„Workaway“ in Spanien

dsc_4595-workaway In Argelès-sur-Mer haben wir für ein paar Tage ein Studio gemietet, um meinen Husten auszukurieren. Das Städtchen gefällt uns ausnehmend gut, mal abgesehen von der ganzen touristischen Region in Strandnähe, die aber momentan ziemlich ausgestorben ist.
Hier wird gelebt, es hat ein paar Cafés und Restaurants, verschiedene Läden in 2-3 Strassen, unser Studio ist fast im Zentrum, in einem kleinen ruhigen Gässchen. Die Velos nehmen wir mit hinauf, es hat genug Platz, obschon der Vermieter gesagt hat, die könnten wir dann nicht hinaufnehmen. Aber wir lassen unsere Vehikel doch nicht auf der Strasse, auch wenn sie ruhig und sicher ist, wie er sagt.
dsc_4582-workawayWir kochen uns ein feines Abendessen: ein Stück Fleisch aus der Metzgerei, Gemüse aus der Epicerie, einer Flasche Wein aus der Region aus der Weinhandlung nebendran und zum Dessert etwas Feines aus der Bäckerei! Ja essen kann ich, trotz dem blöden Husten!
workawayAm Samstag ist Markt in der Stadt, wir schlendern durch die Gassen und geniessen dieses Ambiente bei noch immer warmem Sonnenschein. An einigen Ständen stehen die Leute Schlange zum Einkaufen, beim Biobauern hat es die längste Kolonne! Der ist dann auch kurz nach 12 Uhr völlig leergekauft, es hat nur noch ein paar Salate, sonst sind die Kistchen leer! Auch wir haben uns ein paar wenige Sachen gekauft, Feigen, Peperoni, Zucchetti und frische Steinpilze, das gibt wieder ein leckeres Abendessen! Den Nachmittag verbringen wir gemütlich drinnen, es wird kalt, der Wind heult durch die Gassen, bevor ein heftiges Gewitter über die Stadt hinwegzieht. Ich bin schön froh, in einem Haus zu sein!
dsc_4581-workawayWir beschliessen etwas schweren Herzens, die nächste Etappe doch mit dem Zug zu machen, meiner Gesundheit zuliebe. Ein bisschen Anstrengung und ich huste mir nämlich fast die Lunge aus dem Leib. Und der Weg nach Spanien geht nun mal über die Pyrenäen, egal, welche Route wir nehmen.
Am Montag, 7. November, fahren wir diese Zug – Etappe nach Figueres, es ist ziemlich kalt, aber sehr sonnig. Der Zug ist neu, hat Platz für Fahrräder und wir können einfach hineinfahren, juhui! Ein Mann sagt uns, wir sollten diese Strecke doch mit dem Velo fahren, es sei die Schönste hier im Roussillon, ja, das nächste Mal werden wir, ganz sicher. In Port Bou müssen wir umsteigen, hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Der riesige Bahnhof ist fast menschenleer. Seit die Zugstrecke im Landesinnern neben der Autobahn in Betrieb genommen wurde, passiert hier kaum noch etwas. Aber doch, etwas passiert: Es stehen etwa 20 Personen herum und warten, da kommen zwei Polizisten in die Halle, schauen sich um und wollen dann von zwei Personen einen Ausweis sehen – nein, nicht von uns! Sonst hat man gar nichts gemerkt von einer Grenze. Ach ja, wir sind ja schon ein paar Tage in Catalunya, da hat es gar keine Grenzen…
img_1258-workaway img_1260-workawayDer Zug in Spanien ist auch etwas neuer, hat auch Plätze für Velos, das Perron ist aber alt, d.h. nicht an die neuen Züge angepasst und wir müssen sie eine Stufe hoch hineinhieven. In Figueres sind dann die Perrons auch neu, und wir fahren einfach raus. Hier übernachten wir in einem Hostel, das eine Küche hat, wo wir unser Essen kochen können. Aber jetzt, es ist gerade zwei Uhr, müssen wir unsere Ankunft in Spanien feiern: wir gehen in eine Tapas-Bar, bestellen ein Glas Wein und geniessen ein paar feine Tapas! Anschliessend wollen wir ins Dalí-Museum, aber es ist Montag und geschlossen. Na gut, dann machen wir halt eine Siesta, die Stadt ist so etwas von ausgestorben um vier Uhr nachmittags! Aber am Abend herrscht hier wieder Leben und wir spazieren ausgeruht noch etwas durch die Gassen der Stadt.
Der Besuch im Museum ist sehr interessant und erzählt uns viel von der Arbeit dieses speziellen Künstlers. Hier treffen wir auf viele Touristen, die wir gestern gar nicht bemerkt haben. Im Internet machen wir uns später noch ein bisschen schlauer über Dalí, über den wir vorher gar nicht so viel gewusst haben.
dsc_4584-workaway dsc_4585-workaway dsc_4591-workaway img_1264-workawayIch habe schon die nächste Übernachtung organisiert bei einem Warmshower Gastgeber in der Nähe von Girona, er schickt uns eine Route, wie wir auf schönen Strässchen bis zu ihm fahren können, das ist super!
