Herault und Ardéche

Dem Herault entlang geht’s langsam in die Höhe, am Pont du Diable vorbei, an der Strasse werden Kanus vermietet, die Saison beginnt erst, es werden Häuschen aufgestellt, vereinzelt sieht man schon Kanus auf dem Fluss.
Wieder einmal geht es über einen Berg, es ist schon ziemlich warm, die Steigung ist aber erträglich und fahrbar. Ein paar Motorradfahrer überholen uns, was denken die wohl über uns?
Die Mittagspause machen wir an einer schönen Stelle direkt am Fluss, wo Kanufahrer ihre Bootstour beenden, das Gelände ist zugänglich bis zum Fluss, meistens geht es steil hinunter oder der Wald ist zu dicht! Das Flusstal ist beeindruckend, die Felsen hoch und steil, das Wasser hat sich Jahrhunderte lang seinen Weg durch diese Felsen gegraben. Und ringsum Wald, viel grüner Wald!
Irgendeinmal biegen wir ab, weg vom Fluss Herault, wieder etwas aufwärts, wo das Terrain bewirtschaftet wird mit Wein- und Ackerbau. Die Hitze flimmert auf dem Asphalt, wir sehen sogar Kühe zwischen den Büschen im hohen Gras, braun mit langen Hörnern. Auf einem kleinen Hügel in diesem Tal steht eine Kirche, ein paar Häuser ringsum, Montoulieu. Es hat ein Restaurant, das sich rühmt, Produkte des Tals in seinen Menus zu verarbeiten, ein Piscine und einen Camping municipal! Klein aber fein! Der Mann erfüllt uns freundlich den Wunsch nach einem Schattenplatz, wo sich unsere Körpertemperatur langsam normalisieren kann. Später, bei einem Glas Rosé, erfahren wir mehr über das Dorf, es lebt vom sanften Tourismus, Wandern, Radfahren, Menschen, die lieber Ruhe haben anstatt grossen Trubel, der anderswo zu finden ist.
Mit seiner Frau und dem Enkel besuchen wir die Chèvrerie, wo Ziegenkäse verkauft wird. Leider habe ich weder Handy noch Kamera mitgenommen, es hätte ein paar lustige Ziegenfotos gegeben! Der Bauernhof ist hochmodern eingerichtet und wir schauen zu, wie die Ziegen gemolken werden und können die Jungen streicheln. Der Enkel, etwa 8 Jahre alt, ist ganz entzückt über die Zutraulichkeit und Anhänglichkeit der Zicklein!
Und der ganz frische Ziegenkäse, das ist einfach eine Gourmandise! Aber auch die älteren Sorten sind sehr fein und auch gut haltbar, ohne Kühlschrank. Wer mich kennt, weiss, wie ich früher die Nase gerümpft habe, wenn es um Käse ging. Ich hätte selber nie gedacht, dass ich einmal so gerne Käse essen würde! Am Abend füllt sich die Terrasse des Restaurants und wir staunen, woher wohl all diese Leute  kommen? Ach ja, unsere Tagesetappen kann man im Auto in einer Stunde oder noch weniger zurücklegen. Da ist unsere Denkweise schon etwas beeinflusst nach so langer Zeit auf dem Fahrrad.
Früh am Morgen können wir unser bestelltes Brot abholen und fahren los. Wir wünschen dem Mann viel Erfolg mit seinem Camping, es ist eine kleine Oase, was sehr viel mit seiner Gegenwart zu tun hat!
Nach dem sanften Hochtal geht es dann wieder runter in ein tiefes Flusstal hinunter, und dann wieder hoch, durch Dörfer und mehr bewohntes Gebiet. Wir nähern uns Anduze, einem Touristenort am Fluss Gard, und Alés, der grössten Stadt in der Region. Wir fahren über Nebensträsschen, die manchmal zu Feldwegen werden, umfahren die Städte, die uns im Moment nicht interessieren und erreichen in der grössten Mittagshitze Cadet, wo am Fluss unter vielen alten Bäumen ein wunderschöner Camping steht. Wir dürfen uns am Fluss einen Platz suchen, und bezahlen einen Spezialtarif, 10.80€. Die Betreiber sind Holländer, die ganze Familie arbeitet im Betrieb mit, und die Gäste sind vorwiegend auch Holländer. Auch hier wird das Restaurant abends voll sein, wir sehen jetzt mehr jüngere Leute, die Ferien machen und nicht nur pensionierte Langzeit-Camper, die auf ihr Budget schauen, und kaum die Restaurants besuchen.
