas zermürbt. Eine junge Frau an einer Reception hilft uns noch und telefoniert in der Gegend herum, aber auch sie wird nicht fündig. Also, jetzt gönnen wir uns halt ein B&B, und sie sucht uns einige Telefonnummern heraus, wo wir versuchen können. Wir sind zuversichtlich, es ist Donnerstag, Nebensaison, da wird es doch in diesem kleinen Küstenstädtchen ein Zimmer haben für uns.
Im “Old Ship” wollen wir es versuchen. Ich gehe rein, es ist ein Pub und ein paar Leute sitzen da. Ich frage die Frau ob sie auch B&B habe, und sie sagt zögernd: “I’m full I‘m afraid.” “Oh, No!” Ich muss ganz enttäuscht ausgesehen haben, denn sie erklärt mir lang und breit, dass in der Nähe eine grosse Baustelle sei und viele der Arbeiter in den B&B in der Umgebung untergebracht seien. Etwas ratlos stehe ich nun da, aber die Frau und ihre Tochter beginnen schon, herumzutelefonieren, ob irgendwo ein Zimmer frei ist. Aber heute ist nicht mehr Glück angesagt, alle sind ausgebucht, oder gerade noch in den Ferien….
Sie setzt sich an den Computer und sucht nach einem Hotel in der Nähe, aber das würde 75Pfund kosten, und steht etwa 6 Meilen ausserhalb der Stadt an einer  A-Strasse, nicht wirklich ein Deal, findet sie! Alle im Pub verfolgen interessiert die Geschichte, jemand meint wir könnten ja wild zelten in der Nähe im Wald. Ja, daran haben wir auch schon gedacht, aber es hat hier viel Industrie und Strassen und der ruhige Wald ist nicht gerade in der Nähe, wir sind an der windigen Küste.
Plötzlich meint sie, wir hätten ja unsere Matratzen dabei und Schlafsäcke, wir könnten sonst da im Restaurant hinten schlafen am Boden? Is this an option for you? Da wird es ganz ruhig im Pub, alle sind gespannt, was ich jetzt darauf sage. Ich bin ganz glücklich: oh yes, this is an option!!!!
Es gibt zwar keine Dusche, aber eine Toilette, und vor allem vier Wände und keinen Wind! Schnell informiere ich Martin über die glückliche Wendung in unserer misslichen Lage, er ist auch einverstanden mit dieser Lösung. Die Fahrräder kommen in das ehemalige Restaurant, das als Lagerraum genutzt wird für allerlei Möbel, und wir ziehen uns da um. Jetzt trinken wir mal einen Cider, dann gehen wir ins Städtchen und kaufen 2 Riesenportionen fish and chips, die wir auf einer Bank auf der Promenade verdrücken.
Nach einem langen Verdauungsspaziergang gehen wir zurück in den Pub, wo wir warten, dass die letzten Gäste das Lokal verlassen. Aber gerade heute sind ein paar Frauen da, die fast nicht aufhören können, einander alle ihre Geschichte zu erzählen. Um 23.20 endlich sind alle gegangen und wir können unser Nachtlager aufstellen, auf dem Boden in einer Ecke des Restaurants.
dsc_4207-letzte-tage-englandWir können recht gut schlafen trotz der Notbeleuchtung, die da immer brennt und der ungewohnten Situation.
Am nächsten Morgen erhalten wir noch ein Frühstück, wie wenn wir in einem der Zimmer übernachtet hätten und dafür will die Frau auch kein Geld! Wir könnten sogar duschen in einem der Zimmer, da die Arbeiter schon weg seien. Aber wir werden jetzt dann sowieso wieder schwitzen, wir duschen dann heute Abend. Irgendwo.
Schon seit Tagen sind wir nämlich dran, einen Host von Warmshower in Newcastle zu suchen, aber hier haben wir auch kein Glück, der erste antwortet nicht, der zweite kann leider nicht an diesem Wochenende und der dritte antwortet auch nicht, naja vielleicht heute Mittag? Wir werden dann noch einmal die Mails checken, ob er sich gemeldet hat. Denn, es gibt 40km rund um Newcastle keinen Zeltplatz mehr, der Zelte nimmt. Und wo sollen wir dann übernachten? Das Ticket für die Fähre wollen wir auf dem Weg in die Stadt am Hafen kaufen, der ist nämlich etwa 15 km vor der Stadt, und direkt an der Fahrradroute.
Die Karten von Christopher aus Bristol wollen wir noch zurückschicken, aber die Post von Newbiggin by the sea gibt es seit zwei Jahren nicht mehr! Es sieht aber aus als sei sie noch offen, nur ein kleiner Zettel an der Türe, den man kaum lesen kann, gibt Auskunft darüber, dass das Office geschlossen sei. Und im Dorf gibt es keinen Laden, der das Office integriert hat. Dann werden wir die Karten halt später schicken.
img_1170-letzte-tage-englandWir haben etwa 50 km Fahrt vor uns, die Küste ist jetzt dicht besiedelt, es hat Dörfer und kleine Städte, mal ist es felsig, mal hat es schöne sandige Buchten, mal Dünen, die mit Gras bewachsen sind, an denen wir vorbeiradeln. Der Fahrradweg ist hier mit den Fussgänger zusammen, wir sind froh, dass es so viel Wind hat, kaum jemand ist unterwegs, nur ein paar Hundefreunde sind draussen, die anderen haben sich verkrochen und warten auf windstillere Zeiten! Ob es die hier gibt?
