Schnee, Meer, Sonne

Morgens um 10 Uhr hält das Taxi vor unserm Haus, mit montiertem Veloständer auf dem Heck! Super! Ich habe mir schon Gedanken gemacht, wie die Velos wohl transportiert werden. Die Sonne scheint, blauer Himmel ist für die zwei nächsten Tage angesagt! Die ersten Kilometer denke ich noch, das hätten wir schon selber fahren können, wenn nicht mein Knie,…die Strasse windet sich durch das Tal hinauf, an einigen Orten stehen Autos, manchmal sehen wir die Kletterer in der Wand, meistens nicht. Hoch oben im Fels sehen wir das Häuser an die Wand geschmiegt, das ehemalige Frauenkloster Elona…die haben aber sehr abgeschieden gelebt!

So langsam wird es spürbar kühler im Auto, nach etwa 30 Minuten sehen wir den ersten Schnee am Wegrand liegen! Bald ist die Strasse mit Schnee und Eis bedeckt, der Fahrer fährt im Schritttempo! Als ihm ein Pickup entgegen kommt, hält er an, die beiden palavern miteinander, ich verstehe aus den Gesten, dass der andere unserem Chauffeur erklärt, wo es noch sehr eisig und rutschig sein wird, bis wir ins Dorf kommen. Es sind noch ein paar enge Kurven bis ins Dorf, die Strasse ist vielerorts im Schatten und dementsprechend schneebedeckt. Na das wird lustig für uns! Auf dem Dorfplatz hält er sichtlich erleichtert an, kaum sind wir ausgestiegen, steht ein Mann da und will wissen, was wir da wollen mit unseren Fahrrädern und unser Chauffeur sagt ihm, wo wir hin wollen. Er kommt dann zu uns und bedeutet uns, dass es viel Eis auf der Strasse hat und wir dann aufpassen sollten…in Griechisch und Zeichensprache!

Während wir unsere Velos beladen spricht Martin aus, was ich während der Fahrt gedacht habe. „Es war eine sehr gute Idee, diesen Transport zu machen!“ Zu steil die Strasse und viel zu lang, und in dieser Kälte. Ob in Kosmas dann eine Unterkunft offen gehabt hätte, wäre auch noch die Frage. Uns kommt das Dorf ziemlich ausgestorben vor!  Wir ziehen Regenjacke, Stirnband, Buff, und die dicken Handschuhe an und laufen los, damit wir warm werden. Es geht noch ein wenig aufwärts, Für die  Abfahrt ziehe ich dann noch die Daunenjacke an und wechsle die Schuhe,in den Klickschuhen bekomme ich oft eiskalte Füsse, wegen dem Metall in den Sohlen! Nun, die ersten paar Kilometer müssen wir immer wieder absteigen, und über die Eisflächen auf der Strasse balancieren. Mal überholt uns ein Jeep mit Schneepflug, der „rasiert“ den Strassenrand, sonst hat es nur vereinzelt Autos. Ein junger Mann fragt uns, ob es bis oben so weitergeht mit dem Eis, wir bejahen und geben noch den Rat slowly zu fahren, und schon gibt er Gas und die Räder drehen durch…

Wir geniessen die wunderschöne Aussicht! Dass wir wieder unterwegs sind, dass die Sonne so warm scheint, das Leben so schön ist! Und mein Knie überhaupt nicht mehr schmerzt! Den ganzen Tag scheint die Sonne, die Mittagspause verbringen wir in einem Olivenhain, (es hat fast nur Olivenhaine hier), wir hören die Pflücker in den Bäumen, Geräusche von Motorsägen und von Batterie getriebene Rechen oder Propeller, die an langen Stangen die Oliven in das Netz schütteln. Den ganzen Tag sehen wir die schneebedeckte Bergkette Taygetos, die wir im letzten März von der anderen Seite immer gesehen hatten, als wir in Petalidi ein Haus gehütet hatten.

Als wir in Skala einen Bummel durch die Stadt machen und in einen kleinen Laden einkaufen, kommt der Ladenbesitzer zu uns, fragt, von wo wir sind, ob uns Griechenland gefällt? Wir würden besser im Sommer hierherkommen, da sei es viel schöner, und sowieso, auf die Inseln sollten wir gehen, hier in Skala hat es ja nichts. Wir erwidern, dass uns Griechenland auch hier gefällt, wo es Nichts hat, und eben gerade in dieser Jahreszeit. Er wünscht uns schöne Ferien und als wir schon fast draussen sind, ruft er „wait, wait“, geht schnell zum Regal und schenkt Martin eine kleine Flasche Ouzo, der sei schon sehr alt und am besten mit dem Essen zusammen zu trinken! So viel Freundlichkeit berührt uns sehr!

Ein nächster Tag mit Sonne und Meer, lange Strände nur mit Eukalyptus und Olivenbäumen gesäumt, Buchten für uns ganz allein, Ruinen halb im Wasser, vielleicht ein Götterbad? Oder nur Becken einer alten Fischzucht?

Gythio, Gytheion, oder wie? Ein hübsches Städtchen in einer Bucht, ein bisschen belebt, Mittagspause! Und wir müssen einkaufen für drei Tage, der 6. Januar ist ein Feiertag und alle Läden sind geschlossen! Und ob in dem Dorf, wo wir übernachten werden, ein Restaurant offen hat, ist nicht so sicher, es ist Winter, kaum Gäste, Olivenernte, anderes zu tun!

Die Besitzer des Studios in Vathy sind sehr nette Leute. Wir erfahren viel über die Olivenbäume, die Ernte, die Qualitäten der verschiedenen Sorten, wir dürfen mithelfen, Oliven zu ernten, und wissen jetzt, wie wichtig es ist, die Oliven so schnell wie möglich in die Mühle zu bringen, weil sie mit jedem Tag an Qualität verlieren. Oder auch, dass es viel besser ist, sie in Jutesäcken (die man jedes Jahr wieder brauchen kann) zu transportieren anstatt in Plastiksäcken! Dass die regionale Regierung zweimal im Jahr Putzequipen schickt, um den Plastikabfall am Strassenrand aufzusammeln!

One Comment on “Schnee, Meer, Sonne

  1. Hoi zäme. Bin gerade am stöbern eurer Seite und hoffe, dass es euch gut geht. Wir sind in Kochi/Kerala und geniessen schon wieder eine Pause. Packen ist angesagt, das Indien Visa läuft aus und wir freuen uns auf ein neues Land. Indien war spannend, vor allem der Norden und Nepal waren grandios. Bis bald, alles liebe und gute, hertlichst, Bea und Pit http://www.bepitha.ch

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