Griechenland wir kommen!

Nach einem ziemlich windigen und sehr kühlen Abend auf dem Camping, (nicht die Nacht ist das Problem) brechen wir das Zelt ab und reisen weiter. Ziel ist Bari! Nein, die Fähre! Griechenland! Patras! die Sonne! die Wärme!
Drei Tage brauchen wir, um Bari zu erreichen, übernachtet wird in heizbaren und mit Küche ausgestatteten Studios oder Wohnungen, die kleinen Städtchen gefallen uns schon, aber jetzt wird nicht gebummelt, es will Ende Woche wieder viel Regen und Kälte, es ist merklich kühler geworden und wir ziehen uns wärmer an. In Bari checken wir in einem Hostel ein, wir ergattern das einzige Doppelzimmer! Zwar nicht sehr schwierig im Dezember, es sei sehr ruhig, sagt uns Dave, der das Hostel führt.

Im Keller ist das Schlafzimmer
Die Einfahrt nach Bari gestaltet sich dann aber etwas schwieriger, es hat einen Fluss, und über den gehts nur per Autobahn oder Nationalstrasse!

In den paar Tagen hier gehen wir nochmals Italienisch essen, ganz unspektakulär und extrem günstig in einem Self-Service Restaurant, wir erhalten drei verschiedene Arten von Orecchiette, viel Gemüse, von Hand geschnittene Pommes Frites, es ist sehr lecker. Obwohl wir für italienische Verhältnisse sehr früh sind (etwa halb acht Uhr), füllt sich das Lokal, vor allem alleinstehende Männer, die direkt vom Büro hier essen gehen, einige kennen sich, es ist eine lockere Atmosphäre, wir werden eingeführt und beraten, und dann geduldet, selten verirrt sich wahrscheinlich ein Tourist hierher.
Tickets für die Fähre kaufen wir zwei Tage zum Voraus, im Hafen schauen wir alles genau an, damit ich weiss, wo wir hinmüssen, denn im Internet habe ich ziemliche Horrorgeschichten über den Hafen von Bari gelesen, dass das Personal gar nicht hilfsbereit ist, man von A nach B geschickt wird, lange Warte-Schlangen beim Check-in,….
Aber jetzt, in dieser Jahreszeit hat es kaum Leute, ja klar die Lastwagenfahrer, von denen hat es eine Menge, die stehen da im Hafen herum, rauchen draussen und palavern drinnen, da bekomme ich das irrationale Gefühl, dass ich dann vielleicht die einzige Frau auf dem ganzen Schiff bin???
Klar, es geht bei uns ja auch darum, die Kosten nicht in die Höhe zu treiben, und eine Überfahrt kostet 65€, Eine Kabine aber gerade mal 100€ mehr! Pro Person!
Aber, ich bin nicht mehr zwanzig und muss nicht irgendwo auf einer Bank auf Deck in den Schlafsack gehüllt übernachten, oder? Ich werde ja nächstes Jahr auch schon sechzig, da darf man sich doch eine Kabine leisten, oder?! (könnt ihr euch vorstellen, wie Martin und ich da in der Tickethalle, voller Lastwagenfahrer, diskutieren?)
Lieber Martin, du hast dich gefügt, mir das Abenteuer einer Nacht ohne Kabine auf dem Schiff erspart, Herz-Dank!

Es weihnachtet sehr!

Und so können wir am 6. Dezember, dem Samichlaus-Tag,  Bari verlassen, die Stadt des heiligen St. Nikolaus, wo heute Abend Prozessionen mit Musik stattfinden, die beleuchtete Nikolaus-Kirche viele Menschen anzieht, die ganze Stadt in Feststimmung ist.

Und wir fahren zum Hafen, es ist 18 Uhr, dunkle Nacht, wir holen unsere Tickets, keine Schlange beim Check-in, aber wieder viele Lastwagenfahrer, und dann dürfen wir mit den Lastwagen zum Schiff fahren…Wir haben unsere Leuchtwesten an, ich bin froh um unser helles Licht am Velo vorne und hinten, die Lastwagen sind einfach alle sooo gross! Aber es wird vorsichtig gefahren, die Angestellten wissen, dass wir kommen, wir werden durchgewunken, an den Lastwagen vorbei, dort, diese Rampe hinauf und dann in diese Ecke, wo noch niemand ist.

Geschafft! wir sind drin!