dsc_4214-letzte-tage-england dsc_4213-letzte-tage-england dsc_4215-letzte-tage-englandDann erreichen wir die Flussmündung des Tweed, wo wir demnächst mit dem Schiff rausfahren werden. Als wir den Hafen erreichen, sehen wir, dass die Autos in die Fähre hineinfahren und mein Wunsch grad jetzt auch auf die Fähre zu fahren, wird riesig. Martin möchte lieber noch ein paar Tage hier bleiben, die Stadt anschauen, es etwas ruhig nehmen. Deshalb unsere Abmachung: wenn wir keine Antwort von dem Warmshower erhalten, ruft er bei einem Camping an, der etwa 15km südlich des Tweed liegt, der ev. Zelte nimmt. Dieser Moment ist jetzt gekommen. Er ruft vor dem Ticketoffice der Fähre an: Die wollen zuerst 27.50Pfund pro Nacht und eine Vorauszahlung mit Kreditkarte! Nachdem Martin etwas mit ihr argumentiert hat, ist der Preis auf 21Pfund gefallen und die Vorauszahlung erübrigt sich auch, wenn wir heute kommen.
Aber ich habe keine Lust mehr, ein so teurer Camping, der überhaupt nicht in der Stadt liegt, und hier die Fähre vor der Nase, in knapp 2 Stunden legt sie ab- ich möchte mit diesem Schiff wegfahren, das spüre ich ganz genau.
Martin kennt mich sehr gut und nach kurzem Zögern willigt er ein, jetzt ein Ticket für heute zu kaufen, wenn es noch welche hat! Wir wissen etwa, wieviel die Überfahrt kostet, wir haben im Internet geschaut. Der Preis liegt jetzt bei 205 Pfund, für uns beide und die Fahrräder, am Montag wäre es etwas günstiger, 175. Aber was soll‘s?
Schon nach kurzer Zeit stehen wir bei der Ticketkontrolle an und rollen dann Richtung Schiff, dessen offener Bauch uns einlädt, mitzufahren.
img_1171-letzte-tage-englandNach der heissen Dusche machen wir es uns in unserer Kabine gemütlich.
img_1173-letzte-tage-england Nach einem Spaziergang durch das Schiff wissen wir, dass hier alles viel teurer ist, als auf der anderen Fähre von Spanien nach England, und wir durchforsten unsere Taschen nach allem was zu essen ist, und bringen ein feines Abendessen zustande, auch ohne zu kochen.
img_0468-letzte-tage-englandWir haben auch noch ein Joghurt für das Müesli am Morgen, nur den Kaffee kaufen wir uns an der Bar und trinken in draussen, bei der Einfahrt in den Hafen von Ijmuiden.img_0471-letzte-tage-england

Das ist ein etwas abruptes Ende unserer England-Tour. Wir haben Schottland nicht wirklich erreicht. Wir haben gemerkt, dass wir, oder jedenfalls ich, nicht so Regen- und Windfest sind, um monatelang so herumzufahren und zu zelten.
Die Zeltplatzsuche wurde am Schluss fast zum Albtraum. Der Wind ging uns auf die Nerven! Die Manschen aber waren durchgehend nett und wir haben viele interessante Leute kennengelernt. Es ist eine Erfahrung, die wir nicht missen möchten. Und: Schottland bleibt auf unserer Wunsch- Liste. Irgendwann einmal werden wir diesen Teil der Insel auch noch besuchen.

 

Holy Island

dsc_4122-holy-islandHier haben wir abgemacht, per E-Mail und Sms. Unsere Freunde waren fast 5 Wochen in Schottland unterwegs und jetzt, auf der Rückfahrt nach Newcastle, zur Fähre, wollen wir uns wiedersehen! Das letzte Mal haben wir uns im Mai in Lissabon gesehen!
Die Tage mit Susanne und Rolf werden sehr gemütlich! Das Wetter macht auch recht gut mit, die Sonne scheint, es ist warm, nur der Wind,….
dsc_4129-holy-islandDer Camping auf der Farm „Barn at Beal“ liegt schön mit Aussicht auf Holy Island und das Meer. Die Stimmungen sind dementsprechend schön und der eine Sonnenuntergang unvergesslich.
dsc_4140-holy-island dsc_4147-holy-island dsc_4150-holy-islanddsc_4159-holy-islandWir wandern an einem Tag hinüber zur Insel, bei Ebbe ist das möglich, wandern in den Dünen und dem Meer entlang. Wir sehen eine junge Robbe, die gestrandet ist, und lesen später, dass Mütter ihre Jungen manchmal hierher bringen um Futter zu suchen. Bei der Rückkehr liegt sie dann auf der anderen Seite des Kanals und abends, als die Flut da ist, ist sie weg. Leider wurde hier nicht so sehr an die Wanderer gedacht und der Verkehr zieht stellenweise in Kolonnen an uns vorbei, auf dem schmalen, nassen und mit grossen Pfützen versehenen Strässchen. (Klar, auch die Autofahrer wollen nicht bis zur nächsten Ebbe warten)
dsc_4130-holy-island dsc_4138-holy-island dsc_4133-holy-island dsc_4139-holy-islandEin anderer Ausflug geht zum Burg Bamburgh, die imposant am Meer liegt, das Dorf ist ziemlich touristisch orientiert, ein Restaurant nach dem anderen, aber wir finden dann doch einen Metzger und einen kleinen Laden, wo wir unsere Einkäufe fürs Abendessen machen können.