Es zieht uns Richtung Ardéche, diese Schlucht will ich sehen, soviel habe ich schon darüber gehört, und bin noch nie dagewesen. Martin ist mit einem Rumpeln und Grummeln in der Magengegend aufgewacht, das sich auch nach der eher explosiven Entleerung den ganzen Tag über nicht richtig beruhigt. Unterwegs trinkt er in einem Dorf eine Cola, das hilft ein bisschen. Wir besuchen einen kleinen Flohmarkt, wo auch ein paar alte Autos stehen, 2CV’s und andere, die uns später wieder überholen. Die Mittagspause machen wir unter einer alten Eiche mit Blick auf ein wunderschönes Mohnfeld, das Rot leuchtet so intensiv, dass man fast nicht glauben kann, dass so etwas die Natur hervorbringt!
Die letzte Etappe bis nach Vallon Pont d’Arc wird dann richtig lang, zuletzt noch ein steiler Aufstieg, wieder in der grössten Hitze (das habe ich gut geplant!). An einer Apotheke blinkt so eine Datum-, Zeit,- und Temperaturanzeige, da sehen wir, dass es 32° ist. Endlich kommen wir an, wir brauchen Schatten, viel Flüssigkeit und Martin unbedingt etwas Schlaf. Alle diese Wünsche können wir uns erfüllen. Wir bleiben einen Tag hier, damit sich Martins Magen auskurieren kann. Wir sind neben der Ardéche, am Nachmittag gehen wir baden. Es ist etwas enttäuschend, hier ist noch gar nichts von Schlucht zu sehen, dafür aber ein Kanuverleih neben dem anderen, etwa 10 Campings, und das Dorf voll mit Touristenshops und Cafés, und, wir staunen, vielen Touristen.
Wir wollen in die Schlucht, selber, keine geführte Kanu-Tour, also los: Einkaufen, bis die Taschen fast platzen, anrufen und uns anmelden, (das machen wir sonst nie), und am nächsten Tag los, zum Camping des Templiers. Den gibt es seit etwa 44 Jahren, hat eine Seilbahn fürs Gepäck (und unsere Velos, deshalb der Anruf). Die Leute müssen auf einem steilen Waldweg etwa 150 Höhenmeter hinunterlaufen. Da kommt kein Wohnwagen oder Autocaravan hin! Es ist ein Naturisten Platz, auch der Strand, schon immer gewesen. Der Begründer, Jaques, war ein richtiger Naturisten-Fundamentalist, der mit Frauen und Kindern hier gelebt, Bäume gepflanzt oder gerodet hat, die Seilbahn gebaut und legalisiert hat, und nach jedem Hochwasser immer wieder alles neu geputzt und repariert hat. Lange war der Platz illegal, aber Jaques hat nie aufgegeben, hat sich mit allen in der Gegend angelegt und der Platz war nur einmal für eine Saison geschlossen. Heute ist Jaques 89 Jahre alt, hat vor ein paar Jahren den Platz dem Bürgermeister von Vallon verkauft, dem gehört auch ein 4-Stern Camping in Vallon und ein Kanuverleih. Dieser wolle den Platz erhalten, er sei einzigartig in der Schlucht. Viele, die hierherkommen, sind Stammgäste, nehmen seit Jahren immer wieder die Mühe auf sich, alles hier herunterzutragen!
Und das nehmen wir auch auf uns, laden die Velos und das Gepäck  auf die Seilbahn und lassen alles runterfahren. Danach machen wir uns auf den Weg und steigen den Waldweg hinunter. Und begegnen hier dem Paradies! Viele Bäume und Büsche, kleine Hütten und Plätze, die gerade gross genug sind für ein Zelt. Man hört und sieht Vögel, Frösche, das Wasser und tagsüber die vielen Kanufahrer, die das „Abenteuer“ wagen, diesen Fluss runter zu paddeln. Wir verbringen ein paar wundervolle, ruhige, zeitlose, freie Tage, bis unsere Vorräte langsam zur Neige gehen. Wir hängen noch einen Tag an, es gefällt uns so gut,.
Links oben im Baum, das ist kein Vogelnest, da hat im Frühling das Hochwasser Holz angeschwemmt!Am Tag unserer Abreise ist es bewölkt, was uns gerade gelegen kommt, der Aufstieg von der Seilbahn bis zur Strasse ist sehr steil. „Au Revoir“ du schönes Plätzchen, hier würden wir gerne wieder einmal herkommen!

One Comment on “Herault und Ardéche

  1. Hallo zusammen,
    ich kann Eure Eindrücke zum Plage des Templier nur bestätigen.
    Es ist wirklich ein aussergewöhnlicher Ort. Ich war im Juli 2018 dort und habe jede Stunde dort genossen. Die beeindruckende Landschaft und die Ungezwungenheit auf dem Campingplatz lädt wirklich zum Wiederkommen ein. Wie gut das die vor einigen Jahren drohende Schließung u.a. wg. nur einem Rettungsweg offenbar vom Tisch sind. Danke für Euren Bericht.
    Herlziche Grüße
    Thomas

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