Xavier Corominas Mainegre war früher einmal Bürgermeister in seiner Stadt und aktiv in vielen verschiedenen Gremien, die den Veloverkehr fördern. Er hat mitgeholfen, die erste Via Verde zu realisieren und natürlich auch viele andere Fahrradwege in der Region. Mit seiner Partnerin wird er im Januar mit den Fahrrädern nach Neuseeland fliegen, um eine lange Tour zu machen, die sie über Australien nach Indonesien führen soll, wenn alles so läuft, wie sie sich es vorstellen. Wir haben natürlich sehr viel zu diskutieren, nicht nur das Velo sondern auch die Politik von Spanien und Katalonien sind ein immer wiederkehrendes Thema. Es erstaunt uns immer wieder, was für spannende Leute wir kennenlernen! Es ist einfach super!
Die nächsten 2 Tage fahren wir eben diese erste Via Verde von Spanien und eine wunderschöne einsame Strasse der Küste entlang Richtung Barcelona, das Wetter ist uns sehr freundlich gesinnt.
Mein Husten nimmt so langsam ab und das Schwitzen tut mir gut, ich spüre richtig, wie es die Bakterien eine nach der anderen abtötet!
dsc_4597-workaway  dsc_4605-workawayIn den letzten Tagen haben wir uns etwas Neues ausgedacht und im Internet gesucht, bis wir „es“ gefunden haben: Workaway! Das ist doch etwas für Junge, Studenten, die das Reisen nicht aus der eigenen Tasche finanzieren können und deshalb immer wieder etwas arbeiten müssen, für das Bett und das Essen. Wir aber möchten so das Leben der Leute noch etwas besser kennenlernen und im Hinterkopf geistert die Idee herum, vielleicht einmal einen Winter lang im Süden ein Haus zu hüten, da wären solche Erfahrungen doch ganz gut!
Nach zwei Absagen finden wir ein Paar, das uns für zwei Wochen aufnehmen will, sie haben ein grosses Haus und einen grossen Garten, Grossmutter und Grossvater wohnen auch da, 2 Hunde und etwa 5 Katzen, da gibt es immer irgendetwas zu reparieren oder renovieren und der Garten braucht Pflege. Genau was wir wollten. Und wir haben ein Riesen-Glück, diese Leute sind sehr nett, die Arbeit passt zu uns und wir verstehen uns sehr schnell ganz gut. Am zweiten Tag nehmen sie uns mit zu Ihren Freunden zum Mittagessen, das ist nicht selbstverständlich für Spanier. An den ersten Tagen essen wir in unserem Häuschen, aber dann zusammen, das geht einfacher und wir haben viel  miteinander zu reden. Abends spielen wir Karten zusammen, was Martin hoch anzurechnen ist, er spielt sonst gar nicht gern Karten. Aber hier passt es einfach. Nach ein paar Tagen schlägt das Wetter um, ein starker Wind schüttelt die Bäume und heute Morgen hat uns um 6 Uhr ein Gewitter geweckt, so stark hat der Regen aufs Dach geprasselt.
Nach zwei Wochen haben wir nicht nur einen tiefen Einblick in eine spanische Familie bekommen, sondern auch gute Freunde gewonnen!
dsc_4615-workaway dsc_4610-workawayimg_1280-workaway img_1283-workawaydsc_4637-workawayNeben den 4-5 Stunden Arbeit haben wir Zeit, um viel zu lesen, den Blog zu schreiben (leider kann ich ihn nicht raufladen, da das Wifi sehr langsam ist und wir kaum eine Website aufmachen können, geschweige ein paar Fotos hochladen), und die nächsten Monate zu planen.
Wir wollen wieder in die Umgebung von Alicante, das Klima dort ist einfach sehr angenehm und wir freuen uns auf die kleinen Velo-Touren mit unseren Freunden dort. Einer hilft uns tatkräftig mit der Suche nach einer Wohnung und wird fündig!
Zuerst aber besuchen wir noch unsere Freunde Gerardo und Sandra in Falset! Es ist schon über ein Jahr her, als wir bei ihnen waren und sie im Januar bei uns in Alicante! Es kommt mir aber vor, als wäre es gerade erst gewesen. Und doch: Wir haben im letzten Jahr soooo viel erlebt, viel mehr als eigentlich möglich ist in einem Jahr. Wir freuen uns sehr, die beiden wieder zu sehen!dsc_0886-workaway

 

2 Comments on “„Workaway“ in Spanien

  1. Hallo Bärbel und Tino,

    zum Teil habe ich eure spannende Reise verfolgt, ihr seid ja auch ganz
    schön sportlich. Ich bin Bettina, Udo ist mein Schatz , und wir kennen uns von Vrone und Tedu. Besonders euer Trip in England, da wir England sehr lieben und oft mit unserem Camper bereisen.
    Ich wünsche euch eine schöne Weihnachtszeit, wo immer ihr jetzt auch seid. Gleich bekomme ich Besuch aus unserer alten Heimat bei Basel, denn wir wohnen seit ein paar Jahren in der schönen und sehenswerten Pfalz.
    Liebe Grüße und weiter so stramme Wadels von Bettina

    • Liebe Bettina und Udo!
      das freut uns sehr, dass ihr unsere Reise verfolgt. England war nicht gerade unser Favorit, wegen dem Wetter, aber es bleiben uns trotzdem viele schöne Erinnerungen. Auch wir wünschen euch eine schöne Weihnachtszeit und vielleicht sehen wir uns wieder einmal in der Süderen!
      Liebe Grüsse
      Barbara und Martin

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