dsc_4180-holy-island dsc_4167-holy-island dsc_4183-holy-island dsc_4184-holy-islandDas Kochen wird dann zu einer ziemlichen Herausforderung, da der Wind auffrischt und mit seinen Böen genau auf die Flammen des Kochers zielt, die dementsprechend geschützt werden müssen. Zum Glück können wir hinter der Hecke, geschützt vom Wind, unser Essen und die Aussicht geniessen!
dsc_4128-holy-island dsc_4162-holy-islandDie beiden fahren nun weiter, zurück in die Schweiz, wir fahren auch weiter, wollen auch die fähre nehmen, aber einige Tage später. Die Route „Coast and Castles“, die wir seit Berwick fahren, ist sehr schön und wir wollen diese gemütlich zu Ende bringen.

Wieder an die Ostküste

dsc_4061-scottish-borderIn Jedburgh kaufen wir ein und Martin besorgt sich in einer Apotheke ein Mittel gegen den Husten, der ihn immer mehr plagt. Er erhält ein Kombi Mittel, das „Day and Night Nurse“ heisst. Mal schauen, ob das etwas nützt.
Abends schlüpft er früh in den Schlafsack, es fröstelt ihn, sicher hat er Fieber! Aber er nimmt noch die erste Tablette, und schon nach etwa einer halben Stunde hustet er nicht mehr, kann die ganze Nacht gut schlafen –und ich auch! Am Morgen sind wir beide erstaunt wie das Zeug gewirkt hat! Etwas unheimlich diese Medizin, aber er nimmt sie weiter und es geht ihm sehr gut.
dsc_4055-scottish-border img_1141-scottish-border  img_0455-scottish-borderimg_0457-scottish-borderWir haben die Strecke schon etwas kürzer geplant, Wetter und Gesunheitsbedingt, in Melrose ist unsere nächste Station. Das ist auch ein hübsches Städtchen, unser Platz ist gerade neben der Schule, wo wir am Morgen die Ankunft der Kinder miterleben können. Ich bin also gar nicht eifersüchtig auf die Lehrerinnen, eher das Gegenteil. dsc_4065-scottish-border
dsc_4067-scottish-border img_1145-scottish-borderMartins Gesundheit ist wieder hergestellt, obschon er nicht die ganze Ration genommen hat, ist er wieder voll auf dem Damm.
dsc_4112-scottish-borderDie Fahrt an die Küste wird zur RÜCKENWINDFAHRT! Den ganzen Tag fahren wir in schnellem Tempo ostwärts bis Berwick-upon-Tweed.
Hier dürfen wir zum Glück auf einem Plastik-Häuschen-Camping unser Zelt unter einem grossen Baum aufstellen. Einen Abend haben wir sogar Gesellschaft von einem Radfahrer, der von Newcastle her gekommen ist.dsc_4081-scottish-border
dsc_4087-scottish-border dsc_4090-scottish-border dsc_4102-scottish-border
Beim Spaziergang durch die Stadt, geraten wir in ein Beer und Foodfestival, wo aber auch gesungen und getanzt wird. Diese Frauen beeindrucken uns sehr!
dsc_4105-scottish-borderDer Küste entlang fahren wir nun südwärts, Richtung Newcastle. Der kleine Abstecher nach Schottland hat uns sehr gefallen, hat uns aber auch gezeigt, dass wir vielleicht auf eine andere Art und Weise in diesem Land reisen müssen. Die Schwankungen des Wetters haben das Ihre dazu beigetragen. Wir haben langsam genug von diesem Wetter, haben das Gefühl, dass wir gar keinen Sommer hatten. Deshalb jetzt Südwärts. Aber mit Unterbrüchen, ein besonderes Treffen steht uns nämlich bevor!dsc_4108-scottish-borderdsc_4116-scottish-border

Scottish Border

dsc_4036-ivDer letzte Ort vor der Grenze ist Kielder, sehr bekannt bei allen Engländern, weil es an einem grossen Stausee liegt, der grösste Wald von England hier steht, ein Observatorium für Sterne befindet sich in den Hügeln, das Besichtigungen und nächtliche Führungen anbietet und ein beliebtes Ferien- und Ausflugsziel ist. Es hat aber nur noch etwa 100 Bewohner, da die Lebensgrundlage der Bewohner, die Holzfäller-Industrie, heute maschinell betrieben wird. Wo es früher noch hunderte von Männern benötigte, ist heute eine einzige Maschine, die von einem Mann bedient wird, viel effizienter.
