Wiedersehen in Reus und Falset

dsc_0846-reus-und-falsetGanz unspektakulär reisen wir von St.Susanna nach Tarragona, inklusive Umsteigen in Barcelona-Sants. Hier sieht man ab und zu Radfahrer, auch auf dem Zug, die Züge sind einfach zu besteigen und wir werden nicht wie Ausserirdische bestaunt. Von Tarragona fahren noch ein paar Kilometer mit dem Velo, das tut gut, zuerst sind es zwar noch ziemlich stark befahrene Strassen, aber dann auf Caminos durch die Felder bis nach Reus.
Hier hat unser GPS noch nicht die aktuellen Caminos drauf, denn plötzlich endet der Weg an einem Zaun mit zweispurigen Gleisen hintendran – eine „neue“ Linie des Hochgeschwindigkeitszuges, die zwar schon vor 8 Jahren gebaut wurde, aber es fahren immer noch keine Züge….von der Brücke aus, die wir nach dem Umweg überqueren, sehen wir die tiefe Schneise, die solche Projekte in das Land graben!
Welche Freude unsere Freunde wieder zu sehen! Wir dürfen unsere Velos bei der Mutter von Gerardo in Reus parkieren, sie bekommen einen Komfort-Parking in einem Zimmer in der Wohnung mitten in der Stadt. Mele, die Mutter, freut sich sehr, uns kennenzulernen, und wir erhalten ein Zvieri, das unsere Mägen füllt, wir werden heute nichts mehr zu essen brauchen.
In Serra d’Almos angekommen, heizt Gerardo den Mandelschalen-Ofen ein, es ist doch ziemlich frisch in der guten Stube, etwa 13 Grad! Der Ofen ist aber genial, schnell wird es warm, ohne dass man viel machen muss. Die Schalen fallen so nach und nach aus dem Reservoir in die Glut, und heizen die Stube viele Stunden lang. Wir sitzen bis spät in die Nacht zusammen, erzählen einander von unseren Reisen und was sich verändert hat seit dem letzten Mal, als wir hier waren.
img_1736-reus-und-falset img_5867-reus-und-falsetAm nächsten Tag kommt Sandra mit ihrem Sohn und einem seiner Freunde zum Mittagessen. In Falset ist eine grosse Fiesta, und die Klasse der Jungs verkauft selbstgebackene Waren, um eine Klassenreise zu finanzieren. Die Jungs wollen bald wieder zurück und Sandra bringt sie schnell hinunter.
Zusammen mit einem Nachbarn, der auch einen Mandelschalen – Ofen hat, muss Gerardo Nachschub organisieren. Da diese Öfen sehr altmodisch und deshalb selten geworden sind, gibt es kaum noch Lieferungen in Säcken, so wie es sich die beiden vorstellen. Zum Organisieren der ganzen Sache gehen wir zu diesem Freund in der Gasse nebenan. Die Besprechung dauert, und wir sitzen alle gemütlich bei Augusto und Margarita, seiner Partnerin, in der warmen Stube. Irgendwann machen sie Tee, dann eine grosse Schüssel Salat und ein paar Thon-Sandwiches, es wird ziemlich nach Mitternacht, bis wir wieder in „unser“ Haus zurückkehren.
dsc_4648-reus-und-falsetDas Wetter hat umgeschlagen, dicke Wolken ziehen über den Himmel, es ist nicht mehr ganz so kalt wie in der vorderen Nacht. Am frühen Morgen zieht  dann noch ein richtiges Gewitter durch, es schüttet aus Kübeln und blitzt und donnert! Ja, auch das gibt es hier, schlechtes Wetter! Trotzdem besuchen wir ein Dorf, das während des spanischen Bürgerkrieges vollständig zerstört wurde. Wir sind in einer Gegend, wo 1938 schlimme Kämpfe stattfanden. Es ist sehr eindrücklich, das neue Dorf wurde neben dem alten, kaputten, aufgebaut, und so läuft man durch Häuserreihen, die zusammengestürzt sind, wie wenn es gestern gewesen wäre…nur ein riesiger Feigenbaum mitten in den Trümmern zeigt, dass es schon ein paar Jahre her sind. In der Kirche, auch diese zerbombt, ist eine Ausstellung mit Fotos aus der Zeit zu besichtigen.