Wir befestigen die Velos, nehmen die zwei Taschen, die wir brauchen und überlassen die Velos ihrem Schicksal, ein Schiffsarbeiter hat sie noch mit zwei Seilen gut festgezurrt, die fahren nirgendwo hin!
Wir werden oben auf dem Schiff in unsere Kabine geführt, alles ist ruhig, noch…
Wir gehen auf Deck die Aussicht „geniessen“! Da können wir zuschauen, wie diese Lastwagenfahrer ihre 40Tönner parkieren, zum Teil rückwärts die Rampe hochfahren, mit Anhänger, vollgeladen, die Männer auf dem Schiff wissen genau, welcher wohin muss, es hört nicht auf, die Decks des Schiffes füllen sich, Zentimeter-genau wird einer nach dem anderen parkiert, sodass kaum ein Mann zwischendurch gehen kann. Und da kommen zwei Lastwagen langsam hochgefahren, es  stellt mir fast den Atem ab: vollgepackt mit lebenden, jungen Kühen oder Stieren, zweistöckig! Diese armen Viecher! Mir tut das Herz weh für diese Kreaturen. Was müssen die für eine Angst aushalten! Wir können nicht sehen, was für eine Nationalität die Lastwagen haben, es hatte schon albanische und griechische und türkische. Wo diese Tier wohl hingekarrt werden?
Diese Bilder werde ich nicht so schnell vergessen und sie werden mir helfen, weniger Fleisch zu essen!

Bei der Ankunft in Patras sehen wir, wie nahe die Lastwagen an unsere Velos parkiert wurden!

Genau in diesem Moment kommen zwei junge Leute mit Rucksäcken auf Deck, wir fragen nach dem wohin und woher, sie ist Schwedin, und war bis Venedig auch mit dem Velo unterwegs! Und er ist Schweizer, aha, was? sogar aus Burgdorf! Etwa im Alter, wie unsere Kinder, und wir tauschen nur kurz aus, dann wissen wir, dass er und Tom sich kennen! Zwar nicht von Burgdorf, aber sie waren zusammen im Militär! Schnell mache ich ein Foto und schicke es unserem Sohn, ach ist die Welt doch klein!
Als wir in das Schiff hineinkommen, wimmelt es nur so von jungen Leuten! In den Lounges räkeln sie sich und schwatzen, im Restaurant geht es hoch zu und her, und in den Gängen bei den Kabinen ist ein Kommen und Gehen, Lachen und Palavern. Das muss eine ganze Schule sein, die da einen Ausflug nach Italien gemacht hat und nun auf der Rückreise ist…

Von wegen einzige Frau auf dem Schiff!!!

Ich habe trotz dem Lärm der Schüler recht gut geschlafen. Die Schüler haben nämlich das Schiff in Igoumenitsa verlassen, das heisst sie mussten um sieben parat sein, Sieben Uhr griechische Zeit, also um sechs, heisst, etwa um fünf ging der Lärm los, Türen schlagen, Toilettenspülungen, Gelächter und Geschrei auf den Gängen, und dann der Stewart, der an die Türe klopfte und sich bei uns vergewissert, ob wir nach Patras fahren!!!! Dann wurde es aber wieder ruhiger. Wir wollten eigentlich frühstücken auf dem Schiff, aber die saftigen Preise lassen uns nur zu einem Kaffee und Croissant greifen. Wir haben ja auch noch ein paar Knabbereien in unseren Taschen. Als wir auf Deck kommen, sehen wir, dass das Deck fast leer ist, fast alle sind in Igoumenitsa schon raus, auch die Lastwagen mit den Kälbern sind nicht mehr da.

Die Fahrt geht ruhig und bei warmem und sonnigem Wetter durch die Inseln bis nach Patras, wo wir mit den restlichen Lastwagenfahrern (jetzt sind wir nur noch drei Frauen) zu den Fahrzeugen und dann an Land gehen. Die Velos packen und losgefahren, wir sind in Griechenland! Fast 700km weiter südlich als noch gestern! Schön!

Wir wollen etwas essen, das geht am besten mitten in der Stadt, in einem Beizli, wo wir bei Essen und Bier das Treiben beobachten können.

In Griechenland wird es schwieriger, bei Warmshower Gastgebern zu übernachten, da es fast keine hat! Auf dem ganzen Peloponnes hat es etwa 10 Menschen, die Velofahrern eine warme Dusche und eine Couch oder den Garten zum Zelten anbieten. Und keiner davon ist in Patras. Wir versuchen es bei Couchsurfing, leider etwas zu kurzfristig, und niemand kann uns aufnehmen. Aber eine Frau haben wir getroffen und ein Stündchen geplaudert mit ihr und ihren Kollegen und Kolleginnen. Sie haben einen  Markt für Kunsthandwerker organisiert, mit Live Musik und einer Performance Acro Yoga. Es gibt sie auch hier, die kleine alternative Szene!

Weihnachtsstimmung in Patras

Wir haben dann ein Hotel gebucht, etwas ausserhalb des Zentrums, dafür mit Meerblick! Ich kann sogar ein Stündchen auf dem Balkon sitzen, die Sonne und die Aussicht geniessen und richtig Ankommen!

unser Zimmer im Delfini, im 2. Stock, fast hinter dem Baum…

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