In Kielder selber hat es ein paar bewohnte und viele Ferien-Häuser, einen einfachen Camping, einen Pub (bei dem die Campierer und Ausflügler essen) , ein ehemaliges Jagdschloss von einem Lord, das man besichtigen könnte, und einen kleinen Laden, der aber am Dienstagnachmittag geschlossen hat , als wir ankommen. Kein Telefonnetz auf dem Camping, dafür aber ein bisschen Wifi, über das wir kurz Kontakt mit unseren Kindern haben.
img_1134-ivDer Campingwart erklärt uns das mit den Midges, den Mücken von Schottland,  so genau, dass wir uns ein Headnet kaufen. Man weiss nie, wann der Wind zusammenbricht! und die Midges uns attackieren! (der Wind bricht ja nie zusammen, seit wir in England sind windet es immer, wir wissen schon bald nicht mehr wie es ist ohne Wind!)
Hier lernen wir einen Schotten kennen, der schon als Kind hierhergekommen ist, und immer wieder kommt, zum Velofahren und Mountainbiken, da es ihm hier so gut gefällt. Beim Abendessen sitzen wir zusammen, Martin hilft ihm mit seinem Kocher, der heute gerade nicht so richtig brennen will, und er offeriert uns ein Bier, das wir gerne annehmen zu unserem Reserve-Menu, das wir heute kochen müssen, weil der Laden geschlossen war. In der Nacht beginnt es zu regnen, wiri frühstücken wieder einmal im Zelt, und packen unser Zeug alles im Zelt ein, bis der Regen  aufhört und wir auch die nasse Haut einpacken können.
Martin hüstelt seit zwei Tagen, die kalte Nacht hat ihm nicht so gut getan. Auch mich kratzt der Hals, aber der nächste Tag ist sehr anstrengend, ich kille mit meiner Hitze alle Käfer, die mich krank machen wollen. Es ist eine fast ganztägige Fahrt ohne durch ein Dorf zu kommen, wir sind in Schottland angekommen! „Scottish Borders“ heisst es hier, es hat viele Hügel, Wald und natürlich viele Schafe!  Sicher mehr als Menschen! Einfach wunderschön, trotz Wind, ab und zu Regen und Hügel aufwärts.
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Jetzt geht es Richtung schottische Grenze

dsc_3959-ivWir verlassen Stockton-on-Tee Richtung Durham, ein Städtchen, das  wir besuchen wollen. Die Fahrt geht flott, es ist wieder ein ungenutztes Eisenbahntrassee, es ist sogar eine Internationale Route von Eurovelo, Nr.12, aber es hat kaum andere Velofahrer.
Durham ist ein schönes Städtchen, mit einer riesigen Kathedrale und einem Schloss daneben, mitten auf dem Hügel! In die Stadt zu kommen gestaltet sich etwas schwierig, da eine Umleitung besteht, der Weg entlang dem Ufer des Flusses ist geschlossen. Später erfahren wir, dass der Fluss den Weg weggespült hat und schon seit zwei Jahren nicht mehr genutzt werden kann. Und man noch keine Lösung gefunden hat!
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Wir müssen deshalb einer Hauptstrasse entlang, dann über eine Fussgängerbrücke und ziemlich steil den Hügel runter, um ins Zentrum zu kommen. Hier machen wir eine Pause, suchen die Tourist-Information auf, um Infos über die Campings in der Umgebung zu erhalten. (wir wollen nicht vor geschlossenen Türen stehen!). Wir erhalten  drei Adressen mit Telefonnummer, und Martin ruft an. Der am Fluss unten, beim Ruderclub, nur ein Kilometer entfernt, nimmt keine Zelte! Der Zweite, etwa 3Kilometer ausserhalb der Stadt ist ein Caravan-Club, der will 27,5 Pfund! Sie seien halt ein Club, deshalb! Keine Reduktionen für ein kleines Zelt! Der Dritte ist 7Kilometer auf einer A-Strasse, Strawberry-Hill-Campsite, wirklich ein stotziger Hill, und hier bezahlen wir dann auch 22 Pfund! Der mann dort kann mir eine Erklärung geben, warum viele Zeltplätze keine Zelte nehmen: Da seien Gruppen von jungen Männern gekommen, Freitagabend, mit viel Bier im Gepäck, die hätten dann die anderen Gäste gestört und vielleicht auch noch Toiletten verunreinigt oder sogar zerstört. Das mag ja eine Erklärung sein,  aber deshalb gerade alle Zeltler abzuweisen? Nun, hier sind zwei Familien auf dem Feld und wir stören einander gar nicht!
dsc_3970-ivdsc_3979-ivAm nächsten Tag ist wunderbares Sommerwetter. Noch einmal müssen wir durch das Städtchen, vom Zentrum aus ist die Route auch geschlossen, aber ein Mann von der Stadtverwaltung hilft uns. Er zeigt mir den Weg auf meiner Offline-Karte. Etwas später, wir sind gerade an einer Kreuzung, steht er wieder da, mit dem Auto, zeigt uns, wie es weiter geht! dsc_3960-ivWir sind voll erfreut über solche Hilfe, und er begleitet uns, bis er mit dem Auto nicht mehr weiter kann, da es auf dem Eisenbahntrassee weitergeht! Hier ist die Fahrt  ist schön und gemütlich, langsam geht’s hinauf, und dann, wie überall, auf der anderen Seite wieder in ein anderes Tal hinunter.
Unterwegs haben wir viele Gespräche: mit einem jungem Velofahrer aus Durham, mit einem Polizist, der in voller Montur zu Fuss auf dem Weg unterwegs ist und mit einem älterem Velofahrer, der ein „Gap-Year“ macht, welches schon 4,5 Jahre dauert!!!