dsc_4640-reus-und-falset dsc_4649-reus-und-falsetdsc_4647-reus-und-falsetNachdenklich und mit unseren Gedanken beschäftigt, fahren wir zurück. Es wird uns wieder einmal mehr bewusst, was für ein Riesenglück wir hatten, in einem so friedlichen Ort wie der Schweiz aufwachsen zu dürfen!
Später fahren wir nach Falset, wo wir die Fiesta besuchen und den Kindern an ihrem Stand eine Tasche voller Süssigkeiten abkaufen. Mit Sandra haben wir ein langes Gespräch über Coaching, Menschen und Musik, kochen einen Arroz und sitzen gemütlich zusammen, bis uns Gerardo abholt, der einen Freund besucht hat.
Am Montagmittag fahren wir mit ihm nach Reus, als er zur Arbeit fährt, wir wollen die Eltern von unserer Nachbarin in der Schweiz besuchen, was bestens klappt. Später am Nachmittag bummeln wir ein wenig durch die Stadt, die uns schon letztes Jahr sehr gut gefallen hat, und auch diesmal ist es einfach schön, durch diese Gassen zu schlendern und dem vorweihnachtlichen Treiben zuzusehen.
dsc_0781-reus-und-falsetUnterdessen wurden die Mandelschalen geliefert, nicht in Säcken, sondern 1500kg lose, ein riesiger Haufen liegt in der Gasse, zugedeckt mit einem Plastik.  Am nächsten Morgen schaufeln wir die Schalen in die vielen ausgedienten Kartoffel- und Futtersäcke, die sie über die Jahre zu diesem Zweck gesammelt haben. Es dauert ein paar kurzweilige Stunden, bis alle Säcke voll und in den Keller getragen sind und die Strasse wieder sauber ist. Augusto hat immer wieder Ideen, uns alle zum Lachen zu bringen!  Margarita hat währenddessen ein chinesisches Menu gekocht, das uns allen sehr mundet.
img_5871-reus-und-falset dsc_4653-reus-und-falset dsc_4656-reus-und-falset dsc_4657-reus-und-falset                                                                                   Los Championes!
Mit dem Zug fahren wir abends nach Reus, wo wir bei der Mutter von Gerardo übernachten dürfen, sie hat uns eine Tortilla gemacht, sie liebt es sehr, glaub ich, Gäste zu haben! Am nächsten Morgen stehen wir  früh auf, wir fahren ca. 20km bis nach Cambrils, da nehmen wir den Zug für unsere letzte Etappe nach Alicante! In Valencia müssen wir umsteigen, die 20Minuten Verspätung, die er in Cambrils noch hatte, sind in Valencia wieder eingeholt, da sind wir aber sehr froh. Mit den Fahrrädern können wir in Spanien nur ein paar wenige Züge benützen, und so hätten wir in Valencia übernachten, und erst am nächsten Morgen um 7.12 Uhr den nächsten Zug nehmen müssen!
Aber so erreichen wir Alicante schon um 17 Uhr, gerade kurz vor dem Eindunkeln. Was für ein Gefühl, es ist fast wie nach Hause kommen….
DSC_1272 IVWir fahren zu der Bar, wo unser Freund die Schlüssel von „unserer“ Wohnung deponiert hat, und als wir gerade auf der Kreuzung vor der Bar sind, hören wir ein lautes „Holaaaa!“ Fran und seine Frau Marie-Carmen wollten uns die Schlüssel persönlich überreichen! Es ist ein herzliches Wiedersehen! Nach einem Willkommenstrunk fahren wir zusammen zu der Wohnung, das Wasser wird aufgedreht, die Gasflaschen kontrolliert, ja, der Durchlauferhitzer funktioniert, und dann sind wir allein, in dieser fremden Wohnung, die schon älteren Datums ist. In der, seit dem Erbau des Wohnblocks in den 70-erJahren wahrscheinlich nie etwas renoviert wurde. Sie hat aber alles, was wir brauchen, und das ist das Wichtigste!

 

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