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Auf dem nächsten Zeltplatz stehen wir neben einer rauschenden Kläranlage, die ein Düftchen hat, das man lieber ignoriert! Hier hatten wir eigentlich reserviert für die Bank-Holidays, aber da wir nun schon am Mittwoch da sind, „cancele“ ich diese Reservation, das die Dame nicht so gerne hat, da ich ja keine Vorauszahlung gemacht habe und sie jetzt Geld verliert. Dass sie andere Leute abweisen musste, glaube ich kaum, unser Platz ist ja wirklich nicht gerade das Gelbe vom Ei, wo man drei Ferientage verbringen möchte!!!
dsc_4001-ivDann geht es wieder im Regen weiter, in der Nacht hat es angefangen. Wir fahren jetzt auf der „Hadrians Cycle-route“, da könnten wir gerade wieder an die Westküste radeln. Aber wir wollen nicht so weit, am Nachmittag wird es noch viel mehr regnen und wieder Wind haben.
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Diese Bilder zeigen wieder einmal, wie wir unsere Fotos machen. Seit einiger Zeit haben wir das Problem, dass unser Stativ nicht mehr funktioniert. Wir müssen nun immer einen Pfosten oder etwas suchen, wo wir die Kamera draufstellen können.
Wir campieren in einem alten Park, auch der hier ist eigentlich nur für Caravan-Club Mitglieder, mit all diesen Plastik-Häuschen, es hat aber eine Wiese wo man Zelte aufstellen kann, einem schönem Unterstand mit Bänken und Tischen, die ganz praktisch sind wenn es regnet. Das Huhn besucht uns ab und zu, erhofft sich wohl ein Körnchen von uns.
dsc_3996-iv dsc_3994-ivWir erreichen  am Freitag Bellingham wo wir die Bank Holidays verbringen wollen, ruhig und friedlich, mit einigen  Läden und ohne Strassenkampf.
img_1124-iv dsc_4007-ivimg_1131-ivAm Samstag findet hier ein Country Show Festival statt, deshalb ist der Camping voller Zelte und Leute. Aber wir haben auch reserviert und dürfen uns niederlassen. Ich freue mich auf die paar Tage mit Schreiben, Lesen, Schlafen und  Leuten reden. Leider hat es wieder mal kein Wifi, und kaum Telefonnetz, also keine Möglichkeiten, Mails oder einige Whatsapps mit Fotos zu versenden.
Es ist nämlich so: Hier in England gibt es ausser dem 3G, das Datentransporte übers Telefonnetz erlaubt und  wunderbar funktioniert, so etwas, das sich GPRS nennt, furchtbar langsam ist und kaum ein Whatsapp verschicken geschweige denn die Wetter-App oder eine Webseite öffnen kann!
dsc_4008-ivWir richten uns gemütlich ein und bald haben wir zwei Nachbarn, Wanderer, die unterwegs sind auf dem Pennine-Walk. Der Abend wird lang und immer kälter, der Himmel ist ganz klar und wir sehen alle Sterne! Sogar die Milchstrasse! In der Nacht muss ich mir zuerst den Faserpelz um den Bauch wickeln und dann auch noch in die Daunenjacke schlüpfen, es ist sooo kalt! Auch Martin muss die Daunenjacke in den Schlafsack packen, da er kalte Füsse hat.
dsc_4017-ivDer nächste Tag ist schön, wir spazieren durch das Dorf und dann zur Wiese auf welcher das Country-Festival stattfindet. Da sind Stände wo man essen kaufen kann und als wir ankommen ist gerade grosse Pause. Da wir kein Programm erhalten was denn noch geboten wird, verzichten wir, die 14 Pfund Eintritt zu bezahlen, und spazieren wieder zurück.
In der Nacht beginnt es stark zu regnen, und wir beeilen uns nicht, aufzustehen. Aber wir staunen nicht schlecht als wir dann endlich den Reissverschluss öffnen: mindestens die Hälfte der Zelte sind weg! Und vorne bei den Abfallkübeln stapeln sich Berge von Zeltstoffen. Da haben es sich einige ganz einfach gemacht und ihr nasses Zelt einfach entsorgt! Anstatt es nach Hause zu nehmen und zu trocknen. Man kann ja nächstes Jahr wieder ein neues Zelt kaufen im Supermarkt, das ist einfacher! Diese Mentalität gefällt uns gar nicht. Martin spricht noch mit dem Bauern und der bestätigt, dass es jedes Jahr am Festival solche Leute gibt, die alle ihre Sachen da lassen. Er könne da nichts machen. Auf einem anderen Camping habe ich gelesen: Please don’t leave your tent and camping material at the campsite, und ich dachte das sei ein Witz!
dsc_4013-ivAm Nachmittag wird es wärmer, aber der Himmel wird nicht mehr so klar und kalt wie in der ersten Nacht. Da sind wir aber froh, es ist schliesslich noch August!
dsc_4030-ivAm Montag verlassen die Letzten Zelte den Platz, und wir sind mit einem Wanderer die einzigen, die noch eine Nacht hier bleiben.

Von York nach Stockton-on-Tee

dsc_3922-nach-stocktonEs ist zwar schlechtes Wetter angesagt: Regen und viel Wind, mit Böen bis 80km/h, wir werden trotzdem weiterfahren, es kommt erst am Mittag, sagen die Wettervorhersagen! Naja, so gegen 11Uhr hat es uns dann erreicht und giesst und nieselt. Wir versuchen, in Thirsk, einem kleinen Städtchen, ein B&B zu ergattern. Tropfnass stehen wir in der Tourist-Information und erhalten grosse Hilfe: Die Dame telefoniert herum, bis sie für uns ein Haus gefunden hat! Wir sind sehr froh für ihre Hilfe, da hier ein Meeting einer Kirche stattfindet und über 1000 Besucher erwartet werden, die natürlich alle irgendwo unterkommen müssen, entsprechend ist die Stadt ausgebucht.
Wir fahren also zum Longacre B&B, wo wir freundlich empfangen werden. Die Velos dürfen in die Schreinerei hinter dem Haus ins Trockene und wir haben ein hübsches Zimmer mit Blick auf den Garten. Eine Früchteschale, ein Wasserkocher, Tee, Kaffee und sogar zwei Stück Kuchen warten da auf uns! Wir machen uns einen Tee und wärmen uns auf! Abends lädt uns die Frau ein, sie zu begleiten, da sie ihre Vögel füttern wird. Sie hat ein Waisenhaus für Uhus und Eulen, erzählt uns die Geschichten der Tiere und warum sie bei ihr sind. Daneben hat sie auch noch eine Menge Hühner allerlei Arten, grosse und kleine und in allen Farben. Die etwa 300 Eier  pro Tag verkauft sie vor der Haustüre, und hat nie welche übrig! Es gibt auch welche zum Frühstück, für die Gäste, die das möchten. (Martin verzichtet!)
Abends gehen wir essen, da wir ja nicht so gut im Zimmer kochen können, und ich suche uns ein indisches Restaurant aus, was sich als eine sehr gute Wahl entpuppt! Wir speisen gediegen, und, um nicht in Trübsal zu verfallen wegen der Kosten, erklären wir das Essen zu meinem etwas verspäteten Geburtstagsessen! (wir überschreiten natürlich unser Budget massiv, wenn wir in einem B&B logieren und gediegen essen gehen!)
Das Unwetter am nächsten Tag lassen wir im Zimmer vorüberziehen, wir haben ja Tee und Früchte, und ich kann fast den ganzen Tag am Blog arbeiten, und einen Beitrag aufschalten.
Wenn es regnet haben wir beide wenig Lust Fotos zu machen, deshalb haben wir hier kaum Bildmaterial, ausser den Uhus und Eulen.
dsc_3907-ach-dieser-regen dsc_3913-ach-dieser-regendsc_3910-ach-dieser-regen Und am Tag der Weiterfahrt ist es wieder viel schöner!
dsc_3921-ach-dieser-regenVon Ian, unserem Nachbarn haben wir erfahren, dass seine Schwester ganz in der Nähe wohnt und per Whatsapp können wir zusammen Kontakt aufnehmen. Wir machen ab, uns bei einem Camping zu treffen, aber am Abend vorher finde ich mit Internet und Google-Maps heraus, dass es den gar nicht mehr gibt! Aber es hat einen anderen, und den steuern wir an. Als wir ankommen, sagt die Frau, dass sie eigentlich keine Zelte nehmen, aber da wir mit den Fahrrädern da sind und kein anderer Zeltplatz weit und breit ist, dürften wir da bleiben, sie werde uns etwas verstecken, damit wir nicht gesehen werden. Ob 10Pfund recht seien? Wir verstehen nicht, warum diese Plätze keine Zelte mehr nehmen! Ist es wegen Lizenzen? Oder zu wenig lukrativ? Oder????
Wir stellen unser Zelt hinter dem Springbrunnen und den hohen Gräsern auf, und freuen uns auf das Treffen mit Judith und Eric.
Wir gehen zusammen essen in Yarms, einem Städtchen, das ein wenig aussieht wie Aarberg, und richtig viele Beizlis hat. Es ist schön, die beiden kennen zu lernen, als sie vor ein paar Jahren in der Schweiz waren hatten wir uns nur kurz gesehen.
Sie laden uns ein, den nächsten Tag mit Ihnen zu verbringen, gemeinsam an die Küste zu fahren, „fish and chips“ zu essen, und dann bei Ihnen zu übernachten. Gerne nehmen wir ihre Einladung an. Zu unserer Schande müssen wir gestehen, dass wir dieses typisch englische „Gericht“ noch nie gegessen haben, seit wir in England sind!
Am nächsten Morgen regnet es wieder in Strömen, aber gegen 10 Uhr soll es aufhören. Wir packen alles im Zelt zusammen, und wirklich, kurz vor 10 hört es auf. Wir packen das Zelt zusammen und fahren los, es sind nur 14km bis zu ihrem Haus. Aber dann beginnt es wieder, wir werden nass, die ausgewählte Strecke ist nicht schlecht, aber auch nicht so gut, eine kleine Strasse auf der Karte ist unterdessen zu einem Autobahn-Zubringer geworden, mit entsprechend viel Verkehr. Aber dann geht es durch den Wald, wo wir uns wieder durch nette Hindernisse zwängen müssen. Eine Frau, die mit ihren zwei kleinen Töchtern unterwegs ist, meint nur, ja das verstehe niemand, und dann werde erwartet, dass mehr Leute Fahrrad fahren!
dsc_3925-ach-dieser-regenTropfnass kommen wir  bei Judith und Eric an, breiten die nassen Sachen  in der Garage aus, beim Kaffee führen wir unsere Gespräche weiter. Als es aufhört zu regnen, fahren wir  an die Küste nach Saltburn, als wir ankommen ist es schon sommerlich warm, der Himmel wird immer blauer und die Sonne scheint sommerlich warm!
Die „fish and chips“ schmecken wundervoll!  Wir fahren mit einem uralten Bähnli nach oben, das mit Wassertanks funktioniert. (dem oberen Bähnli wird das Wasser in den Tank gegossen bis es schwerer ist als das untere, und so wieder runter fährt.)
dsc_3935-nach-stockton dsc_3938-blog dsc_3941-nach-stockton dsc_3943-nach-stocktonJudith will uns dann noch die Transporter-Bridge zeigen, eigentlich eine Gondel, die auch schon sehr lange hier steht. Ein Wahrzeichen für die Stahlindustrie, die mal hier war.dsc_3948-besuch-in-stockton
Der Garten von Judith und Eric  gefällt mir sehr gut , er ist ein bisschen wild, hat lauschige Plätzchen und Pergolas, einfach sehr schön! Wir sitzen lange beim Ofen im Garten in dem Eric ein Feuer angezündet hat. Später brätelt er Lammchops, die wir mit Salat und einem Glas Wein geniessen!
dsc_3954-nach-stockton dsc_3958-nach-stocktonHerzlichen Dank für Eure Gastfreundschaft! Wir freuen uns, wenn wir uns irgendwo wieder einmal treffen! Ich nehme viele Inspirationen mit für ein windstilles Plätzchen im Garten, wo man abends am Feuer sitzen kann, auch wenn  ein kalter Wind bläst!img_1139-nach-stockton

 

Way of Roses

DSC_3807 Way of RosesNun fahren wir in die Yorkshire Dales, da hat es Schafe, viele, viele Schafe! Und es hat wieder Hügel! Wir fahren auf der Cycleroute „Way of Roses“, Richtung Osten. Und die nächsten Tage mit Rückenwind, das Wetter, das heisst der Wind,  kommt fast immer von Westen!DSC_3793 Way of Roses DSC_3804 Way of RosesJa das Wetter, das ist einfach nicht zu übersehen, das nimmt uns immer wieder in seine Zangen. Da nützt es nichts, dass die Wettervorhersage 50% ansagt und wir haben dann 100% den ganzen Tag!
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Nach 50km sind wir tropfnass bis auf die Haut, kommen an bei einer Jugendherberge, wo ich mir eigentlich ein Zimmer erhoffe. Aber da laufen die Vorbereitungen für ein internationales Amateur Höhlenforscher-Meeting, das am nächsten Tag beginnt, es werden 1000Besucher, Übernachter erwartet. Wir dürfen gerade noch zelten, aber bitte morgen um 10Uhr weg sein! Nein, sie sind nicht unfreundlich, aber ich wäre gern ein wenig in einem Zimmer drin gewesen! Wir können uns in einem Trockenraum umziehen und alle nassen Sachen aufhängen, es hat sogar ein warmes Gebläse. Fast eine Stunde bleiben wir in diesem Raum, wärmen uns auf und dann hat der Regen sogar aufgehört und wir können unsere Routine starten. Ich schlafe in dieser Nacht sehr gut! So gut dass wir zum ersten Mal verschlafen! Erst um 8.40Uhr erwacht Martin. Aber wir haben unser Zelt weggeräumt, als der Traktor mit Zaun -Elementen kommt.
DSC_3803 Way of RosesDer Way of Roses stellt sich als sehr anspruchsvoll heraus, schon jetzt bin ich dran, andere, weniger steile Wege und Strassen zu suchen. Es ist eher ein Weg für Fahrer ohne Gepäck, sicher nicht für uns. Ich mag einfach nicht auf der Hälfte des Weges das Velo schieben, weil es einfach zu steil ist. Wir fahren nach Settle, hier ist der Camping auch ausgebucht, weil ja eben das Meeting ist. Wir versuchen es mit einer kurzfristigen telefonischen Anfrage bei einem Warmshower Gastgeber und haben sehr viel Glück, er ist zuhause,  und wir dürfen eine Nacht in seinem Haus verbringen. (Es regnet ja noch immer!) Da wir so kurzfristig kommen, dürfen wir einfach seine Küche benützen und kochen, seine Partnerin macht eine Pizza. So sitzen wir zusammen und tauschen unsere Erfahrungen aus. Die beiden sind Tandem-Tourenfahrer, solche haben wir ja auch schon kennengelernt.
Ich habe eine schöne Route gefunden, die weniger steile Abschnitte hat, aber doch auch anstrengend ist, aber wenigstens muss ich das Velo nicht stossen. Ab und zu regnet es nicht und in einem kleinen Städtchen gönnen wir uns ein zweites, englisches Frühstück.
DSC_3800 Way of Roses  IMG_1087 IVDie Stimmungen sind wunderbar, sicher ist da auch das feuchte Wetter schuld dran.
IMG_0443 IV  DSC_3825 1Jeder Tag wird wieder etwas besser, blauer Himmel zeigt sich, die Fahrt ist einfach wunderschön! Bis dann aber bei einer Steigung plötzlich der Pneu von Martins Hinterrad einen komischen Laut von sich gibt: pfffff. Das heisst, Schlauch wechseln, oder vielleicht sogar den Pneu? DSC_3819 Way of RosesDSC_3829 Way of RosesDer ist nämlich schon ziemlich abgefahren, und wirklich, da ist ein grosser Riss im Pneu, der Gummi ist am zerbröseln. Also muss der Ersatz-Pneu ans Rad. (Martin hat ihn nun die ganze Zeit mitgeschleppt, damit wir dann in dem Moment einen haben, wenn wir ihn brauchen!) Wir haben ein gutes Plätzchen zum Arbeiten, und der Reifen ist recht schnell gewechselt und aufgepumpt. Weiter geht’s dann durch diese prächtige Landschaft. Bei der nächsten Tankstelle werden wir noch auf die 4,5Bar, die er braucht, nachpumpen, und unsere Benzin-Flasche zum Kochen nachfüllen.
IMG_1102 IVIn Pateley Bridge sind wir ganz nahe der Stadt, haben gutes Wifi, das wir ausgiebig nützen, und geniessen einen wunderschönen, warmen 15. August! IMG_1103 IV
Die Weiterfahrt zu den Brimham Rocks geht dann auch wieder recht steil hoch, aber, auch mit 56Jahren auf dem Buckel kann ich noch den Stutz hochfahren, wenn er nicht zu steil wird!
Die Aussicht ist wundervoll, die Felsen eindrücklich.IMG_1112 Way of RosesDSC_3851 Way of Roses
DSC_3820 Way of RosesBeim Campen haben wir das Gefühl in einem Zoo für Rinder gelandet zu sein! Wir werden ausgiebig besichtigt. Im Pub im Dorf essen wir Fisch, ein gutes Essen. Und spazieren in der Kühle des Abends,  aber bei schön blauem Himmel, zurück. Am Morgen sind die Zaungäste wieder da, es ist lustig wie neugierig diese Tiere sind.DSC_3874 Way of Roses
Etwas ausserhalb von York erwarten uns Rob und seine Frau Ann, Warmshower Gastgeber. Wir finden sogar das Haus im Dorf, obschon es keine Nummer hat!
Wieder werden wir verwöhnt, ein schönes Zimmer mit eigenem Bad! Ich schlafe gerne im Zelt auf meinem Mätteli, aber so ein komfortables, gutes Bett ist halt doch nicht zu verachten! Ihr Garten ist sehr gross, sie haben viel Gemüse, von dem wir abends, frisch geerntet, essen! Der Sommer ist da, wir können abends draussen im Garten sitzen.
DSC_3884 Way of Roses1 Auf dem Weg nach York fahren wir über die Pferderennbahn, am Nachmittag können wir nicht mehr hier durch, da ein Rennen stattfindet! Die Besucher sind schon am Eintrudeln, und wir staunen: Die Damen sind sehr festlich gekleidet, haben sogar ein Federhütchen im Haar, die Herren im Anzug! Es sei Ladys Day, erfahren wir später in der Stadt. In einem Veloshop möchte Martin einen neuen Ersatz-Pneu kaufen. Aber sie haben die gesuchte Marke nicht.
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Auch seine Sonnenbrille wird bald einmal zerbröseln, ein Bügel ist schon abgebrochen, aber es gefällt ihm keine. So fahren wir in die Stadt, schlendern durch die Fussgängerzone zum Minster, dann über ein Stück der City Wall, trinken Kaffee in einer  umfunktionierten Kirche. Wir versuchen beide, irgendetwas in der Stadt wieder zu erkennen, da wir doch mit den Kindern auch mal da waren, vor vielleicht 12 Jahren. Es ist vergebene Liebesmühe, das Programm damals waren die Wikinger, und die besuchen wir heute nicht.
DSC_3887 Way of RosesIn “Bettys” esse man sehr gut, hat uns jemand erklärt, aber als wir die Schlange sehen, vergeht uns der Hunger grad! Da wollen ja alle gut essen gehen! Bettys ist ein Traditionshaus, gegründet vor über 100 Jahren von einem Schweizer! Deshalb könnte man auch Älpler-Magronen und Rösti bestellen. Naja, das essen wir dann wieder in der Schweiz! DSC_3901 Way of RosesDie Rückkehr aus der Stadt dem Fluss entlang, dann über kleine Strässchen bis zur A 59, die wir über 2 Kilometer fahren müssen. Diese A-Strassen sind extrem stressig für uns zum Fahren, es hat so viel und so schnellen Verkehr, da kann man sich gar nicht sicher fühlen! Aber wir haben wieder Glück, Es hat einen Mähdrescher auf der Gegenfahrbahn und auf unserer einen Traktor, die Autos müssen langsam fahren und wir verschwinden so schnell wie möglich wieder auf dem nächsten Nebensträsschen! Geschafft!
DSC_3883 Way of RosesAb York verlassen wir den Way of Roses und richten uns wieder gegen Norden, nicht der Küste entlang, sondern durch das Tal des Flusses York, westlich des Yorkshire-Moor Naturparks.